im nebenbeihören

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

irgendwie „schräg“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mit mit körper und druck angereichert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

keine klangüberstülpung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schnell und losgelöst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

durchaus nachvollziehbar

Die Kryna Palette im Hörraum

Die ersten Eindrücke von der Kryna Palette unter dem Linn Majik DSM Streaming-Wandler-Verstärker konnte ich mehr oder weniger im Nebenbeihören mit meiner kleinen Kette erhaschen. Oder sagen wir, beim Vorbeigehen und Ganz-woanders-Sitzen – selbst weit außerhalb des Sweet-Spots der hORNS Mummy konnte ich recht deutlich nachvollziehen, dass die Abbildung von Instrumenten und Stimmen prägnanter und etwas nach vorne (also zum Hörer hin) gezogen erschien und das gesamte Klangbild sauberer und entspannter, etwas weniger nervös im Hochton rüberkam. Da mir leider kaum Zeit blieb, um in diese Konstellation intensiver reinzuhören, verschiebt sich der Fokus dieses Tests auf die Betrachtung der Kryna Palette in meinem Hauptsystem.

Kryna Palette

Und da ich zwei der Audio Boards zur Verfügung habe, findet jeweils einer der japanischen Schönlinge seinen ersten Einsatzzweck unter den Norma Audio Revo PA 160 MR Mono-Endstufen. Wow, das sieht zu allererst mal richtig elegant aus in meinem Lovan-Rack der eher praxisorientierten Sorte! Einfach unterzuschieben sind die Teile auch (wenn man Hilfe hat), und dank der nicht vorhandenen Füßchen gleitet die Palette sehr fluffig über den Regalboden. Allerdings sollte man die Hilfe unbedingt auch beim wieder entfernen haben – der Japanlack ist nämlich ein Mimöschen und nur bedingt strapazierfähig.

Und dann setze ich mich hin, schalte die Musik ein und ... Bin fast ein wenig erschrocken, wie inhomogen und räumlich unausgewogen das plötzlich klingt, irgendwie „schräg“, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Das kann so aber nicht gewollt sein, oder?

Kryna Palette

Ich schaue noch mal genauer hin, und siehe da: Während ich auf der rechten Seite die Audioplan Antispike-Gerätefüße unter dem Monoblock geflissentlich entfernt habe, stehen sie auf der linken Seite noch zwischen Verstärker und Kryna Palette. Also schnell raus damit, neuer Versuch. Nochmals wow! Das gerade noch zerfahrene, unausgeglichene Klangbild rastet nach der „Fehlerbeseitigung“ ein wie eine Porsche-Handschaltung in den Händen von Mark Webber. Wo vorher geradezu nebulöse Klangschwaden waberten, entstehen nun außerordentlich dreidimensionale, fassbare Klangskulpturen. Ich hätte nie gedacht, dass ein so kleiner Fehler, eine leicht unterschiedliche Aufstellung der Monos (und das auf qualitativ hochwertigen Tuning-Komponenten noch dazu) einen solchen Unterschied machen könnte!


Endlich startklar
Okay, dann fangen wir gleich mal mit der Tonalität an. Hier geschieht nämlich etwas Ungewöhnliches, das ich so noch nicht erlebt habe. Normalerweise tun gewisse Accessoires ja immer etwas in einer eher generalistischen Weise: Wenn ein Tuning-Produkt mehr Bass bringt, dann hat das oft ein als „fetter“ empfundenes Klangbild zur Folge. Wenn ein Kabel eher den Hochton favorisiert oder den Bass reduziert, manifestiert sich das meist als schlankes, helles oder sogar auch bassarmes, blutleeres Klangbild. Bei der Kryna Palette aber scheint ein Effekt zutage zu treten, den ich am besten mit einem Beispiel erklären sollte.

Yello/toyDer klinisch-saubere, wahnsinnig schnelle, dynamische, hoch aufgelöste und präzise Sound auf dem aktuellen Yello-Album Toy (auf Amazon anhören) eignet sich dafür außerordentlich gut. Die Impulse, die das Album im Mittelton und Präsenzbereich bietet, klingen auf vielen Anlagen selbst hoher Güteklasse eben nach reinem Mittel- und Hochtonimpuls – auch meine gewiss nicht schlecht ausbalancierte Hauptkette macht da keinen Unterschied. Was nun aber mit den Kryna Paletten unter den Norma-Monos passiert, ist eine kleine Sensation: Mit genau dosierter Menge reichern die Basen diese Impulse und Transienten quasi mit Körper und Druck an, machen sie fast schon physisch spürbar und gleichzeitig in der Abbildung körperhafter greifbar. Das Besondere: Dies bedeutet NICHT, dass der Bassbereich insgesamt voller wird, denn hier gibt es keine tonale Erwärmung. Die teilweise ultratiefen Frequenzanteile des Albums gewinnen stattdessen an Kontur und Präzision, ohne an Druck zu verlieren. Sie setzen sich aber besser vom Rest des Klanggeschehens ab und lassen so dem Mittelton mehr Luft zur Entfaltung. Das äußert sich nicht nur in einer besseren Durchzeichnung ebendort und einem deutlich wahrnehmbar gesteigerten Reichtum an Klangfarben, sondern insbesondere in der schon erwähnten Steigerung der Plastizität von akustischen Geschehnissen auf der virtuellen Bühne. Die Stimmen der diversen Gastsängerinnen auf Toy treten deutlicher aus dem Mix heraus, machen einen kleinen Schritt auf den Hörer zu und scheinen physisch fassbar, ja, geradezu visuell wahrnehmbar zu sein. Haben Sie das auch, dass Klänge wie ein Film sein können ...?

Kryna Palette

Und: Speed! Alles passiert ansatzlos und schneller als ich das bisher gewöhnt war – und dass die Corona-Plasmahochtöner meiner Lansche in dieser Beziehung eh kaum zu schlagen sind, dürfte ja bekannt sein. Dennoch: So flott habe ich die elektronischen Spielereien der beiden Schweizer noch nie hören können! Übrigens war das immer mein größtes Problem mit einigen reinen Massekonzepten wie den schrotgefüllten Creaktiv-Basen (zumindest aus den späten 1990er Jahren): Bei aller Ruhe und Autorität, die solche Untersteller ins Klangbild brachten, litt immer ein wenig die Finesse, die Geschwindigkeit, der Schwung. Alles andere als das passiert mit der Kryna Palette.


Hochgeschwindigkeits-Formationsfliegen

Dabei zerreißt das Klangbild zu keinem Zeitpunkt, sondern bewahrt die räumlichen und zeitlichen Beziehungen der einzelnen Instrumente, Sounds und Stimmen. Nur, dass je nach Aufnahme der virtuelle Raum nun größer (klassische Orchesteraufnahme, John AdamsAbsolute Jest) oder aber kompakter und klarer abgegrenzt, fokussierter (Studio-Rockaufnahme, The Clutch – Elephant Rider) wird. Das ist erstaunlich dahingehend, dass keine generalisierende „Klangüberstülpung“ stattfindet, der Aufnahme also kein Charakter einer Komponente zu eigen gemacht wird, und zwar weder räumlich noch tonal. Stattdessen tritt mit den Kryna Audio Boards eine balancierende, dem jeweiligen Quellmaterial sozusagen gerecht werdende Wirkung zutage. Dass gleichzeitig die Loslösung aller Klangereignisse vom Lautsprecher in einem mir bisher nicht bekannten Maße zunimmt, ist da fast schon Nebensache.

Kryna Palette

Die Kryna Palette legt auch bei der schnöden Pflicht, also der „Abarbeitung“ des klassischen HiFi-Kanons noch eine Schippe drauf. Die Auflösung im Hochtonbereich auf Shamanimal vom Hadouk Trio (auf Amazon) legt mit den Blechen des Schlagzeugs und den Anblasgeräuschen der Blasinstrumente merklich zu – zugrunde liegt dem vor allem, dass sich mit der Palette als Basis ein hohes Maß an Ruhe und Sauberkeit einstellt. Details im Hadouk Triogesamten Frequenzbereich, die vorher von subtilen Artefakten verdeckt wurden, werden freigelegt. Dass man diese Mikroinformationen vorher nicht vermisst hat, mag ich nun gar nicht so recht glauben, denn sie integrieren sich so organisch ins Klangbild, dass ich mir das jeweilige Stück ohne sie gar nicht mehr vorstellen mag ... Die in dieser Beziehung ebenfalls hervorragende bFly PowerBase mit ihrer Erdungsplatte vermag die Kryna Palette zwar nicht wirklich zu toppen, doch die japanische Gerätebasis ermöglicht vergleichsweise prächtigere Klangfarben und eben diese unglaublich plastische Darstellung, was eine atmosphärische Verdichtung von Musik hervorruft, die sich emotional unmittelbar und intensiv auswirkt.


Fein prickelnd

Auch die Dynamik gewinnt mit dem japanischen Board, wobei sich die Kryna Palette insbesondere feindynamisch in Szene setzt. Das scheint mir ein kombinierter Effekt aus dem Zugewinn an Sauberkeit und einer (daraus resultierenden?) unmittelbareren, weil nicht von Artefakten umspielten Impuls-Reproduktion zu sein. Ansatzlos aus dem Nichts, aus dem akustischen Dunkel Grip Inc.heraus kommen nun selbst feinstgranulare Ereignisse wie das tausendfache Rascheln einer Ocean Drum – was sonst meist ein undefinierbares Rauschen bleibt. Die Percussion im Track „Myth or Man“ auf dem gerade neu von mir entdeckten Über-Metal-Album Nemesis der leider viel zu kurz existierenden Band Grip Inc. (auf Amazon) zum Beispiel konnte ich zuvor so unglaublich schnell und losgelöst von irdischer Schwere nicht hören – und das, wie gesagt, mit dieser schwer zu beschreibenden Substanz und Gewichtigkeit, als hätte jeder Schlag seine eigene Persönlichkeit und sein ganz bestimmtes Ziel ... Nein, es sind hier keine Drogen im Spiel – die Intensität des Gehörten nimmt wirklich zu! Das bedeutet nun aber nicht, dass grobdynamische Effekte an Dramatik verlören oder gar gesoftet werden, doch die Magie der Kryna liegt hier eher im Subtilen.


Doppeldecker

Nun hatte mich Danyel Rondthaler aber mit seiner Bemerkung neugierig gemacht, dass sich die klanglichen Effekte der Kryna Palette mit „Mehrstöckigkeit“ steigern lassen. Und da Plattenspieler gegenüber ihrem Untergrund eine sehr sensible Haltung einnehmen, ersetze ich die bFly BaseTwo Pro (in Größe M, 439 Euro) mit einer mehr als doppelt so teuren Kryna Palette. Während die Base Two vor allem einen kontrollierten, saubereren Bass und ein ruhigeres Klangbild mit größerer Gelassenheit gegenüber der reinen Regalaufstellung bewirkt, zeigt die Palette auch hier ihr Talent für eine nochmals bessere räumliche Differenzierung und Luftigkeit, ein Mehr an Klangfarben und eben jene keinesfalls artifizielle oder übertreibende Anreicherung von Tönen und Impulsen mit Körper und Präsenz.

Kryna Basen unter dem VPI Scout 2

Und jetzt mit zwei Palettchen unter meinem VPI Scout 2: In der Tat steigert die Dopplung alle relevanten Aspekte nochmals – nein, ich will jetzt nicht sagen um das Doppelte, aber doch nachvollziehbar. Die Abtastung scheint nun noch besser zu gelingen, was sich in einer verzerrungsfreieren Sibilantenwiedergabe und saubereren grobdynamischen Schandtaten (Bassschlag in Sara K.'s „Water Falls“ vom gleichnamigen Album) niederschlägt ...