gleich mal
„richtig röhre“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

überraschung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zum schwelgen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

hat ja gar nicht wehgetan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fester, doch jenseits von knochentrocken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

unterschiede

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gar nicht so einfach

Unison Triode 25 im Hörcheck

Ich gebe zu, seit meinem Besuch bei A.R.I.A. (Advanced Research In Audio), der Dachfirma, zu der neben Unison Research auch Opera gehört, brenne ich darauf, einmal in Ruhe einen der Verstärker zu hören, deren sorgfältige Entwicklung und Fertigung ich mir habe ansehen dürfen. Hübsch ist der Triode 25 ja – ein Händchen für Design ist Italienern ja anscheinend grundsätzlich zu eigen. Auch die Haptik stimmt. Also stecke ich die Röhren ein, schließe den Amp an, lasse ihn ein wenig warmlaufen und prüfe mithilfe des hübschen, zwischen den Röhren eingelassenen Rundinstruments die Bias-Einstellungen. Alles bestens.

Unison Triode 25

Nach langer Röhren-Abstinenz beschließe ich, den Hörtest gleich mit „richtig Röhre“ zu beginnen. Will sagen: Der Funktionsschalter steht auf „Triode“, der fürs Feedback auf „Low“. Angesichts der Tatsache, dass meine Valeur Audio Micropoint 4 SE eine Impedanz von 8 Ohm und einen Kennschalldruck von 86 dB/W/m haben, erwarte ich eigentlich, dass sich der Verstärker eher zurückhaltend benimmt. Mit einem derart souveränen Auftritt, wie ihn der Triode 25 quasi vom Stand weg hinlegt, habe ich jedenfalls definitiv nicht gerechnet. Obwohl ich den Lautstärkeregler kaum aufgedreht habe, legt er los, als hätte er über den restlichen Stellweg des Potis noch endlose Reserven in petto.

Die Fernbedienung des Triode 25 kann auch andere Unison-Geräte steuern
Die Fernbedienung des Triode 25 kann auch andere Unison-Geräte steuern


Und gleich erlebe ich die zweite Überraschung: Die räumliche Abbildung, die der Triode 25 im Zusammenspiel mit meinen Lautsprechern bietet, ist schlicht atemberaubend. Dazu muss ich sagen, dass das Thema Raumabbildung das einzige ist, bei dem ich mit meiner gewohnten Kombination aus Musical Fidelity AMS 35i und Valeur Micropoint 4 SE nicht 100%ig glücklich bin. Dee Dee Bridgewater, Live at Yoshi'sIrgendwie fällt es dieser Kombi schwer, die Mitte zu füllen und das Klangbild so richtig frei in den Raum zu stellen. Ich habe das bisher eher auf das Abstrahlverhalten der Lautsprecher in Verbindung mit meinem Hörraum zurückgeführt. Ständiges Experimentieren mit der Aufstellung und der Ausrichtung der Boxen gehört, seit ich die Valeur im Betrieb habe, zu meinen HiFi-Neurosen ... Und jetzt zeigt mir dieser kleine Röhrenverstärker, der nicht mal die Hälfte meines Class-A-Schwergewichts kostet, wie klar, selbstverständlich, dreidimensional und lückenlos raumfüllend es in meinem Hörraum klingen kann. Ich hätte nie gedacht, dass der Verstärker hier eine so gravierende Rolle spielt! Fasziniert höre ich mich quer durch meine Datenbank. Dee Dee Bridgewater, Live at Yoshi's (auf Amazon anhören), genieße ich seit langem mal wieder komplett von Anfang bis Ende. Ich bin sehr angetan davon, wie authentisch mich der Triode 25 in den legendären Yoshi's Jazz Club in Oakland versetzt. Wobei er mich recht nah vor das Podium setzt, sodass ich fast den Eindruck habe, zu Frau Bridgewater auf der Bühne „heraufhören“ zu müssen.

Madonna, MusicAber auch bei räumlichen Effekten aus dem Studio scheint der Triode 25 förmlich zu zaubern. Madonna setzt solche Effekte gerne ein, diverse Beispiele dafür finden sich auf dem Album Music (auf Amazon anhören). Im zweiten Titel, „Impressive Instant‟, gibt es einen sehr speziellen Synthesizer-Ton, der mehrmals fast peitschenartig von vorne rechts kommt und auf den Hörer zuzuschnellen scheint. Das Ganze inszeniert der italienische Röhrenverstärker so eindrücklich, dass ich fast meine, mich vor dem Ton wegducken zu müssen. Regelrecht magisch hören sich auch die Klangwelten auf 1/1 von Moritz von Oswald und Nils Petter Molvær (auf Amazon anhören) an. Wie 1/1 von Moritz von Oswald und Nils Petter Molværsich die Trompete Molværs aus den synthetischen Klanggeweben Oswalds herausschält – und das auch räumlich – eröffnet mir noch mal einen neuen Aspekt dieses Albums.

Auch die sonstigen klanglichen Eigenschaften des Triode 25 lassen mich schwelgen. Die Stimmwiedergabe etwa ist ein Traum. Auf der einen Seite softet er Vocals ein wenig ab, auf der anderen verleiht er ihnen eine Intensität und Ausdruckskraft, die Gänsehaut erzeugt. Das gilt auch für Instrumente, die er gerne in kräftigen Klangfarben abbildet. Nüchtern betrachtet fußt das Ganze sicher in einer dezenten Betonung der Mitten, verfeinert mit ein paar zusätzlichen harmonischen Obertönen. Die bekommen dem Hochton aber zweifelsohne gut, der sich nicht aufdrängt und dabei trotzdem ungemein frei und luftig wirkt. Und wäre der Bass ein Wein: Ich würde ihn eher als „feinherb‟ denn als trocken bezeichnen wollen. Er geht leicht in Richtung „weich & satt‟ und passt damit ganz wunderbar in das insgesamt üppig-kräftige Klangbild, mit dem der italienische Verstärker einen schlicht verzaubern kann.

Blood von Lianne La HavasZwei Wochen schwelge ich im Trioden-Rausch und habe so was von überhaupt kein Bedürfnis, die Betriebsart zu wechseln, dass ich fast ein schlechtes Gewissen bekomme. Hey, das Ding steht hier, damit ich einen Artikel drüber schreibe und dazu alle Funktionen ausprobiere! Das Album Blood von Lianne La Havas (auf Amazon anhören) schafft es dann aber doch, dass ich freiwillig in den Pentoden-Modus wechsele. Die Bässe von „Unstoppable‟ klingen nämlich doch schon sehr nach 1980er Jahre Disco. Hier habe ich das Bedürfnis nach mehr Kontrolle in den unteren Lagen. Um sicherzugehen, schalte ich auch gleich noch auf die höhere Gegenkopplung um. Die Bässe in dem Stück, und auch in einigen anderen des Albums, sind recht fett – irgendwann ist es des Guten dann zu viel.

Mit dem Triode 25 im Hörraum
Der Unison Triode 25 im Hörraum

Und fast möchte ich sagen „hat ja gar nicht wehgetan‟. Denn die wunderbare Raumabbildung des Unison Triode 25 bleibt auch im Pentoden-Betrieb und mit 5 dB Gegenkopplung weitgehend erhalten. Ich habe zwar den Eindruck, dass das Klanggeschehen ein klein wenig von mir wegrückt und sich damit weniger nah vor mir ausbreitet, dafür gibt es etwas mehr Luft zwischen den einzelnen Akteuren, die damit auch eine schärfere Kontur gewinnen. Alles nicht weltbewegend, aber hörbar. Das Wichtigste – die geschlossene räumliche Mitte und das vollkommene Losgelöst-Sein von den Lautsprechern – bleibt erhalten.

Die Rückseite des Triode 25
Die Rückseite des Unison Triode 25

Ansonsten weicht der wohlig-üppige Klangcharakter einer merklich konkret-definierteren Spielweise. Um den Vergleich zu haben, höre ich mich in Teilen durch mein vorangegangenes Hörprogramm. Dee Dee Bridgewaters Stimme klingt jetzt einen Hauch rauer – was nüchtern betrachtet auch richtiger ist. Ganz sooo geschmeidig, wie der Unison das im Trioden-Modus hat glauben machen wollen, singt sich die Dame nämlich dann doch nicht durch die Tonlagen. Auch der Spaß im Bass bleibt, ändert aber seine Qualität. Untenrum geht es nicht mehr ganz so satt zu. Dafür gibt der Triode 25 nun beispielsweise die einzeln gezupften Seiten des Kontrabasses in „Slow Boat to China‟ klarer voneinander abgegrenzt wieder und zeigt auf, dass hier jeder „Anschlag‟ einen eigenen Charakter hat. „Knochentrocken‟ agiert der Unison natürlich noch immer nicht, spielt aber auf einem Level, den ihm kaum ein Transistor-Anhänger ankreiden würde. Mein Musical Fidelity beispielsweise klingt auch nicht trockener, schafft es allerdings, tiefe Töne noch differenzierter darzustellen – was mir aber angesichts seines mehr als doppelten Preises auch geboten erscheint.

Triode 25

Bei Madonna fällt mir vor allem auf, dass der Unison das Mehr an Energie, die ihm im Pentoden-Modus zur Verfügung steht, nutzt, um Ordnung zu schaffen. Besonders im Mittenband, das sich im Vergleich zum Trioden-Betrieb etwas zurücknimmt, sortiert er die Töne und Geräusche der vergleichsweise dichten Klangcollagen auf Music deutlicher auseinander. So wirken besonders die etwas ruppigen Arrangements, etwa „Runaway Lover‟ oder „Paradise‟, nicht mehr ganz so eingängig, dafür tritt die Komplexität des Klanggeschehens stärker in den Vordergrund. Vereinfachend könnte man sagen, dass das Ganze intellektueller rüberkommt, während der Trioden-Modus eher den Bauch anspricht. Das Auflösungsvermögen ist jetzt auf jeden Fall höher, wobei ich das vorher nicht bemängelt hätte.

Moritz von Oswald und Nils Petter Molvær zeigen mir dann noch eindrücklich, dass auch der Hochton seinen Charakter dezent verändert. Er wirkt präsenter und nicht mehr ganz so luftig, doch gerade die Obertöne von Molværs zum Teil recht scharf gespielter Trompete kommen deshalb realistischer, metallischer rüber. Insgesamt wirken die Arrangements des Albums intensiver, konzentrierter – und saugen einen dafür nicht mehr ganz so tief in die üppigen Klangwelten ein.

Den Röhren-Bestückungsplan hat man dem Unison auch noch mal auf die hintere Abdeckhaube gedruckt
Den Röhren-Bestückungsplan hat man dem Unison auch noch mal auf die hintere Abdeckhaube gedruckt


Gar nicht so einfach, einen Verstärker, der an sich schon zwei verschiedene Klangcharaktere bietet, im Umfeld der Wettbewerber einzuordnen. Zumal der Unison ja auch noch die Kombinationen Triode/hohe Gegenkopplung und Pentode/niedrige Gegenkopplung bietet, die ich natürlich auch ausprobiere. Alle Aspekte noch mal an Klangbeispielen durchzudeklinieren, erscheint mir hier allerdings nicht sinnvoll.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass der Unison Triode 25 in der Betriebsart Triode mit hoher Gegenkopplung tonal Triode bleibt, während er sich einer etwas höheren Konturenschärfe und einer klareren Definition des Klangbildes befleißigt. Vom Klangcharakter würde ich hier aus der Erinnerung heraus eine Ähnlichkeit zum T.A.C. V-88 sehen. Wobei der deutlich teurere T.A.C. in der Summe seiner Eigenschaften doch noch auf einem höheren Gesamtniveau spielt. Geschenkt. Im Pentoden-Modus mit geringer Gegenkopplung würde ich ihn in die Nähe eines Jadis Orchestra stellen. Der in der gleichen Preisklasse wie der Unison liegende Franzose zeigt wie der Unison in dieser Betriebsart tonal eine gute Balance, konzentriert sich aber nicht so auf Details als vielmehr auf den „musikalischen Zusammenhang‟. Weniger Auflösung, mehr Swing, könnte man sagen. Wenn es um Neutralität und Präzision geht, findet der Unison selbst in der Betriebsart Pentode/hohe Gegenkopplung in einem Octave V40 sicherlich seinen Meister. Aber a) ist der etwas teurer und b) gilt er manchen eh als Röhrenverstärker für Leute, die eigentlich Transistoren mögen.