furios

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ganzheitlich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

vorsichtig druckvoll

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

knurrig-trocken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

auge in auge

Klang: Perreaux Audiant 80i

marillionAls ob der Perreaux Audiant 80i mir diese Vorahnung gleich bestätigen muss, baut er im ersten Titel des Hördurchlaufes, „Gaza“ (Album: Sounds That Can´t Be Made) von Marillion ein derart massives Klanggebirge auf, dass es mich regelrecht in den Sessel drückt. Vor allem im letzten Drittel des über 17 Minuten langen Stückes kulminiert das musikalische Geschehen zu einem furiosen Finale, das sowohl der Technik als auch dem Zuhörer Nehmerqualitäten abverlangt.

Schicht um Schicht bauen sich die Töne vor dem Hörplatz auf, dabei alle Frequenzbereiche überstreichend, und scheinen sich regelrecht aus der Tiefe der virtuellen Bühne - die riesig wirkt - zu einem großen Ganzen zu vereinen.

Hier besteht akute Gefahr, dass dieses aufgetürmte Gebilde in nichts als einem schrecklich lauten, undefinierbaren Brei mündet. Oft genug habe ich es, leider, so erlebt. Dabei kann es so interessant sein. Etwa, wenn eine Komponente tiefe Einblicke in jede dieser „Frequenzscheibchen“ gewährt und detailliert herausarbeitet, welcher Musiker mit welchem Instrument eigentlich welchem Melodiebogen – oder überhaupt irgendeinem? – folgt. Dabei ist es natürlich nötig, dass der Gesamteindruck nicht zerfasert, Einzelheiten – und mögen sie auch noch so spannend zu verfolgen sein – nicht um ihrer selbst Willen beleuchtet werden.

Eine Gratwanderung also. Die der Perreaux Audiant 80i sicher beherrscht. Sogar etwas überzeugender als mein zum Vergleich stets mitlaufender Symphonic Line RG 9 MK 4. Die häufig recht episch geratenen Kompositionen der britischen Prog-Rocker strotzen doch selbst in Bombastpassagen wie dem Finale von „Gaza“ vor ungemein vielen kleinen Details, die den Flair dieser Musik ausmachen. Inmitten des Instrumentalgewitters kann man immer wie zufällig eingestreut anmutende Soli oder Melodieläufe entdecken, die nicht ganz so gut zur Geltung kommen, wenn ein Verstärker an dieser Stelle zu offensichtlich mit seinen Muskeln spielt. So läuft er Gefahr, manche dieser klanglichen Nuancen im kraftvollen Gesamtbild untergehen zu lassen. Wie der Symphonic Line.

Nicht, dass Letzterer sich eine wirkliche Blöße gäbe, was mich auch enttäuscht hätte. Unser Neuseeländer - obschon ebenfalls souverän druckvoll auftretend - „tastet“ sich im Vergleich zum RG 9 fast ein wenig vorsichtig an dieses Gebirge aus Klängen heran, versucht dabei aber, es in seinen Feinheiten deutlicher zu erfassen. Er „modelliert“ mehr, wenn Sie nachvollziehen können, was ich damit meine, kann sich feindynamisch besser kontrollieren als der Duisburger. Und das finde ich eingedenk eines Preisunterschiedes von knapp 2.000 Euro, der beide Amps trennt, durchaus beachtlich.

Nach unten abgegrenzt, kann ein mir derzeit als Leihgabe zur Verfügung stehender „m3i“ von Musical Fidelity in der von mir hier beleuchteten Songpassage nicht mithalten. Der in seiner Klasse (um 1.200 Euro) als äußerst musikalisch und dynamisch aufspielendes Talent bekannte Brite neigt dazu, die Endsequenz von „Gaza“ zwar spektakulär und groß, aber im Vergleich viel zu wenig detailliert abzubilden. Das bei solchen Stücken aus meiner Sicht unabdingbare Talent, aus einer fast unübersichtlichen Gemengelage Einzelereignisse – und dann auch nuanciert – herauszuarbeiten, geht ihm ab. Aber wir wollen fair bleiben. Hier redet man dann eben doch über einen Klassenunterschied.

resitance dBassmäßig hat der Perreaux Audiant 80i eine knurrig-trockene und rabenschwarze Kelleretage zu bieten, die etwa bei „You Were There“ von Resistance D - einer DJ-Kombo aus den frühen 2000er-Jahren - mit abgrundtiefen Sequenzen und einem hart definierten Dancebeat aus den Lautsprechern kommt. Die Nachdrücklichkeit, mit der das geschieht, macht dabei unmissverständlich klar, dass der flache Neuseeländer Reserven hat, die das gute Verhältnis zu meinen Nachbarn nachhaltig beschädigen können.

beethovenAuch die großen Kesselpauken in Beethovens „Symphonie Nr.1 in C Op. 21 (Menuetto Allegro molto e vivace)“, die Herbert von Karajan mit seinen Berliner Philharmonikern einspielte, kommen mit Nachdruck und platzen regelrecht brutal in den üppigen Konzertsaal. So soll es sein. Klingen diese über meinen Symphonic Line noch etwas voluminöser und - ja – noch „paukiger“, so ist das ein Anstandsabstand, der dem im Vergleich teureren Verstärker zuzugestehen ist. Grobdynamisch stehen sich beide Auge in Auge gegenüber.