Test: Standlautsprecher ZU Druid mk4

Street Credibility

ZU Druid mk4

Juli 2007 / Ralph Werner

Versenkt man sich ein wenig in die Materie "Lautsprecherbau", dann wundert es einen fast schon, dass überhaupt passable Modelle auf dem Markt sind. Ein ständiges Hin- und Herringen mit den Elementen scheint das zu sein, optimiere ich den einen Parameter, handele ich mir am anderen Ende Scherereien ein.

Mache ich beispielsweise die Membran schön stabil und steif, wird sie schwer und also langsam, reduziere ich aber die Masse, fängt das Ding an zu schwingen, wann und wo es nicht soll. Her also mit den Hightech-Materialien, die leicht und steif sind; wenn die aber mal keinen Hang zum Klingeln entwickeln, mancher hält die Resonanz von Papier für gutmütiger. Legen wir doch Motor und Membran gleich zusammen (Elektrostat) und erzeugen so Schnelligkeit und gleichmäßigen Antrieb. Das funktioniert hervorragend - solange die Wellenlänge nicht zu groß wird und die Membran zum taumeln bringt, oder aber zu klein und der Output gebündelt wird. Allzu viel Dynamikumfang sollte man dabei auch nicht erwarten, da wären dann Hörner schon besser. Hinreichend große aber bitte und vor allem gut gemachte, sonst kriecht der Bass hinterher oder es klingt wie in der Disko. Es gibt schon ganz gute Modelle für 20.000 €. Kleiner Tipp: Wenn Sie demnächst mal wieder vor so einem 2qm-Gebilde stehen, fragen Sie den Händler mal nach seiner Meinung zur Punktschallquelle. Physik sucks.

Einen Lautsprecher zu bauen ist ein zähes Ringen mit den elektro-akustischen Gesetzen - seltsam daher, dass manche Entwicklung immer komplizierter wird. Man sollte doch meinen, durch bewusste Vereinfachung ließe sich die Komplexität und damit der Aufwand reduzieren - etwas, was im Ergebnis eine bessere Performance für denselben Preis bedeuten könnte.

Vielleicht ist es aber auch einfacher, fünf verschiedene Chassis auf dem Weltmarkt zu kaufen, das Frequenzweichenprogramm laufen zu lassen, alles in ein Gehäuse zu packen und dem Marketing den Auftrag zu geben, möglichst kompliziert klingende Satzbrocken zu gebären. Der Konsument versteht nichts mehr, traut sich das aber nicht zuzugeben und zahlt - fürs Image, um das Gesicht zu wahren, für was auch immer. Jedenfalls wird so der Preis pro Leistung gesteigert, und das ist auch gut so, zumindest für die Angebotsseite und wieso sollte man es der nicht gönnen? War das jetzt zu böse? Nicht doch. Einer Firma wie Porsche gönnt es doch auch jeder, und das ist nun wirklich noch mal 'ne Zehnerpotenz sinnfreier.

Ein paar Leute jedoch gehen die üblichen Wege des Lautsprecherbaus nicht mit und lästern: "They sound amazingly similar, and nothing close to real. Tweeters that make your ears bleed. Woofers smaller the pancakes making all drums sound fake, and the stereo image they cast visually compares to early '80s computer animation. The way speakers are being done is not the right way." Britische Maschinenstürmer nach dreißig Jahren Spendor hören? HighEnd consumer, fight the power? Nö, nur eine US-Firma, die selber Boxen baut und den Mund ziemlich voll nimmt. ZU Audio verkündet nichts Geringeres als "a Revolution in American Hi-Fi".

Na klar. Diese Amis: Erst mal einen Superlativ her, dann wird das alles schon. Gemeinhin überfliege ich solche Passagen, hake sie unter der Rubrik "Junk" ab und surfe weiter. Aber hoppla: "Junk is no less a problem than dope; the problem is people take the easy way in life." Hm, könnte ja von mir sein ... da hatten sie mich dann ... what's up?

 

Who is ZU?

ZU Audio ist eine junge Firma aus den USA, genauer aus Ogden, Utah. Die beiden Gründer Adam Decaria und Sean Casey - beide in den Dreißigern - begannen hier 1999 Lautsprecher-, NF- und Netzkabel zu produzieren. Vielleicht lag das nahe, schließlich haben beide vorher u.a. bei Kimber gearbeitet. Gar nicht mehr naheliegend ist allerdings, dass schon zwei Jahre später ein Lautsprecher ins Programm genommen wurde. Breitband-Chassis der DruidNun, das würde noch gehen, aber dass man sich von Anfang an an die Entwicklung und Produktion eines eignen Treibers herangemacht hat, da alles in dieser Hinsicht käuflich zu erwerbende den eigenen Ansprüchen nicht genügt, das ist wirklich beachtlich. Denn wohlgemerkt, eine eigene Chassis-Produktion, das leisten sich wirklich nur die ganz großen Namen und von denen auch längst nicht alle. Und da basteln zwei in der Garage an Kabeln rum, verkaufen auch ein paar und stecken das schöne Geld nicht in die Tasche, sondern in die Entwicklung eines eigenen Treibers? Not bad.

Die "Druid" war das erste Modell der ZU-Combo, es gibt diesen Lautsprecher inzwischen schon in der vierten Version. Die äußere Erscheinung ist dabei recht gleich geblieben, im Innern hat sich aber schon einiges getan - so ist u.a. nun auch der Super-Tweeter aus eigener Herstellung und nicht mehr fremdbezogen.

Es gibt mittlerweile eine kleine ZU-Lautsprecherfamilie: Die Druid liegt in der Mitte der Range, nach oben wird mit der "Definition" abgeschlossen. Die hat gleich zwei der Breitbänder mit dem Tweeter in d'Appolito-Anordnung und hinten dann je vier 10''-Woofer aktiv befeuert. Bestimmt auch nett. Als kompakter Monitor-Lautsprecher dient die "Tone", ketzerisch formuliert sieht die aus wie eine abgesägte Druid. Zwei Subwoofer, "Method" und "MiniMethod", komplettieren das Angebot.

 

Finish & Technik

Nun, was macht die Druid so besonders? Klar, optisch ist das doch mal etwas anderes, oder nicht? ZU Druid von vorneDie Druid ist 1,27 Meter hoch, sie steht auf einem silbernen Fuß (30x30cm), auf dem das eigentliche Gehäuse - 16x28cm - montiert ist. Daran muss man sich erst mal gewöhnen - ist sie doch breiter als tief. Das sieht aus, als hätte jemand einen Lautsprecher in ein Brett gebaut und dieses dann aufgerichtet. Na ja, natürlich die edle Fassung dieser Fantasie, aber so in etwa kommt's hin. Ein Hingucker ist sie allemal. Ich finde sie richtig cool, obwohl sie ,nur' in der schwarzen Normalo-Variante vor mir steht. Die DuPontT-Oberfläche ist wertig und sieht gut aus - keine Frage - aber gegen 800$ Aufpreis wird so ziemlich alles realisiert, was sich denken lässt. Da kann man ja mal aus dem Vollen schöpfen: Elfenbein-Hochglanz käme bestimmt nicht schlecht, oder ein schönes Metallic-Blau? Was mit Flammen oder Sternchen? Der Fantasie werden keine Grenzen gesetzt.

 

 

Aber die Optik allein ist natürlich nicht das Besondere. Dieser Lautsprecher setzt ein recht radikales Konzept in Werk, will man es in einen Satz pressen: Hier kommt die Renaissance des hochwirkungsgradstarken Breitbänders - angeblich ohne die Nachteile, die mit diesem Prinzip üblicherweise verbunden werden.

ZU Druid von oben

ZU260FR/G2 nennt sich der Breitbänder und er ist das Arbeitstier der Druid. Es gibt keine Frequenzweiche die ihn von gewissen Bereichen verschont, er ist direkt mit dem Verstärkerausgang verbunden; keine Weiche, keine hierdurch induzierten Phasenprobleme, keine Übergangs-Welligkeiten oder Änderung der Abstrahlcharakteristik. Es gibt keine unterschiedlichen Orte der Schallabstrahlung. Zumindest die ersten 8,5 Oktaven(!) nicht, bis 12kHz spielt der 10 Zöller nämlich alleine, klinkt sich dann mechanisch aus und wird von einem Super-Hochtöner unterstützt. Näher kann man dem Ideal der Punktschallquelle kaum kommen, denn noch mal zur Wiederholung: Mehr als 8 Oktaven umfasst dieses Chassis. Das ist, vorsichtig ausgedrückt, gigantisch.

Das gilt auch für den Wirkungsgrad, der mit 101db/W/m angegeben wird. Ungefähr zwei- bis dreimal so laut ist das, im Vergleich mit ,normalen' Boxen. Der Dynamikumfang beträgt 125db, und das, ohne Hörner einzusetzen. Na gut, der Super-Tweeter hat einen kleinen Horn-Vorsatz, aber der wird es ja wohl kaum alleine reißen! Vielleicht wird jetzt klarer, warum ich von einem "radikalen" Konzept sprach.

ZU Druid von unten Radikal heißt, an die Wurzel gehen, meint hier in diesem Fall: Auf was kann ich alles verzichten um meinen Zweck - elektrische Energie in mechanische zu wandeln - möglichst unmittelbar und effizient zu erreichen? Verstärker, Kabel, Lautsprecher - und nichts dazwischen. Wozu eine Frequenzweiche, wenn ich darauf verzichten kann? Denn wozu eine Mehrwegekonstruktion, wenn ein Chassis reicht? Aber die Kunst besteht auch darin, nicht Opfer seiner eigenen Design-Philosophie zu werden und auf einen Hochtöner ganz zu verzichten, wenn dieser in der obersten Oktave doch seine Berechtigung findet. Minimalismus at its best. Und auch wenn mir die Phrase nur schwer über die Lippen kommt, hier scheint sie mal zu stimmen: "Das Einfache ist meist das Schwerste."

Denn warum machen es dann nicht alle so? Einfach ein Chassis an den Verstärker geklemmt, fertig ist der Minimalismus? Tja, Breitbänder "schreien", so die Lehrmeinung, im Bass fallen sie stark ab, daher auch häufig die Basshorn-Konstruktion zur Frequenzbandbegradigung. Und in den Höhen kann es zu starker Bündelung kommen. Zudem hat man wesentlich mehr Scherereien mit dem Doppler-Effekt: Bass und Höhen werden ja vom gleiche Chassis übertragen und damit sitzt sozusagen der Hochtöner auf einem hin- und herschwingenden Basstreiber. Höhere IM-Verzerrungen sind auch eine Gefahr. Terminal der ZU DruidWenn alles so einfach in den Griff zu bekommen wäre, hätte niemand den Mehrwegeweg eingeschlagen; dieser ist aber mittlerweile ein großer, breiter Highway geworden, auf dem reger Verkehr herrscht. Was man den Herren Casey und Decaria von ZU Audio hoch anrechnen muss, ist, dass sie ihren eigenen Weg gegangen sind - der war sicherlich erst mal der steinigere, aber sie haben sich nicht abbringen lassen.

Will man einen Breitbänder bauen, so muss man sich entscheiden, an welchem Ende des Frequenzspektrums man anfängt. Beginnt man oben, nimmt man am besten einen relativ kleinen Membrandurchmesser. So wird die Konstruktion natürlich leichter und auch die Bündelung der obersten Frequenzen fällt nicht so arg aus, man braucht also keinen gesonderten Hochtöner. Das Problem zeigt sich dann aber bei der Basswiedergabe: mangels Fläche kann hier nicht viel Luft bewegt werden. Zur Kompensation könnte man auf die Idee kommen, die Membranauslenkung zu erhöhen - aber Vorsicht, IM-Verzerrungen und ein größerer Dopplereffekt lauern schon.

Terminal der ZU Druid

Bei ZU ist man den umgekehrten Weg gegangen: Ein ordentlich großes Chassis, immerhin 10 Zoll, wurde recht hart aufgehängt, man sieht hier nichts pumpen, auch bei Disko-Lautstärken nicht. Das ist gut für die unteren Tonlagen, auch gut für eine geringere Verzerrungs-Anfälligkeit - geringe Auslenkung, geringere IM & Doppler-Verzerrungen. Aber bei der Größe dürfte das Abstrahlverhalten leicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Da ist es sinnvoll, dass der Treiber eine Doppelkonuskonstruktion ist. Der kleinere Konus misst cirka 10 cm im Durchmesser, so wird der Bündelungs-Effekt in eine höhere Region verschoben. Der Tweeter startet wie gesagt erst bei 12kHz, und so muss der Breitbänder das Gros des Hochtons schon selber stemmen. Ja, ein Einwinkeln der Box macht sich tonal schon bemerkbar, aber ehrlich gesagt, auch nicht viel mehr als bei anderen Konstruktionen. Es ist wie so häufig Geschmackssache.

Lars Olsen behauptet in seinem sehr lesenswerten Essay "The Art of speaker design", die wichtigste Frage beim Lautsprecherbau sei: "What kind of sound do you like?" Was für Normalmenschen eine triviale Feststellung ist, kann bei HighEndern schon Diskussionen auslösen. Die wollen häufig alles, oder es kommt die Antwort, man wolle am besten gar keinen Sound . Na ja, die Truppe in Utah gibt sich recht unverkrampft, bei ZU weiß man, was man will: Tempo, Dynamik, Unmittelbarkeit.

Und das schlägt sich in der Motorisierung des Treibers wieder, ein BL-Produkt (magnetischer Fluss im Luftspalt x Länge der Schwingspule) von 14,5 behält man sonst Hörnern vor. Hier merkt man, die Entwickler haben Spaß an Beschleunigung. Die Kombination aus leichter Membran, harter Aufhängung und starkem Antrieb resultiert in dem erwähnten hohen Wirkungsgrad und einem sehr gutmütigen und verstärkerfreundlichen Impedanzverlauf, der im Schnitt bei 12 Ohm liegt. Dies macht die ZU Druid zu einem auch ideal mit etwas schwächeren Röhren zu betreibenden Lautsprecher, wenn man das denn will. Erstaunlich bei den Werten ist eigentlich eher, dass sie auch mit starken Transistoren gut klarkommt. Ein Power-Handling bis 300 Watt wird angegeben. Man könnte ja durchaus etwas "Zickigkeit" vermuten, aber nichts da, der Dussun V8i beispielsweise verträgt sich ausgezeichnet mit der Druid.

Es ist aber auch nicht so, dass alle Transistoren gleich klingen, da mehr als 3 Watt sowieso nicht gebraucht werden, um abzurocken. Es ist sehr wohl hörbar, dass der China-Bolide strammer und trockener im Bass ist als meinetwegen ein Creek A50, oder sogar ein Accuphase E-212. Es hat mich schon ein wenig gewundert, vielleicht liegt es an der starken Ankopplung an den Verstärker durch den hohen BL-Wert, wodurch der Dämpfungsfaktor an Bedeutung gewinnt. Zwischen Verstärker und Chassis ist nur ein Kabel, ein straff gespanntes hätte ich fast gesagt.

 

 

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Im Test:

Standlautsprecher:
ZU Audio Druid mk4
UVP: 4.400 Euro

Hersteller:
Zu Audio

Vertrieb:
TCG Handels GmbH
www.tcg-gmbh.de

Tel. +49(0)5921-7 88 49 27
eMail: info@tcg-gmbh.de


 

Equipment:

Quelle:

Audiodata 8000CD
Myryad T-10
Benchmark DAC 1

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50
Dussun V8i
Lua 4040C

Kabel:

NF: Funk BS-2, van den Hul Integration Hybrid, Zaolla Reinsilber NF

LS: Fast Audio Copact M6, Ixos 6006 Gamma, ZU Audio Libtec

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... fragen sie den händler mal nach seiner meinung zur punktschallquelle. physik sucks.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... junk is no less a problem than dope; the problem is people take the easy way in life.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... was mit flammen oder sternchen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... es gibt keine unterschiedlichen orte der schallabstrahlung, zumindest die ersten 8,5 oktaven nicht.

 

 

 

 

 

 

 

... die kunst besteht auch darin, nicht opfer seiner eigenen philosophie zu
werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... ein ordentlich großes chassis, immerhin 10 zoll, wurde recht hart aufgehängt.

 

 

 

what kind of sound do you like?

 

 

 

 

 

 

 

... die entwicker haben spaß an der beschleunigung.