Test: Phonar Ethos S 180G | Lautsprecher | Preis: 798 Euro

Vertikal homogen?

Phonar Ethos S 180G

Dezember 2014 / Tobias Zoporowski

Sagt Ihnen der Name Bruno Sacco etwas? Der italienischstämmige Automobildesigner zeichnete seit Ende der Siebziger- bis in die Zweitausender-Jahre hinein für den Stil von Automobilen aus dem Hause Mercedes-Benz verantwortlich. In dieser Zeit definierte er zwei Begriffe, die für das Fahrzeugdesign auch folgender Generationen als Leitmotiv gelten sollten: die „Vertikale Affinität“ und die „Horizontale Homogenität“. Er meinte damit sowohl eine gewisse Zeitlosigkeit seiner Entwürfe – die bei aller Zurückhaltung typklassenübergreifend dennoch nie altmodisch wirken durften – und einen Wiedererkennungseffekt, das sogenannte „Familiengesicht“, welches alle Produkte des Hauses prägen sollte. Nimmt man dieses Postulat aus der Automobilbranche zum Vorbild, so scheint es durchaus auch für das ein- oder andere Unternehmen im HiFi-Kosmos Gültigkeit zu besitzen.

Nehmen wir das aktuelle Beispiel Phonar (www.phonar.de). Die Lautsprecherschmiede aus dem schleswigschen Tarp erfreut mich dieser Tage mit einem Standlautsprecher ihrer Einsteigerserie „Ethos“, genauer: dem Modell „Ethos S 180G“, einem rund 15 Kilogramm schweren und knapp einen Meter hohen Schallwandler in modischem Weiß (es gibt ihn auch in Schwarz). Und während ich diesen nun aufstelle und ihn bei dieser Phonar Ethos S 180GGelegenheit von allen Seiten betrachten kann, fällt mir auf, dass er weder wie ein „Einsteigermodell“ aussieht, noch sich so anfühlt. Im Gegenteil, „Holzklasse“ ist etwas anderes! Die Ähnlichkeit zur höher platzierten Serie „Veritas“ ist nicht von der Hand zu weisen. Auch, wenn die sich nach einer optischen und technischen Evolution - während der man ihr den Zusatz „Next“ (siehe Test Phonar Veritas P4 Next) ans Typenschild heftete - in leicht verändertem Gewand präsentiert: Das durchaus zeitlos zu nennende „Familiengesicht“ bleibt unverkennbar.

Das ist auch gut so, denn eine unaufdringliche Eleganz ist Phonar-Lautsprechern seit jeher zueigen. Sie sind da, aber sie stören nicht. Und so passen auch die „Ethos“-Säulen mit ihrem schlanken Erscheinungsbild – die Schallwand misst gerade einmal 16 Zentimeter in der Breite – in so ziemlich jede Wohnumgebung. Für Standsicherheit sorgt dabei der zu allen Seiten überstehende und in der Farbe der Lautsprecher lackierte Fuß, den man mit vier stabilen Inbusschrauben montieren muss. Entsprechendes Werkzeug ist dabei. Für unterschiedliche Untergründe liefert Phonar zudem sowohl Spikes als auch Gummikegel mit. So lassen sich die Klangsäulen optimal aufstellen.

Phonar Ethos S 180G - Bass/Mitten-Treiber

Technisch setzt Phonar auf eine reine Zweiwege-Konstruktion, was sich in den moderaten Preisregionen, in denen die „Ethos“-Serie ihre Kunden sucht (das Testmodell liegt bei 800 Euro/Paar), fast immer als vorteilhaft erweist. Warum? Die Frequenzweiche fällt weniger aufwendig aus, kann dafür aus hochwertigeren Bauteilen zusammengesetzt werden. Zeitfehler werden so minimiert. Die Wandlerbestückung der Tarper Floorstander besteht aus zwei parallel ihren gesamten Frequenzbereich abdeckenden, jeweils 13 Zentimeter durchmessenden Tiefmitteltönern sowie einer 26-Millimeter-Seidenkalotte, die oberhalb von knapp zwei Kilohertz ihre Tätigkeit aufnimmt. Die beiden Tiefmitteltonchassis arbeiten auf ein rückwärtig montiertes Bassreflexrohr, was man bei der Aufstellung der Lautsprecher berücksichtigen sollte. Zu dicht an einer Rückwand sollten sie nicht platziert werden, wenngleich sich die Nordlichter in ihrer Aufstellung überhaupt nicht kritisch verhalten.

Phonar Ethos S 180G - Gewebehochtöner

Als positiv konsequent empfinde ich auch die Entscheidung der Phonar-Entwickler, bei der „Ethos S 180G“ auf ein Bi-Wiring-Terminal zu verzichten. Denn mal ganz ehrlich: Die Kundenklientel, die ein Lautsprecherpaar für deutlich unter 1.000 Euro Paarpreis im Bi-Wiring-Modus betreibt, dürfte sich an einer Hand abzählen lassen. Wenn überhaupt. Meiner persönlichen Meinung – und Erfahrung – nach, hat sich das zweite Klemmenpaar auf der Rückseite so mancher Box nur allzu oft als gleichwohl prestigeträchtiges wie nutzloses Feature entpuppt. Zumindest in dieser Klasse. Und da ist es einfach sinnvoller – und der Wiedergabequalität auch keinesfalls abträglich –, es einfach wegzulassen. Zumal die Schraubklemmen selbst von der robusten Sorte sind und natürlich auch Bananenstecker aufnehmen.

Phonar Ethos S 180G - Monowiring reicht

 

 

 

Im Test:

Standlautsprecher
Phonar Ethos S 180G

UVP: 798 Euro


Hersteller & Vertrieb:

Phonar Akustik GmbH

Telefon:
04638 - 8 92 40
eMail:
info@phonar.de
Web:
www.phonar.de

 

Equipment

Quelle:

analog:
Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und Abnehmer Goldring 1042 GX, Phono-Pre: Lehmann Audio Black Cube Statement, Tuner: Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, iPod-Station: Advance Acoustic MiP-Station (modifiziert)
Musical Fidelity vDAC
Naim DAC

Verstärker:

Symphonic Line RG 9 MKIV, Yamaha A-S 1000, NAD C 275 BEE, NAD C 165 BEE

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

unaufdringliche eleganz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

reine
zweiwege-
konstruktion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

positiv konsequent