Test: CD-Player Atoll CD 80 / audiolab 8000CD

Sehen so
Hinterbänkler aus?

Atoll und audiolabs CD-Player für highfidele Aufsteiger ...

Juni 2007 / Ralph Werner

Ein wenig "rechtschaffen-bieder" kommen sie schon daher, die beiden Test-Kandidaten Atoll CD 80 und audiolab CD8000: Im schwarzen Gewand, der eine schmal-eckig, der andere mit runden Ecken; nicht all zu teuer, aber auch nicht billig; ordentlich angezogen, aber bloß keine Mätzchen!

Sollte ich einen Vergleich aus der Autowelt bemühen, dann würde ich bei ... ja, wo eigentlich landen? Beim Golf? Nein, das passt nicht. Ein CD-Player der Golf-Klasse kostet vielleicht 400 € - die hier kosten gut das Doppelte. Ein vergleichbares Auto wäre ein wenig unpraktisch (frisst nur CDs, keine anderen Datenformate) und gleichzeitig etwas exklusiv (auf Klang gezüchtet, nicht auf Schnickschnack). Na, dann wohl eher ein Cabrio! So was kostet natürlich etwas mehr, muss aber nicht gleich richtig teuer sein. Diese Art von HiFi-Equipment ist mir durch jahrelange Gewöhnung ans Herz gewachsen: Qualität hat ihren Preis, aber gegen Gold muss es nicht gleich aufgewogen werden - lieber ein wenig Firlefanz vergessen, wenn es dafür besser klingt - und nicht zu einem finanziellen Desaster führt.

Mazda MX-5! Genau, das passt! Muss ich mich also als das HiFi-fixierte, männliche Pendant einer Barbour-Jacken-tragenden , die Sonnenbrille-ins-blondierte-Haar-rückenden und Perlenohrring-bestückten Dame betrachten? Lassen wir die blöden Vergleiche doch einfach. SKIP.

 

Die Firmen-Philosophie ...

Der Atoll CD 80 und der audiolab 8000CD haben nicht exakt das gleiche Preisschild - der Franzose ist mit circa 800 € ausgeschrieben, der britische audiolab mit 900 € - aber es ist schon in etwa die gleiche Gattung Player. Ähnlich auch das Image, mit dem beide Firmen antreten. Es geht um Preis-Leistungs-HiFi , um "... a no-nonsense, practical approach to high-quality audio ", wie audiolab es sagt. Oder , mit den Worten von Atoll: "... reasonably priced true high-end audio electronics for budget- concious audiophiles".

Das die Franzosen dieses Segment als Marktlücke sehen, kann ich nicht ganz nachvollziehen - verbal zumindest verspricht es (fast) jeder, real gibt es jede Menge Druck aus China. Es zeigt aber, dass sie mit dem nötigen Selbstbewusstsein herangehen. Grund dazu haben sie ja: Die Firma ist erst zehn Jahre im Markt, konnte sich aber schon einen guten Ruf aufbauen, nicht zuletzt durch gute Kritiken in der Presse.

Atoll CD 80 von vorne

Aber vor allem durch zufriedene Kunden und damit auch Händler. Die Brüder Dubreuil verkaufen mittlerweile weltweit, nicht schlecht für ein junges Unternehmen; zumal man, laut Eigenbekunden, fast ausschließlich heimische Vorprodukte bezieht und natürlich auch selbst in Frankreich produziert. Das ist bei audiolab anders - man lässt in China herstellen, was der Qualität ja nicht schaden muss.

(By the way: Wieso wird eigentlich immer Erstaunen vorgegeben, wenn bei chinesischen Audio-Produkten - hoppla! - nicht alles aus Plastik ist? Wenn schon Klischees, dann bitte: "Völlig sinnfreierweise ist - typisch Chinese - die Frontplatte fünf Zentimeter stark - so erhöht man die Material- und Transportkosten, ohne den Klang zu verbessern.")

Im gleichen Jahr, in dem Atoll gegründet wurde - 1997 - kam es zum Verkauf von audiolab an TAG McLaren. So recht wollte der Erfolg sich aber nicht einstellen. Man gab sich zwar redlich Mühe, das Marken-Image zu "pimpen" - realistisches Aufsteiger-HiFi goes Formel 1 - und war dann auch verdammt schnell unterwegs, nicht zuletzt bei den Preisen. Dumm nur, wenn man mit gereckter Faust als erster durchs Ziel fährt - und feststellen muss, dass man die Kunden endgültig abhängt hat.

 

 

Im siebten Jahr kam es dann zur Trennung, und so wird seit 2005 - unter dem Dach der International Audio Group - ein Relaunch der Marke "audiolab" unternommen. Die jetzigen Eigentümer besinnen sich auf alte Werte: Qualität zu vernünftigen Preisen. Und auch beim Design greift man auf Bewährtes zurück: Man schaue im Gebrauchtmarkt nach älteren Camtech-Geräten (unter diesem Label gab es die "alten" audiolabs in Deutschland) und wird einige Ähnlichkeiten feststellen.

Optisch und in Sachen "Anfassqualität" differieren die Geräte. Während sich audiolabs 8000CD mit klaren Kanten, einer geringen Höhe, aber stattlichen Tiefe des Gehäuses zeigt, findet man beim CD 80 von Atoll eine Frontplatte mit abgerundeten Ecken vor. Etwas höher gebaut ist der französische Player auch, dafür weniger tief, also eher dem Standard entsprechend. Das gilt auch für die Materialanmutung: Er ist leichter konstruiert - schon ordentlich, aber geprotzt wird nicht - die Knöpfe funktionieren so, wie Knöpfe eben funktionieren ... Der audiolab 8000CD ist der kompaktere und solider aussehende Proband, man muss bei der Bedienung schon fast ungewohnte Kraft aufwenden, so stramm sind die Schalter ausgelegt. Ein leichtes Klopfen auf dem Gehäusedeckel klingt bei ihm auch etwas vertrauenerweckender. Nicht nur ist das Material stärker, es wurde auch eine dämpfende Schicht angebracht. Gehäuseschwingungen haben es so schwerer und das ist gut so.

audiolab 8000CD: Der Deckel wird gedämpft

Ein kleine Überraschung bietet die Rückansicht des audiolab - ganz schön viele Buchsen sieht man da:

audiolab 8000CD: Anschlussvielfalt

Gleich drei (auch abschaltbare) Digitalausgänge hat man ihm spendiert: BNC, das Profi-Format, Cinch und einen optischen. Fast noch ungewöhnlicher ist, dass es zwei Analog-Ausgänge gibt. Ob man die Anschlussvielfalt nutzen will oder kann - er lässt einem jedenfalls die Wahl und ist "ausbaufähig". Wahrscheinlich hatte man Multiroom-Anwender vor Augen. Symmetrische Ausgänge sind leider nicht vorhanden, auch nicht beim Atoll CD 80. Der kommt mit den üblichen drei Buchsen aus:Atoll CD 80, die Rückansicht

analog und digital Cinch. Auch wesentlich teurere Player - wie beispielsweise der ebenfalls getestete Creek Destiny - sind so bestückt. Es gibt also keinen Grund zu mäkeln. Vielleicht ist dies sogar passender zur Gesamtkonzeption "Minimalismus".

Eine weitere Besonderheit des audiolab CD-Spielers ist die Einstellmöglichkeit für die digitale Filterung. Als Standard vorgegeben ist der Wert "slow", dieser soll für ein besseres group delay - also die zeitliche Kohärenz der Signale über das Frequenzspektrum hinweg - sorgen. Wird die Einstellung "fast" gewählt, gerät die Filterung des Signals "avancierter" und somit besser - allerdings ein wenig auf Kosten der Gruppenlaufzeit, so zumindest die Aussage des Herstellers. Welche Einstellung man vorzieht, ist völlig Geschmackssache:   Weltbewegendes tut sich nicht, so viel sei verraten. Gut, "fast" ist eine Spur klarer und auch heller ... so what ? Letztlich bleibt es eine (nette) Spielerei.

audiolab 8000CD: Digital-Ausgang schaltbar, Digital-Filter ebenso ...

Gespannt war ich, wie die beiden Player sich im Hörvergleich schlagen würden: Die Firmen-Philosophie ähnelt sich, die Preisstellung auch - sollten sie klanglich ebenso eng bei einander liegen?

Im Test:

CD-Player:
Atoll CD 80,
audiolab 8000CD

Atoll Electronique Vertrieb
www.atoll-electronique.de


audiolab Vertrieb über IAD
www.iad-audio.de

UVP:
Atoll CD 80 - 800 EUR
(in schwarz)
audiolab 8000CD - 900 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny
Wandler: Benchmark DAC1

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Dussun V8i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Funk BS-2, van den Hul Integration Hybrid, Zaolla Reinsilber NF

LS: Fast Audio Copact M6, Ixos 6006 Gamma, ZU Audio Libtec

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

soll ich die sonnenbrille ins blondierte haar rücken?

 

 

 

 

atoll konnte sich einen guten ruf aufbauen.

 

 

 

 

 

realistisches aufsteiger-hifi goes formel 1?

 

 

relaunch der marke "audiolab"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der audiolab 8000CD ist der kompaktere und solider aussehende proband.

 

 

 

dämpfende schicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

digitale filterung beim audiolab einstellbar