leserBericht: Plattenvorstellung Frank Sinatra

Frank Sinatra /
In The Wee Small Hours

Frank Sinatra / In The Wee Small Hours

von Matthias Weiß

Am Anfang der 50er Jahre schien Frank Sinatra vollkommen erledigt. Sein altes Musiklabel Columbia verlängerte nicht den Vertrag mit ihm; vorher hatte ihn schon seine Filmfirma fallen lassen. Seine medienwirksame Beziehung zur Hollywoodikone Ava Gardner scheiterte, zahlreiche Affären folgten. Gesundheitliche Probleme wie Blutungen an den Stimmbändern infolge von Überbelastung nahmen zu. In der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit noch Amerikas populärster Unterhaltungskünstler, stand seine Karriere unmittelbar vor dem Aus.

Frank SinatraRettung nahte in Gestalt von Alan Livingston, beim kleinen Label Capitol verantwortlich dafür, Künstler unter Vertrag zu nehmen. Zum Entsetzen anderer A&R Manager erhält Sinatra 1953 einen Vertrag über 7 Jahre von seinem alten Fan. Livingstons Mut wird belohnt: Capitol wird mit seinem neuen Zugpferd zum bedeutenden Label. Für Sinatra werden die Jahre bei Capitol zu den künstlerisch wertvollsten seiner Gesangskarriere. Nie war seine Stimme besser als damals, nie gereichten Songmaterial und Arrangeure Frank SinatraFrankies Stimme besser zur Ehre. Viele bahnbrechende Alben entstehen zu dieser Zeit, z.B. "Songs For Swinging Lovers" oder "Sinatra Sings For Only The Lonely". Mein liebstes Album aus dieser Zeit (und liebstes Sinatraalbum überhaupt) ist jedoch "In The Wee Small Hours" aus dem Jahr 1955.

 

 

Seinen Platz in der Musikgeschichte verdient das Opus allein schon als erstes wirkliches "Konzeptalbum". Was heißt das? Die 16 Tracks stehen nicht jeweils für sich allein, sondern sind als Einheit zu betrachten, die musikalisch und lyrisch einem übergreifenden Thema und einer Grundstimmung verpflichtet sind. Die Anordnung der einzelnen Lieder ist nicht willkürlich, sondern wohldurchdacht. Voraussetzung für die Verwirklichung eines musikalischen Konzeptes war die technische Innovation der 12inch LP mit 33 Umdrehungen, die im Jahr 1948 auf den Markt kam. Die LP, wie wir sie heute kennen, konkurrierte noch längere Zeit mit anderen Formaten wie der 10inch und 7inch-Single mit 78 bzw. 45 Umdrehungen. Die bessere Klangqualität (auch bedingt durch den Umstieg von Schellack auf Vinyl) und das komfortablere "Handling" der 12inch lassen sie jedoch bald zum Marktführer werden. Zuerst wird jedoch beim Publikum vor allem die Möglichkeit, länger Musik ohne Unterbrechung zu hören, als Vorteil empfunden (wie später bei der Ablösung der LP durch die CD). Die LP bleibt vorerst thematisch jedoch völlig beliebig und eine bloße Ansammlung von Singles, also im Prinzip eine "Hitcollection", zufällig zusammengestellt.

Sinatra jedoch erkennt die Möglichkeiten, die das neue Format über die Single hinaus bietet: Auf "In The Wee Small Hours" wird Musik zum ersten Mal bewusst für eine LP unter Verwendung eines durchgängigen Konzepts produziert, das sich auch im genial gezeichneten Cover spiegelt. Es zeigt einen nachdenklichen und erschöpft wirkenden Frank Sinatra (selbstverständlich mit Anzug und Hut, rauchend) vor dem Hintergrund einer menschenleeren Straße. Spärlich beleuchtet ist die Szene in türkisfarbenes Licht getaucht. Wir befinden uns in den Stunden kurz vor Morgengrauen. Sämtliche Bars sind schon geschlossen. Heimgehen möchte unser Crooner aber immer noch nicht ... Das Konzept heißt also Melancholie. Nicht aber Verzweiflung.
Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema