Musik-Rezension: Acht neue Platten / August 2011

Victoriah's Music

Großer_Teaser_Aug_2011

Victoriah Szirmai / August 2011

Diese Ausgabe unserer Musik-Kolumne enthält acht neue Platten von folgenden Künstlern: VA: Summer of Girls | King Oliver´s Revolver | Fink | Café del Mar Vol. 17 | Nikola Materne & Bossanoire | Nils Wogram & Nostalgica | Fattigfolket | Roger Matura


 

Various Artists / Summer of Girls

Das Sommerlochthema eines in Straßburg ansässigen deutsch-französischen Fernsehsenders ist Summer of Girls, auch wenn man es hier „Schwerpunktthema des Kultursommers“ nennt. So weit, so unspannend - und für aus-Prinzip-keinen-Fernseher-Haber wie mich obendrein völlig irrelevant. Allerdings hat der Sender in Kooperation mit EMI im Juli eine „Compilation officielle“ der „les plus grandes artistes féminines“ herausgebracht, und das noch „pour a première fois réunis sur 3 CD“, kurz: eine 3-CD-Motto-Compilation.

Summer_Of_Girls_Cat_Power

Für all jene, die weibliche Stimmen einfach mögen, ist das die Gelegenheit, die eigene CD-Sammlung mit all jenen Liedern zu ergänzen, die man zwar schon immer mal haben wollte, aber dann doch nicht so dringend, um gleich das ganze Album der entsprechenden Künstlerin zu kaufen. Auf Summer of Girls finden sich einige der einflussreichsten Interpretinnen der letzten fünf Jahrzehnte vereint. Und ja: Wer Songs wie Wuthering Heights von Kate Bush, Hot Stuff von Donna Summer, Goldfinger von Shirley Bassey, Big Yellow Taxi von Joni Mitchell oder Buffalo Stance von Neneh Cherry haben will, der muss auch die Elaborate von Lady Gaga, Kate Perry, Rihanna, Christina Aguilera und Britney Spears in Kauf nehmen.

Summer_Of_Girls_Kate_Bush

An Vielseitigkeit jedenfalls ist Summer of Girls kaum zu überbieten: Da gibt es die französische Sektion mit Grace Jones, Brigitte Bardot, France Gall, Jane Birkin oder Francoise Hardy, es gibt die Achtzigerjahre-Hits von Cyndi Lauper, Tina Turner, Annie Lennox, Soulig-Jazziges mit der unvermeidlichen Norah Jones und der grandiosen Alicia Keys, darüber hinaus moderne Heroinen wie Beth Ditto von The Gossip, Indie-Größen wie Anna Calvi, Peaches oder Cat Power und immer wieder gern gehörte Klassiker wie Minnie Ripertons Inside My Love oder Dusty Springfields Son Of A Preacher Man.

Summer_Of_Girls_ZAZ

Als wohl einflussreichste Künstlerin der letzten Jahrzehnte ist Madonna selbst zwar nicht vertreten, dafür aber ihr 1985er-Hit Material Girl, der in der exklusiv auf Summer of Girls erhältlichen Version des 1988 in London geborenen Shootingstars Eliza Doolitte den 3CD- Reigen eröffnet.

 

King Oliver’s Revolver / Gospel of the Jazz Man’s Church

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Wo Summer of Girls dem Schließen möglicher Lücken in der persönlichen Diskothek dient, ist Gospel of the Jazz Man’s Church von ganz anderem Kaliber. Um es gleich vorwegzunehmen: Dem Stockholmer Oktett ist es gelungen, das Album zu machen, welches mich in diesem Jahr bislang am nachhaltigsten beeindruckt und mir gleichzeitig den größten Spaß bereitet hat. Ein Album, das bei mir auch privat auf heavy rotation läuft, dessen Songs mich bis in meine Träume verfolgen und gleich morgens beim Aufwachen wieder präsent sind.

Alles andere hätte mich aber auch enttäuscht, denn King Oliver’s Revolver sind eine Errungenschaft des Hauses Waggle Daggle Records - jenem sympathischen Label aus Freiburg im Breisgau, das mir auf der vorjährigen Leipziger Pop Up erstmals über den Weg gelaufen ist und mir dieses Frühjahr mit seinem Signing Major Parkinson einen sehr vergnüglichen Abend irgendwo zwischen Rock und Psychose, Schönheit und Groteske, Zirkus und menschlicher Zwiespältigkeit verschafft hat. Kurz: Es war wild. King Oliver’s Revolver nun stehen den irren Norwegern an Wildheit und Zuhörspaß in nichts nach, vorausgesetzt, man bringt eine gesunde Portion Wahnsinn mit, denn ohne den geht bei Waggle Daggle nun einmal nichts.

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Nach einem kammermusikalisch instrumentierten Intro, das den Zuhörer in falsche Sicherheit wiegt, startet Tigris By Starlight gleich den Frontalangriff auf die Lachmuskeln: Hier wird kein noch so plattes ägypto-exotisches Klischee ausgelassen, nicht Moses im Weidenkörbchen, nicht der über Bagdad hängende Mond, nicht die pentatonischen Skalen. Von überraschender Schönheit dann aber die Stelle im Refrain, wo sich die Stimmen von Sänger Tobias Klevebom und die Minna Bolins zum Zwiegesang finden, unterlegt von einem zackigen Tangobeat, der in eine mitreißende Swing-Tanzfete gipfelt, um gleich darauf wieder von einer weinenden Geige konterkariert zu werden. Auch wird die schönste Textzeile des Albums bereits hier aufgebraucht: Through pedantry denies, it’s plain the Bible means/That Solomon grew wise while talking to his queens, die auf Yeats’ On Woman aus dessen Gedichtesammlung The Wild Swans at Coole von 1919 zurückgeht, wobei Yeats Salomon noch mit und nicht zu den Königinnen sprechen lässt. Es kommen aber noch andere schöne Textzeilen; und ganz grundsätzlich schadet eine gewisse Belesenheit nicht beim Hören von Gospel of the Jazz Man’s Church, ebenso wenig eine zumindest ansatzweise vorhandene Bibelfestigkeit.

Der nächste Song startet mit einem wilden Honkey-Tonk-Piano; hier trifft New Orleans-Feeling auf eine ausgelassene Let’s-Go-To-San-Fransisco-Parade. Ohnehin honkey-tonkt das Album ganz schön, was die Tasten von Ola Karlsson eben so hergeben. Salome wiederum ist pures Maroon 5 zu ihren besten Songs About Jane-Zeiten - gerade in den Höhen hat Klevboms Stimme eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Adam Levine -, während sich auf Penelope, dem nächsten Song, Where The Wild Roses Grow mit Still Got The Blues zu paaren scheint. Yelena erinnert mich an die Titel des russisch-jüdischen Ensembles Daniluschka, und hey! acht Jahre Russischunterricht haben sich dann doch ausgezahlt. Der Song könnte problemlos auch auf dem Kosher-Nostra-Sampler zu finden sein - hätten die Typen aus dem alten Testament Pop gehört, er hätte so geklungen wie der biblische Horn-Pop von King Oliver’s Revolver.

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Während I Know A Place Where The Grass Grows High schon sehr nach Elvis Costello klingt, ist ein weiteres Highlight sicherlich On The Day Of Reckoning. Dieses Album vereint einfach alles, was mir an Musik gefällt: Die Rhythmussektion einer hochgepriesenen Tango-Band, eine dreiköpfige Hornsektion und die wahnhafte Performance des Sängers, verrückt gewordene Banjos und rostige Gitarren, ein gequältes Tenorsaxophon und schräge Chöre. Die Musik kann man nur noch im weitesten Sinne als Jazz beschreiben; hier treiben Swing und eine perfekte Imitation überhaupt all dessen, was man sich in den Zwanzigerjahren so unter „exotisch“ vorgestellt hat, ihr Unwesen. Da steht die großinstrumentierte Ballade neben rauschhafter Zirkusmusik, surfigem Klezmer, funky Bläsern und und und.

Um von Gospel of the Jazz Man’s Church ebenso restlos begeistert zu sein wie ich, sollte man einerseits eine Vorliebe für vielköpfige Multiinstrumentalistenkombos à la 17 Hippies mitbringen, andererseits eine Schwäche für Varieté an der Grenze zum Wahnsinn à la Tiger Lillies hegen. Dann aber will während der Hörens das freudige Grinsen nicht weichen - und das, obwohl King Oliver’s Revolver das Kunststück fertigbringen, lustig ohne albern zu sein. Besser als der Plattentitel lässt sich die Musik der Schweden dann auch nicht zusammenfassen: als Evangelium eines jeden Jazz-Liebhabers. Schlicht und ergreifend großartig.

Fink / Perfect Darkness

Fink_Cover

Was kann nach so einer CD schon noch kommen? Die Antwort ist: Fink beziehungsweise Finian Paul Greenall, dessen Debütalbum Biscuits For Breatfast von 2006 allein durch das unglaubliche Alison-Moyet-Cover All Cried Out aufhorchen ließ: Wie kann ein so schmales Jüngelchen aus Brighton nur dermaßen den Mississippi-Delta-Blues haben? Der Zweitling Distance and Time (2007) stand den Frühstückskeksen in nichts nach, ebenso wenig Sort of Revolution (2009); und mit Perfect Darkness beweist Fink endgültig, dass er zu den wohl unterschätztesten Singer-Songwritern unserer Tage gehört. Dabei setzten Größen wie John Legend oder die kürzliche verstorbene Amy Winehouse doch schon lange auf seine Songwriterqualitäten, und durch sein dezentes Elektrogefrickel hat er sich auch als Remixer einen Namen gemacht, beispielsweise für Nina Simone, Ryuchi Sakamoto oder Elbow.

Der Blues ist auf Perfect Darkness allerdings weitestgehend verschwunden und musste stattdessen weichen Elektrobeats weichen, die aber nicht in künstlichem Kontrast mit der klassisch-akustischen Singersongwriterinstrumentierung stehen, sondern vielmehr eine organische Einheit bilden. Finks Songs sind keine Lagerfeuerlieder, die jeder Hobbygitarrist spielen kann, vielmehr benötigen sie die Beats - ganz so, wie die Beats die Songs benötigen. Eine ähnliche Herangehensweise habe ich vor elf Jahren auf dem Debüt How to Steal the World von Helicopter Girl gehört, und in letzter Zeit vielleicht noch bei Martina Topley-Bird oder Massive Attack. Und dennoch ist Perfect Darkness weit entfernt davon, eine elektronische Platte aus der Clubecke zu sein, sondern eher ein konsequentes Hinüberführen des Singersongwriter-Gedankens in eine auf dem technisch neuesten Stand befindliche Musik, in einer Zeit, wo sich kein akustikgitarrenbegleiteter Sänger mehr ohne MacBook und Loop-Station auf die Bühne traut.

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Bei Fink indessen ist dies mehr als eine dem Zeitgeist geschuldete Spielerei, denn schließlich blickt er auf eine lange Vergangenheit als DJ zurück, bevor er sich entschloss, die Plattenteller gegen eine Gitarre einzutauschen. Seine sparsam instrumentierten, akustischen Stücke zwischen Folk und Blues können ihre DJ-Vergangenheit insofern nicht verhehlen, als über - oder unter, je nachdem, wie man es betrachten möchte - ihnen allen ein seltsam-schöner Beat liegt. Fink verbindet das Beste aus beiden Welten, er verleiht der Akustikgitarre eine DJ-Attitüde und erdet seine Beats gleichzeitig durch die organische Instrumentierung. So eröffnet Perfekt Darkness mit hypnotischen Beats, zu denen sich bald Finks Akustikgitarre gesellt. Würde es 2011 noch TripHop geben, er würde so klingen.

Der zweite Song fährt eine volle Bandbesetzung auf und ist eher Rock’n’Roll als Elekrogeschnassel, ein bisschen Everlast vielleicht, aber durch die leicht quäkende Gesangsstimme schon bei den ersten Takten der Strophe unverkennbar Fink. Wheels ähnelt endlich wieder dem Fink von Biscuits For Breakfast; der Song atmet puren Delta Blues und man könnte glauben, es mit einer männlichen Cassandra Wilson zu tun zu haben, die die Reduktion ja ebenfalls zu ihrem Markenzeichen erhoben hat. Ein perfekter Song, und die Zeile I left Bristol City könnte auch als Maxime für Finks künstlerische Entwicklung stehen: Weg vom - wenngleich unleugbar als Grundton präsenten - Bristoler TripHop à la Massive Attack, hin zu akustischem Folk-Blues. Kein Wunder, dass Fink von der einschlägigen Fachpresse mittlerweile als „Ninja Tune’s Folk-Troubadour“ (motor.de) geführt wird. Warm Shadow ist eine selten schöne Nummer, nervös einerseits und dennoch getragen. So muss sich Schweben anfühlen. Das gilt selbst noch ab dem Moment, wo eine durchdringende Bassdrum dazukommt. Finks Beats stören nie, sie wissen vielmehr in ihren Bann zu ziehen, Widerstand zwecklos.

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Save It For Somebody Else verströmt schon fast Country-Flair, und hier ist der ehemalige DJ wirklich nicht mehr zu hören, womit Fink einmal mehr den Beweis antritt, dass er auch ohne seine Tontechnikkünste Songs zu schreiben vermag, die von zeitloser Schönheit, ja: Eleganz sind und nicht zuletzt durch ihr minimalistisches Arrangement bestechen. Persönlich empfinde ich diesen Song aber nicht als „typisch Fink“, mir fehlt der alles verzaubernde Beat. Den gibt es aber schon wieder bei Who Says, einer ätherisch schönen Nummer mit vertrackten Chören à la Jimi Tenor, die sich in ein nachgerade psychedelisches Finale steigert. Das behutsame Foot In The Door versöhnt den Hörer und tröstet ihn auf seltsame Weise. Berlin Sunrise beschließt das Album so, wie der besungene Sonnenaufgang der Hauptstadt: Müde, etwas verkatert, aber sehr sehr glücklich und schlichtweg - verzaubert.

 

Café del Mar Vol. 17

Café del Mar Vol. 17_Cover

Verzauberte Klangwelten sind nicht gerade das, was den Hörer bei Café del Mar 17 erwartet. Ich weiß nicht, weshalb diese Compilations immer als mindestens Doppel-, besser Dreifach-Album daherkommen müssen, denn, seien wir ehrlich: Die Perlen des Genres sind längst verbraucht, und ließe man das Füllmaterial zu Gunsten der tatsächlich hörenswerten Songs weg, könnte auch eine in die Jahre gekommene Compilation-Reihe wie Café del Mar noch begeistern. Vielleicht geht es aber gar nicht darum. Vielleicht geht es vielmehr darum, dass man nicht so oft aufstehen muss, um die CD zu wechseln, die da für die Klangtapete im Hintergrund sorgt.

Und tatsächlich gibt es Momente, wo man von einer CD nicht mehr erwartet. Beispielsweise wenn einen der thermische Jetlag packt, an einem dieser Augusttage, an denen gestern noch 15 Grad herrschten und man abends am liebsten die Heizung aufgedreht hätte, während das Thermometer heute auf 45 Grad in der Sonne klettert. Da geht nichts mehr. Nicht die kleinste Bewegung. Dankbar freut man sich über jede Arbeitserleichterung, und zweimal 14 Titel sind genau das: musikalische Berieselung für Faule. Schon beim ersten Stück der ersten CD - Y Môr von Glide - offenbart sich allerdings die große Schwäche von Café del Mar 17. Wo Fink mit dezenten Elektronika zu bezaubern weiß, kommen die Beats hier mit dem Vorschlaghammer der Einfallslosigkeit daher. Allein, es ist zu warm, eine neue CD aufzulegen. Was für ein Pech, dass ich beim Umzug die Fernbedienung meines Soundsystems verschlampt habe. Und so sehe ich mich mit einem Hörmarathon aller 28 Songs konfrontiert - allein, froh will mich das nicht machen.

Dass sich hier die unterschiedlichsten Spielarten des Chill, von klassischem Downtempo bis zu treibenden House-Beats, ein Stelldichein geben, lässt das Album eher nervös erscheinen. Und weshalb auf gefühlte achtzig Prozent der Tracks zwingend gesampeltes Wellenrauschen nebst Mövengeschrei gehört, will sich auch nicht so recht erschließen. Mehr Ibiza werden die Songs dadurch auch nicht. Besondern schlimm geratenes Beispiel: Glenn Mains Message To Spain, welches obendrein noch mit einer Pseudo-Flamenco-Gitarre aufwartet. Ohnehin findet sich das Klischee der Spanish Guitar auf fast noch mehr Songs als das Seevogelgekreisch wieder; und auch Bongos sind überdurchschnittlich beliebt. Das Strickmuster für einen Café del Mar-Hit scheint recht variationsarm.

Zu den - wenigen - Highlights von CD 1 gehören sicherlich das perkussive Stück After The Sea des italienischen DJs Stefano Carpi, das mit seiner gedämpften Trompete auch Jazzer-Herzen höher schlagen lässt. Immer wieder gern gehört auch der Ibiza-Klassiker Smile von Luis Hermandez. Ein wirklich großartiger Track ist Starlight von der englischen Indie-Chanteuse Joy Askew, das ein bisschen an History Repeating von Shirley Bassey und den Propellerheads erinnert - allerdings ein History Repeating, das eine handvoll Tranquilizer eingeworfen hat. Wenn schon nervöser Beat, dann so! Askew singt dazu wie eine schläfrige Katze, die gerade geweckt wurde und jetzt zwar ungnädig, aber eben noch nicht richtig wach ist. Toll.

Leider lassen einen Paco Fernandez' pumpende Beats auf Mani In Da House samt nervtötenden Flötenklängen wieder sehr schnell in einer katzenstimmenbefreiten Wirklichkeit landen; und auch, ob die Menschheit eine Schein-Reggae-Nullnummer wie Clelia Felix' Shine So Bright wirklich braucht, sei dahingestellt. Zumindest stört sie nicht weiter. Ein weiterer Tiefpunkt ist Take Time von Stéphanie Mathieu. Sie beweist eindrücklich, dass Vokalnummern nicht immer die Highlights von Chillout-Samplern sind.

Im Gegensatz dazu macht Upside Down von Music On Canvas mit den verführerisch-verschlafenen Vocals von Tabitha und einem das Ätherische des Gesangs konterkarierenden Blubber-Bass alles richtig. So kennt und mag man das Genre. Vom Jazzsaxophonisten Michael Hornstein indessen hätte ich mehr erwartet. Sein Beitrag Boom Boom enerviert als Collage aus überdeutlich-lauter Sprache und seltsamen Enigma-Chören à la Michael Cretu. Muss nicht sein. Filmmusikalisch getragen schließt die erste CD mit Atlan Chills September, inklusive Pseudo-Operngesang. Natürlich darf auch hier die oh-so-romantische spanische Gitarre nicht fehlen. Die Einfallslosigkeit auf Café del Mar 17 ist zum Verzweifeln.

Die zweite CD ist nicht besser, zudem hier durch Alejandro de Pinedos Raindrops das Spätachtzigerjahre-Saxophonsolo zu neuem Leben erweckt wird, das man doch ganz sicher mausetot wähnte. Aber auch hier findet sich zumindest ein großartiger Song: Nobody Can Say von Sabrina Carnevale, der durch eine Mischung aus Zwanzigerjahre-Stil und zeitgenössischen Elektronika besticht. Kühl, zurückhaltend, einfach klasse. Fast noch schöner: Residence Lounge von Gitano & Deep Josh mit dem betörenden Gesang von Koo. Für solche Songs liebt man Café del Mar! Ähnliches gilt für den Red Roses Remix by Lemongrass von Crystins Something Beautiful.

Auch Luis Hermandez begegnen wir hier wieder, diesmal mit der gedämpften Trompetennummer A TuLado. Auf Hermandez kann man sich verlassen, seine Stücke sind durchweg angenehm und reißen so einiges heraus, was ansonsten im Argen liegt auf Café del Mar 17. Dafür allerdings muss man sich die Compilation nicht kaufen. Mit einem Luis-Hermandez-Album ist man allemal besser versorgt - dem verzeiht man selbst die obligatorischen Flamenco-Gitarren. Auch die Bliss Memories von Solaris Navis können überzeugen. Entweder hat sich Café del Mar 17 zum Ende der zweiten CD extrem gesteigert - oder aber der Hörer wurde mittlerweile derart eingelullt von der strandatmosphärischen Soße, dass er alles gut findet.

Sehr seltsam, aber wenigstens originell (keine Gitarren! keine Möven! keine Wellen!) ist Elimars Ropsody, die mit ihren schrubbenden Kontrabässen an die Auftrittsmusik eines Boxers erinnert. Die geflüsterten Strophen wollen dazu nicht so recht passen; es klingt, als würde Janet Jackson für Henry Maske komponieren. Merke: Klassische Elemente in elektronische Musik einzubauen macht diese nicht unbedingt besser. Der letzte Song der Compilation - Elmaras Transit - könnte belangloser nicht sein, und so entlässt einen Café del Mar 17 mit demselben Gefühl, mit welchem man empfangen wurde: dem von durchaus verzichtbarer Klangtapete in den Gehörgängen.

Fazit: Café del Mar 17 ist etwas für Sammler der Reihe. Oder für Menschen, denen es egal ist, was bei ihnen im Hintergrund läuft. Für alle anderen gibt es inspirierendere Chill-Out-Compilations, beispielsweise die Hotel-Costes- oder die Mezzanine-de-l'Alcazar-Reihe, ja, selbst das zwiespältige Relax.

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics so, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

für all jene, die weibliche stimmen mögen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

an vielseitigkeit kaum zu überbieten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

songs, die bis in die träume verfolgen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

frontalangriff auf die lachmuskeln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

rauschhafte zirkusmusik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schmales jüngelchen aus brighton

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ninja tune’s folk-troubadour

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schlichtweg verzaubert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

musikalische berieselung für faule

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein wirklich großartiger track

 

 

 

 

 

 

 

 

verführerisch:
verschlafene vocals

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

sehr seltsam, aber wenigstens originell