glanz und gloria?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ausgezeichnet
ohne zuschlag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

damals & heute

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

suess!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

statement

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

klein und groß?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

am liebsten
mit röhre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ausgefallener ausklang


Glanzstück

Beim Schlendern in Richtung Fahrstuhl kommt mir auf einem Stand im Foyer des Hotels ein leibhaftiger Glanz MH 124-SX (www.walterkircher.com) vor die Linse. Was das ist? Nein, es handelt sich nicht um Harry Potters Besen aus dem ersten Buch. Sie kommen noch nicht drauf? Kein Beinbruch, denn der bislang nur in homöopathischen Dosen in Europa vertretene Zwölf-Zoll-Tonarm aus Stainless Steel der höchsten Güteklasse ist sicher eine der exklusivsten Möglichkeiten, einen hart aufgehängten Tonabnehmer zu fahren und gehört eindeutig in die Kiste, aus der sich eingefleischte Hardcore-Analogis zu bedienen pflegen. Gebaut wird er natürlich in Japan, genauer von Hamada-Electric in Shizuoka. Wahre Wunderdinge werden bezüglich Dynamik und Attacke berichtet, die Tonabnehmer am Headshell des schweren, gediegen verarbeiteten MH 124-SX entwickeln sollen. Schade, hören kann man ihn heute leider nicht, doch plant der Vertrieb einen Einsatz des Glanz auf den Norddeutschen HiFi-Tagen Anfang Februar. Dann eben etwas warten. Ein Spontankauf wäre im Arcotel allerdings schon noch drin, doch müsste ich dann meiner lieben Gattin daheim den Verbleib von 9.998 Euro erklären.

Tommy Pilat und Band
Tommy Pilat und Band

Der fünfte Stock des Arcotels ist wieder einmal ausschließlich den Klangbildern vorbehalten. In den Zimmern gibt es immer wieder ungewöhnliche und klanglich ausgezeichnete Vorführungen zu entdecken. Dass die nicht immer zwingend mit dem im Highend-Bereich üblichen Expresszuschlag versehen sein müssen, beweisen Spendor (www.spendoraudio.com) und Vincent-TAC (www.vincent-tac.de).

spendor vincent
Spendor und Vincent

Die relativ handlichen Standlautsprecher A6 R zu 3.700 Euro das Paar musizieren an der Vincent-Elektronik mit einem warmen, zu den Höhen hin elegant-seidigen Ton und laden zu intensiverem Hinhören ein. Vincents CD-Spieler CD S7 DAC und Vorstufe SA-T7, sowie die beiden Hybrid-Monoendstufen T700 schlagen mit 2.200 Euro, 2.500 Euro und 2.000 Euro pro Stück zu Buche. Diese Kombi klingt deutlich erwachsener und größer als es die Physis der Boxen vermuten lässt, wobei natürlich eine echte Full-Range-Wiedergabe hier nicht erwartet werden darf. Aber unterhalb dessen kann die Kette auch mit deutlich teureren Installationen klanglich mithalten.

Thorens
Thorens

Unterstützung bekommt sie dabei durch den Plattenspieler Thorens TD 905 (www.thorens.com). Das mittlere Modell der drei Dreher umfassenden neuen 900er-Reihe des Traditionsherstellers wird voraussichtlich mit Tonarm für 7.500 Euro in den Handel kommen, ist aber mit dem montierten MC Benz Ace hörbar „untermotorisiert“. Ein Gullwing oder gar ein LP S würde den piekfein verarbeiteten und mit einem streng kolbenförmig schwingendem Subchassis versehenen TD 905 sicher nicht überfordern.

Technics
Technics Grand Class SL-1200GAE

Wer in meinen Jugendjahren keinen Thorens sein eigen nannte, hatte garantiert eine Plattenspieler von Technics (www.technics.com) im HiFi-Regal stehen. Die direkt angetrieben Technics-Laufwerke haben die Jahrzehnte überdauert, hauptsächlich wohl wegen ihrer Beliebtheit unter den DJs, aber nicht zuletzt auch aufgrund klanglicher Meriten. Letzter Höhepunkt dieser Geschichte ist die Neuauflage des SL-1200 von Technics als Grand Class SL-1200 GAE Limited Edition. Der inzwischen ausverkauften, auf 1200 Stück limitierten Erstauflage folgt bereits ab September eine - nur in eher nebensächlichen Punkten veränderte - Serie für 3.500 Euro namens SL-1200G. In Wien gibt es die Seriennummer 0000 der Limited Edition zu bestaunen. Der glückliche Besitzer bittet übrigens von eventuellen unsittlichen Kaufangeboten Abstand zu nehmen, da er das superseltene Exemplar als Familienerbstück betrachte und auch hohe Summen daran nichts ändern könnten.

technics
Technics Vor/End-Kombi mit Technics SB R1-Lautsprechern

Erwerben lässt sich dafür aber die Technics-Kette mit der die Vorführung bestritten wird. Da wären die Vorstufe SU R1 (7.000 Euro) die Endstufe SE R1 (13.000 Euro) und die Referenzlautsprecher SB R1 (20.000 Euro).

Joachim Gerhard
Joachim Gerhard (ganz rechts) von Suesskind Audio

Im Raum des Klangstudios Trauner von den Ufern des Attersees darf mit Entwicklerlegende Joachim Gerhard diskutiert werden. Worüber? Sicher nicht über den Klang seiner Lautsprecher Suesskind Pulse Deluxe (www.suesskindaudio.de) für 10.800 Euro Paarpreis oder der viel kleineren und deutlich günstigeren Phänomen zu 1.800 Euro, denn an deren tonalem Potenzial gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Das kleine Energiebündel Phänomen scheint darüber hinaus auch noch gar nicht kapiert zu haben, dass es zur ernsthafter auftretenden Pulse einen gewissen Respektabstand einzuhalten hat.

Suesskind
Suesskind-Lautsprecher, im Hintergrund Elektronik von Airtight

Auf jeden Fall eine der derzeit günstigsten Möglichkeiten einen aktuellen Lautsprecher Joachim Gerhards genießen zu können. Wolfram Trauner hat mit der Airtight Endstufe ATC 1 (5.900 Euro) und der passenden Vorstufe ATM 1S (7.900 Euro) stilsicher für adäquate Verstärkung gesorgt. Die gespielte Musik bei meinem Besuch, Miriam Makeebas Album Homeland von 2000 (auf Amazon anhören), ist zeitlos gut und ebenfalls eine dicke Empfehlung wert.

Phantom Arts
Phantom Arts

Richtig spannend wird es auf den Klangbilder immer dann, wenn bei uns unbekannte Hersteller aus den österreichischen Nachbarländern ihre oft liebevoll über Jahre hinweg entwickelten Geräte in Wien vorstellen. Einen Vollverstärker wie Phantom Arts Auriga aus der Slowakei kann ich mir aus deutschen Landen nur schwer vorstellen. Das Trumm von Verstärker bringt 42 Kilo auf die Waage, ist unglaublich aufwendig gefertigt und nutzt eine spezielle hybride Röhren-Mosfet-Schaltung, um anschließend 80 saubere Watt an 8 Ohm abzuliefern. Der Dämpfungsfaktor von 1000 erzeugt schon etwas Ehrfurcht und dass auch noch ein vollwertiger DAC an Bord ist, gehört ja heutzutage fast schon zum guten Ton. Das Chassis besteht auch Inox-Edelstahl und einem Spezialglas. Der Preis des Auriga liegt bei rund 25.000 Euro. Nach Einschätzung vieler Besucher schwankt der optische Eindruck, ähnlich wie bei Hamburgs Elbphilharmonie, zwischen „spektakulär“ und „gewöhnungsbedürftig“. Der erste Höreindruck: Eine durchaus gelungene Balance zwischen kraftvollem Antritt und harmonischer Finesse.

Naim & Neat
Superlative von Naim und Neat

Auch schräg gegenüber ist man vor Superlativen nicht sicher. Die hoch aufragenden, 25.000 Euro teuren Ultimatum XL 10 von Neat (www.neat.co.uk) dürften im Zusammenspiel mit Naims Statement-Elektronik für 220.000 Euro vermutlich die teuerste Kette der Klangbilder abgeben. Die eigentliche Novität ist aber im Nebenraum zu bestaunen und viel kleiner:

Naim Atom
Naim Atom

Naim (www.naimaudio.com) ist dabei seine seit 2007 erfolgreich am Markt positionierte Uniti-Serie zu ersetzen. Der Atom ist eines der Schlüsselprodukte in der Reihe neuer Uniti-Komponenten. Das Design lehnt sich auf pfiffige Art und Weise an die Statementgeräte an. Besonders cool: Der große Volumenregler, der oben auf dem Atom sitzt und mittels der eingearbeiteten optischen Elemente über die eingestellte Lautstärke informiert. So ähnlich werden in anderen Galaxien wahrscheinlich Raumschiffe gesteuert. Was ist der Atom? Zum Preis von voraussichtlichen 2.198 Euro gibt es einen multiroomfähigen Vollverstärker, Streaming Client, Webradio, Music-Server, CD-Ripper und D/A-Wandler. Gut möglich, dass ich etwas vergessen habe.

Azinov Acoustics
Azinov Acoustics Alpha und Phi

Vor zwei Jahren hat mich Azinov Acoustics (www.azinov.com) mit einem ungewöhnlichen Aktivlautsprecher klanglich überzeugen können. Nun treffe ich Peter Azinov wieder. Inzwischen hat er seinem großen System Alpha eine kleinere Version, die Phi an die Seite gestellt. Wobei sich nach Azinovs Lesart „kleiner“ in erster Linie auf das einteilige, nach wie vor massivhölzerne Gehäuse und die abgespeckte Elektronik, die nun mit Class-D-Verstärkern und DSPs aufgebaut ist, zu beziehen scheint. Die von Azinov mit bedacht gewählten Chassis finden sich auch im einteiligen Schallwandler, nur das hier zwei Achtzöller anstelle eines Zehnzoll-Chassis im geschlossenen Gehäuse ihren Dienst verrichten. Damit verfügt die „Kleine“ nominell sogar über die größere Membranfläche. Die klangliche Verwandtschaft zum großen System ist sofort auszumachen. Tonale Richtigkeit, stimmige Größen- und Raumabbildung, dazu eine Dynamikentfaltung, die nur von exzellenten Hornlautsprechern übertroffen werden dürfte. Azinovs Kleine spielt ganz groß auf. Mit 9.989 Euro kostet sie nahezu nur noch die Hälfte des großen Systems.

Ichos Audio
Ichos Model N°Three

Im Juli hatte fairaudio Ichos N°Two im Test und attestierte dem im Mittel-Tieftonbereich mit einem Backloaded-Horn ausgestatteten, im Hochton aber als Dipol konzipierten Standlautsprecher nicht nur eine außerordentlich dynamische Impulsverarbeitung, sondern auch mit Elektronik klarzukommen, die nicht exorbitant teuer sein muss. Am liebsten machen’s die Ichos natürlich mit einer guten Röhre. Doch Ichos-Chef Robert Rothleitner hat sich nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht, sondern seine Schallwandler konsequent verfeinert. So lässt er das Hochtönergehäuse nun aus einem massiven Block Aluminium fräsen und auch bei Qualität und Design der Lautsprechergehäuse hat sich einiges getan. Nebenbei wurde auch noch das etwas wohnraumfreundlichere Model N°Three fertig.

Ichos

An Röhrenverstärkern von Ikon Audio, die uns bereits auf dem Analogforum in Krefeld gut gefallen haben, fühlt sich Nummer Drei offensichtlich pudelwohl und beweist Feinsinn und Attacke gleichermaßen. Das sehen andere Besucher anscheinend genauso, weshalb bei Ichos Sitzplätze an allen Tagen Mangelware waren. Einziger Wermutstropfen: Ichos musste aufgrund der gestiegenen Fertigungskosten die Preise der wertig anmutenden Lautsprecher anpassen. Ein Paar Model N°Three wechselt nun für 7.900 Euro den Besitzer.

SuperSonic
SuperSonic

Zum Ausklang darf es wieder etwas ausgefallener werden: SuperSonic (www.supersonic.at) aus Wien sind der diplomierte Elektrotechnik-Experte Richard Sbüll und Möbeldesigner Martin Kristofczak. Beide eint die Liebe zum Design der 1950er und 60er Jahre. Sbüll, der bereits in jungen Jahren an alten Röhrenradios herumgeschraubt hat, integriert zeitgemäße Technik wie Bluetooth- oder Airplay-Module in die alten Gehäuse. Dabei erhält und nutzt er nach Möglichkeit die alten Schaltungen, schreckt aber auch vor Komplettrestaurierungen nicht zurück. So wird, wenn erforderlich, auch schon mal ein Subwoofer unsichtbar in den Ständer eines alten Röhrenradios integriert, denn schließlich soll mit SuperSonics Geräten auch Party möglich sein.

SuperSonic
SuperSonic

Durchschnittlich sind für von SuperSonic veredelte Geräte 1.000-3.000 Euro anzulegen. Der absolute Hingucker des kreativen Duos ist allerdings das Musikmöbel SS 1000 (obiges Bild), welches nicht nur eigene Röhrenhybrid-Amps, sondern ebenfalls einen selbstentwickelten D/A-Wandler enthält und ganz nebenbei auch noch die klangliche Performance des heimisches TVs auf Top-Niveau bringt. Wer sich so ein edles Teil ins eigene Wohnzimmer stellen möchte, muss so um die 30.000 Euro anlegen. Nicht wenig, doch dürften Aufmerksamkeit und Bewunderung, die das Musikmöbel mit sich bringt, schwerlich mit Geld aufzuwiegen sein, oder?

Klangbilder Wien
Fazit: An Höchstleistungen herrschte auf den Wiener Klangbildern mal wieder in keiner Weise Mangel ...

 

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