Messebericht: High End 2016 in München

Big Beat

Messebericht: High End 2016 in München

Mai 2016

Just zwischen den Tagen, an denen man Vater und Mutter ehren soll – nämlich vom 5. bis 8. Mai 2016 – fand in München die High End statt, und das zum inzwischen 35. Mal. Andächtig ging's dort freilich nicht zu, eher schon geschäftig-wuselig und ganz schön lautstark. Die seitens des Veranstalters, der High End Society, sehr professionell gemanagte Veranstaltung wird dabei immer internationaler, nicht nur, was die Besucher angeht, sondern auch in Sachen Aussteller. Über 60 % dieser stammten heuer aus dem Ausland, was einen neuen Rekord markiert.

Hört man über die CES von vielen aus der Branche schon seit Längerem eher wenig Schmeichelhaftes, nämlich das diese traditionell zu Jahresanfang in Las Vegas stattfindende Messe für den Audiobereich immer weniger Relevantes bietet, scheint in München der umgekehrte Trend vorzuliegen. Gut für die deutsche HiFi-Szene! Die High End hat eine sehr lange Tradition, regen Zulauf und wird internationaler. Da ist man fast geneigt zu sagen, sie habe sich zu Vater und Mutter aller Audiomessen gemausert: Dieses Jahr kamen knapp 20000 HiFi-Interessierte ins MOC, in dem 518 Aussteller aus 42 Ländern ihre Produkte präsentierten.

Natürlich war auch fairaudio vor Ort – und zwar gleich mit einem Halbdutzend Redakteuren. Wir haben mit vielen Entwicklern und highfidelen Überzeugungstätern gesprochen und so einige interessante Neuigkeiten in Augen- und Ohrenschein genommen. Gleich im nächsten Absatz geht's los mit einem allgemeinen Messerundgang, der auf der nächsten Seite fortgesetzt wird. Ab Seite drei wird's dann spezieller: Michael Bruß berichtet von Highlights aus der Streaming- und Computeraudio-Welt, während Frank Hakopians interessante Plattenspieler, Tonarme und Tonabnehmer vorstellt. Auf die Ohren gibt's dann mit Thomas Kopanz - Kopfhörer, In-Ears und Headamps sind sein Schwerpunktthema. Last but not least lässt uns Martin Mertens an seinen persönlichen Klangimpressionen von der High End 2016 teilhaben. Na dann – auf ins Getümmel!

Rundgang über die High End 2016
mit Ralph Werner

Zweiundzwanzigtausendfünfhundert. Aus ungefähr so vielen Teilen besteht dieser recht gigantische Lautsprecher-Nachbau, und wer genau hinschaut, sieht auch, um was es sich dabei handelt.

Dynaudio
Herr Roland Hoffmann, seines Zeichens „Senior Manager Dynaudio Academy“, vor der Lego-Dynaudio

Der pixelige Look ist nämlich nicht etwa der mangelnden Qualität des Fotos geschuldet, sondern dem speziellen Baustoff: Lego-Steine. Das kommt also dabei heraus, wenn sich zwei Dänen treffen, könnte man lapidar sagen, denn die Vorlage für den schwarzen Obelisken gibt die Focus XD 600 (von uns im Original getestet) des wie der legendäre Bauklotzhersteller in Dänemark beheimateten Lautsprecherspezialisten Dynaudio (www.dynaudio.de).

Klugerweise hatte man ihn gleich vorne im Atrium 3 des Münchner MOCs aufgestellt, diente er dort doch gleichzeitig auch als Wegweiser zum Ausstellungsraum der Dänen.
Dort angekommen gab es die „echte“ Neuigkeit von Dynaudio zu sehen und zu hören: The new Contour.

Dynaudio Contour

Die Contour-Linie kann inzwischen auf eine 30-jährige Tradition zurückblicken, zuletzt wurde in 2014 mit den sogenannten „LE“-Modelle eine weitere Verfeinerung des bestehenden Konzeptes lanciert. Die zur High End erstmals präsentierten Modelle sind freilich komplette Neukonstruktionen, so Roland Hoffmann: neue Treiber, neue Gehäuse, neue Frequenzweichen. Zu den Highlights zählen unter anderem:

  • Dynaudios edelste Hochtonkalotte „Esotar²“ hält in die Contour-Reihe Einzug
  • längere Schwingspulen bei den Woofern sollen deutlich längere, lineare Auslenkungen und damit mehr Basspower ermöglichen
  • das Design des Lautsprecherkabinetts wirkt organischer, runder, auf der Front gibt es weiterhin eine Aluminiumschallwand

Dynaudio Contour

Die neue Dynaudio-Contour-Familie besteht aus vier Mitgliedern – dem kompakten Modell Contour 20 (4.500 Euro), den beiden Standsäulen Contour 30 (7.000 Euro) und 60 (9.000 Euro) sowie dem Center Contour 25C (3.250 Euro/St.) – und soll ab September 2016 in den Fachhandel kommen.

Wen es lautsprecherseitig zu (noch) Größerem zog, der konnte bei Piega (www.piega.ch) fündig werden. Deren Schöpfung „Master Line Source 2“ (65.000 Euro) war auf der Messe zwar nicht zu hören – dies konnten Interessierte beim Münchner Händler Lifilike nachholen –, aber in einer üppig dimensionierten Glasvitrine zu sehen. Der Clou bei diesem Lautsprecher liegt in dem mit vier übereinandergestapelten Bändchen aufgebauten Linienstrahler mit Dipolcharakteristik, bei welchem der rückwärtige Schall durch eine Akustiklinse geführt wird, die ein Diffusschallfeld erzeugt. Hierdurch soll Piegas Master Line Source 2 wie ein „normaler“ Lautsprecher aufgestellt werden können, erhöhte Anforderungen aufgrund des Dipol-Prinzips entfallen, so Produktmanager Guido Lay. Ultrahighend meets Alltagstauglichkeit, scheint das Motto zu lauten.

Produktmanager Guido Lay neben Piegas Master Line Souce 2
Produktmanager Guido Lay neben Piegas Master Line Souce 2

Mit der AP 1.2 haben die Schweizer Lautsprecherbauer freilich auch etwas Kleineres, Portemonnaiefreundlicheres im Angebot. Der hübsche, dreieckige Piega-Zweiwegler mit Bändchentechnologie fühlt sich auf dem Schreibtisch, dem Lowboard oder gleich direkt an der Wand (die Montage-Halterungen dafür gibt's inklusive) wohl und liegt preislich bei 1.380 Euro.

Meine Box, die hat drei Ecken: Piegas AP1.2
Meine Box, die hat drei Ecken: Piegas AP1.2

Piega wird in Deutschland von in-akustik (www.in-akustik.com) vertrieben – einer Marke, die selbst vornehmlich für ihr Kabelprogramm bekannt ist. Aus diesem präsentierte Produktmanager Tobias Tritschler in München die neu aufgelegte, zweitgrößte Serie des Unternehmens, die „Exzellenz“-Reihe.

Tobias Tritschler präsentierte uns in-akustiks neue Excellenz-Kabelserie
Tobias Tritschler präsentierte in-akustiks neue Exzellenz-Kabelserie

in-akustik

Die grundlegend überarbeitete Produktfamilie umfasst neben den gängigen analogen und digitalen Verbindern auch HDMI-, USB- und Netzwerk-CAT6-Strippen und darf als durchaus bodenständig gepreist durchgehen. Beispiele: anderthalb Meter RCA-Kabel: 126 Euro / ein Meter USB-Kabel, Typ A auf B: 46 Euro / Lautsprecherkabel LS-40, 2 x 3 m: 200 Euro. Das ist ja regelrecht erfrischend im Vergleich zu dem, was sonst häufig aufgerufen wird.

Antony Michaelson vom britischen Elektronikhersteller Musical Fidelity hatte ebenfalls Interessantes im Gepäck – Mann und Marke waren im Raum von Reichmann Audiosysteme (www.reichmann-audiosysteme.de) zu finden, die auch für den Thorens- und Triangle-Vertrieb verantwortlich zeichnen.

Auf Wolke sieben? Musical-Chef Antony Michaelson mag seinen neuen Vollverstärker Nu-Vista 600
Auf Wolke sieben? Musical-Chef Antony Michaelson mag seinen neuen Vollverstärker Nu-Vista 600

Hier war zum einen der Vollverstärker Musical Fidelity Nu-Vista 600 zu sehen, der ab August in die Läden kommen soll: Der kleinere Bruder des großen Musical-Integrierten Nu-Vista 800 (11.000 Euro) hat logischerweise etwas weniger Leistung in petto als dieser, gibt sich mit 2 x 200 Watt an 8 Ohm aber alles andere als schmalbrüstig. Freuen dürfte potenzielle Interessenten, dass der Nu-Vista 600 prinzipiell auf der gleichen Schaltung wie der 800er beruht – und, was den Endstufentrakt angeht, auf den von uns getesteten Musical Fidelity M8-700-Monos –, dabei aber wesentlich günstiger ist: Es werden „nur“ 6.000 Euro fällig.

Musical Fidelity M6 Encore

Zum anderen zog der Musical Fidelity M6 Encore viel Interesse auf sich – ein sogenanntes „Streaming Music System“, welches schon gegen Ende Mai/Juni verfügbar sein wird. Neben dem Streamen beherrscht der Encore auch die CD-Wiedergabe und rippt dabei standardmäßig die eingeschobenen Silberscheiben auf seine interne 1-TB-Festplatte (2.5”, SATA II), an die man – löblicherweise – über eine Klappe auf der Rückseite herankommt, für den Fall, dass man austauschen oder upgraden möchte.

Musical Fidelity M6 Encore

Digitale und analoge Inputs bietet der Encore reichlich, regelbare und fixe Pre-Outs sowie einen Kopfhörerausgang ebenfalls – und mittig auf der Front hält einen das farbige Highres-Display auf dem Laufenden. Der Encore 225 hat einen Endverstärker mit an Bord und liegt preislich bei 5.299 Euro. Es gibt das Gerät auch ohne Endstufen, dann nennt es sich Encore Connect und kostet 4.299 Euro.

Bei Musical Fidelity habe er in der Entwicklung gearbeitet, lange Jahre aber auch bei Cambridge Audio, zuletzt als deren Technischer Direktor, vertraute mir Matthew Bramble an – bis er sich dann entschieden habe, sein eigenes Ding zu machen.

Matthew Bramble von Musaic stellte uns den MPL vor
Matthew Bramble von Musaic stellte uns den MPL vor

Das eigene Ding nennt sich Musaic (www.de.musaic.com) – und das junge Unternehmen hat nun nicht mehr nur multiroomfähige One-Box-Musicplayer im Angebot, sondern auch ein kleines, schlaues Kästchen namens Musaic MPL, das vor allem dazu taugt, bestehende „traditionelle“ HiFi-Anlagen in die Streamingwelt zu führen. Und das zu überschaubaren Kosten: 329 Euro werden aufgerufen.

Musaic MPL

Musaic MPL

Ab Juni/Juli soll es in den Handel kommen. Im Innern werkelt ein Sabre-DAC, der sich auf Daten bis zu 24 Bit/192 kHz versteht – digital geht es optisch und elektrisch per S/PDIF-Format hinaus, analog kann das Signal via Cinch abgegriffen werden. Gesteuert wird das Ganze mit einer selbst entwickelten App, die dem Vernehmen nach intuitiv bedienbar sein soll. Streamingdienste wie Spotify, Napster und andere sind schon eingebunden, Tidal wird in Kürze hinzukommen.

Musaic befindet sich im Vertrieb von Phonar – wie auch Music Hall (www.music-hall.eu), die in München gleich drei neue Plattenspieler zeigten: mmf-5.3, mmf-7.3 und mmf-9.3.

Music Hall Plattenspieler

Allen gemein ist der Sandwichaufbau der Zarge, wobei es natürlich bei der Anzahl der Schichten und in der Art und Weise des Aufbaus Unterschiede gibt – die sich auch preislich niederschlagen. Gleichwohl darf man wohl alle drei als noch recht budgetfreundlich bezeichnen. Die UVPs reichen von 499 Euro bis 1.799 Euro.

Analog und leistbar – da hatte natürlich auch Dual (www.dual-plattenspieler.eu) etwas anzubieten, nämlich den neuen, zweitgrößten Dreher im Portfolio, der auf den Namen CS 550 hört und mit 1.199 Euro ausgepreist ist.

Christian Fröhling von Sintron Audio mit dem neuen Dual CS 550
Christian Fröhling von Sintron Audio mit dem neuen Dual CS 550

Er besitzt den gleichen Tonarm, Motor und Tellerlager wie das Topmodell CS 600 und wird von einem elektronisch geregelten Gleichstrommotor über einen Flachriemen angetrieben. Der Tonarm ist höhenverstellbar, zwar nicht ganz so bequemt wie beim großen Bruder, sondern über Unterlegscheiben – aber immerhin. Christian Fröhling vom Vertrieb Sintron Audio scheint es zu freuen.

Vincent SP-20 20th Anniversary Edition

Für gute Laune sorgt aber auch das limitierte Endstufen-Jubiläumsmodell der Marke Vincent (www.vincent-tac.de, wir hatten neulich den Vollverstärker Vincent SC-500 zu Gast) namens SP-20 20th Anniversary Edition. Der in Hybridtechnik aufgebaute Stereo-Endverstärker leistet 2 x 150 Watt an 8 Ohm (die „ersten 10“ dabei in Class-A) und basiert auf dem Modell SP331MK, macht nicht zuletzt auch optisch dank großer VU-Meter-Augen aber mehr her. Preispunkt: 2.099 Euro

Was her machen – das tun auch die neuen Racks des deutschen Herstellers bFly Audio (www.bfly-audio.de). Bisher vor allem für Entkopplungsfüße und -basen bekannt (wir berichteten: PowerBase, BaseTwo & Phonozubehör, Absorberfüße), hat er nun also auch Audiomöbel im Programm. Derer drei gibt es: Industrial, Industrial-X sowie Natur-X.

bFly-Audios Reinhold Schäffer hinter seinem neuesten Streich, dem HiFi-Rack Natur-X
bFly-Audios Reinhold Schäffer hinter seinem neuesten Streich, dem HiFi-Rack Natur-X

Das erstgenannte besitzt Stellflächen aus 30 mm starkem Multiplex, als tragende Säulen dienen kräftige Gewindestangen und die Platten werden von rustikalen Muttern gehalten. Die Version mit dem „X“ am Ende zeichnet sich durch noch dickere Gewindestangen, 40-mm-Massiveichenböden und in die Stellflächen versenkte Muttern aus.

Detail bFly-Rack

Beim Modell Nature dagegen werden die Gewindestangen durch Eiche-massiv-Seitenwände ersetzt. Allen bFly-Racks ist gemein, dass sie auf den hauseigenen Entkopplungsfüßen stehen. Preislich bleibt man – typisch für die Marke – auf dem Teppich: In der Version mit jeweils vier Ebenen liegen die Modelle bei 899 Euro, 1.499 Euro und 1.899 Euro.

bFly Rack

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wird immer internationaler

 

 

 

 

 

 

 

 

auf ins getümmel!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

beim aufbau ist geduld gefragt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ultra und alltag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein paar
nummern kleiner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und nu?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

beherrscht
so einiges

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

macht sein
eigenes ding

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

klein, aber oho

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

leckeres sandwich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

erfreulich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

hat jetzt racks
im angebot