Journalist, Schlagzeuger
Wenn ich als Jugendlicher das Haus verließ, führte ich regelmäßig einen Kalksandstein mit mir. Bauarbeiter kennen ihn wegen seiner schalldämmenden Eigenschaften und seines nicht gerade geringen Gewichts. Mir ging es aber nicht um Ruhe und Stille, sondern um das Gegenteil: größtmöglichen Krawall.

Von meinem ersten per Ferienjob selbstverdientem Geld hatte ich mir mein erstes tolles Schlagzeug gekauft: ein „Sonor Signature“ für billig, Kessel aus Bubinga, quadratische Kesselmaße, an sich schon sauschwer. Und nun war es halt so, dass Simon Phillips, nach Ginger Baker mein zweites großes Drummer-Idol, laut einem VHS-Lehrvideo seine Fußtrommeln künstlich beschwerte, weil durch die angeblich vergrößerte Kesselmasse der Sound definierter und insgesamt megakrass werde.
Und so gingen die Jahre dahin: Meine Freunde und ich schleppten das übergewichtige Schlagzeug und den unverzichtbaren Klangstein erst in das örtliches Jugendzentrum, später sogar bis nach Bielefeld.
Eines Abends verspürte der Kulturchef der ortsansässigen Lokalzeitung nur wenig Lust, das Konzert des Schlagwerkers Peter Sadlo zwecks Berichterstattung zu besuchen. Jazz, ja, das ist doch noch Musik! Aber Mallets, kleine Trommel und das ganze Percussion-Geklapper? 50 Mark bekam ich für die Konzertrezension. Das war viel Geld, und ich hatte einen Beruf noch vor dem Führerschein.
Ich schrieb Musikmagazine voll und große Boulevard-Zeitungen, Herrenmagazine und das Feuilleton. Ich trank mit Lemmy, sprach mit Beyoncé. Am liebsten aber mit deren Roadies, Guitar-Techs und Mastering-Ingenieuren. Denn eigentlich ist die Frage ja: Wie macht man eigentlich Musik? Wie stellt man sie her? Muss man mit den Geistern frühstücken wie Ginger Baker oder braucht man ein zusätzliches Gewicht für die Bass Drum wie Simon Phillips? Oder beides?

HiFi-Anlagen sind dabei eine große Hilfe. Mich interessiert die räumliche Abbildung und ein hoher Schalldruck, wie ich es von einem Schlagzeug kenne. Stereopanoramen, in denen die HiHat rechts organisiert ist, irritieren mich. Eine möglichst hohe Qualität der Hörgeräte kann hilfreich sein – wobei ich eine der prägendsten Hörerfahrungen auf einem Dual CS 601, einem Rotel RX-602 mit gedrückter Loudness-Taste und den Heco Soundmaster 15 gemacht habe. Das hatte sich mein Vater von seinem ersten Geld gekauft. Heute wohne ich in Berlin, arbeite hauptberuflich in einer Werbeagentur und spiele ein Gretsch USA Custom. Den schweren Stein habe ich nicht mehr.