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Test: Flux HiFi Sonic | Nadelreiniger | Preis: 129 Euro

Nadelwäsche

Flux HiFi Sonic

Februar 2016 / Ralph Werner

Manchmal muss einfach eine alte Idee wieder aufgenommen und verfeinert werden, schon kommt ein Produkt heraus, das ziemlich konkurrenzlos dasteht – die Rede ist vom Flux-Sonic-Nadelreiniger (www.flux-hifi.de). Ich jedenfalls wüsste nicht zu sagen, wer sonst noch ein elektrisch betriebenes Bürstchen zur Säuberung des Tonabnehmerdiamanten anböte. Erstaunlich, oder?

Natürlich ist das Grundkonzept nicht neu. Schon vor vierzig Jahren gab es Ähnliches. Aber nach dem zwischenzeitlichen Siegeszug der CD und dem damit korrespondierenden Niedergang der Schallplatte war der Markt für solcherlei Zubehör offenbar für zu klein taxiert worden, weshalb es verschwand. Interessierte mussten sich auf eBay oder anderen Börsen nach Gebrauchtgeräten umschauen, und auch heute lassen sich dort noch „E-Bürstchen“ wie die Audio Technica AT-637 ersteigern. Nach gefühlten zehn-fünfzehn Jahren Analogrevival wurde es jetzt aber höchste Zeit für einen neuen Anlauf.

Flux Sonic

Wie säubern Sie eigentlich Ihre Nadel? Ich halte mich da für einen ziemlichen Normalo. In meinem Analogleben sind wahrscheinlich ein Dutzend unterschiedliche Bürstchen durch meine Hände gewandert, „hängen geblieben“ bin ich bei einem arg simplen Modell, das, so glaube ich, dem Denon-103er-Pickup standardmäßig beiliegt – eines mit langen, weichen Kunststofffasern. Für die eigentliche Nadelreinigung recht mau, aber wenn mal lange Flusen hängen bleiben, kann man es ganz gut gebrauchen. Oder auch um den Tonabnehmer als Ganzes zu entstauben. Am häufigsten verwende ich aber ein kleines Carbonbürstchen und vermutlich geht es den meisten so. Das Ding dürfte fast so verbreitet sein wie die klassische zweizeilige Carbonbürste für die Platten. Das Faserbündel ist so dicht gepackt, dass wirklich mehr herunterkommt als bei einem langhaarigen Modell. Und dann habe ich natürlich auch noch einen flüssigen Nadelreiniger, den ich selten, aber wenn, dann meist zusammen mit genannter Carbonbürste einsetze: Tröpfchen aufs Bürstchen, und dann gaaanz langsam „schrubben“.

„Konkurrenten“: manuelles Reinigungsbesteck vs. Flux Sonic
„Konkurrenten“: manuelles Reinigungsbesteck vs. Flux Sonic

Prinzipiell habe ich damit fast schon alles zur Wirkungsweise des Flux-Sonic-Nadelreinigers gesagt: Dessen Bürstenkopf sieht einer normalen Carbonbürste nämlich zum Verwechseln ähnlich (er ist allerdings größer) und für die Reinigung soll man zunächst einen Tropfen der dem Flux beiliegenden Flüssigkeit auf die Bürste applizieren. Dann kommt freilich der Part, den man manuell nicht mehr hinbekommt – man drückt oben aufs Knöpfchen und die Bürste fängt an zu vibrieren. Netterweise wird dabei der Landeplatz für die Tonabnehmernadel perfekt ausgeleuchtet. Also: Nadel runter auf die Bürste, 15 Sekunden warten, wieder hoch damit. Das war es.

Reinigung einer NAdel mit den Flux Sonic

Bei empfindlicheren Naturen könnten sich jetzt Sorgen einstellen: „Schaden so heftige Vibrationen meinen Tonabnehmer?“ – „Nein, denn es gibt keine heftigen Vibrationen!“, antwortet sinngemäß der Hersteller darauf. Beim Flux-Sonic werde der Bürstenkopf mit einer vergleichsweise niedrigen Frequenz von 222 Hertz in drei Richtungen bewegt, so Herr Topalovic von Flux, die Auslenkungen lägen dabei weit unter dem Niveau, das bei der Abtastung einer Platte üblich sei. Genauer: in X/Y-Richtung 8 µm, in Z-Richtung 1,4 µm. Hält man sich vor Augen, dass die meisten Tonabnehmer bei einem Abtasttest leicht 50 µm schaffen, scheint die „Belastung“ durch den Sonic tatsächlich sehr gering, zumal der Reinigungsvorgang ja nur Sekunden dauert. Das sei auch ein entscheidender Unterschied zu Vorgängergeräten, oben genannter Audio Technica AT-637 etwa arbeite mit circa 40 µm, andere Modelle gar mit 80 µm. Auch sei die Vibrationsfrequenz bewusst gesenkt worden, um das Optimum zwischen Schonung des Systems und Reinigungsleistung zu erreichen, so Topalovic weiter.

Übrigens: Die Reinigungsflüssigkeit hat nicht nur die Aufgabe, Verkrustungen zu lösen, sondern dient auch dazu, die Vibrationen des Gerätes effektiv an die Nadel zu übertragen, um so die volle Wirkung zu entfalten. Die Lösung wurde auf Isopropanolbasis hergestellt – nicht zuletzt deshalb, damit sie sich rückstandfrei vom Bürstenkopf verflüchtigt. Sorgen um die Nadel beziehungsweise deren Verklebung müsse sich keiner machen: „Eine Versprödung des Klebers durch Alkohol mag bei uralten Tonabnehmern eventuell auftauchen, wir kennen aktuell aber keinen Fall, in dem es wirklich dazu kam.“

Spot on: die Reinigungsbürste des Flux Sonic

Erstkontakt
Das erste, was mich am Flux-Sonic-Nadelreiniger erstaunt, ist tatsächlich die Verpackung. Ich will mich kurz halten, denn irgendwie klingt es dämlich, sich ausgerechnet darüber auszulassen. Trotzdem: Eine derart sauber-profesionelle Hülle hätte ich vielleicht bei einer elektrischen Zahnbürste erwartet, aber nicht bei einem Zubehörprodukt aus dem HiFi-Bereich. Da erwarte ich entweder gar nix oder überkandideltes Chichi (auf Samtkissen ruhende NF-Kabel in Ebenholzkisten o. ä.).

Flux Sonic

Und dann sind da diese kleinen, feinen Details: Man kann so einem Gerät auch noch vier Gumminoppen als Stand-Alternative zu den Filzpads beilegen, die es auf der Unterseite hat und die je nach Beschaffenheit der Stellfläche zu glatt sein könnten – umsichtig, so was. Aber jetzt kommt's: Diese Nuppis fliegen nicht einfach irgendwo in der Verpackung rum, nein, Gummifüßchen - Flux Sonic sie stecken in einem kleinen Tütchen, zusammen mit einem kleinen Zettelchen, auf dem so eine Art „Gebrauchshinweis“ steht, was ich an sich schon recht lustig finde, und das dann auch zweisprachig und mit kleiner Infografik versehen. Sogar die beiliegenden Batterien wurden gebrandet, das ist mir ja in einem Vierteljahrhundert HiFi-Karriere nicht untergekommen ... Eine Bedienungsanleitung ohne grobe Rechtschreibfehler ebenfalls noch nicht – bei der Flux'schen wüsste ich nicht ein Komma anders zu setzen. Gut, im Grunde ist mir das alles ziemlich schnuppe, aber sympathisch finde ich diese Akkuratesse bei kleinsten Details schon. Doch ich schweife ab, kommen wir zu Relevanterem.

Sogar die Batterien des Flux sind gebrandet

Der Flux-Sonic – welcher übrigens in Deutschland entwickelt wurde und produziert wird – sieht in etwa so aus wie eine elektronische Tonarmwaage und wiegt auch ungefähr so viel (um die 70 g mit Batterien). Das Einzige, was im Alltag – je nach Plattenspieler/Tonarm/System – etwas störend sein könnte, ist, dass er etwas zu hoch baut: Das Bürsten-Pad befindet sich bei mir 2-3 mm höher als ich die Nadel mit ausgefahrenem Tonarmlift anheben kann. Der Tipp des Herstellers, den Armlift anzupassen, funktioniert in meinem Fall nicht, denn ich bin schon kurz vor Anschlag. Tipp Nummer 2, Plattenspielermatte runter, klappt natürlich einwandfrei, vor allem, weil mein derzeitiges Modell von „The Cartridgeman“ recht hoch ist (die „Music Mat“ ist 6 mm dick, ein ganz erstaunliches Teil übrigens, superweiches Material, doch antiintuitiver Weise spielt's mit ihr eher dynamischer, hier weitere Infos). Aber hey, das ist im Alltag doch schon etwas lästig, immer diese Matte abzufummeln ... Deshalb Tipp 3 von mir, machen Sie's wie normale Menschen und nicht wie analoge Neurastheniker: Tonarmlift komplett hoch und die letzten Millimeter dann halt per Hand zurücklegen. Am besten einmal trocken üben und darauf achten, dass wirklich nur die Nadel ins Pad eintaucht und nicht das Systemgehäuse irgendwo aufliegt. Falls das nicht klappt, können Sie immer noch die Matte herunternehmen oder den Armlift verstellen. Wenn Sie denn überhaupt ein Höhenproblem haben sollten.

Klangeindruck
Warum sollte die Platte nach einer Nadelreinigung mit den Flux Sonic überhaupt besser klingen? Nun, das leuchtet ja eigentlich schnell ein: Eine normale Stereorille ist um die 40 Mikrometer „breit“ (siehe Grundlagen der Schallplattentechnik), und das ist einfach nicht viel. Soll die Nadel das Signal sauber abtasten können, stört innerhalb dieser Miniaturwelt einfach jedes kleine Partikelchen, sei's nun in der Rille selbst oder am Diamanten.

Dieselbe Abtastnadel, links vor, rechts nach der Reinigung mit dem Flux-Sonic (Foto von Flux HiFi)
Die Abtastnadel vor (links) und nach (rechts) der Reinigung mit dem Flux-Sonic (Foto von Flux HiFi)

Tatsächlich sei nicht einmal der mit bloßem Auge zu sehende Staub an der Nadel das eigentliche Problem, so Topalovic, denn den bekäme man ja recht leicht auch mit einer normalen Bürste herunter. Entscheidend sei vielmehr, die Verkrustungen an der Nadel zu lösen, die sich durch Druck und höhere Temperaturen beim Abtastvorgang ergäben. Die ließen sich mit üblichen manuellen Mitteln nämlich nicht so einfach entfernen.

Flux Sonic

Ich habe den Flux-Sonic Nadelreiniger (Flux-Sonic bei Amazon) mit zwei Tonabnehmern ausprobiert, meinem älteren Ortofon Rondo Bronze und dem jüngeren, kürzlich von uns getesteten Transrotor Figaro. Ich kann jetzt nicht sagen, dass das ältere Ortofon – dessen Nadel über die Jahre ja die „Chance“ hatte, mehr Dreck aufzusammeln als das Transrotor – deutlicher von der Reinigung profitiert hätte. Eher war es umgekehrt, und ich vermute, es liegt am schärferen Nadelschliff des Räke-Abtasters. Aber wie auch immer, mit beiden Systemen war die klangliche Verbesserung deutlich wahrzunehmen – auch wenn es dabei natürlich um sublime Dinge geht, der Flux ändert den Charakter eines Plattenspielers beziehungsweise Systems nicht –, und es ging beide Male in die gleiche Richtung. Zum Prozedere: Zunächst habe ich die Nadel manuell mit dem Carbonbürstchen so gut es geht gesäubert und eine LP-Seite gespielt. Danach wurde wieder manuell geputzt und eine Anwendung mit dem Flux-Sonic verabreicht – und die gleiche Seite noch einmal gehört.

In der tonalen Balance verschiebt sich durch die nun grundgereinigte Nadel nicht wirklich Entscheidendes, höchstens in den allerobersten Lagen sind mehr Durchzeichnung und Offenheit zu vermelden, aber das ändert das Grundtimbre nicht. Besondere Freude haben mir aber zwei Dinge bereitet:

Bonnie ‚Prince‘ BillyZum einen wirken Impulse und Transienten nun energiereicher. Das Gitarrenpicking auf Bonnie ‚Prince‘ Billys Album I see a Darkness (auf Amazon anhören) kommt nun authentischer und prägnanter herüber. Ähnliches fällt mit bei Feists The Reminder (auf Amazon anhören) auf, hier nun aber bei einer Rassel und der Beckenarbeit des Schlagzeugers – oder, drittes Beispiel, wenn Joanna Newsom auf ihrem Debüt The milk-eyed Mender (auf Amazon anhören) die Saiten ihrer Harfe anreißt: Da ist jetzt einfach noch mehr Schmackes, noch mehr Straffheit Feistdahinter. Aber, und das halte ich für entscheidend, dieser Gewinn bei der Impulswiedergabe beziehungsweise im mikrodynamischen Bereich wird keinesfalls mit einer „Schärfe“ erkauft, sondern ist das Ergebnis des Verschwindens eines artifiziellen Schleiers im Klangbild. Transienten werden nun fokussierter verortet, konzentrierter, so als würde jetzt die Essenz des Tons im Raum schweben, ohne diesen leicht „zerfaserten Strahlenkranz“ drum herum, wenn Sie wissen, was ich meine ... Es klingt zugleich energischer und natürlicher – wie freigelegt.

Joanna NewsomZum anderen gewinnen die Abbildungsgenauigkeit und die Plastizität von Klängen überhaupt, nicht nur die von Transienten. Gerade im Stimmbereich macht sich das bezahlt: Es wirkt einfach modellierter – mehr wie „in 3D“ – wenn der Diamant richtig sauber ist. Wiederum ließe sich ergänzen: Das ist kein tonaler Trick (ein Plus an Grundton etwa) und wird mit keinem Kompromiss in anderen Belangen erkauft. Das ist der echte Stoff: einfach höhere Akkuratesse bei der Abbildung.

Und wo ich bei Akkuratesse bin: Es lässt sich ganz generell ein höheres Auflösungsvermögen feststellen. Gerade leise, vermeintlich nebensächlichere Details weiter hinten in der Bühne sind nun erstaunlich klar auszumachen und vom Hintergrund zu differenzieren. Auch wenn man auf so etwas beim normalen Musikhören nicht bewusst achtet, hat es meiner Erfahrung nach doch den Effekt, dass es quasi unbewusst das Klangbild lebendiger macht, einfach weil da jetzt mehr passiert, statt homogenisiert zu versumpfen, um es drastisch auszudrücken.

Fazit
Mein Resümee zum Flux-Sonic-Nadelreiniger? Dies ist ein rundum gelungenes analoges Zubehörprodukt! Jeder ernsthafte Phonofreund wird sich einen Flux leisten können, allein der Klanggewinn rechtfertigt schon den Preis, und zugleich darf man annehmen, dass man seinem Tonabnehmer und der Plattensammlung etwas Gutes tut, wenn mit ihm für penible Sauberkeit an der Nadel gesorgt wird. Ich gebe ihn jedenfalls nicht wieder her.

Flux-Sonic

Fakten:

  • Produkt: Flux-Sonic
  • Kategorie: Elektronischer Nadelreiniger für Tonabnehmer
  • Preis: 129 Euro
  • Maße & Gewicht: max. 11,5 x 6,5 (BxT), 48 g (ohne Batterien)
  • Farbe: Schwarz
  • Sonstiges: inklusive Batterien und Reinigungsflüssigkeit Flux-Fluid (5 ml, Ersatzfläschchen 15 ml: 29,90 Euro)
  • Garantie: 3 Jahre

Hersteller & Vertrieb:

Flux-HiFi GmbH & Co. KG
Lameystrasse 8b | 75173 Pforzheim
Telefon: 07231 - 415 38 15
eMail: info@flux-hifi.de
Web: www.flux-hifi.de | Flux-Sonic beim Hersteller bestellen

 

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Im Test:

Tonabnehmer-Nadelreiniger Flux HiFi Sonic

UVP zum Testzeitpunkt:

129 Euro

Hersteller & Vertrieb:

Flux HiFi

Telefon: 07231 - 415 38 15

eMail:
info@flux-hifi.de
Web:
www.flux-hifi.de


Größe des Hörraums:

Grundfläche: 30 m²
Höhe: 3,4 m

Equipment:

Quellen:

Laufwerk:
VPI Scout II

Tonarm:
VPI JMW 9T

Tonabnehmer:
Denon DL-103R,
Ortofon Rondo Bronce,
Transrotor Figaro,
Shelter 201 (MM)

Phono-Vorverstärker:
BMC Audio MCCI

Computer & Co:
Audiodata MusikServer,
Readynas Duo NAS-Server,
HP Notebook, iFi iPurifier II

D/A-Wandler:
Luxman DA-06

Verstärker:

Vorverstärker:
Octave HP300 inklusive MC-Phonoboard

Endverstärker:
Musical Fidelity M8 700m

Vollverstärker:
Denon PMA-2010AE

Lautsprecher:

Blumenhofer Acoustics Genuin FS 1 Mk2

Sonstiges:

Rack: Creaktiv Trend 3

Kabel:

Stromversorgung, Netzleiste und Netzkabel: fis Audio Black Magic

LS: fis Audio Studioline, Ascendo Tri-Wire-Kabelsatz, Dynamikks Speakerlink, Ecosse ES 2.3, Zu Audio Libtec

NF: fis Audio Premiumline Lifetime, Ecosse, Vovox und andere

Digital: Wireworld Series 7 Starlight Gold (Koax-S/PDIF), Aqvox (USB)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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