Dynamikks
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

auf talfahrt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

naiv ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"retro-futuristisch"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gutes timing

Klang

Nicht nur in Sachen HiFi gilt ja bekanntlich: Eine Kette ist immer nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Was also sollte passieren, wenn ein 350 Euro Vorverstärker in eine um die 15.000 Euro kostende Anlage integriert wird. Man könnte annehmen, dass es klanglich nun in irgendeiner Art deutlich auf Talfahrt gehen müsste ... Tat es aber nicht - was nicht heißt, dass keine Unterschiede im Vergleich zu einem 2000 Euro Vorverstärker (Bel Canto PRe3) oder dem empfehlenswerten und ebenfalls recht klein geratenen Funk Lap-2.V2 zu vernehmen wären ...

kingrex

Aber der Reihe nach:

Den Anfang sollte Die Wellen machen - der Opener des 2007er Albums (Titel: Alles wieder offen ) der Einstürzenden Neubauten. Ein kräftiges, sich in Sachen Lautstärke und Pegel steigerndes, sehr eindringliches Stück, das in erster Linie mit Bass, einem hypnotisch dumpf-hämmerndem Klavier sowie der charismatischen Stimme Blixa Bargelds "bestückt" ist - und tonal vor allen Dingen die mittleren und unteren Frequenzlagen in Anspruch nimmt.

The Gryphon
Stereokonzept

Klar, dass solche Schlüsse eigentlich mehr oder weniger jeglicher logischen Grundlage entbehren: Aber ist man nicht unterbewusst verleitet, zu glauben, es müsste über so eine Mini-Komponente wie den PRE KingRex eher dünn, weniger kraftvoll oder sonst was klingen?

Auch wenn ich mich jetzt wohlmöglich als ein wenig naiv oute: Genau das war's dann irgendwie schon, was mich am PRE KingRex beim ersten Hören überraschte: Als Leichtgewicht geht er aus klanglicher Sicht nämlich gar nicht durch. Die grollende Atmosphäre von Die Wellen transportiert er so, wie ich's auch sonst gewöhnt bin und zaubertmusik ein erstaunlich gut ausgearbeitetes Tieftonfundament. Nun, "Die Wellen" ist ein Stück, das mit Schmackes, ja mit Saft und Kraft vorgetragen werden muss. Und wenn Vorverstärkern in dieser Hinsicht auch eine weniger tragende Rolle zukommen mag als beispielsweise dem Gespann aus Endstufe und Lautsprecher, so ist dennoch festzustellen, dass der PRE KingRex in dieser Hinsicht zumindest keineswegs limitiert. Das gilt grundsätzlich auch für den Mittenbereich: Blixa Bargeld wettert einem seine bedeutungsschwangeren Worte jedenfalls gewohnt sonor und glaubhaft entgegen.

Aber auch aus rhythmischer Sicht leistet sich der Mini keine Schwächen:

Trockene Beats, ein rhythmisch pulsierender Sequenzer-Bass und stakkatohaft einsetzende, pfeilschnelle Hochtonimpulse geben sich auf Clock DVA s Stück Final Program (von der gleichnamigen Maxi-Single) ein Stelldichein.

clock dva

Die vielen vielleicht unbekannte, ursprünglich aus Sheffield stammende und eigentlich als Jazz-Combo gestartete Formation Clock DVA schuf in den 90ern eine ganze Reihe an rein elektronischen Werken, welche nicht zuletzt wegen ihrer befremdlichen Kühle und "Verkopftheit" (auch aufgrund der Texte), einen gewissen Kultstatus erlangten, aber bei alledem auch heute noch gerade wegen ihrer ausgefeilten Rhythmik sowie der dichten und futuristischen Soundlandschaften bestechen.

Nun, wie bereits angedeutet bringt's der PRE KingRex in Sachen Timing anstandslos auf den Punkt: Sauber und punchy gerät die elektronische Bassdrum - wie gewohnt. Auch der federnde Sequenzer-Basslauf kommt so, wie er soll: gut durchhör- und nachverfolgbar. Nein, zum Verwischen neigt der kleine Pre unten rum nicht.

Oben rum weicht aber ebenfalls nichts auf - allerdings ohne, dass es dafür nun in irgendeiner Weise zu hart oder aggressiv transportiert werden würde (was bei diesem Stück schon mal gefährlich werden kann). Zur Sicherheit hatte ich bei Final Program meine Thiel CS 2.4 im Verbund mit Myryads Endstufe MXA 2150 in Stellung gebracht - eine Kombination, die irgendwelche Fehler in dieser Hinsicht recht schnell entlarvt.