wo kraft und nachdruck gefragt sind, langt er zu
gut so:
ziemlich
genau in der mitte einer gedachten „trockenheitsskala“
... der brite besitzt einfach ein faible dafür, etwas sonorer und fleischiger zu werke zu gehen als es „reine lehre“ wäre

Klischeehaftes Denken sollte weitgehend vermieden werden, verliert dadurch doch der jeweils betrachtete Fall seine individuelle Note. Gleichwohl: Wem britisches HiFi generell sympathisch ist, weil er damit ein Klangbild assoziiert, welches durch eine sonore, natürliche Mittenwiedergabe gekennzeichnet ist und weniger durch maximale Hochton-Offenheit respektive Auflösung – der wird vom Rega Elicit schon mal nicht enttäuscht. Ja, kann schon sein, dass bei ihm die obersten Oktaven leicht abgerundet wirken. Besonders luftig, crisp oder gar hell tönt Regas Großer nicht. Gleichzeitig ist damit aber die Gefahr gebannt, steril, nervös oder gar kühl-analytisch rüberzukommen. Ob die etwas dezente Hochtonwiedergabe des Elicit eher eine Schwäche oder eine Stärke darstellt, liegt weitgehend „im Ohr des Hörers“: Langzeittauglichkeit wird garantiert – ein „elektrisch
aufgeladenes, knisterndes Klangerlebnis“ aber wohl nicht. Wer das Klischee jetzt aber überstrapaziert und unterstellt, dass „die Briten“ allesamt auch im Frequenzkeller abzurunden pflegen, der kennt den Rega nicht. Im Bass geht’s, falls nötig, grimmig und mit Schub zur Sache. Und gleichzeitig feingeistig-balanciert. Was soll das nun heißen?
Wo Kraft und Nachdruck gefragt sind, langt er zu – und zwar auch ganz unten. Überprüfen ließ sich das anhand einiger Platten mit eher elektronisch-rockiger Kost, bei denen ordentlich tief gegraben werden muss. Der Rega zieht hier einfach durch. Abrunden? Quatsch! Er biegt die Geschichte vielmehr gerade. Und genau weil der Elicit noch in den alleruntersten Lagen mit Bestimmtheit vorgeht, besitzt er einen insgesamt besser differenzierten Bassbereich als es für Integrierte seiner Klasse üblich ist. Er hält „unten“ und „ganz unten“ einfach sauberer auseinander, geht
weniger „oberbasszentriert“ vor, wenn ich das mal so nennen darf. Der kürzlich getestete Electrocompaniet Prelude PI-2 kann ihm in dieser Sache jedenfalls nicht das Wasser reichen, und auch der Naim Nait XS – wahrlich kein Kind von Traurigkeit den Bass betreffend – erreicht nicht diese Verve in den alleruntersten Oktaven. Doch pure Kraftmeierei wäre natürlich auch viel zu plump ...Die oben erwähnte feingeistige Note spielt der Rega Elicit dort aus, wo „leise Bassnoten“ klar und deutlich schwingen müssen: Sei’s, dass die Hintergrund-E-Bass Begleitung einer Band nun prägnanter und verfolgbarer erscheint, oder sei’s, dass tiefe Klaviertöne zunächst mächtig im Raum stehen und dann lange, lange, lange Zeit auslaufen. Was der Rega hier vorführt, ist einfach klasse. Zumal der Bass des Elicits weder als „knochentrocken“ noch als „weich“ durchgeht: Er vermeidet beide Extremwerte, balanciert ziemlich genau in der Mitte einer
gedachten „Trockenheitsskala“ und verbindet so Kraft und Volumen mit der nötigen Kontur. Es federt, es swingt, tönt satt, aber nicht fett, gerät definiert, aber nicht holzig-spröde – oh ja, das gefällt mir verdammt gut! Bisweilen fühle ich mich glatt an die Tieftonperformance des Octave V80 erinnert. So sehr mir Mulmigkeit in den unteren Oktaven auch gegen den Strich geht – die stählerne Askese einer Trockenheit um ihrer selbst willen ist mir auch suspekt. Der Rega Elicit hält hier die Balance.