Krell
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

aerodynamik

 

 

 

 

 

sehr gute lokalisationsschärfe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schon ordentliche,
die stromversorgung

 

 

 

 

 

 

 

kennen sie das auch, wenn sie sich mit dem lautstärkelevel vertun?

 

 

 

 

 

 

"berge" sind mir jedenfalls keine aufgefallen, eher schon leicht abfallende ebenen.

 

 

 

 

 

 

 

glatt & sauber,
aber authentisch?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die oberen mitten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von kurzen
drähten &
klangfarb-
reichtum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

es fehlt etwas

Klang:

Thule Spirit IA75B

Und da wären wir auch schon bei der einen Stärke des Thule: In Sachen Räumlichkeit braucht er sich wahrlich nicht zu verstecken. Die Dimensionen stimmen, in der Breite wie in der Tiefe. Es wird nichts eingezoomt, aber auch nicht distanziert dargestellt. So richtig zu gefallen weiß er aber durch seine Lokalisationsschärfe, ein kleiner Sniper ist er! Und dabei zähle ich mich nicht unbedingt zu den Fetischisten, wenn es um sowas geht. Klar, auch ich mag Präzision in der Darstellung, aber es gibt meiner Meinung nach auch eine artifizielle Variante der Konturierung, die zwar zunächst beeindruckend tönt, aber "im Abgang" sozusagen eine HiFi-Note hinterlässt und nicht den Geschmack des Livekonzertes. Aber ich schweife ab.

Thule Spirit IA75B: XLR-Anschluss

Der Thule klingt nicht artifiziell, er ist schlicht präzise, genau und auf den Punkt. Ein Becken, das beständig leicht angeschlagen wird, wandert nicht im Großraum "ungefähr einen Meter neben der linken Box" umher - nein, es wird ein Fähnchen in den Klangraum eingepinnt und da sitzt das Ding dann. Und es bleibt dort auch, egal ob ein Tutti anhebt und die Musik dichter wird - oder ob umgekehrt ruhigere Passagen einkehren. Sehr gute Vorstellung. Der Däne macht es richtig.

Und die dynamischen Fähigkeiten? Oberflächlich betrachtet, ließe sich bezweifeln, dass hier Erstaunliches passiert. Vom Hersteller wird der starke 500VA-Trafo ins Feld geführt - nun gut, der ist schon massiv. Andererseits habe ich auch schon massiveres gesehen - und zwei 10.000er Kondensator-Töpfe zwingen mich auch nicht direkt in die Knie.

Thule Spirit IA75B:

Aber hallo! Hier kommt die Attacke unverzagt, wenn gefordert, da wird schon mal leicht panisch die Fernbedienung gesucht, um den Pegel zu senken, schließlich will ich es mir nicht mit den Nachbarn versauen ... Kennen Sie das auch, wenn Sie sich mit dem Lautstärkelevel vertun? "Das passt schon so", sagt man sich - wäre da nur nicht dieser Peak in der Mitte des Stückes, der wurde glatt übersehen aber überhören lässt er sich kaum! So mag ich das: Lautstärke-Unterschiede! Und die dynamische Differenzierung beherrscht der Thule auch bei Feinheiten und niedrigen Pegeln. Bei Francioz Breuts Stück "La Chanson D'Helene" beispielsweise: So um Mitternacht als leise Begleitmusik gewählt, muss ich verwundert feststellen, wie federnd doch die Trommeln im Hintergrund abgebildetFrancioz Breut werden. Präzise, klar und differenziert - es ist gar nicht nötig, lauter zu werden, die Information kommt auch so ganz genau an. Dies ist mehr als das Übliche und gerne gebe ich zu, dass ich es so nicht erwartet hätte: Schmiss und Druck, wenn es sein muss, aber auch (feinsinnig) abgestuft. Als Hintergrundberieselung laufende Musik lässt aufhorchen - das kann nicht jeder.

Bisher macht er alles richtig, nicht übel, der elegante Mann aus dem Norden. Und "richtig" ist der Begriff, der mir öfter einfiel. Ein korrekter Geselle, der Spirit, wirklich kein Exzentriker ... Die Darstellung der einzelnen Frequenzbereiche gerät ihm fast so ebenmäßig wie sein Erscheinungsbild. "Berge" sind mir jedenfalls keine aufgefallen, eher schon leicht abfallende Ebenen: An den Enden des musikalischen Spektrums verhält er sich nämlich recht schüchtern. Der Bassbereich könnte definitiv ein wenig mehr Pfeffer vertragen, hier wirkt der Thule-Amp zurückhaltender als nötig - wasThule Spirit IA75B: Acht Sanken-Transistoren zur Folge hat, dass die tonale Balance einen kleinen Ausschlag in Richtung "Mitte" bekommt. Freilich ist der Bass griffig und trocken, aber eben auch dezent. So wie die Hochtonauflösung, "lieber etwas weniger, statt zu spitz", scheint hierbei des Thules Devise zu sein. Nun gleich von Fehlern zu reden, fällt allerdings auch schwer, wie gesagt, "dezent" trifft es vielleicht am ehesten. Aber es ist eben auch nicht so, dass durch sperrangelweit geöffnete Fenster ungewohnt viel frische Luft entgegenströmt ...

 

"Extremwertbetrachtungen" sind das eine, aber das musikalische Fett liegt nach wie vor in der Mitte, dort läuft einfach am meisten. Wie gibt der Thules Spirit IA75B sich hier? Tja, jetzt fängt der Eiertanz an, sorry ...

Einerseits ist seine Darstellung durchaus glatt und sauber und es fällt schwer, Fehler nachzuweisen - aber lyrisch wird einem auch nicht zumute. Hier wird nicht gedichtet, hier wird weitergereicht. Also der ideale Verstärker? Sollte man annehmen, aber leider fehlt mir das involvierende Moment: Stimmen sind blankpoliert - okay - aber was, wenn die eigentlich brüchiger, fragiler oder rauer klingen sollten? Oder diese zumindest vorher so wahrgenommen wurden und es so auch ganz gut gefiel. Zudem verordnet er manchen Damen ungefragt eine kleine Diät, deren (Stimm-)Körper scheinen jedenfalls schlanker geworden zu sein. "Präzise im Raum fixiert, lässt sich sauberer Gesang vernehmen.", so würde ich das beschreiben. "Authentisch" kommt mir aber nicht in den Sinn ...

 

Kef T-Serie
phonosophie
hifisound
SUN AUDIO

 

Zu dieser Einschätzung gelange ich nicht, weil der Thules Spirit etwas auffällig falsch machen würde, sondern eher "ex negativo" - es wird Platte für Platte eingelegt, der Notizblock bleibt erstaunlich leer, ich frage mich, was denn nun eigentlich stört und finde keinen Begriff ... "Anämisch" traue ich mich auch nicht zu schreiben ... Kurzerhand nehme ich den Thule unter den Arm und marschiere zum Kollegen Jörg, soll der doch mal was sagen ...

Thule Spirit IA75B: LS-Klemme von innen

Dort angekommen, wird fleißig "Cross-Checking" betrieben. Vorher an der ZU Druid und der Spendor S 3/5 hängend, darf der Däne nun die Thiel CS 2.4 befeuern und auch die Sehring S703 SE. Wie sieht er denn im Vergleich mit dem Accuphase E-212 aus? Symmetrischer Verstärker? Der C.E.C AMP 5300 ist doch auch ein symmetrischer ... Und haben wir nicht noch einen Myryad in der Pipeline? Mal sehen ... Machen wir uns nix vor, Leute, HiFi-Fans sind Spielkinder, vielleicht lächeln unsere Frauen auch deswegen so halb mitleidig, halb mütterlich-verzeihend. Was soll's ...

Leider wird die Performance des Thule Spirit IA75B auch an anderem Equipment nicht gerade besser. Eher lässt sich der Schluss ziehen, dass Besitzer einer analytischen, an sich schon recht strengen Kette, mit dem Spirit kein "Gegengift" geliefert bekommen. Was bei den schon einmal etwas verzeihen könnenden ZU-Lautsprechern als "fehlender Charme" bezeichnet wurde, kommt über die ansonsten auch nicht scharf klingenden Sehring-Speaker teilweise harsch rüber. Auch hier werden die Instrumente zwar schön sortiert dargestellt und die Hochtonauflösung gerät sogar besser als bei mir (auch wenn er den in dieser Hinsicht famosen C.E.C. bei weitem nicht erreicht), aber auf die Dauer können die oberen Mitten ein kleines "Nerv-Risiko" bergen: Klavieranschläge sind bisweilen wirklich Anschläge, Stimmen driften ins Harte ab. Insgesamt ist dies keine Win-Win-Situation ...

Und was sagt der Kollege? "Andere Verstärker haben auch Ihre Schwächen, machen das aber mitunter wieder wett, weil ein besonderer Charakterzug fasziniert - aber was ist der Thule denn für einer ...?" Ja, das stimmt wohl.

Lassen Sie mich zum Abschluss etwas weiter ausholen: Nicht die Elektronik hat einen Charakter (oder sollte ihn haben), sondern die Musik. Besitzt aber eine Komponente die Fähigkeit, bestimmte Aspekte der Musik "ohne Filter" durchzulassen, wird - vom Ergebnis her rückschließend auf das Gerät - gerne in blumigen Bildern gesprochen: Ein "schnelles" Kabel, ein "souveräner" Verstärker, ein "transparenter" Lautsprecher ... Diese Übertragung von Eigenschaften der Musik auf die Technik ist meines Erachtens nach auch okay - so weit sich dessen bewusst geblieben wird.

 

Verwickelt wird die Sache aber dann, wenn von einem "etwas charakterlosen" Verstärker gesprochen werden soll. Was will der Dichter uns damit sagen? Ganz klar ist das meist nicht und daher lassen sich hervorragend Dispute führen, bei denen die eine Seite von einem "möglichst kurzem Stück Draht" spricht, während die andere "Klangfarbreichtum" lobt oder bemängelt ... Mein Verdacht ist der, dass beide Seiten eigentlich vom Gleichen reden, aber die Ebenen vertauschen. Könnte es nicht sein, dass ein "kurzer, verstärkender Draht" a) technisch völlig neutral ist und daher b) metaphorisch als "mit schönen Klangfarben gesegnet" bezeichnet werden kann - eben weil er diese so präzise weiterreicht, wie irgend möglich? Warum ich das alles sage? Nun, ich behaupte, der Thule Spirit IA75B ist ein sehr "neutraler" Verstärker - und meine das aber im "metaphorischen" Sinn und nicht technisch. "Neutral" soll hier heißen, er erlaubt sich keine richtigen Schnitzer und doch fehlt etwas - in der subjektiven Wahrnehmung.

Der berühmte Funke jedenfalls, der zwischen der Musik und dem Hörer überspringen soll, ist mir zu selten übergesprungen. Schade - könnte der Thule Spirit IA75B die Klänge so ausgewogen wiedergeben, wie er es versteht, ein Orchester zu staffeln oder so feinfühlig nachzeichnen, wie er dies bei der Wiedergabe dynamischer Trippelschritten tut - das wäre eine Lovestory geworden. Zumal er schon sexy aussieht ... Aber so würde ich "nomen est omen" beim "Spirit" nicht unterschreiben wollen.

Fazit:

Meine Hörerfahrungen mit dem Thule Spirit IA75B:

  • Die letzte Schubkraft im Bassbereich fehlt leider - feinste Verästelungen im Hochton zeichnet er ebenfalls mit etwas viel Zurückhaltung.
  • Die Mittelton-Wiedergabe wirkt ein wenig zu leblos - freilich ist dies eine subjektive Wahrnehmung - aber mir sind im Zusammenhang mit dem Thule Spirit IA75B Begriffe wie "Natürlichkeit" und "Authentizität" etwas schwerer über die Lippen gekommen.
  • Die gute Raumaufteilung gehört zu seinen Stärken - sowohl in der Breite, als auch in der Tiefe. Vor allem aber versteht der Thule Spirit IA75B es, Instrumenten und Klängen präzise einen Platz zuzuweisen - die Lokalisationsschärfe ist sehr gut.
  • Hohe dynamische Fähigkeiten zeichnen ihn ebenfalls aus. Lautstärke-Sprünge nimmt er mit großer Selbstverständlichkeit und auch der "Mikrobereich" wird präzise abgestuft dargestellt.

Thule Spirit IA75B von oben