duevel
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

sie wollen es einmal so richtig krachen lassen? vergessen sie es!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der erste fluch ...

 

 

 

 

 

 

... wo ist eigentlich der lötkolben?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

eher ein alb-
als ein alps-traum:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

das kann er nicht bringen - never!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

günstig, aber ...


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

dynamisch gibt
es nichts zu
bekritteln ...

 

 

 

 

... und er hält tonal
die waage.

Sonic Impact T-Amp von vorne

Um auf den T-Amp von Sonic Impact zurückzukommen: Sie besitzen < 90dB Wirkungsgrad Speaker und wollen es einmal so richtig Krachen lassen? Vergessen Sie es, Sie können die Lektüre hier abbrechen. Dieser Verstärker bietet 5-6 Watt, danach wird es dünn. Oder besser gesagt - hässlich. Die Leistung des T-Amp wird zwar mit cirka 10 Watt angegeben, aber dann liefert er an einer 8 Ohm Last 10% THD+N! Das ist "keine kleine Härte im Hochtonbereich" mehr, das ist richtig Noise! Wirkungsgradstarke Lautsprecher sind deshalb Pflichtprogramm.
(Nota bene: Daher war es auch mein Job, diesen Test zu schreiben: "Du hast die ZU Druids bei dir stehen, 101dB Wirkungsgrad, du musst das machen ... " Begeistert war ich erst einmal nicht, muss ich zugeben)´

Nennen Sie genügsame Speaker Ihr Eigen, so ist die erste Hürde genommen. Die zweite lässt nicht lange auf sich warten. Sie sind stolz auf Ihre solide gefertigten, vergoldeten und vielleicht auch schraubbaren Cinchstecker? Wir sind uns doch einig: Eigentlich sollten die Dinger doch daumendick ausfallen, oder etwa nicht, Männer? Gut, aber was fange ich denn jetzt bitteschön damit an:

Cinch-auf-Klinke AdapterO.K., es funktioniert, aber zumindest eine Augenbraue ist hochgezogen. HighEnd sieht wahrlich anders aus. Auf zum dritten Hindernis: Spätestens beim Lautsprecherausgang fällt der erste Fluch:

 

Sonic Impact T-Amp: Was der HighEnder nicht sehen will ...

 

 

 

 

Wie komm ich denn nun da ran? Lausige Federkontakte, die nur blanke Litze akzeptieren und dass auch nur, wenn die nicht dicker wird als cirka 2 qmm. Hilft alles nix, ich knips jetzt nicht die Kabelschuhe meiner LS-Strippen ab, die Konfektionierung kostet ein Vielfaches dieser Plastik-Schüssel! Wo ist eigentlich der Lötkolben?

Sonic Impact T-Amp: Die besseren Klemmen

So sieht das Ergebnis unserer kleinen Modifikation aus. Sicherlich: Ein vernünftiges Gehäuse und anständige Cinchbuchsen schaden bestimmt nicht. Und vielleicht ein Lautstärkepoti ...

Sonic Impact T-Amp: Lautstärkeregler

Aber wir wollen so originalgetreu wie möglich testen und haben daher weitere Umbauten vermieden. Die Lautsprecher-Klemmen waren aber wirklich nicht zu vermeiden.

So ausgerüstet kommt man ran. Irgendwie. Mit Papierschnipseln bestückt, um einen Kurzschluss zu verhindern, an die Übergangswiderstände gar nicht denken wollend ...

Sonic Impact T-Amp: Nicht schön ...

 

Klang:

Der erste Soundcheck steht an, dann wollen wir doch mal sehen, was der Kleine so kann. Hmm? Die Höhen sind harsch, die Mitten ohne Körper und ausdruckslos. Der Bass scheint kaum vorhanden zu sein und wenn doch, dann ziemlich undefiniert. Die Bühne ist flach, aber zugegebenermaßen recht breit. Alles in allem spielt hier Musik, aber es sind Welten zu dem, was ich gewohnt bin.

 

Electrocompaniet
Zendo Cable by Mundorf
Transrotor
emillé

 

Aber irgendetwas muss doch dran sein an den enthusiastischen Besprechungen, zumindest dann, wenn es aus unterschiedlichen "Richtungen" ähnlich tönt. Da heißt es wohl "warten". Wie bei jeder anderen Komponente auch, sollte dem Kistchen ein wenig Einspielzeit gegönnt werden.

Zweite Chance ... drei Tage später

Einer bösen Eingebung folgend, lege ich das wegweisende Leftfield-Debüt von 1995 ein - "Leftism", Track Nummer fünf: "Original". Oben rum muss es knistern, die Stimme sollte dagegen glasklar sein und der vielschichtige Sound von links nach rechts flippern - und dann ein kleiner, feiner Beat. Exakt das passiert. Verdammte Axt, dass gibt es nicht! Legen wir eine Schippe drauf, Track 2: "Afro-Left". Das kann er nicht bringen - never! Trocken-Leftfield: Leftismholzig pumpt mir - wie zum Hohn - dies lumpige Plastikkistchen die Bässe in die Magengrube. Ich muss lachen ... Und der Hochton? Es raschelt absolut realistisch. Fein aufgelöst und "nix da" von einer nervigen Härte wie noch vor Kurzem. Stimmen sind frei im Raum, jetzt sogar mit einem Körper versehen - und vor allem naturgetreu abgebildet. Da ist jemand! Kopfschüttelnd sitze ich wie angenagelt auf dem Sofa und zieh mir die ganze Platte rein. Bei dem fundamental trockenen Beat von "Black Flute" klappt mir die Kinnlade runter. Danach muss ich eine kleine Pause machen und mir etwas überlegen ...

Zwei Dinge sind wichtig, um zu einer korrekten Einschätzung dieses Verstärkers zu gelangen:

  1. Der T-Amp ist so günstig, dass Preis/Leistungs-Erwägungen einem das Hirn trüben können. Wird die Leistung durch Null geteilt, kommt automatisch Unendlich heraus - und damit wäre es meine Aufgabe, kübelweise Konfetti durch die Luft zu schmeißen? Soll ich ständig wiederholen: "Ja, er kostet mit Netzteil wirklich unter 80 €!", oder "Kaufen, kaufen, kaufen!" Das ist mir zu dumm. Natürlich sollte jeder etwas experimentierfreudige HighEnder den T-Amp erwerben und dann sehen, was passiert. So, wie schnell mal 2-3 CDs gekauft werden ...

    So seltsam sich das anhört: Das Preisschild muss erst einmal völlig verdrängt werden. "Wie klingt der Amp als solcher?", heißt die Frage, nicht "Wie klingt er für das Geld?"

  2. Nicht jeder hat Lautsprecher mit dreistelligem Wirkungsgrad bei sich zuhause stehen und ich weiß, es gibt auch richtig große Wohnzimmer. Ich wiederhole mich: Wenn Sie mehr als 5 Watt brauchen, damit ihre Wandler aus dem Schlaf gerissen werden, dann lassen Sie das besser mit dem T-Amp sein. Plus 90 dB sollten schon aus einem Watt gewandelt werden können - mehr ist natürlich besser. Sie wollen Turnhallen oder sagen wir mal mehr als 30-35 qm beschallen? Auch das wird schwierig.


    Und des Weiteren: Gehören Sie zu jenen, die Zimmerlautstärke langweilig finden? Nun, ein bisschen mehr sitzt schon drin, je nach Lautsprecher, der angetrieben werden soll. Aber "Konzertlevel" und "Pegelfestigkeit" sind nicht gerade die Attribute, die mir als erstes einfallen, um mich einmal gewählt auszudrücken. Denken Sie immer daran: Es stehen lediglich fünf Watt zur Verfügung, es geht primär um Zimmerlautstärke - und es ist wirklich auch nur ein Zimmer, keine Halle, die beschallt werden soll.

 

Diese Punkte beachtend, frage ich mich also:

Wie klingt der T-Amp als solcher?

Wenn Dynamik und Räumlichkeit stimmen, dann ist das schon einmal die halbe Miete - und diese Tugenden bietet der T-Amp in hohem Maße. Er ist schnell, lässt Impulsen freien Lauf und, im Rahmen seiner geringeren Lautstärkereserven, gibt es dynamisch nichts zu bekritteln. Zumindest feindynamisch überzeugt er, grobe Attacken könnten freilich noch mehr Punch haben. Die Räumlichkeit ist vor allem in der Horizontalen sehr gut. Da ist Luft zwischen den einzelnen Instrumenten - ihnen wird ein klarer Ort zugewiesen (wenn auch nicht mit der Schraubzwinge fixiert). Ja, vor mir baut sich tatsächlich eine Bühne auf und dort spielt die Band!- Allerdings stehen die Musiker in einer Reihe, nicht hintereinander versetzt. Die Tiefenstaffelung fällt dünn aus, es sind durchaus Abstufungen vernehmbar, doch diese wirken nicht gerade holographisch "zum reinschauen", sondern eher á la "hinten spielt es leiser". Der T-Amp ist also eher ein "flächiger" Vertreter.

Zu den dynamischen und räumliche Fähigkeiten gesellt sich der realistische Klangfarben-Charakter. Klar und sauber - aber niemals klinisch. Das Attribut "warm" passt allerdings auch nicht. Ja, das Erstaunlichste am T-Amp ist vielleicht, dass er ziemlich ausbalanciert wirkt. Er hält tonal die Waage: Hier wird nichts gerundet oder mit goldenem Glanz serviert - der kalte Hauch eines (schlechten) Transistors ist ihm aber auch fremd. Wenn wir Klischees bemühen wollen: eher geht der Klang Richtung Röhre, einer "neutralen" Röhre allerdings ...

So werden Stimmen glaubhaft und natürlich wiedergegeben. Sicherlich: Ich habe auch schon Besseres gehört, eine ultimative Instanz ist er hierbei nicht. "Glanz" ist nicht das, was einem sofort auf der Zunge liegt - eher schon "edel matt poliert". Joanna Newsom: YsBeispielsweise müsste Joanna Newsoms empört-engagierter Vortrag eigentlich "nerviger" präsentiert werden. Hier gerät die Vorstellung des Sonic Impact-Verstärkers zu harmlos. Aber dem Gesang wird weder der Körper geraubt noch fangen Stimmen das Näseln an. Sie werden (überwiegend) "naturbelassen" und neutral präsentiert. Prima.