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fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... unbewusst erwarte ich erstmal netten krawall ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... ich rede nicht von infraschall in krankenhausmengen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

es kann einem passieren, dass man ihn im ersten moment sogar für schlanker abgestimmt hält ...

 

 

 

 

... aber wenn ihr unbedingt 40hz vierkant in den raum knallen wollt, bitteschön.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... einen röhrensound wird man ihm schlecht nachweisen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... und wo ist eigentlich dieser große flügel geblieben?

 

 

 

 

 

... das ist nicht die laid-back variante des hörens!

 

 

 

 

 

 

... plötzlich stecke ich mit einem arm in der hintersten ecke der schublade ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

eingefleischte norah jones-fans suchen besser woanders ...

 

 

... wer eine upbeat-nummer durchaus zu schätzen weiß, der kann hier richtig glücklich werden.

Klang:

Dussun V8i: Rückansicht

Drückt man den Power-Knopf, durchläuft der Amp eine kleine Check-Prozedur: Das Poti wird via Motor auf null gestellt, dass Line 1-Lämpchen blinkt in gefälligem Blau, Aus- und Eingänge sind gesperrt. Ist alles in Ordnung, macht sich nach cirka zehn Sekunden das Klicken des Relais bemerkbar, der Spaß kann losgehen ...

Als Spiel- und Vergleichspartner wählte ich Accuphase E-206, Creek A50, Lua 4040C und den Classic 6.6. Später dann auch noch den Accuphase E-212. Als Lautsprecher dienten Dynaudios Audience 82, die hierzulande noch unbekannten Druids von ZU Audio, sowie die Argenta aus dem Hause Sonics.

Und nun mal Butter bei die Fische: Mir geht's da immer gleich, wenn ich solche Power-Geräte vor mir habe, unbewusst erwarte ich erstmal netten Krawall - und bin dann fast ein wenig enttäuscht, wenn der ausbleibt. Ja, ich weiß, nicht gerade die reine Lehre. Hält auch nicht lange vor, vielleicht so die ersten drei Takte. Ab dem vierten freu' ich mich dann umso mehr und so war es auch bei diesem Verstärker. Denn Bassblähungen und Gewaltakte sind nicht des Dussuns Ding. Das Äußere ließe ja durchaus erwarten, dass großspuriger Bass-Beeindruck-Sound dominiert - aber nichts da. Die ersten Assoziationen sind vielmehr: Kontrolle, Energie, Ruhe. Nicht zu verwechseln mit Leisetreten, Gott bewahre, es ist eher die Gelassenheit eines Schwergewichtlers, der seine Sache im Griff hat.

Dussun V8i ohne Haube

Wie häufig man auch hin und her schaltet, eine Verwechslung mit dem Dussun ist nicht möglich. Immer klingt es größer, straffer und energetischer, wenn der V8i spielt. Im Vergleich zum Creek oder gar zur Lua-Röhre kein Wunder, aber das gleiche gilt auch - in etwas abgeschwächter Form - für den Accuphase (und hier eher für den "Oldie" E-206). Den Punch und die Bühne des Dussun haben sie alle nicht, diese Übung geht klar an den starken Mann aus China. Wie gesagt, ich rede nicht von Infraschall in Krankenhausmengen; der Bass ist straff und geht auch beliebig weit herunter. Immer aber behält der V8i die Kontrolle und dickt nicht auf.

Ich rede vielmehr von der Fähigkeit, in Ruhe eine große Bühne aufzubauen und diese auch dann beizubehalten, wenn es musikalisch dichter wird. Ich rede davon, wie unheimlich lässig Impulse weitergegeben werden. Das hier der Amp die Boxen antreibt, und nicht umgekehrt, ist in jedem Moment klar. Keine Selbstverständlichkeit. Gerade die stromhungrige Audience 82 mit ihren 2x4 Chassis und durchschnittlichen 87dB/W/m, braucht jemanden, der sie an die Kandare nimmt. Der Dussun V8i macht das mit einem müden Lächeln.

Dussun V8i: 60.000 Mikrofarad je Kanal

Es kann einem passieren, dass man ihn im ersten Moment sogar für schlanker abgestimmt hält, da er manchen Bass-Sumpf trockenlegt. Eines der ersten Stücke, die ich einlegte, war P.J. Harveys "Down by the water". "Hier wird ja richtig bretthart geknurrt", sagte ich mir "aber war das vorher nicht eine Spur tiefer?" Naja, wahrscheinlich die Ausschwing-Resonanz .

Was echter Tiefbass ist, darüber wurde ich unterrichtet, als ich das Erstlingswerk von Francois Breut "Ma Colere" eingelegte (tolle Platte übrigens, kaufen!). Statt der Französin, erhoben meine Fenster klagend die Stimme. Einen derartigen Schallschub hatten sie noch nicht erlebt und ich - offen gestanden - bei diesem Stück auch nicht. "Nun, das steht hier auf der CD drauf", so das lapidare Statement des V8i, "wo nichts ist, kommt auch nix hin, aber wenn ihr unbedingt 40Hz vierkant in den Raum knallen wollt, bitteschön." Sympathischer Ansatz.

Dussun V8i: Kabelage IGeht es um die Fähigkeit, Stimmen realistisch wiederzugeben, oder allgemeiner, um die Frage, "Wie hältst du es mit den Mitten?", wird die Sache verwickelter. Tonal betrachtet, ist er klar dem Accuphase E-206 vorzuziehen - er hat nicht dessen Tendenz zur Überpräsenz, zur Betonung von S-Lauten etwa. Vergleicht man ihn aber zum Creek, lässt sich feststellen, dass die Präsentation des letzten Quäntchens "musikalischen Charmes" auch nicht seins ist. Der Lua ist meiner Meinung nach etwas zu rund, lässt Brillanz vermissen, aber wie der Creek die Stimmen darstellt, und wie er die Balance zwischen obere Mitten/untere Höhen perfekt durchhält, das ist große Klasse. Da kommt der V8i leider nicht ganz ran. Der bildet zwar sauber und klar ab, aber mit einer kühlen Kopfnote, latent streng. Oder sagen wir es einmal so: Einen Röhrensound wird man ihm schlecht nachweisen können. Wohlgemerkt, es sind Nuancen. Geht es um Esprit - die Fähigkeit, bei Impulsen Live-Feeling rüberkommen zu lassen - Dussun V8i: Kabelage IIdann hat der Dussun die Nase wieder vorn. Eine schrapellig gesägte E-Gitarre muss schmutzig rüberkommen: und zwar mit Effet! Hier geht es nicht um den letzten pastelligen Strich "Klangfarbe" - sowieso kein Begriff, den ich besonders liebe - hier geht's um Rock'n'roll. Bitte mal "No Wow" von "The Kills" einlegen und aufdrehen. Auch das sind Mitten, und die Strahlkraft, die sie von diesem Amp verliehen bekommen, macht richtig Spaß. Gut, bei Frauenstimmen ist mir der Creek schon etwas lieber. Wobei: Ist das nicht eine besonders lässige Note, die Madame Breut da vom Dussun bekommt? Geschmacksache.

 

Nubert
Kef T-Serie
Phonar
Hörzone

 

Wie auch bei Klavierpassagen. Vielleicht könnte er etwas wärmer sein, aber endlich steht hier mal tatsächlich ein Flügel im meinem Wohnzimmer! Und so ein Instrument braucht schon etwas Platz, es geht ja nicht um eine einzige schwingende Saite, da ist ein bisschen mehr mit verbunden - und der Chinese projiziert dies realistisch ins Zimmer. Instrumenten einen glaubhaften Körper verleihen und diesen wie selbstverständlich auf die Bühne stellen - das kann er. Diese Bühne wirkt einfach größer, voluminöser und losgelöster von den Lautsprechern. Notorische Nörgler mögen einwenden, sie werde vornehmlich breiter. Na gut, mir gefällt's aber. Die Leichtigkeit, mit der das geschieht, und die Übersicht, die der V8i bei der Raumaufteilung walten lässt, sind eindeutig Pluspunkte. Nie kommt das Gefühl auf, das wäre mit Arbeit verbunden oder er käme gar ins schwitzen.

Hier handelt es sich um einen Verstärker, der Transparenz, Impulsverarbeitung und räumliche Darstellung vor dem letzten Quäntchen "Klangcharme" setzt. Für manche ist dies vielleicht zu klar, zu neutral, zu analytisch. Ich mag diese Note eigentlich - zumal der Dussun andere Tugenden beherrscht, die mir wichtig sind: Wenn ich Musik höre, muss ein Kick rüberkommen; und das hat nach meinem Dafürhalten mehr mit Dynamik, Impulstreue und räumlicher Abbildung zu tun, als mit "Wohlklängen".

Dussun V8i von hinten

Ja, richtig, die Becken klingen beim Creek A50 schon realistischer, etwas weicher und aufgelöster als beim Dussun. Legt man etwa Tord Gustavsons "The Ground" ein, merkt man das. Aber da Musik etwas Ganzheitliches ist, entgeht einem auch nicht, dass die Freiheit der Abbildung beim V8i viel größer ist. Und diesen furztrockenen Kontrabass bildet der Creek auch nicht zufriedenstellend ab; und wo ist eigentlich dieser große Flügel geblieben? In der Summe der Eigenschaften gefällt mir der China-Amp hier einfach besser, da er für mich das Wesentliche glaubhafter transportiert: Er erzeugt mehr Live-Atmosphäre, ist schneller und gibt Impulse neutral und in jedem Pegel weiter. Er hat die Vorstellung zu jedem Zeitpunkt im Griff.

Wo wir gerade bei Impulsen bin, sehr gerne nehme ich da den Titel "Black Girls" von den Violent Femmes. In der Mitte des Stückes zeigt sich, ob Tempo, Überblick und Dynamik vorhanden sind. Da muss jedes Instrument mal ran, das ist schon nicht mehr Spielfreude, das ist Exzentrik. Zum Schluss der Passage kommen die Drums, und ja, was soll ich sagen, derartig federnd und energisch habe ich dies sehr, sehr selten gehört. (Das letzte Mal vor cirka zehn Jahren, an einer kleineren Kappa mit größerem Accuphase, war 'ne nette Party .) Was der Dicke aus dem Osten hier hinlegt, macht richtig Spaß. Spaß ist sowieso der treffende Begriff, der Hörer wird in die Musik hinein gezogen - das ist nicht die laid-back Variante des Hörens, bei der in 10 Metern Entfernung das Orchester spielt! Musik ist Energie, und das lässt der Dussun einen auch spüren.

Dussun V8i: Transistoren und Poti-Motor

Ob ich mit einem Gerät etwas anfangen kann oder nicht, das stellt sich manchmal unbewusst heraus, nicht aufgrund verkniffenen Erbsenzähler-Lauschens. Da lese ich beispielsweise die Zeitung und im Hintergrund läuft Musik. Aber irgendwie komme ich mit der Lektüre nicht recht weiter, alle zwei Minuten schaue ich hoch und denke: "Hey, netter Track!" Dann wird die Fernbedienung gesucht, es muss unbedingt lauter gedreht werden; plötzlich stecke ich mit einem Arm in der hintersten Ecke der Schublade - nach einer CD wühlend. Eine, die jahrelang nicht mehr gehört wurde, was jetzt unbedingt geändert werden muss. Und auf einmal weiß ich, das Ding hat was!

Ich behaupte nicht, dass der V8i alles richtig macht, aber er macht vor allem eines nicht: Langeweile verbreiten. Langweilen, wie so viele Geräte, die mittelmäßig und leicht zurückgezogen vor sich hinplätschern. Der Dussun V8i ist ein Statement: Tempo, Energie, Fundament und Raumaufteilung - und das unter allen denkbaren Konstellationen, bei jedem Pegel, aber immer kontrolliert und klar.

Letzter Quervergleich, damit ich mal zum Ende komme: Björks Debüt, Track 11, "The Anchor Song". Es geht um die Bläser. Den anderen Chinesen angeschlossen - Classic 6.6 - und festgestellt, dass der schon saftiger klingt: runder, voller, wärmer. Aber irgendetwas fehlt mir auch. Noch mal zum Dussun, ja, da ist dieser Hauch Kühle, aber da ist auch dieses schwer Fassbare, diese Schwebung, die eben beim Classic noch fehlte: Da ist nicht einfach nur ein Ton, sondern in diesem Ton ist noch eine andere Schwingung, die einem sagt, hier wird Blech geblasen. Metall zittert. Dieses Spezifische liefert der Dussun, der Classic klingt dagegen "schöner" - aber die Prise Härte beim V8i verleiht der Musik mehr Live-Würze .

 

Fazit:

Der Dussun V8i wird nicht jedermanns Sache sein - Röhrenfans werden sich keinen 1000-Watt Transistor-Boliden ins Wohnzimmer stellen wollen, und wer es sehr gemäßigt mag, dem wird der Dicke vielleicht zu distanzlos erscheinen. Eingefleischte Norah Jones-Fans suchen ebenfalls besser woanders. Wer aber von Musik eingefangen werden möchte, wem Tempo und Energie wichtig sind und staubtrockene Bässe; wer vielleicht auch mal die Chemikal Brothers bei 110 dB erleben will UND ZWAR SAUBER - der sollte ernsthaft mit dem Dussun liebäugeln. Zumal die Frage nach dem adäquaten Lautsprecher damit sekundär wird. Das Teil betreibt alles, egal wie hungrig. Dass andererseits ein Wirkungsgradwunder wie die ZU Druid nicht anfängt zu zicken, hat mich einmal mehr davon überzeugt, hier keinen ungepflegten Kraftmeier vor mir zu haben. Die Kombi aus > 100 dB/W/m-Lautsprecher und cirka einem PS auf Verstärkerseite läuft hervorragend. In der Theorie scheint so was ja doch eher exzentrisch, aber ganz das Gegenteil ist der Fall.

Noch mal: wer es analytisch, kraftvoll und schnell mag, wer eine Upbeat-Nummer durchaus zu schätzen weiß, der kann hier richtig glücklich werden. Zumal bei diesem Preis, da sehe ich nicht viel Konkurrenz, ehrlich gesagt.

PS: Auf die Phase achten, das ist bei diesem Verstärker wichtig. Zwei Wochen Einspielzeit sollte ihm gegönnt werden. Und eine halbe Stunde aufwärmen schadet der Performance auch nicht. Spielereien am Netzkabel haben bei mir kaum etwas verändert, lustigerweise war die Beipackstrippe sogar etwas vorn. Mit den Jumpern kann man experimentieren ...

Dussun V8i: vernünftig dimensionierte  Lautsprecherklemme