well done könnte man sagen ...
da war klar, dieser tag wird nicht mein freund.
... live hat immer die nase vorn.
bis zur letzten oktave gilt: ein chassis, ein kabel, keine weiche.
born to be zeitrichtig.
... wahrlich kein
me-too produkt.

Je länger ich diese Druid höre, desto klarer wird mir, was für ein Stück - nochmals - seriöse Ingenieurskunst hier vor mir steht. Alles ist durchdacht, alles passt zusammen: Ein radikales Prinzip, das nicht nötig hat, sich durch Schnickschnack nach vorne zu posen; dynamisch detailliert, ohne zu nerven, tonal harmonisch-integriert, ohne "Rundungsfehler", räumlich frei und luftig, ohne "audiophiles" Abgezirkel. Der Bass die richtige Mischung aus trocken und saftig. Well done könnte man sagen, und will man's bloody gibt's ja die Method-Methode. Diese Amis: Klappe aufreißen, Revolutionen ankündigen, sich in casual wear mit DJs fotografieren lassen und das auf die Homepage stellen, weil es hip ist ... und dann auch noch tatsächlich richtig gut sein! Fast schon unverschämt, HiFi for the next generation ...
Aber zurück zum Thema. Ich habe mal in der Nähe eines neu gebauten Einkaufscenters gewohnt, und dieses hatte die glorreiche Idee, alle drei Monate ein kleines Nachbarschaftsfest zu veranstalten, um sich ein bisschen zu promoten. Man kennt das: Fünf Bier- und Würstchenbuden und schon kommen alle angerannt. Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist eine kleine Bühne, auf der ganz erbärmlich rumdilettiert wird. Nicht jedes Wunder dieser Welt muss sich mir erschließen.
Eines Sonntagmorgens wurde ich um 9 Uhr durch ein Wilmersdorfer Shakira-Double geweckt. Da war klar, dieser Tag wird nicht mein Freund. Klar war aber auch - und darauf will ich eigentlich hinaus - hier spielt jemand LIVE. Wenn wieder auf "Konserve" geschaltet wurde, hörte man dies. Kam der Auftritt der nächsten Krawalltruppe, leider auch. So, jetzt meine Preisfrage: Wieso hört man einen Unterschied - und zwar durch das geschlossene (!) Fenster - ob jemand live musiziert, oder ob es halt vom Band kommt? Komme man mir nicht mit "live ist lauter" - da lässt sich schon ein Pegelausgleich denken, und trotzdem klingt es anders. Ein glatterer Frequenzschrieb ja auch wohl kaum, so in fünfhundert Metern Entfernung durchs Fenster hindurch. Und die räumliche Abbildung erst recht nicht. Was macht also den Unterschied?
Meine These: Tempo und Dynamik, oder vielleicht genauer: Die Geschwindigkeit, mit der Lautstärkeunterschiede nachvollzogen werden. Und das sowohl "en detail", wenn zum Beispiel ein Gitarrensaite angerissen wird: Der Ton steigt erst an, hält kurz die Höhe und fällt dann ab. Ein- und Ausschwingzeit sind hier ganz wesentliche Informationen. Aber auch "en gros", wenn Pegel oder Tempi-Wechsel musikalisch gewollt sind. Live hat immer die Nase vorn, ist immer schneller als das, was aus der Konserve kommt. Aber man kann versuchen, sich dem nähern, und manche Hifi-Geräte sind genau darauf gezüchtet.
Die Druid verfolgt dieses Ziel. Zunächst braucht man die Grundschnelligkeit, also einen starken Motor und einen sehnigen, leichten Körper. Aber die richtige Technik muss auch vorhanden sein, die Koordination, die richtige Abbildung der Schwingung in der Zeit. Erzeugt eine Saite einen Grundton von 100 Hz und geht das Oberwellenspektrum bis 10 kHz rauf, dann hat man bei einer Mehrwegekonstruktion häufig drei Chassis im Spiel, die diesen Klang übertragen sollen. Stürmt dann der Hochtöner vorwitzig los und laufen Mittel- und Tieftöner hinterher, resultiert daraus eine zeitlich nicht korrekte Wiedergabe. Denn diese Phasendifferenzen zwischen den (Ober-)tönen waren im Eingangssignal nicht vorhanden. Natürlich kann versucht werden, dies zu begradigen, indem man eine geneigte Schallwand konzipiert und so den Hochtöner, der schneller aus den Blöcken ist, zur Strafe auch länger laufen lässt. Oder man versucht in der Frequenzweiche einiges auszugleichen. Aber die Weiche als solche ist wiederum anfällig für Phasendrehungen und andere Fehler. Zudem kostet sie Wirkungsgrad. Es bleibt ein Kompromiss.

Dies alles umgeht die Druid. Bis zur letzten Oktave gilt: ein Chassis, ein Kabel, keine Weiche. Und ein Hochpass, der vor dem Tweeter hängt und ab 12 kHz durchlässig wird, kann auch nicht als klassische Weiche bezeichnet werden. Hierzu müsste das andere Chassis elektrisch ausgefadet werden.
Stellen Sie sich zum Abschluss bitte ein Instrument vor, bei dem viele Saiten (gleichzeitig) gezupft werden können, eine Harfe beispielsweise. Diese vielen kleinen Impulse, diese Ein- und Ausschwingphasen, die Oberton-Wolken. Ihre arme Frequenzweiche sortiert im Schweiße ihres Angesichts und die Chassis geben sich redlich Mühe. Jetzt legen sie Johanna Newsom ein und hören über die ZU Druid, jetzt wissen sie, was zeitrichtig heißt. "Born to be zeitrichtig", denn ein Breitbänder kann nicht anders. Dass die Signale aus einem Punkt kommen, und nicht aus einem halben Meter Chassisstrecke, gibt's noch oben drauf. In den achteinhalb Oktaven, die dieser Wandler liefert, passieren locker 80% des musikalischen Geschehens und wenn dieses prinzipbedingt korrekt getimet geschieht, dann hat man einen dicken Trumpf im Ärmel. Wenn dann weiterhin hochsensitiv noch das kleinste Signal verwertet wird, aber auch 300 Watt unverzickt weggesteckt werden, also die leisesten Nuancen und die bösartigsten grobdynamische Attacken gleichermaßen mit Leichtigkeit serviert werden können, dann weiß man, was die ZU-Truppe vorhatte: Nämlich eine richtig gute Musikmaschine zu bauen. Und es ist ihnen gelungen. Congratulations!
- Detailreichtum und aberwitziges Tempo - ohne dies durch eine Überpräsenz und ein Zuviel an Höhen zu erkaufen.
- Eine Freiheit der Abbildung und luftige Räumlichkeit, die ganz selten ist. Die Musik spielt im Raum und nicht aus den Boxen, einzelne Instrumente sind klar ortbar als Teil der Aufführung, nicht als sezierter Bereich.
- Tonal sehr dicht und ausgeglichen, kein Ton steht separat "ohne Anschluss" für sich. Integriert und natürlich. Manchen mag allerdings das letzte bisschen "Luft" in den obersten Lagen fehlen.
- Und vor allem: Unmittelbar! Dynamisch und völlig kompressionsfrei. Egal wie groß oder klein der Pegelsprung ist, ob weit oder nah - wendig, rhythmisch und feinnervig wird er nachvollzogen.
Mit der Druid ist ZU Audio ein Statement gelungen, und das in einer Preisklasse, die für viele noch erreichbar ist. Es handelt sich um eine völlig eigenständige Entwicklung - wahrlich kein me-too Produkt. Man hat den Mut bewiesen, abseits der üblichen Bahnen seinen Weg zu gehen, und ja, es hätte auch schief gehen können. Aber herausgekommen ist ein Lautsprecher, der seinesgleichen sucht. Vielleicht muss man ihn ein wenig länger hören, um dies nachvollziehen zu können, denn hier ist nichts Spektakuläres im Klangbild und "audiophile Mätzchen" werden auch nicht geboten. Da schon bei moderaten Lautstärken viele Nuancen und Abstufungen geliefert werden, glaubt man vielleicht erst an einen "Piano-Bar-Lautsprecher" - aber schmutzigere, lautstarke Attacken werden ebenso ansatzlos rübergebracht.
Dies ist eine Box für Musiker und Musikliebhaber, deren Anlage eigentlich ständig in Betrieb ist, egal, ob sie in der Küche Kartoffeln putzen, gerade duschen oder im Wohnzimmer ein paar Bierchen trinken. Ein Lautsprecher für Leute, die Musik hören wollen, und wenn das gerade nicht live geht, dann bitte so unmittelbar, so rhythmisch und dynamisch wie es eben möglich ist. Ein richtig guter Wandler.
