... und das kann schon mal 100 stunden dauern.
... die meisten schlafen dabei ehrlich gesagt doch ein.
...mein gott, diese gitarren!
... welch' dämliche idee es ist, einen crossover irgendwo zwischen 1000 - 4000 hz ansetzen zu müssen.
... die letzten subsonischen bösartigkeiten bleiben verborgen.
... augen zu,
box weg.
... die gitarre im dritten track muss exakt 83 cm über dem boden sein.
kompressionsfreiheit!
... pegel, die auf partys erst nach der fünften kiste bier gewünscht werden.
Eines vorab: Die Druid braucht ihre Einspielzeit, und dies dürfte an der erwähnten Art der Aufhängung liegen. Sicke und Zentrierspinne wollen ihr warm-up und das kann schon mal 100 Stunden dauern. ZU Audio selbst gibt an, dass dann erst 80% der Leistungsfähigkeit erreicht sind. Nun, ich habe nicht Buch geführt und es hat auch schon ab der ersten Stunde Spaß gemacht, aber so nach drei bis vier Wochen habe ich dann erst richtig realisiert, was für ein Ausnahmewandler die Druid ist.
Davor war es bei moderaten Pegeln etwas leblos und es fehlte ein wenig Glanz. Das lässt sich, ist sie erst mal akklimatisiert, überhaupt nicht mehr behaupten. Im Gegenteil, ich habe bisher wenige Lautsprecher gehört, die auch leise so angenehm spielen, die meisten schlafen dabei ehrlich gesagt doch ein. Die Druid aber behält ihren Charakter bei - Details, Dynamik, Räumlichkeit - nur eben leiser. Die gefühlte Lautstärke ist hierdurch höher, da man noch Dinge vernimmt, die bei anderen Lautsprechern schon verschluckt werden.
Also dann, gehen wir gleich in medias res. Ich nannte schon den einen Charakterzug der Druid: Details! Aber: Gehe dem Hörer niemals auf den Wecker und verkauf' ihn nicht für dumm, indem eine >= 5kHz Betonung als Auflösungsvermögen ausgegeben wird. Die meisten werden das zwar nicht direkt merken,
aber unbewusst schleicht sich auf unerklärliche Weise eine Unlust ein, Musik zu hören. Irgendwie zu anstrengend, zu ermüdend. Das passiert mit der Druid nicht, da sie sich die Präsenz nicht vordergründig erkauft. Was in einer zehnminütigen Vorführung im Ladenlokal vielleicht beeindruckt, geht einem zuhause schnell auf die Nerven. Dieser Lautsprecher ist seriöser, er drängelt sich nicht vor. So etwas überlässt er dem Volk. Er ist geradezu erstaunlich unspektakulär, man muss sich erst mal fünf Minuten auf ihn einlassen, um zu erkennen, was das für ein Kick ist. Typische Situation: Jemand hört ihn zum ersten Mal und denkt sich, da fehlt doch oben was. Die Ohren werden gespitzt, nee, oben fehlt eigentlich doch nichts. Ist alles da. Gut, unten fehlt die erste Oktave, aber mal ehrlich, wer hat die schon? Daran kann es auch nicht liegen. Man hat ja schon viele Lautsprecher gehört, die echten Tiefbass nicht konnten, aber keiner klang so, wie das hier klingt. Irgendwas ist hier anders. Mein Gott, diese Gitarren!
Mir ging es auch so und mittlerweile bin ich ziemlich davon überzeugt, dass das, was nicht stimmt, die meisten anderen Lautsprecher sind. Man kennt diese "offenen Boxen", die "Transparenz und Detail" und ein gute Ortbarkeit haben: meist ein guter Hochtöner in Kombination mit mittelgroßen Basschassis. Nerv-Potential vorhanden. Man kennt auch die Höhen-Vermeider, die rund und warm klingen, durchaus Druck haben, aber meist keine Räumlichkeit bieten können. Rar ist aber die völlige Unmittelbarkeit der Musik, die aus Tempo, Detailreichtum und völliger Losgelöstheit resultiert, ohne - und das ist wichtig - dass man dies den Höhen zuschreiben würde. Genau das verwirrt unser Ohr, es ist fast schon ein gewendeter Pawlow'scher Reflex: vor uns steht das leckere Futter, wir aber wollen, dass es klingelt. Da klingelt aber nix! Die Druid ist tatsächlich ein klein wenig zu dezent in den Höhen; nur sage ich jedem, der das vorschnell behauptet:
"Du hast dich schon so sehr an schlechte Mitten und schrille Höhe gewöhnt, dass du erst einmal auf Entzug musst." Das meine ich völlig ernst, je länger ich der ZU zuhöre, desto klarer wird mir, welch' dämliche Idee es ist, einen Crossover irgendwo zwischen 1000 - 4000 Hz ansetzen zu müssen. Man kann versuchen, die Fehler, die hierbei passieren, zu minimieren; man kann aber auch - wenn ich mir mal die Freiheit nehme, zu mutmaßen - den Kunden erzählen wollen, dass Überpräsenz gleich Transparenz ist und alles andere muffig klingt. Vielleicht ist es aber auch nur der pragmatische Ausgleich zum Röhren-Boom ...
Die Druid ist tonal ausgewogen. Vor allem ist sie in sich kohärent, alles ist miteinander verbunden. Die Unterscheidung in Bass / Mitte / Höhen wird irgendwie belangloser, da kann man nichts solo beurteilen, das gehört zusammen. Dass Stimmen realistisch und authentisch sind,
das können sich die meisten vielleicht denken bei einem Breitbänder, daher will ich hier nicht weiter dichten, wiewohl es juckt. Was mehr erstaunt, ist das Fundament, das dieser 10 Zöller bieten kann. Klar, wie gesagt, man erwarte keine körperlichen Schäden: Wenn man meinetwegen Massive Attack einlegt, bleiben die letzten subsonischen Bösartigkeiten verborgen. Aber bis circa 50 Hz bieten die Druids alles, was das Herz begehrt und noch mehr, nämlich Gripp. Das flurrt, schnalzt und surrt, dass es eine Art ist. Auch hier gilt: Tempo, Tempo, Tempo. Und diese Eigenschaft in den unteren Lagen habe ich ganz besonders gern. Brummeligkeit, dass geht gar nicht.
Es lässt sich hier auch etwas justieren: Die Druid ist unten offen, dort kommt Bassenergie heraus und über die Höhe der Spikes kann man durchaus ein Feintuning vornehmen.

Knapp über den Boden eingestellt, wird der Bass nochmals strammer - dafür ist er nicht so raumfüllend. Bei einem größeren Raum sollte der Abstand vielleicht höher gewählt werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass hier 1 cm mehr oder weniger schon etwas bewegt.
Bei der Aufstellung zeigen sich die ZUs erstaunlich variabel, es darf experimentiert werden. Mir ist aufgefallen, dass die Basisbreite weiter als normal gewählt werden kann. Die Druid besitzt eine fantastische Räumlichkeit, stellt man sie weiter auseinander, so vergrößert sich die Bühne einfach. Ich habe sie so weit auseinander geschoben, bis tatsächlich ein Riss in der Mitte entstand und dann wieder gute 50 cm zusammengerückt: perfekt. Von der Wand steht sie ca. 70cm entfernt und für meine Verhältnisse relativ stark eingewinkelt. Gibt man sich mit diesen Details etwas Mühe, bekommt man zur Belohnung eine Losgelöstheit des Klanges, die schon phänomenal ist. Augen zu, Boxen weg, in dieser Dimension habe ich das ganz selten erlebt.

Fast glaubt man an Effektgeräte, zweifelt daran, ob der Raum eigentlich wirklich so groß ist, so völlig frei tönt die Musik. Hammer. Und wenn ich sagte, detailliert, aber ohne eine vordergründige Präsenz, sage ich jetzt: völlig freie Raumabbildung, aber ohne mit dem Rasiermesser die Konturen nachzuzeichnen.
Ich weiß, es gibt diese Fixierung, die Gitarre im dritten Track muss exakt 83 cm über dem Boden sein, 1,13 Meter von der linken Boxenkante entfernt. Tja, vergessen Sie's. Erstens gibt es keine Boxenkanten mehr, zumindest akustisch betrachtet sind die Dinger weg, und zweitens ist die besagte Gitarre, oder was auch immer, in den Raum eingewoben. Ja klar lässt sie sich orten, aber eben als Teil der Performance auf der Bühne, nicht als Kreuz auf dem Millimeterpapier. Na gut, ein bisschen mehr Trennschärfe wäre auch okay. Ich kenne die Thiel 2.4 nicht in- und auswendig, aber da Kollege Jörg eine besitzt, doch ganz gut. Dieser Lautsprecher bildet schärfer ab, aber die Weite und Tiefe der Raumabbildung, die die Druid bietet, die hat er nicht. Auch ist die Thiel nicht so frontal wie die ZU, die Musik spielt einen Meter weiter hinten fein säuberlich.
Bei der ZU rockt man bei entsprechendem Programm manchmal mit, so involvierend spielt sie und so nahe ist man dem Geschehen. Beim ersten Track von Muriel Morenos "Surviving the day" beispielsweise flattern die Sounds einem knapp an der Nase vorbei - und das liegt nicht nur an meinem Zinken. Es ist vielmehr die Kombination aus extremen Wirkungsgrad, Dynamik, Zeitrichtigkeit und Punktschallquelle.
Jedes noch so leise Detail wird hier in Schall umgesetzt, es wird sozusagen in die CD reingezoomt. Jedenfalls solange man keine dieser kastrierten Küchenradio-Aufnahmen hat, das macht dann nämlich keine Laune.
Aber zurück zu Muriel, nach der dritten Minute gibt's eine kleine Pegelanpassung, und wenn es vorher schon ordentlich laut eingestellt war, darf man jetzt einen weiteren Grundzug der Druid erleben: Kompressionsfreiheit. Ganz so gewählt habe ich mich freilich nicht ausgedrückt, als das zum ersten Mal passierte und ich leicht panisch die richtige Fernbedienung suchte. Hui! Die beiden Zehnzöller werden schnell unterschätzt, die können aber ganz schön Radau machen. Und das, ohne dabei etwas zu verbiegen, zu kappen oder Feinheiten sonst wie zu schleifen. Hier wird einfach linear hochskaliert, bis zur Schmerzgrenze, wenn es sein muss. Zur Wiederholung: 125 dB Dynamikumfang. Neben dieser Zahl sind in Akustik-Lehrbüchern meist lustige kleine Piktogramme von Düsenjägern eingezeichnet, tut also schon, die Druid.
Das einzige, was mir bei diesen Pegeln dann doch fehlt, sind die richtigen Tiefschläge. Vielleicht sollte der nächste Test ZUs "Method" behandeln, zwo 15''er auf Speed? Wohlgemerkt, ich rede von Disko-Lautstärke, bei der die letzte Oktave auch noch schick wäre, Pegel, die auf Partys erst nach der fünften Kiste Bier gewünscht werden. Im normalen Leben komme ich gut bis 50 Hz aus. Tiefer wäre natürlich immer schöner, aber warum sollte man das von der Druid verlangen wollen? Besser sie macht das, was sie kann, richtig, als alles so halb zu versuchen und nichts richtig zu können. Denen, die unbedingt die verschlungen Pfade des Infraschalls gehen wollen, eröffnet das Team aus Utah mit gleich zwei Subwoofern die Möglichkeit hierzu. Für die letzte Oktave muss noch mal investiert werden (1.500 $ bzw. 2.500 $, je nach Größe des Sub), und das ist auch okay, denn echter Tiefbass bedarf Membranfläche, Volumen, Kraft und in diesem Fall vor allem auch Tempo. Denn in Kombination mit der Druid kann man sich keinen lethargischen Dröhnwürfel leisten, sonst kippt alles um. Diese Tugenden sind aber nicht umsonst zu haben.