D'Appolito
... vor uns liegt eine plane saiten-fläche
wirkungsgrad 93 db
ein sehr transparenter lautsprecher ...
... und ein lebendiger
dieser wandler
ist komplett
Eine Sache wollte ich dann aber doch noch wissen: Was die D'Appolito Anordnung denn nun klanglich bringt. Und insbesondere, ob die von Herrn Abel andeutete (frequenzunabhängige) stabile räumliche Abbildung so zu hören sei. Zugegeben: Stimmen werden weiter oben platziert, als ich es gewohnt bin. Aber dies hat zwei simple Gründe. Zum einen liegt es an meinem Sofa - eher die "tiefergelegte" Variante zum Reinlümmeln - zum anderen sitze ich (streng genommen) etwas zu nah an diesem Wandler. Die Aufstellung an der Längsseite des Zimmers bringt meist einen Gewinn in der räumlichen Darstellung und bei der Lokalisationsschärfe (seitliche Reflexionen treffen später und abgeschwächter ein), allerdings wird es bei gegebener Größe des Raumes mit dem Hörabstand so eine Sache. Zumindest, wenn ein solches Kaliber wie die absolut perfect postiert werden will.
Offen gestanden, ich glaube schon, dass ein 40 qm Hörraum aus diesem Wandler in Sachen Raumaufteilung noch ein ganzes "Schippchen" mehr herausholt. Umso mehr freut es mich, dass sich die absolut perfect auf meinen 26 qm völlig undivenhaft verhält. Die "klassische" Anordnung - "Bass-Treiber und Reflexkanäle vorne raus" - mag nicht unwesentlich dazu beitragen. Bei "downfire", nach hinten oder an die Seite angebracht, wäre die korrekte Aufstellung sicherlich ein etwas längeres Procedere geworden. Die perfect spielt bei mir sehr frei auf, präzise wird den Klängen der Platz zugewiesen. Und dafür, dass diese (recht lange) Schallwand nur ungefähr drei Meter von mir entfernt steht, herrscht eine phänomenale Integration über das Frequenzspektrum hinweg. Freilich würde ich das Sofa gerne noch 1,5 Meter nach hinten bugsieren, aber dort wohnen ja die Nachbarn ...
Aber zurück zu D'Appolito: Joanna Newsoms Gesang kennt bisweilen sehr hochfrequente Schlenker, diese werden blitzschnell nachvollzogen - gut so. Und noch besser, dass ein Wandern vom Mittel- zum Hochtöner (zumindest in der akustischen Wahrnehmung) nicht stattfindet. Der virtuelle Punkt im Raum bleibt bestehen. Noch eindrucksvoller gerät aber die Darstellung eines Klaviers. Bei manchen Lautsprechern kann es schon einmal vorkommen, dass der Eindruck entsteht, das Instrument sei seitlich gekippt: Die Abbildung im Raum steigt mit der Tonhöhe, das Signal klettert die "Chassisleiter" rauf und runter. Der absolut Wandler beendet diesen Spuk, vor uns liegt eine plane (Saiten-)Fläche und das allerbeste dabei ist, dass auch deutlich wird, wie das Instrument steht: Ob der Pianist uns also in die Augen schaut oder seitlich sitzt. Die Töne wandern, je nach Aufnahme, von links nach rechts oder eben vor und zurück. In der Kombination mit dem schon superben Auflösungsvermögen ergibt dies einen Effekt, den ich in dieser Dimension zuhause noch nicht erleben durfte.

Der Wirkungsgrad der absolut perfect wird mit 93 dB angegeben (gemessen bei 2,83 Volt in einem Meter Entfernung) -das ist sehr anständig und liegt höher als der "Schnitt". Es sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein potenter Verstärker, der bei Impulsen auch mal ordentlich Strom liefern kann, klar im Vorteil ist. Und ein guter Dämpfungsfaktor schadet der Tiefbass-Präzision in der Regel auch nie - auch hier nicht.
Durch den sehr transparenten Charakter des großen audio absolut Wandlers, werden die Eigenheiten der vorgeschalteten Elektronik aufgedeckt: So zeigt sich der Dussun V8i recht wacker. Vielleicht nicht gerade sehr feinzeichnend und auch der Bass wird mir etwas zu viel (wobei er kontrolliert bleibt) - aber gar nicht übel, bedenkt man die Preisrelation zum Lautsprecher. Der JungSon JA88 D stellt dagegen die oberen Mitten mit mehr Finesse dar, weicht unten aber zu stark auf - keine perfekte Ehe, denn auch die Impulsivität wird leider ausgebremst.
Mit
(auch preislich) adäquater Verstärkung versehen, gewinnt die perfect deutlich - nicht völlig andere Dimensionen, aber doch in allen Belangen einen Schritt voraus. Die Bryston Vor-/End-Kombi legt den Bassbereich final trocken, dies ist eine sehr definiert Wiedergabe, für manche vielleicht schon zu viel - aber da auch der ganze Rest extrem sauber geliefert wird, ergibt sich doch ein sehr schönes Gespann. Ebenfalls zu empfehlen, ist die Kombination mit Perreauxs Top-Vollverstärker. Nicht ganz klar ist mir, warum ausgerechnet der "leichteste" Amp in Sachen Impulsivität die Nase vorn hat, aber sei's drum - wirklich sehr rhythmisch das Ganze. Und wem Bryston zu kühl scheint, bekommt hier einen Touch mehr Leben. Aber wirklich nur einen Touch. Also: Eine adäquate Befeuerung sollte bei der absolut perfect vorhanden sein, insbesondere die Impulsivität und die Lebendigkeit gewinnen dann. Aber das versteht sich bei einem Schallwandler der 12 k€-Klasse
wohl von selbst.
Und da ich bei Impulsivität bin: Der Hochton der perfect ist (dank Magnetostat-Prinzip) schon wahnwitzig schnell, er kennt scheinbar keine Grenzen, egal, was für ein Feuerwerk oben brennt. Der Mittel- und Tieftonbereich ist sehr schnell - wenn auch nicht so wahnwitzig ... Ja, meine ZU Druid ist hier sogar noch temporeicher und rhythmischer, aber der Vergleich hinkt dann doch etwas, zu verschieden sind die Konzepte und die Klangphilosophie. Die absolut perfect ist ein lebendiger Wandler, hat man den richtigen Verstärker in petto, reißen einen ihre Impulsivität und Dynamik mit.
Der Lautsprecher absolut perfect ...
Das Durchdeklinieren der Einzeldisziplinen scheint zwar notwendig, stößt aber bei einem Schallwandler wie der absolut perfect irgendwann an Grenzen. Denn das Wesentliche an der absolut perfect ist gerade, dass sie alle Disziplinen beherrscht: Es wird keine besondere Fertigkeit auf dem Silbertablett serviert und dafür eine andere in die zweite Reihe gedrängt. Nein, dieser Lautsprecher ist im positiven Sinne komplett oder - negativ formuliert - charakterlos: denn er fügt dem Musiksignal nichts hinzu bzw. raubt diesem nichts. Weder tonal, noch an Dynamik oder Räumlichkeit. Musikhören macht einfach sehr viel Spaß mit der absolut perfect. Hey, digidigi!
