die ersten runden
creek + shelter
grenzwertig scharf
Klangliches


Verglichen habe ich den Creek Wyndsor mit meinem Acoustic Solid Laufwerk MPX, wobei auf diesem der Phonotools-Arm Vivid Two die Systeme führte (Shelter 501 MKII und Denons DL-103), während es beim Creek besagter OEM 300 war. Ein Plattenspieler-Vergleich also, kein reiner Laufwerks-Contest. Für die ganz Genauen sei auch noch erwähnt, dass auf dem Acoustic Solid-Plattenteller die Schieferauflage von Musical Life liegt und nicht Acryl, wie standardmäßig vorgesehen ...
Platte
Nummer eins: Joanna Newsom / The Milk-Eyed Mender. Das erste Album der
US-Harfistin läuft bei mir eigentlich ständig, überdrüssig
bin ich dessen aber immer noch nicht (ganz) geworden - so langsam baut
sich eine persönliche Beziehung zu jedem kleinen Kratzer dieser Platte
auf. Um mein Gehör "einzunorden", höre ich sie zuerst über
den Acoustic Solid - und finde wirklich wenig Grund zur Klage. Also Systemumbau
und Neujustage, Joanna rüber auf den Creek und wieder von vorn.
Erster
Eindruck: etwas weniger warm und die Musik spielt etwas weiter
entfernt, auf der Grundlinie der Lautsprecher, nicht einen halben Schritt
weiter vorn, wie zuvor. Zweiter Eindruck: Besitzt die Harfe nun weniger
Körper? Eigentlich nicht. Im Gegenteil, vielleicht weniger Volumen
im Sinne von reiner Ausdehnung, okay, aber die "Körperlichkeit" ist
nun greifbarer geworden, plastischer gestaltet wirkt es. Und das Instrument
wie auch die Stimme stehen sehr klar im Raum, randscharf und präzise
bildet der Wyndsor ab; zwischen den Klänge ist irgendwie "mehr
Nichts" -
jene bekannte Schwärze, vor der sich der Ton kontrastreich abbildet.
Gut, man muss sich auf diese Feinheiten schon einlassen, aber nachdem
ich sie erstmal entdeckt hatte, war es doch recht deutlich: Ja, ich
kann mir gut vorstellen, dass einige
die
Wiedergabe über den (wohlgemerkt
auch um einiges günstigeren) MPX als "voller" bezeichnen
würden - könnte
aber auch daran liegen, dass der sich ein "kleines warmes Dunstwölkchen" im
Mittenband leistet. Durchaus angenehm tönend, aber doch auch ganz
leicht verschleiernd.
Jedenfalls kommt es mir nicht so vor, dass der Creek Wyndsor relativ "viel Höhen macht", auch wenn er insgesamt offener und durchsichtiger spielt. Er macht eher "in den Mitten weniger" will mir scheinen - weniger warmen Dunst. Mit dem Creek wird es klarer, was hinten auf der Bühne abgeht, und auch die plastische Gestaltung der Instrumente gerät, wie erwähnt, überzeugender. Und sind die Harfenläufe jetzt nicht verfolgbarer, strukturierter? Ja, sind sie, aber das liegt nicht nur am Faktor "Transparenz", sondern auch am guten Timing des Creek, was mir (im "größeren Zusammenhang") auch bei folgender Platte auffällt:

Die Stimme der kanadischen Sängerin Feist ist auf ihrem letztjährigen Album "The Reminder" "grenzwertig scharf" eingefangen worden: Tendiert etwas in der Anlage zum Harten, leicht Präsenten, dann kann sie schnell zu zischelig werden; und wenn's samtig-weich rüberkommt, fehlt auch etwas, dann wird zu stark gerundet - solche Platten braucht der Hifi-Tester. Und wie machen sich der Creek- und der Acoustic Solid-Player hierbei? Sehr ähnlich, und Gott sei dank weder zu hart noch zu weich. Allerdings fällt auf, dass über den massigen Schwaben die Stimme angenehm nach vorn tritt, während der Brite den glaubhafteren Körper zeichnet - ein "Besser" gibt es hierbei nicht, leichte Unterschiede sind gleichwohl feststellbar.
In anderer Hinsicht hat der Creek dann aber doch die Nase vorn, und zwar wenn es um Tempo, Rhythmik und Timing geht. Dies fällt mir beim Lied "Sealion" auf, hier swingt es einfach anregender, Kopf, Fuß und sonstige Gliedmaßen verspüren große Lust auf Bewegung. Das ist interessant, ich könnte jetzt nicht auf Anhieb eine Einzelheit aus dem Lied herauspicken und sagen: "Das ist besser, weil ..." Nein, es betrifft die (rhythmische) Spannkraft in dem Song insgesamt, er kommt einfach straffer, bestimmter, federnder rüber. Ja, "federnd" ist das richtige Wort - macht definitiv richtig Laune.