fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Test: AMG Viella 12 | Plattenspieler (Laufwerk und Tonarm)
Preis: 12.800 Euro

Black Beauty

AMG Viella 12

Juni 2014 / Frank Hakopians

Wirklich ein rundes Ding, diese AMG Viella 12. Nein, das ist jetzt nicht das vorweggenommene Testfazit. Aber schon rein formal betrachtet kommt man um die Bedeutung der 360° für das Design der AMG Viella (Vertrieb: www.high-fidelity-studio.de) einfach nicht herum. Nun ist es natürlich weder abwegig noch neu, bei der Gestaltung eines Plattenlaufwerks die Kreisform zu bemühen. Rillentonträger sind nun mal rund und für gewöhnlich folgen Plattenteller diesem Beispiel.

Aber wie hier konsequent und mit feinem Sinn für die Proportion eine Idee verfolgt wird, dürfte auch abgebrühte Designjunkies verblüffen. Also gut, die Zarge ist oval. Aber sehen Sie mal, wie perfekt sie dem Rund des Plattentellers folgt. Vermutlich werden die Kurven der AMG-Kombi auch klanglich ihre Wirkung nicht verfehlen. Stichwort Resonanzvermeidung.

AMG Viella 12

Wer baut eigentlich so ein Schmuckstück? Die Analog Manufaktur Germany, kurz AMG, ist ein nicht allzu großer, mittelständischer Betrieb mit Sitz im bayerischen Kelheim. Erfahrung im Laufwerksbau konnten allerdings reichlich gesammelt werden, da man viele Jahre als Fertigungsbetrieb für einen anderen bekannten Hersteller analoger Preziosen fungierte. Der inzwischen leider verstorbene Firmengründer Werner Röschlau vertrat als Perfektionist alter Schule die Ansicht, dass nur Dinge, die man selber macht, nicht von einem anderen vor die Wand gefahren werden können. Dieser Einstellung liegt die heute bei AMG zu beobachtende extreme Fertigungstiefe zugrunde. Da man über einen ausreichend großen Maschinenpark inklusive modernster CNC-Fräsen verfügt, erfolgt lediglich die Eloxierung des speziellen Flugzeugaluminiums außer Haus. Alles andere wird im eigenen Betrieb erledigt. Ehrensache.

Julian Lorenzi, der junge Chef von AMG, hat nicht nur die Begeisterung für Analoges und den Hang zu kompromissloser Qualität von seinem Vater geerbt, sondern sich auch von Beginn an konstruktiv in die Firma eingebracht. So ist beispielsweise der extra gemäß seiner Bestimmung als horizontal laufender Plattenspielermotor entwickelte Antrieb der Viella sein Baby. Der läuft, das Ohr ganz nah am Teller, bei 33 1/3 Umdrehungen ruhiger als alles was mir bisher sonst so untergekommen ist. Vielleicht, weil das Lager der Motorachse eine verkleinerte Version des eigentlichen Tellerlagers ist.

AMG Viella 12 - Lager

Dieses ist natürlich ebenfalls eine AMG-Eigenentwicklung und wahrscheinlich das eigentliche Herzstück der Viella. Es handelt sich um ein wartungsfreies Lager, dessen 16 mm starke Edelstahlachse nach Art hydrodynamischer Gleitlager in axialer Richtung vollständig von einem Ölfilm umschlossen ist, während sie am Boden auf einem Feststoffspiegel läuft. Oben auf der Achse befindet sich der aus Aluminium gefertigte Subteller, worauf schließlich ein (aus massivem Alu) gedrehter, gut 12 kg schwerer Plattenteller aufgesetzt wird. Nachlaufzeiten von einigen Minuten dürften ein sicheres Indiz für die extrem reduzierten Reibungsverluste sein. Die Frage nach der Haltbarkeit des Lagers beantwortet man bei AMG mit dem Hinweis, dass die Lebensdauer des Lagers in den meisten Fällen die der Viella-Besitzer übertreffen werde.

AMG Viella 12 - Lager mit Subteller, weiter hinten zu sehen: die Antriebsspindel des Motors
Lager mit Subteller. Weiter hinten zu sehen: die Antriebsspindel des Motors

Der Tonarm 12J2 bietet sich selbstverständlich als synergistischer Partner des Laufwerks AMG Viella an. Sollte sich ein Kunde aber partout nicht davon abhalten lassen, besteht dank einer drehbaren Basis die Möglichkeit, so gut wie alle auf dem Weltmarkt erhältlichen Tonarme mit Längen zwischen neun und zwölf Zoll zu montieren. Die Anfertigung passender Montageplatten übernimmt man bei AMG auf Wunsch natürlich gerne. Platten mit Bohrungen für Graham- und SME-Tonarme liegen gar auf Lager.

Die Auflagefläche des Tellers ist mit einer Schicht aus Polyvinylchlorid, kurz PVC, versehen, womit laut AMG der klanglich beste Kontakt zur Schallplatte hergestellt wird – die bekanntlich hauptsächlich aus demselben Material besteht. Versuche meinerseits mit einer Plattenmatte von J.C. Verdier und einer Ring-Mat die Performance der AMG-Lösung zu toppen, scheiterten denn auch prompt. Zur Grundausstattung des AMG-Laufwerks gehört ferner eine superb gefertigte, schraubbare Plattenklemme. Dabei wird mithilfe eines flachen Rings, den man über den Dorn des Tellers legt, die Schallplatte bei angezogener Klemme vollflächig auf den Plattenteller gepresst. Da sie sich dabei leicht konvex verbiegt, werden die leidigen Höhenschläge des Vinyls ausgeglichen. Vom Prinzip her vielleicht nicht wirklich neu, funktioniert hier aber absolut überzeugend.

Der Stromversorgung des Laufwerks, in ein eigenes Alugehäuse verbannt, kann dank des ausreichend langen Versorgungskabels in einiger Entfernung vom Laufwerk deponiert werden.

Stromversorgung des AMG-Laufwerks

Die Wahl der Drehzahl – 33, 45 und 78 UpM stehen zur Verfügung – erfolgt mit drei Tastschaltern auf der Zarge der Viella. Die Einhaltung der Drehzahl ist quarzgesteuert und soll, einmal präzise justiert, dauerhaft eingehalten werden.

AMG Viella - Geschwindigkeitstaster

Überprüft habe ich die Solldrehzahlen mit einer der handelsüblichen Stroboskop-Platten, wie sie beispielsweise von Clearaudio oder Pro-Ject angeboten werden. Während des gesamten Testzeitraums gab es hier nichts zu korrigieren.

AMGs Tonarm, aufgrund seiner stolzen Länge von 12 Zoll zur Einhaltung möglichst geringer Spurfehlwinkel prädestiniert, stellt seine ungewöhnlichen Detaillösungen dem Betrachter keineswegs offen zur Schau. Zwar ist das als Nadellager ausgeführte Vertikallager durchaus noch als einigermaßen konventionell zu anzusehen, allerdings dürfte dieses Urteil bei dem Horizontallager reichlich daneben liegen. Das ist sogar so ungewöhnlich, dass beim Deutschen Patentamt in München auf das Lager ein Patent angemeldet wurde. Wie man hört, wurde Werner Röschlau - vor AMG-Tonarmseinen Erfolgen als Analogkonstrukteur viele Jahre Flugkapitän bei der Lufthansa und auch leidenschaftlicher Hubschrauberpilot - von den verstellbaren Hubschrauberrotoren zu seinem Horizontallager inspiriert. Ein schönes Beispiel für Technologietransfer. Aber damit ist es noch nicht genug.

Weil sich einer der oberen Aufnahmepunkte der beiden hauchdünnen Federstahlstifte des Horizontallagers in der Höhe verstellen lässt, bietet der Tonarm auch die Möglichkeit zur feinfühligen Justage des Nadelazimuth. Trickreich und sicher ebenfalls keine Allerweltslösung. Zur Einstellung der Antiskatingkraft werden gegenüberliegende Magnete bemüht, die sich gegeneinander verschieben lassen. Alle Justagen werden in der Regel an kleinen und kleinsten Inbusschrauben vorgenommen. Dankenswerterweise liefert AMG das hierzu notwendige Werkzeug gleich mit, selbstredend in professioneller Qualität.

Als Homo analogicus, der öfter mal einen Tonabnehmer oder Tonarm wechselt, hätte ich mich über Skalierungen zur besseren Reproduzierbarkeit der Tonarmhöhe und des Antiskatings gefreut. Auch eine VTA-Justage „on the fly“ steht auf meinem Wunschzettel. Die wäre zwar prinzipiell nach Lösen des Tonarmschaftes durch Verdrehen einer Spikeschraube möglich, lässt so aber bei Weitem den Charme vermissen, welcher sonst die Konstruktionsdetails des Zwölfzöllers umweht. Da ist die ins Lagergehäuse eingelassene Röhrenlibelle zur Ausrichtung des Armes nur ein schwacher, wenn auch sehr hübsch anzusehender Trost, der zwar die waagerechte Ausrichtung des Armes problemlos ermöglicht, die Reproduzierbarkeit davon abweichender Tonarmhöhen wegen der zu groben Skalierung aber nur im Stil eines Schätzeisens zulässt.

Ins Lagergehäuse eingelassene Röhrenlibelle

Dass der Tonarm eher weniger für ausgewiesene Eisenbieger mit zwei linken Händen gedacht ist, wird recht schnell an der Tonarm-Innenverkabelung aus Reinkupfer deutlich. Die ist so fragil ausgefallen, dass mir beim Aufziehen der engen Kabelschuhe auf die Anschlusspins des Tonabnehmers, einem Aventurin 6 von Steinmusic, ernsthaft der Schweiß auf die Stirne tritt. Glücklicherweise erweisen sich die feinen Drähtchen letztlich doch belastbarer als vermutet.

Aventurin 6 am AMG-Arm

Während des Testzeitraums habe ich die AMG-Kombi meistenteils mit dem im Lieferumfang enthaltenen Phonokabel gehört. Das ist hochwertig konfektioniert und - bei reinen Phonostrippen nicht ganz unwichtig - ausgesprochen flexibel. Ein wenig fummelig ist ein Wechsel des Phonokabels freilich schon, da man dazu den Tonarm aus seinem Schaft ziehen muss, um an die 5-Pol-DIN-Buchse zu gelangen. Mein Tipp: Wählen sie die auf Anfrage angebotene, bis zum Phonovorverstärker durchgehende Verkabelung. So sparen sie unnötige Übergangswiderstände im Signalweg ein und schonen ihre Nerven. Die Option eines Anschlussterminals im Bereich der hinteren Öffnung der Zarge besteht ebenfalls und ist sicherlich weniger kritisch beim Wechsel des Phonoverbinders, leidet aber ebenfalls an einer klanglich eher abträglichen zusätzlichen Kontaktstelle.

Geradezu ein Kinderspiel ist dagegen, das 23 Kilo schwere Laufwerk waagerecht auszurichten. Mithilfe eines Inbusschlüssels und der hochpräzisen, in die Zarge eingelassenen Dosenlibelle ist die Viella blitzschnell ins Wasser gestellt. Zwei der drei eingelassenen Spikes, auf denen sie stabil steht, sind zu diesem Zweck bequem von oben durch kleine Öffnungen erreichbar. So bereitet es wenig Mühe, die Basis unter dem Testgerät ein ums andere Mal zu tauschen und zu prüfen, ob und wie die AMG Viella klanglich auf unterschiedliche Stellflächen reagiert.

Tonarmbasis des AMG Viella

Dem Eigner des AMG-Laufwerks bleiben eigene Experimente in diese Richtung wohl nicht erspart, will er das allerletzte Quäntchen an Klangqualität aus diesem Dreher herausholen. So klingt es auf einer drei Zentimeter starken Schieferplatte tendenziell technischer und kühler. Direkt auf die oberste, aus Berg-Ahorn bestehende Ebene des Racks gestellt, wirkt die Performance der Viella subjektiv zwar behäbiger, aber auch etwas farbiger. Die Versuche enden schließlich damit, dass ich das Laufwerk auf genau der Acapella-Basis belasse, auf der sich auch schon mein Horstmann & Petter Ullysses besonders gut in Szene setzen konnte.

Bei AMG präferiert man übrigens eine Laufwerksbasis des US-Herstellers HRS. Diese in einer nochmals speziell auf die Viella abgestimmten Ausführung leider nicht ganz billige Edelbasis wird wahrscheinlich demnächst auch im Programm des deutschen Vertriebs zu finden sein.

 

 

 

 

 

Im Test:

Plattenspieler AMG Viella 12

UVP: 12.800 Euro

Vertrieb:

High-Fidelity Studio

Web:
www.high-fidelity-studio.de
eMail:
info@high-fidelity-studio.de
Telefon:
0821 - 372 50


 

Equipment:

Quellen:

digital:
Bladelius Gondul M, Ensemble Dirondo
analog:
Laufwerk: Horstmann & Petter Ulysses

Tonarme: Audiocraft AC 4400, Horstmann & Petter  Iason

Tonabnehmer: Dynavector XV-1S, Denon DL 103 „Volpe“, Steinmusic Aventurin 6

Verstärker:

Phonovorstufen:
Einstein The Turntables Choice

Vorstufe:

Accustic Arts Tube
Preamp II Mk.2

Endstufen:
Tenor Audio 75 Wi Monoverstärker, Audionet Amp

Vollverstärker:
Devialet D-Premier

Lautsprecher:
A Capella La Campanella, Tocaro 40 b

Stromversorgung:

Trenntrafos von Steinmusic und Moll-Audio, AHP-Klangmodule, Furutech-Steckdosen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein hang zu kompromissloser qualität

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

überlebt
den besitzer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gescheiterte
tuning-versuche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

präzision auf knopfdruck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

stolze länge

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

alles im lot?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

belastbarer
als vermutet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

basen-experimente können sich lohnen