fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

 

 

vorfahrt achten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

um mit der standardausstattung zu beginnen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die vermittlung des „beckenkörpers“ gelingt sehr gut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

summarisch betrachtet

Klang Thorens TD 309

Thoresn TD 309 in Rot

Beim ersten Anlauf, mich dem Thorens TD 309 zu nähern, wurde ich ausgebremst - was passiert ist, ist leicht erklärt: Ein HiFi-Redakteur schaut mit leicht spöttischem Lächeln das MM-Pickup an, das zum Thorens TD 309-Paket dazu gehört - ein Audio Technica AT 95 E, Straßenpreis um die 30 Euro - und beschließt, dass das ja jetzt wohl gar nicht angeht, greift also zum 25mal so teuren Ortofon Rondo Bronze und muss nach längerer Frickelei feststellen, dass ihm für eine korrekte Überhang-Einstellung circa ein Millimeter Spiel nach vorne fehlt. Ein verdammtes Millimeterchen! Nach Rückfrage erfahre ich, dass dergleichen nur bei ganz-ganz wenigen Tonabnehmern der Fall sei, man aber in der Produktion schon Bescheid gegeben habe, den Führungsschlitz, innerhalb dessen sich die Headshell bewegen lässt, um zwei Millimeter nach vorne zu verlängern - leider sei das beim Testmuster aber wohl noch nicht der Fall. Tja, schade - aber egal, denn mit einigem Recht lässt sich sowieso fragen, wer wohl ein System verwenden wird, dass nochmal die Hälfte des Plattenspieler-Budgets zusätzlich verschlingt - vermutlich ist das eine seltene Kombi. Da ist es dem Realismus doch dienlich, dass die Hörrunden mit den Pickups Denon DL-103, Shelter 201 und eben dem „Budget-Tonabnehmer“ von Audio Technica bestritten wurden.

Thorens TD 309 mit dem Audio Technica

Um mit Letzterem zu beginnen, also mit der Standardausstattung, wie der Thorens TD 309 beim Kunden ankommt: Da muss ich dann doch zugeben, dass er blasiert-audiophile Ansprüche ziemlich gut auskontert. Nein, nicht weil er mit highendigen Qualitäten nur so um sich wirft - aber es war eben schon so, dass ich mit der Einstellung „jetzt fängt die Hörarbeit an“ ein Album auflegte und mir fleißig Notizen machte, was der Thorens mit dem AT 95 unterm Huf alles nicht so ganz perfekt darstellt - man darf das ruhig „kopflastiges Checklisten-Hören“ nennen -, nur um mich nach einer dreiviertel Stunde rekapitulierend zu fragen, warum ich denn trotzdem so viel Spaß an und mit ihm habe. Komisch. Das Album, um das es geht, ist übrigens eine Acid Jazz-Compilation namens Totally Wired II von 1989.

Totally Wired IIUnd um da beispielhaft mit dem Track „Nzuri Beat“ von Steve White And Gary Wallis die ominöse Checkliste hervorzuziehen: Dieser „Song“ ist ein einziges Drum & Percussion-Solo, musikalisch kommt man da kaum auf seine Kosten, aber was sich gut ermitteln lässt ist der Raumeindruck (Eher kompakte Abbildung in der Mitte oder offen und weit? / Wird die Tiefenstaffelung beherrscht?), das Timing und, weil sehr viel „Blech“ mit im Spiel ist, das gut eingefangen wurde: die Auflösung in den oberen Oktaven.

Die freilich steigerungsfähig ist, das feine Nachschwingen der Becken in diesem Stück wird mit dem Audio Technica im Headshell dann doch eher verwischt, jedenfalls nicht feingliedrig aufgedröselt; auch habe ich das Gefühl, die Anschlagsmomente schon mal plötzlicher ans Ohr gereicht bekommen zu haben. Tonal sehe ich hier allerdings kein Manko, der Hochtonbereich wird nicht abgerundet und nicht exponiert dargeboten, er gibt sich gut integriert und vom Level her passend. Aber als Ausbund an Feindynamik geht er nicht durch.

Thorens TD 309

Gleichwohl muss ich hervorheben: Die Vermittlung des „Beckenkörpers“ beziehungsweise des rechten Größenverhältnisses gelingt sehr gut. Vielleicht wissen Sie, was ich meine: Bisweilen hört man ja sehr luftige, feingliedrige, gespinstartige Becken, die aber, so scheint’s, „nur aus Nachklang“ bestehen, zumindest entsteht nicht der Eindruck, es handele sich um Metallscheiben von durchaus beachtlichen Ausmaßen, die da angeschlagen werden. Genau dies kann der „Standard“-TD 309 aber rüberbringen. In Sachen Raumeindruck fällt auf, dass die einzelnen Klänge auf einer ziemlich breiten Bühne aufgestellt werden, es nach hinten hinaus aber nicht gerade weitläufig zugeht - Vorne/Hinten-Relationen werden aufgezeigt, das geht aber schon noch deutlicher.

Gut, „Nzuri Beat“ ist eine Ausnahme auf diesem Sampler, die anderen Stücke sind deutlich üppiger instrumentiert. Da tut sich mit Piano, Gitarre, Trompete, Tenor- und Sopransaxophon (ab und an richtig schön schmutzig röhrend, fein) auch was in den mittleren - und mit Kontra- und E-Bass viel mehr in den unteren Lagen.

Antrieb Thorens TD 309
Beim Thorens treibt ein Flachriemen den Subteller an

Insbesondere der Mittelton wird vom Thorens tonal balanciert präsentiert: durchaus gehaltvoll, aber nicht dicklich/zu warm - Bläser besitzen Biss, kommen aber nie zu präsent rüber - es gibt crispere Klangbilder und deutlich laschere. „Gehaltvoll“ passt auch für die unteren Lagen, es tönt hier eher von der saftigen denn von der ausnehmend trocken-knorrigen Seite her. Gleichwohl wird temporeiches E-Bass-Spiel wie beim Solo im Song „Homegrown“ (Ed Jones Quartet) durchaus behände nachverfolgt und nicht verschliffen - auch Kontrabassläufe geraten schön griffig. Etwas mächtiger von ganz unten könnte das Instrument freilich schon aufgebaut werden. In den tiefsten Lagen duckt sich das Audio Technica etwas weg.

Summarisch betrachtet lässt sich also sagen: ausgewogene Hochton- und Mittendarstellung, dabei eher auf der substanziellen denn crispen Seite, im Bass halten sich Saft und Kontur die Waage - nur die alleruntersten Lagen bleiben leicht schemenhaft. Es tönt für meine Ohren also recht ausgeglichen und harmonisch, wenn auch nicht im strengsten Sinne neutral. Doch die tonalen Meriten sind sowieso nur die halbe Erklärung, warum mir der Thorens TD 309 „out of the box“ gut gefällt. Die andere Hälfte fiel mir auf, als ich zu musikalischem Kontrastprogamm griff ...