fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Test: JaWil Audio Ragnarök 2 | Lautsprecher
Preis: 2.998 Euro

Rotkehlchen

JaWil Audio Ragnarök 2

Januar 2017 / Ralph Werner

An Lautsprechern der 3.000-Euro-Klasse mangelt es nun wirklich nicht. Es gibt sie in allen Formen und Farben, und jeder Anbieter kocht sein eigenes Süppchen. Was allerdings – so hat man manchmal den Eindruck – nach einem doch recht einheitlichen Rezept geschieht: Man nehme zwei oder drei Wege, bringe sie in einem kompakten Gehäuse oder einem schlanken Tower unter und arbeite nach dem Bassreflexprinzip. Wenn einem heutzutage mal ein geschlossenes Modell unterkommt, reibt man sich ja schon fast verwundert die Augen. Doch wie reagiert man erst, wenn einem zur Abwechslung ein Zweiwegler mit Horn und 15-Zoll-Woofer in der offenen Schallwand geliefert wird? Klare Sache: mit breitem Grinsen. Da sage noch einer, man müsse in dieser Liga immer nur „Golf fahren“.

Mit JaWil Audio (www.jawil-audio.de) muss man das ganz offensichtlich nicht, das merkt man gerade auch ihrem günstigsten Passiv-Lautsprecher an (die zuletzt getestete JaWil Heimdal ist teilaktiv), der auf den eingenwillig-nordischen Namen „Ragnarök“ hört. Genauer: Ragnarök 2, denn unser Proband ist der Nachfolger der ersten Version, die noch mit 10-Zoll-Treiber im Bassreflexgehäuse kam und die es sowohl als Fertig-Lautsprecher wie als DIY-Bausatz gab. Letzteres wird es für die aktuelle Variante nicht mehr angeboten.

Der wesentliche konzeptionelle Unterschied zwischen alt und neu liegt darin, wie das tonale Untergeschoss bis 350 Hz – der Trennfrequenz zwischen Woofer und Horn – bearbeitet wird. JaWil Audio Ragnarök 2Danach befragt, warum er sich nun ausgerechnet für einen Dipol-Bass entschieden habe, gibt Jörn Jansen, Eigner und Entwickler der Manufaktur aus dem Westerwald, zu Protokoll, dass es ihnen um eine Bassperformance gegangen sei, die mit dem Breitbänder im Fronthorn auf „einer Linie“ liege. Wichtig seien da vor allem schnelle, saubere Ein- und Ausschwingvorgänge, also eine Impulsverarbeitung, die mit dem Horn Schritt halten kann – weniger schierer Basspegel und absoluter Tiefgang. Mit diesem Ziel im Kopf lande man schnell bei offenen Systemen, so Jansen.

Warum? Was zeichnet so ein Konzept eigentlich aus? Das Grundprinzip eines Bass-Dipols ist ja recht simpel: Man baue einen Tieftöner in einen Brettausschnitt ein – fertig. Im Fall der JaWil Audio Ragnarök 2 ist dieses „Brett“ knapp 46 cm breit und wird an den Seiten von 20 cm tiefen Paneelen komplettiert, weshalb man auch von einem „U-Frame“ spricht. Wie dem auch sei: Entscheidend ist, dass die Rückseite offen bleibt, sprich die rückwärtige Schallenergie des Treibers nicht durch ein Gehäuse „gefangen“ wird, sondern an die „freie“ Luft darf. Ein Dipol strahlt also nach vorne und nach hinten ab – das aber, logischerweise, mit exakt gegensätzlicher akustischer Phase. Wird vorne die Luft „komprimiert“ so hinten „verdünnt“, und umgekehrt.

Genau deshalb geht im Bassbereich natürlich auch eine Menge Schallleistung wieder verloren, denn es kommt zum akustischen Kurzschluss: Treffen zwei Wellen (gleicher Länge) mit exakt entgegengesetzter Phase aufeinander, so löschen sie sich aus. In praxi kommt es bei einem Bass-Dipol aufgrund der kugelförmigen Abstrahlung tiefer Frequenzen zur Ausprägung zweier „Schallkugeln“, vorne und hinten, und dort, wo sie quasi direkt aufeinandertreffen – rechts, links und oberhalb des Lautsprechers – zu einer destruktiven Interferenz. Die typische Abstrahlcharakteristik eines Dipols nimmt daher die Form einer liegenden Acht an, deren Taille auf der lateralen Ebene des Lautsprechers liegt, während sie bei normalen „Monopol“-Lautsprechern im Tieftonbereich einer Kugel gleicht. Wegen des akustischen Kurzschlusses und der damit einhergehenden „Energieverschwendung“ scheuen die meisten Lautsprecherentwickler das Dipolkonzept, zumindest für das tonale Untergeschoss.

Die JaWil Ragnarök 2 stehen auf Traversen und lassen sich durch geeignete Spike-Justierungen nach hinten neigen. Das kann sinnvoll sein, damit der Breitbandtreiber auf das Ohr des Hörers zielt
Die JaWil Ragnarök 2 stehen auf Traversen und lassen sich durch geeignete Spike-Justierungen nach hinten neigen. Das kann sinnvoll sein, damit der in circa 80 cm Höhe verbaute Breitbänder auf das Ohr des Hörers zielt


JaWil Audio wird dagegen nicht müde, die Vorteile eines Dipol-Basses herauszustellen: Wo kein (teil-)geschlossenes Gehäuse ist, gibt's auch kein (zurück-)federndes Luftvolumen, das ein unkontrolliertes Nachschwingen des Basswoofers erzeuge und damit Impulse verschmiere. Natürlich ist auch die Neigung zu Gehäuseresonanzen bei einer offenen Schallwand ein viel kleineres Thema als bei normalen Boxen, die mit der „gefangenen“ Tieftonenergie irgendwie umgehen müssen. Und der vermeintliche Nachteil des akustischen Kurzschlusses kann sich im echten HiFi-Leben auch segensreich auswirken: Gerade weil in der lateralen Ebene weniger Energie in den Raum abgegeben wird, werden Raummoden auch nicht so deutlich angeregt. Und da so ein 15er genügend Autorität mitbringe, sei das mit der Energieverschwendung nicht weiter wild, so Jansen.

Doch genug vom Bass und Dipol, das rote Ding obendrüber scheint genauso interessant zu sein! Es handelt sich um ein hyperbolisches Horn aus eigener Fertigung – wer Näheres zum Herstellungsprozess wissen will, lese unseren JaWil-Firmenreport –, in dem ein Breitbandtreiber arbeitet. Dieses schultert näherungsweise sechs Oktaven ganz alleine. Jansen hierzu: „Ein breitbandiges Konzept ohne Trennung im für das menschliche Gehör empfindlichsten Bereich von circa 1000 - 6000 Hz ist bei JaWil Audio Gesetz.“ Und da, wie geschrieben, das Horn schon ab 350 Hertz übernimmt und es keine Kompressionstreiber gebe, die derart tief einsatzbereit seien, müsse es eben auch ein Breitbandtreiber sein – ein Chassistyp, der im Horn ja auch nicht alle Tage gesehen wird. In der JaWil Ragnarök 2 steckt ein neues Exemplar, das zum einen größer (drei statt zwei Zoll) als das vorherige ist und zum anderen statt einer Papier- nun eine Titanmembran besitzt. „Wenn die mal nicht das Klingeln anfängt“, denke ich, denn das tun harte Membranmaterialien ja gerne mal – und ein solches „Aufbrechen“ der Membran kann die Klangfreude erheblich trüben. Jansen sieht hier keine Gefahren, die für Hartmembranen typischen Resonanzprobleme gäbe es bei den hier verwendeten Treibern nicht JaWil Audio Ragnarök 2beziehungsweise träten erst weit oberhalb der menschlichen Hörschwelle zutage. Na, hoffentlich stimmt's. Der Dreizöller besitzt übrigens einen ziemlich großen Phaseplug – dieser ermögliche es, das Abstrahlverhalten des Konus nahezu ideal an den Hornhals zu koppeln, was keine ganz triviale Aufgabe sei.

Die Verarbeitungsqualität der JaWil Ragnarök 2 würde ich als solide bezeichnen wollen. Filigran oder luxuriös geht anders, was zu einer kleinen Manufaktur aus dem Westerwald vielleicht aber auch gar nicht so recht passen würde. Sehr angenehm und ungewöhnlich ist, dass man „seine“ Ragnarök individuell gestalten lassen kann: Die Farbe des Horns lässt sich beliebig wählen, ebenso die des Lautsprecherkorpus – bei unserem Testmuster wurde die Front mit einem Schieferfurnier versehen, alleine davon hat Jansen 28 zur Auswahl. Man kann das Ganze aber auch lackieren. Anything goes – und die Aufpreise sind moderat. Dass man, wie nebenstehend zu sehen, rückseitig in die Ragnarök 2 hineinschauen kann, ist natürlich nicht der Standard: Bei unserem Probanden wurde die Textilbespannung der Rückseite genau deshalb eingespart, damit wir solche Fotos machen können.

Eminence Delta 15 Woofer von hinten

Zu sehen gibt es dort neben dem beeindruckenden „Delta 15“ von Eminence noch die ungewöhnliche Montagetechnik fürs Horn – dieses wird mittels einer Aluplatte in die Schallwand „gespannt“, sodass von außen keine Befestigungsmittel auszumachen sind – sowie die Frequenzweiche am Fuß des Lautsprechers. Diese trennt die Wege mit 18 dB/Oktave und besitzt neben einer Impedanzlinearisierung, die die Ragnarök 2 bei 12 Ohm hält, auch einen Notchfilter, der den Frequenzgang des Breitbandtreibers begradigen soll. Dass die Weiche der Lautsprecher des Herrn Jansen ausgerechnet mit Jantzen-Audio-Bauteilen bestückt wurde, gefällt mir übrigens besonders gut.

Frequenzweichge der JaWil Audio Ragnarök 2

 

 

 

 

Im Test:

Lautsprecher JaWil Audio Ragnarök 2

UVP zum Testzeitpunkt:

2.998 Euro

Hersteller & Vertrieb:

JaWil Audio

Telefon: 02745 - 93150

eMail:
info@JaWil-Audio.de
Web:
www.jawil-audio.de


Größe des Hörraums:

Grundfläche: 30 m²
Höhe: 3,4 m

Equipment:

Quellen:

Laufwerk:
VPI Scout II

Tonarm:
VPI JMW 9T

Tonabnehmer:
Denon DL-103R (MC),
Transrotor Figaro (MC),
Dynavector DV-20X2H (High-output-MC),
Shelter 201 (MM)

Phono-Vorverstärker:
BMC Audio MCCI

Computer & Co:
Audiodata MusikServer, Auralic Aries, Readynas Duo NAS-Server,
HP Notebook, iFi iPurifier II

D/A-Wandler:
Luxman DA-06

Verstärker:

Vorverstärker:
Octave HP300 inklusive MC-Phonoboard

Endverstärker:
Musical Fidelity M8 700m

Vollverstärker:
Denon PMA-2010AE

Lautsprecher:

Blumenhofer Acoustics Genuin FS 1 Mk2

Sonstiges:

Rack: Creaktiv Trend 3

Kabel:

Stromversorgung, Netzleiste und Netzkabel: fis Audio Black Magic

LS: fis Audio Studioline, Ascendo Tri-Wire-Kabelsatz, Dynamikks Speakerlink, Ecosse ES 2.3, Zu Audio Libtec

NF: fis Audio Premiumline Lifetime, Ecosse, Vovox und andere

Digital: Wireworld Series 7 Starlight Gold (Koax-S/PDIF), Aqvox (USB)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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