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Test: XTZ Master M2 | Lautsprecher | Preis: 1.950 Euro

Schwarz, schwer, schwedisch

XTZ Master M2

Oktober 2015 / Tobias Zoporowski

„Schon wieder ein Lautsprecher?“ Meine erste Reaktion auf das Testobjekt, das mir Kollege Dames in Aussicht stellte, war zunächst verhalten. Nach Heco und B&W immerhin der dritte Schallwandler in Folge, den ich in meinem Hörzimmer begrüßen würde. Als ich mich in die technischen Details der XTZ Master M2 vertiefte, kam aber dann doch Lust auf, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich hatte gerade den Test der kompakten „CM 6 S2“ von Bowers & Wilkins abgeschlossen, die zufällig in exakt der gleichen Preisklasse wie die XTZ Master M2 unterwegs ist und die ich bereits fertig verpackt zur Rücksendung an den Hersteller vorbereitet hatte. Also: Kommando zurück! Schließlich hat man recht selten die Gelegenheit, zwei so grundsätzlich unterschiedliche Lautsprecherkonzepte direkt „gegeneinander“ zu hören. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Zumal mir das im schwedischen Torup im Jahre 2004 als Netzwerk – nicht als klassischer Hersteller! – aus Ingenieuren, Technikern und Chassis- wie Gehäuselieferanten gegründete Unternehmen XTZ bisher nur als Anbieter einer hochklassigen Raumakustikanalyse-Software bekannt war. Die gibt es unter dem Namen „Room Analyzer 2 Pro“ auch immer noch. Sie bringt zum Kurs von knapp unter 300 Euro ein empfindliches Messmikrofon gleich mit und ist wirklich effektiv. Mit Lautsprechern – wie gesagt – habe ich die Nordlichter eher nicht in Verbindung gebracht. Dabei gibt es insgesamt fünf Serien im Portfolio der Schweden, wobei die hier getestete Kompaktbox „XTZ Master M2“ als zur Oberklasse des Hauses zugehörig bezeichnet werden kann.

XTZ vertreibt seine Produkte direkt über einen Onlineshop, der unter www.xtz-deutschland.de erreichbar ist, ein Fachhandelnetz gibt es nicht. Damit sich jeder Kunde in Ruhe von den Qualitäten der schwedischen Lautsprecher überzeugen kann – probehören beim Händler entfällt ja – liefern die Nordmänner nach dem „Buy & Try“-Prinzip. Danach hat der Kunde vier Wochen Zeit, sich final zu entscheiden. Gefällt ihm die Box nicht, kann er sie zurücksenden und bekommt sein Geld erstattet.

XTZ Master M2  Rückansicht

Direktvermarktung ist ja gerade auf dem Lautsprechermarkt kein unbekanntes Modell, Wettbewerber wie Nubert und Teufel arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich auf diese Weise. Dazu mag man stehen, wie man will – zu konstatieren ist auf jeden Fall: Die „XTZ Master M2“ wartet in Sachen Chassistechnologie und Bauteilauswahl mit einer Güte auf, die ein- bis zwei Preisklassen höher als selbstverständlich gelten mag, in der Liga um 2.000 Euro Paarpreis aber doch bemerkenswert ist.

Ins Auge fällt da zunächst das ungewöhnlich organisch gestylte Gehäuse, welches im Wortsinn „aus einem Guss“ gefertigt wird. Im Gegensatz zu den meisten Wettbewerbern des Preisumfelds setzen die Schweden nicht auf MDF- oder andere Holz-Werkstoffe, sondern formen die Master M2 aus einem hochfesten Epoxidharz. Das hat diverse Vorteile: Zum einen lassen sich damit ungewöhnliche, weil weitab vom üblichen „Kistendesign“, Gestaltungen realisieren. Zum anderen ist das aber natürlich auch aus akustischen Gründen vorteilhaft, denn: Die Master M2 weist keine parallelen Innenwände auf. Stehende Wellen, die den Klangeindruck trüben könnten, entstehen erst gar nicht. Zudem spart man sich aufwändige Versteifungsmaßnahmen, da das Epoxidharz nach dem Aushärten und Lackieren eh schon so fest wird, dass es praktisch kaum resoniert. Einziger Nachteil – wenn man darin überhaupt einen solchen erkennen möchte – ist, dass die extravagante Schwedin für einen Kompaktlautsprecher ungewöhnlich schwer gerät. Satte 18,6 Kilogramm – manche Standbox ist leichter. Es ist in jedem Fall ratsam, der XTZ einen soliden Ständer zu gönnen. Den bietet zum Beispiel der Hersteller selbst für 380 Euro Paarpreis an. In ein Regal gehört dieser Lautsprecher definitiv nicht!

XTZ Master M2  Weiche

In Sachen Wandlerbestückung setzen die Schweden auf namhafte Zulieferer, die Chassis der XTZ Master M2 werden von Seas und Peerless nach XTZ-Spezifikationen gefertigt, wobei man beim Membranmaterial des Tiefmitteltöners stolz „ein neues Patent“ vermeldet. Die Konsistenz des Materials wird dabei nicht verraten, allerdings standen wohl insbesondere die Impulsantwort und die „daraus resultierende Detailtreue“ im Fokus der Entwickler. Dabei haben sie nicht zuviel versprochen, was ich – ohne dem Klangcheck vorzugreifen – schon einmal verraten kann.

Auch der güldene Phase-Plug im Zentrum des Tiefmitteltöners hat natürlich – obschon durchaus nett anzusehen – nicht nur optische Gründe. Er reduziert Partialschwingungen des Chassis und unterstützt damit eine verzerrungsärmere Wiedergabe. Die mit 30 Millimetern Durchmesser relativ große Hochtonkalotte sitzt leicht versenkt in einem hornartigen Vorsatz, den XTZ „Waveguide“ nennt und der das Abstrahlverhalten im oberen Frequenzband optimieren soll.

XTZ Master M2  Bassreflex

Pfiffig finde ich die „flexible“ Bassreflexlösung, mit der sich die Master M2 an verschiedene Hörraumsituationen und/oder klangliche Geschmäcker anpassen lässt. Die Schweden legen dem Karton zwei Paar Schaumstoffpfropfen bei, eine „halboffene“ Variante, die die Bassreflexöffnung auf dem Rücken der Box lediglich verkleinert, und ein voll ausgeschäumter Stopfen, welcher die Öffnung dann komplett verschließt. Damit lassen sich die schmucken Schwedinnen recht feinfühlig „anpassen“, wobei ich im Test mit komplett offenem Reflexkanal, also ohne Stopfen, gearbeitet habe. Das robuste Anschlussterminal bietet – klassenüblich – die Möglichkeit, die Lautsprecher im Bi-Wiring-Betrieb anzusteuern, wovon ich im Test keinen Gebrauch gemacht habe. Das elektrische Netzwerk – also die Frequenzweiche – bestücken die Nordmänner größtenteils mit Bauteilen des Kölner Spezialisten Mundorf, eine der ersten Adressen für Kondensatoren & Co. Die Ausstattung der Master M2 darf damit – nicht nur für die Preisklasse, sondern allgemein – als sehr ausgesucht bezeichnet werden.

XTZ Master M2  Bassreflex

 

 

 

 

Im Test:

Kompaktlautsprecher:
XTZ Master M2

UVP zum Testzeitpunkt:
1.950 Euro


Vertrieb:
XTZ-Deutschland

Telefon: 07246 - 9131483

eMail:
kontakt@xtz-deutschland.de
Web:
www.xtz-deutschland.de


 
Größe des Hörraums: Grundfläche 18 qm
Höhe: 2,45 m 

 

Equipment

Quelle:

analog:
Plattenspieler Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und MM-System Shelter 201,
Phono-Pre Lehmann Audio Black Cube Statement,
Tuner Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler
Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, Netzwerkplayer Pioneer
N-50 und Marantz NA 8005

Verstärker:

Vollverstärker Magnat RV-3 und Yamaha A-S 1000

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

buy and try

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

namhaft bestückt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

feinfühlig anpassbar