fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Test: Harbeth Super HL5 Plus | Lautsprecher
Preis: 4.195 Euro

Play it again, Alan!

Harbeth Super HL5 Plus

April 2015 / Markus Sauer

fairaudio's favourite AwardKinder, wie die Zeit vergeht. Kaum ist ein Harbeth-Modell (www.inputaudio.de) mal 14 Jahre auf dem Markt, schon wird es durch einen – immerhin äußerlich identischen – Nachfolger ersetzt. Kollege Ralph Werner gefiel die Harbeth SuperHL5 im Test so sehr, dass sie 2010 einen fairaudio's favourite Award erhielt, was für eine Box, die damals schon zehn Jahre unverändert auf dem Markt war, durchaus als bemerkenswert gelten darf.

Und da auf fairaudio schon einiges zu Harbeth und der SuperHL5 berichtet wurde, sei dem geneigten Leser die Lektüre des Berichts anempfohlen. Zur Vermeidung von Wiederholungen setze ich im Folgenden einfach voraus, dass Sie mit Hersteller und Vorgängermodell (und der ungewöhnlichen Konstruktion mit Tiefmitteltöner, Hochtöner und Superhochtöner) schon vertraut sind, und widme mich vornehmlich den Unterschieden beim neuen Modell.

Harbeth SuperHL5 Plus

Wo andere Hersteller ihre Produkte alle zwei Jahre auffrischen, um im Markt als aktuell wahrgenommen zu werden, pflegte Harbeth gerade bei der SHL5 den Gegenentwurf. Im Harbeth-Internetforum wurde Firmeninhaber Alan Shaw immer wieder mal gefragt, wann denn nun endlich mit einem Nachfolger der Box zu rechnen sei, und stereotyp war seine Antwort, der Lautsprecher sei nach wie vor der Bestseller im Harbeth-Programm und er sehe keinen Anlass, eine Box, die beim Publikum so gut angenommen werde, zu verändern. Zu groß sei die Gefahr, dass er das Produkt, von dessen Erfolg Wohl und Wehe der Firma wesentlich abhänge, am Geschmack des Stammpublikums vorbei weiterentwickle.

2014 ergab sich dann aber die Situation, dass Harbeth für die High End in München ein neues Modell angekündigt hatte. Aus der eigentlich vorgesehenen Neuentwicklung wurde jedoch nichts. Da es in Anbetracht von bereits betriebener Medienarbeit doch recht peinlich gewesen wäre, ohne Neuheit dazustehen, überlegte Alan Shaw, was er denn nun tun könne. Und jetzt erteile ich ihm einmal selbst das gekürzt übersetzte Wort (Originaltext hier):

Alan Shaw„Nach einem sorgfältigen Blick auf unsere Verkaufszahlen über die letzten beiden Jahrzehnte hatte ich den Eindruck, dass die SHL5 als am längsten im Markt befindliches Modell ein Kandidat für einen näheren Blick war. Also bat ich meine Kollegen mir ein frisches Paar SHL5 zu bauen, verstaute sie in meinem Auto und fuhr zur Old Barn für ein paar Tage sorgfältigen Hörens.

Es muss wenigstens fünf Jahre her gewesen sein, seit ich das letzte Mal ein Paar SHL5 gehört hatte. Ich ging also recht unvorbelastet daran, sie unter meinen eigenen Bedingungen zu hören; eine wertvolle Einsicht in meinen Designstand vom Jahre 2000. Was könnte ich 2014 besser machen als damals?

Der Fortschritt hat sich für uns hauptsächlich bei der Entwicklung der Frequenzweiche abgespielt. Die originale HL5 (von 1988/89) war der letzte Lautsprecher, bei dem ich die Frequenzweiche iterativ entwickelte: Bauteile nehmen, auf die Frequenzweiche löten, messen, und dann diesen Prozess für Monate wiederholen, bis das Ergebnis messtechnisch akzeptabel war. Dann konnte das Hören beginnen. Das Problem dabei liegt in der unvermeidlichen Ermüdung, und darin, eine bestimmte Kombination von Komponenten zu übersehen, die man entdeckt hätte, wäre man nicht ganz so hungrig, müde und frustriert und hätte noch zehn Minuten weiter gebastelt. Außerdem ist die Dokumentation problematisch: Wenn man sich gerade „im Flow“ findet, erscheint einem sogar die eine Minute, die man bräuchte, um eine als magisch empfundene Kombination, die gerade so toll funktioniert, zu Papier zu bringen, als unwillkommene Unterbrechung. So kann es nur zu leicht passieren, dass man zufällig auf eine gut funktionierende Schaltung stößt, aber eine Stunde später, wenn man noch irgendetwas anderes probiert hat, festzustellen, dass man sich an die magische Schaltung einfach nicht mehr erinnern kann.

Bei dem Lautsprecher, der auf die originale HL5 folgte, der ersten P3 (circa 1990), entwickelte ich die Frequenzweiche mit einem Simulator der ersten Generation. Schwierig im Umgang, ständige Abstürze und die Neigung, sich in Endlosschleifen zu verlieren, ohne dass man erkennen konnte, was nun wieder passiert war, sodass die Arbeit eines ganzen Tages verloren gehen konnte. Trotzdem war offensichtlich, dass Simulation die Zukunft war; sie eröffnete den Weg zu einer unendlichen Vielfalt von Schaltungen und Bauteilwerten, die ich in Jahren nicht hätte ausprobieren können. Und das hat sich auch bestätigt.

Frequenzweiche der Harbeth SuperHL5 Plus

Nachdem ich mir die SuperHL5 nun zwei Tage angehört hatte, machte ich sorgfältige Messungen von ihr und entschied, dass die Treiber im Grunde gut waren, aber dass ich die Integration der Treiber durch die Frequenzweiche – mit der Erfahrung von 14 Jahren Simulation und meiner zusätzlichen Erfahrung aus der Entwicklung der P3-Serie, M30, M40, Circle 3, Circle 5, Circle 1, P3ES/R Serie, Compact 7 Serie, Monitor M40.1, Monitor M30.1 – verbessern konnte. Also machte ich genau das.

Es gibt einen Schritt im Designprozess, und diesen entscheidenden Moment gibt es bei jedem Modell, wo ich ein Gefühl für den Geschmack des Publikums zeigen muss. Und dieser Geschmack wandelt sich mit der Zeit. Was ich meine ist, dass ich durch die Auswahl einiger weniger Komponenten – vielleicht 20 % der Bauteile der Frequenzweiche – den Gesamtklang in die entgegengesetzte Richtungen lenken kann: von etwas zurückhaltend und entfernt klingend bis prägnant und anspringend. Das eine Extrem lenkt die Marktpositionierung des Harbeth SuperHL5 Plus mit BespannungLautsprechers eher in Richtung des Klassikhörers, das andere in Richtung des Pophörers. Diese Entscheidung ist nicht trivial, sie hängt nur von der persönlichen Einschätzung der Marktgegebenheiten ab, denn für die Simulation führt beides zu einer akzeptablen Lösung. Das Problem ist, dass die klanglichen Auswirkungen für die subjektive Wahrnehmung dramatisch sein können. Wenn ich die subjektive Balance falsch auslege, haben wir potenziell die Marktakzeptanz des Produkts zerstört und ein möglicherweise erhebliches Risiko für die Marke ausgelöst. Mit der 14-jährigen Historie der HL5/SHL5 kann man sich vorstellen, dass firmenintern keine Neigung bestand, die Gans, die goldene Eier legt, zu schlachten.

Ich beschloss, dass die Zeit reif war, die Über-Alles-Balance des Lautsprechers etwas zu öffnen. Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass dies eine wirtschaftlich vernünftige Entscheidung war, legte mich dies auf eine bestimmte Auslegung der Frequenzweiche fest. Was ich außerdem noch ganz bewusst tat, war, den Bass knackiger auszulegen und damit die SHL5 Plus für kleinere Räume und für Pop/Rock-Musik geeigneter zu machen.“

Was Alan Shaw sagte, machte mich neugierig, also bat ich ihn, die Unterschiede zwischen alter und neuer Version der SuperHL5 noch etwas näher zu beschreiben. In einer Mail erläuterte er, das Gehäuse als solches sei unverändert geblieben, jedoch stecke in der neuen Version etwas mehr Schaumstoff zur Dämpfung, außerdem wurde der Reflexkanal etwas gedämpft.

Bassreflex-Öffnung der Harbeth

Beides zusammen habe den Effekt, dass die Bass-Güte unter 120 Hertz etwas herabgesetzt wurde. Übersetzt heißt das, dass der Bass etwas besser bedämpft und knackiger klingen sollte, dafür mit etwas weniger Wärme. Dies sei ein sehr sorgfältig überlegter Schritt gewesen, denn bei klassischer Musik werde das Plus an Wärme in den heimischen vier Wänden in der Regel als positiv empfunden. Für Pop- und Rockmusik scheine es jedoch einen Punkt zu geben, ab dem der warme Bass als Nachteil empfunden werde. Die entscheidende Frage sei nun, welcher Anteil der Käufer akustische Musik höre und welcher nicht. In den letzten 38 Jahren sei Harbeth von bloßen Annahmen ausgegangen. Eine etwas genauere Marktuntersuchung im Jahre 2013 habe aber ergeben, dass nur rund 15 % der Harbeth-Käufer ausschließlich oder überwiegend klassische Musik höre, 85 % dagegen überwiegend Pop, Rock, Jazz, Folk usw. Dies sei eine ziemliche Überraschung gewesen, denn man sei bei Harbeth davon ausgegangen, dass die Philosophie der Marke überwiegend den Klassikhörer anspreche.

Der Supberhochtöner der Harbeth ...
Der Superhochtöner der Harbeth ...

Nach weiteren gründlichen Untersuchungen und übrigens auch mithilfe der deutschen Händlerschaft sei klar geworden, dass die meisten Harbeth-Käufer von anderen Marken zu Harbeth fänden. Diese „Wechselkäufer“ würden nicht wegen eines bestimmten musikalischen Genres zu Harbeth finden, sondern seien auf der Suche nach Klarheit und Transparenz, unabhängig von Medium und Musik. Dies sei schmeichelhaft, und um den Erwartungen der Kundschaft bei möglichst vielen musikalischen Genres und in möglichst vielen Räumen gerecht zu werden, habe er den Bass angepasst. Dabei habe er zunächst auch mit der Länge des Bassreflexkanals experimentiert, was aber nur die Richtigkeit der ursprünglichen Auslegung bestätigte. Deshalb sei letztendlich die Dämpfung des Gehäuseinneren geändert worden.

... sowie der normale Hochtöner
... sowie deren ‚normaler‘ Hochtöner

Nach den Änderungen beim Tiefmitteltöner befragt, zeigte Alan Shaw sich wenig auskunftsfreudig. Der Hauptunterschied liege in – nicht näher benannten – Änderungen der Sicke. Da eine der Aufgaben der Sicke darin besteht, die unvermeidlichen Membranresonanzen zu bekämpfen, spekuliere ich mal, dass diese bei der neuen Version geringer ausfallen als bei der alten. Nach wie vor handelt es sich bei dem Membranmaterial um das von Harbeth patentierte RADIAL (ein mit winzigen hohlen Glaskügelchen gefülltes Kunststoffpolymer). In seiner Mail meinte Alan Shaw aber, der entscheidende Punkt bei den Harbeth-RADIAL-Membranen sei die Herstellung im Spritzgussverfahren, erkenntlich an der glänzenden Oberfläche. Im Vakuum tiefgezogene Membranen seien ab einer bestimmten Frequenz akustisch „neblig“, nur das Spritzgussverfahren erlaube es, Kunststoffmembranen herzustellen, die bis an die Übertragungsgrenze „sauber“ blieben.

RADIAL-Membran er Harbeth SuperHL5 Plus
Die RADIAL-Membran des Woofers der Harbeth SuperHL5 Plus

Was sich seit dem Test des Vorgängermodells auch noch geändert hat, ist der Preis. Er fängt jetzt bei 4.195 Euro an. Geblieben ist der Bedarf an lediglich 40 cm hohen Ständern, damit der Hochtöner der Harbeth ungefähr auf Höhe der Ohren des Zuhörers liegt. Darauf ist die Abstrahlcharakterisitik der SuperHL5 Plus ausgelegt. Für den Test stellte mir der Vertrieb freundlicherweise schicke Holzständer zur Verfügung, die von HiFi auf dem Bauernhof vertrieben werden.

 

 

 

Im Test:

Lautsprecher Harbeth Super HL5 Plus

UVP zum Testzeitpunkt:
4.195 Euro

Vertrieb:

Input Audio

Web:
www.inputaudio.de
eMail:
b.hoemke@inputaudio.de
Telefon:
04346 - 60 06 01


 

Equipment:

Quelle:

digital:
Laufwerk Heed Obelisk DT, Wandler Heed Obelisk DA

analog:
Laufwerk Garrard 401 in Loricraft-Zarge, Tonarm Alphason HR100S,
Tonabnehmer Ortofon Windfeld, Phonostufe Loricraft The Missing Link

Verstärker:

Vorstufe:
Linn Klimax Kontrol, Quad 34

Endstufe:
Symasym, Ncore, Quad 306

Lautsprecher:

JBL LSR 6332

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wie die zeit vergeht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

aus dem nähkästchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein wesentlicher ansatzpunkt:
die frequenzweiche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

das gefühl für
den geschmack

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gute reflexe?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schmeichelhaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

nur echt,
wenn's glänzt