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Test: Dynaudio Excite X38 | Lautsprecher | Preis: 2.990 Euro

Traum oder Trauma?

Dynaudio Excite X38

Januar 2014 / Michael Bruß

Man läuft sich ja immer mindestens zwei mal im Leben über den Weg. Meine erste Begegnung mit Dynaudio (www.dynaudio.de) fand zu einem Zeitpunkt statt, der für einen ersten Eindruck ungünstiger nicht hätte sein können: Für einen knapp zwanzigjährigen, tief im Heavy, Thrash und Death Metal verwurzelten Jungspund ist ein Lautsprecher, der als oberste Maxime absolute Neutralität predigt, verwirklicht und dafür – gefühlt – eine große Portion Lebendigkeit opfert, eben einfach nur langweilig. Außerdem gehörten Dynaudios mit ihren komplexen passiven Filternetzwerken – so jedenfalls die Saga – zu den eher schwierig zu treibenden Lautsprechern und hätten somit doppelt Geld, nämlich zusätzlich auch noch für neue, kräftigere Endstufen, verschlungen.

Und das zweite Mal? Schon vor Jahren bewiesen die Dänen mit der ersten Auflage ihrer Excite-Serie, dass sie es verstehen, Boxen zu bauen, die unter Beibehaltung der alten klanglichen Dynaudio Excite X38Tugenden auch mit „einfachen“ Verstärkern unproblematisch laufen und vor allem lebendig klingen. Nun stehen die New-Excite-Modelle bei den Dynaudio-Händlern und versprechen weitere Fortschritte in allen Disziplinen, ja sogar „High-End-Klang auch mit normalen Anlagen“ und das gar „erstmals“. Okay, abgesehen davon, dass die Definition von „normalen Anlagen“ durchaus strittig und stark vom HiFi-Reifegrad des Anwenders abhängig sein dürfte, ist das ja schon mal eine ziemliche Ansage – aber auch der Begriff „High-End-Klang“ an sich findet sich nicht unbedingt präzise definiert im Wörterbuch ...

Große Worte also, die meine Erwartungshaltung gegenüber der neuen Excite-Serie in entsprechende Höhen schrauben. Wenn ein Hersteller wie Dynaudio den Mund so voll nimmt und eine komplett neue Generation an den Start schickt, dann erwartet man nun mal mindestens etwas Außergewöhnliches.

Technisches ...

Was hat sich also gegenüber Generation Nummer eins wirklich geändert? Die beiden 18-cm-Tieftöner des Spitzenmodells X38 sind grundsätzlich noch die gleichen Modelle wie in der alten Excite-Reihe. Zum ersten Mal eingesetzt wurde diese für Dynaudio eher ungewöhnliche Größe (man vertraute jahrzehntelang auf 15er-, 17er- und 20er-Tieftöner) übrigens in der preislich deutlich höher angesiedelten Focus-Serie (siehe beispielsweise Test Focus 340). Dort genießen sie allerdings noch zwei Luxuszutaten, die ihnen in der Excite-Reihe vorenthalten werden, nämlich die besonders starken Magnete aus Ferrit+ (stärker magnetisierbar) und die Black-Kapton-Schwingspulenträger (nichtmagnetisches, leichtes und temperaturstabiles Material). Nun, irgendwoher muss der günstigere Preis der X38 ja auch kommen.

Wie gesagt hat die Excite-Serie grundsätzlich das Ziel, mit preislich, leistungsmäßig und klanglich „normalen“ Verstärkern gut zurechtzukommen. Deshalb sind die kleineren Excite-Modelle Dynaudios erste 8-Ohm-Lautsprecher, denn so ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie auch mit weniger stromlieferfähigen Verstärkern klarkommen. Den großen X38 erlauben die Ingenieure allerdings, die gute alte Dynaudio-Tradition der 4-Ohmer fortzusetzen. Das ist nachvollziehbar, denn bei einem Lautsprecher dieses Kalibers werden wohl weder Händler noch Kunden auf die Idee kommen, einen 300-Euro-Vollverstärker mit Magersucht anzuschließen. Andererseits – und das habe ich gewissenhaft überprüft – reichen auch den beiden großen Jungs der Excite-Serie durchaus die 40 Watt der Röhrenmonos Jadis JA15. Qualität geht hier, wie fast immer, vor Quantität. Dass die beiden kleinen Röhren eine erwachsene Performance aufs Parkett legen, liegt möglicherweise auch daran, dass die bei Dynaudio traditionell rigorose Linearisierung zur Vermeidung unschöner Senken im Impedanzverlauf in der Excite-Serie etwas weniger streng ausgelegt wurde – dies komme dem Wirkungsgrad zugute.

Mitteltöner der Dynaudio Excite X38
Mitteltöner der Dynaudio Excite X38

Bei allen Abweichungen vom üblichen Dynaudio „Red Book des Weichendesigns“ bleiben den Excite-Lautsprechern doch die meisten anderen bewährten Zutaten erhalten: Die Schwingspulen bestehen nach wie vor aus Aluminiumdraht, der sich thermisch besser verhalten als solcher aus Kupfer; nebenbei muss der Antrieb auch weniger bewegte Masse im Takt der Membranbewegungen beschleunigen. Die Membranen bestehen aus dem Dynaudio-eigenen Material MSP (Magnesium Silikat Polymer) und sind einteilig, ohne eingeklebte Staubschutzdeckel, ausgeformt. Laut Dynaudio passen Rundstrahlverhalten und Frequenzverlauf so ideal zum nächsthöheren Chassis.

Die beiden Tieftöner warten mit einer Spezialität auf: Ein symmetrisches Doppelmagnetsystem, bei dem sich die Polplatte zwischen zwei Magneten befindet, soll die Schwingspule noch genauer führen, nämlich symmetrischer als bei anderen Treibern. Üblicherweise sitzt an dieser Stelle nur ein einzelner Magnet, was zwar in der Theorie ausreicht, um die Spule zu dirigieren, aber Dynaudio möchte hier offensichtlich ein noch strengeres Regiment führen. Die Chassiskörbe der Tief- und Mitteltontreiber sind aus Aluminiumguss gefertigt und haben strömungsoptimierte Stege zu bieten. Im Hochtonzweig dürfen sich die zarten Signale auf die Begegnung mit einer 25-mm-Gewebekalotte mit fast schon überdimensioniertem Magneten freuen. Tief- und Hochtönern wurden die Polkerne durchbohrt, um die rückseitige Entlüftung und damit optimale Temperaturbedingungen zu garantieren.

Hochtöner der Mitteltöner der Dynaudio Excite X38
Gewebe-Hochtonkalotte der Dynaudio Excite X38

Die Gehäuse der X38 sind makellos verarbeitet und wirken klassisch-elegant. Ohne direkten Vergleich könnten sie auch der Focus-Serie zugehören – nur Insider werden bemerken, dass sie nicht deren sich nach hinten leicht verjüngenden Grundriss zu bieten haben. Das 18 mm starke MDF-Gehäuse ist in Walnuss- oder Rosenholz-Furnieren oder in Schwarz beziehungsweise Weiß seidenmatt erhältlich. Die erstklassige Verarbeitungsqualität der X38 ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass sie wie alle Dynaudio-Modelle in Dänemark gefertigt werden – sogar die Excite-Einstiegsmodelle für knappe 1.000 Euro pro Paar machen da keine Ausnahme.

Durch eine speziell, über die Frequenzweiche eingestellte Frequenz/Phasenbeziehung der Chassis zueinander soll die neue Excite-Serie – im Gegensatz zur alten – leicht nach oben, zum Ohr des Zuhörers hin abstrahlen, um so Reflexionen vom Boden zu minimieren. Dies soll der Abbildungsgenauigkeit, der Offenheit und der Dreidimensionalität vor allem der Standlautsprecher zugutekommen. Das klangliche Resultat ist nachvollziehbar – später mehr dazu.

Auspacken, aufstellen und anschließen ...

Schutzkappe auf dem Dynaudio-HochtönerDas Auspacken der immerhin 23 Kilogramm schweren Lautsprecher gelingt auch einer Person alleine mühelos und sicher. Dynaudio hat daran gedacht, die empfindlichen Hochtöner mit einem dreieckigen Hartplastikschild zu schützen, das sich ohne Werkzeug einfach von der Montageplatte des Tweeters ablösen lässt. So haben auch unachtsam zupackende Hände beim Auspacken keine Chance, die Kalotte zu zerstören. Die sehr dünnen Frontbespannungen sind separat eingepackt und halten ohne Stöpsel per Magnet auf der Front der Lautsprecher. Das ist wirklich nutzerfreundlich und sieht richtig gut aus. Bei den Testlautsprechern zeigten beide Frontbespannungen allerdings kleine „Hörnchen“ in der Region um die Magnete, die durch das graue Textil drücken. Diese Hörnchen waren bei einem Vergleichsmodell nicht vorhanden; hier dürfte es sich also um einen Produktionsfehler handeln. Wenn ein Kunde diesen Makel bei seinen Modellen vorfinden sollte, wird Dynaudio die Bespannungen sicher anstandslos austauschen.

Jeder Box sind vier Standfüße aus Metall in einer separaten Schachtel beigelegt, die mit jeweils zwei großen Inbusschrauben sicher auf der Unterseite der Lautsprecher angebracht werden wollen. Dies sieht nicht nur gut aus, sondern erfüllt ganz nebenbei auch noch die geltenden EU-Bestimmungen zur Kippsicherheit von Lautsprechern, indem es die Standfläche vergrößert.

Dynaudio Excite X38 - von unten betrachtet

Sehr durchdacht sind Variabilität und Nutzerfreundlichkeit der Ankopplung an den Fußboden: Standardmäßig sind kleine Metallspikes vollständig in den Metallfüßen versenkt und die Lautsprecher stehen auf Gummiringen, was zum Beispiel auf Hartböden sinnvoll sein kann. Ist der Boden uneben oder sollen die Dynaudios auf Teppich aufgestellt werden, oder nennt man spezielle, vielleicht sogar resonanzoptimierte Spike-Untersetzer sein Eigen, kann man die Spikes von oben erreichen und per Inbusschlüssel nach unten herausdrehen. So lassen sich die Lautsprecher sehr einfach (und vor allem wiederum ohne Hilfe einer zweiten Person) ins Lot bringen.

 

 

 

 

 

Im Test:

Standlautsprecher
Dynaudio Excite X38

UVP: 2.990 Euro

Hersteller & Vertrieb:

Dynaudio International

Web:
www.dynaudio.de
eMail:
info@dynaudio.de
Telefon:
04108 - 4180-0


 

Equipment:

Quellen:

analog:

Plattenspieler:
VPI Scout II

Tonabnehmer:
Lyra Delos

Phono-Vorverstärker:
Sonneteer Sedley USB

digital:

Netzwerkplayer:
Linn Majik DSM


Verstärker:


Endstufen:

AVM MA 3.2 (Monos)
Jadis JA15 (Monos)
Linn Majik DSM (Module)


Lautsprecher:

Linn Majik 140


Zubehör:

Audioquest Cinnamon Ethernetkabel, Fastaudio Black Science Phonokabel, Linn Silver IC Cinchkabel, Linn K400 und Audioplan LS8 Lautsprecherkabel, Audioquest NRG-2 und Phonosophie Netzkabel, Phonosophie Steckdosenleiste, Fastaudio Absorber, Linn Skeet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

nicht unbedingt präzise definiert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die tradition
der 4-ohmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

symmetrisches doppelmagnetsystem

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

blick nach oben?

 

 

 

 

 

 

 

 

safety first

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

breitbeiniger stand