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Test: Kelinac KEL 711Mg | Lautsprecher | Preis: 4.000 Euro

Leichtfuß im Lackschuh?

Kelinac KEL 711Mg

Oktober 2013 / Tobias Zoporowski

Man sagt den Franzosen nach, dass sie zu leben verstehen. Damit ist nicht nur das Essen, der Wein und die lässige Gauloises im Mundwinkel gemeint – aus unserer oftmals allzu strengen, teutonischen Perspektive wirkt das sympathische Nachbarvolk in vielen Belangen beschwingt, unkonventionell und fröhlich. Dass man dort auch weiß, wie diese Lebenseinstellung auf Produkte zu übertragen ist, zeigen nicht zuletzt automobile Ikonen wie die liebenswert rappelige Ente, der charmante R4 oder die unvergessene „Göttin“ Citroën DS.

So verwundert es eigentlich nicht, dass auch HiFi-Produkte aus Frankreich ein hohes Maß an audiophiler Unbeschwertheit transportieren. Schon eher, dass manche von diesen bei uns so wenig bekannt sind. Oder kennen Sie Kelinac? Sehen Sie. Als mir Kollege Ralph Werner das Spitzenmodell „KEL 711Mg“ des Herstellers aus Versailles (www.kelinac.de) zum Test avisierte, rührte mich das Kelinac KEL 711Mgzunächst wenig. Meine Recherchen – sowohl im Internet als auch in der internationalen Fachpresse – weckten dann aber durchaus meine Neugier: „Bester HiFi-Kauf 2011“ (in Frankreich), „wirkungsgradstark“ und „akustisch präzise“, zudem „außerordentlich emotional“ stand dort zu lesen. Außerdem erfuhr ich in dem Zusammenhang auch gleich, dass die Marke Kelinac überhaupt erst im Frühjahr dieses Jahres, im Rahmen der Norddeutschen HiFi-Tage, auf dem deutschen Markt vorgestellt worden war. Attribute, die dann doch für eine gewisse Vorfreude sorgten.

Die wurde auch nicht enttäuscht, als die mit knapp 1,16 Meter Höhe recht unübersehbaren – mit nur 21 Zentimeter Breite indes angenehm schlanken – Tonmöbel in meinem Hörraum ihre Plätze einnahmen. „Möbel“ darf man dabei ruhig wörtlich nehmen. Das Allererste, was mir auffiel, war die nahezu manufakturhafte Verarbeitung der Französinnen, die in der Oberflächenvariante „Kirschbaum natur“ des Testmusters mit ihrem makellosen Finish wunderbar zur Geltung kommt. Abgerundet wird der Body mit einem rundum vorspringenden Sockel, der nicht nur – was bei einer hohen und schlanken Gehäusekonstruktion sehr wichtig ist – für angemessene Standsicherheit sorgt, sondern, mit Hochglanzlack überzogen, auch noch gut aussieht. Auf dessen Unterseite sind je Lautsprecher vier Gewinde eingelassen, die bei Bedarf die zum Lieferumfang gehörigen Spikes aufnehmen. Nette Idee: Gegen 500 Euro Aufpreis lackiert Kelinac die Boxen auf Wunsch in jeder RAL-Farbe. Wer also immer schon mal Schallwandler etwa in knalligem „Verkehrsorange“ sein Eigen nennen wollte – Bitteschön!

Die Magnesium-Hochtonkalotte der Kelinac KEL 711Mg

Der hochwertigen technischen Ausstattung der Kelinac KEL 711Mg kann dabei keine noch so gewagt kolorierte Außenhaut den Schneid abkaufen. So kümmert sich eine 25 Millimeter durchmessende Magnesium-Kalotte (daher rührt das Anhängsel „Mg“ in der Typbezeichnung) um die obersten Frequenzlagen – deren Grenze der Hersteller mit 40 Kilohertz angibt –, während für die Mitten ein 13-Zentimeter-Chassis aus „Aerogel“ verantwortlich zeichnet. Aero ... was?

Der Mitteltöner der Kelinac KEL 711Mg

Wikipedia beschreibt Aerogele als „hochporöse Festkörper, bei denen bis zu 99,98 % des Volumens aus Poren bestehen“. Sie werden weiterhin als extrem leicht, stabil und gut formbar beschrieben. Mithin die besten Voraussetzungen, um als Membranmaterial dienen zu können. Die haptisch an aufgeschäumtes Plastik erinnernde Oberflächenstruktur des Mitteltöners ist übrigens eine direkte Folge des Herstellungsprozesses, bei dem eine gallertartige Masse auf Basis von Kieselsäure getrocknet und in Form gepresst wird. Eingefärbt wird er übrigens nicht, Aerogele sind von Natur aus schwarz-transparent. Wer die Membran mit einer starken Taschenlampe anstrahlt, kann durch sie hindurch sogar die dahinter befindliche Zentrierspinne und den Magneten sehen. Akustisch unerheblich, aber trotzdem faszinierend.

Ein Basstreiber der Kelinac KEL 711Mg

Für die Wiedergabe des Bassbereiches hat Kelinac seinem Spitzenmodell gleich zwei Tieftöner gegönnt, die auf ein nach vorn abstrahlendes Bassreflexrohr arbeiten. Sie durchmessen Terminal der Kelinacjeweils 17 Zentimeter, ihre Membranen bestehen aus geflochtener Kohlefaser. Bei den Bi-Wiring-Anschlüssen der Kelinac KEL Mg 711 vertrauen die französischen Entwickler auf gut beleumundete Ware aus Deutschland, genauer: aus Nordrhein-Westfalen. Die Firma WBT aus Essen liefert seine robusten „Nextgen“-Terminals nach Versailles.

Mit einem Paarpreis von um 4.000 Euro geht die schicke Kelinac natürlich nicht als billig durch. Einen solch ausgesuchten Mix aus Material- und Verarbeitungsqualität findet man aber auch in dieser ambitionierten Liga nun auch nicht jeden Tag, weshalb ich das Preis-Leistungs-Verhältnis der Französin als sehr fair empfinde. Dabei habe ich sie ja noch gar nicht gehört.

 

 

 

 

 

Im Test:

Standbox:
Kelinac KEL 711Mg

UVP:
4.000 Euro

Vertrieb:
Siegl HiFi

Telefon:
030 - 32 70 19 16
eMail:
info@siegl-hifi.com
Web:
www.kelinac.de


 

Equipment:

Quelle:

analog:
Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und Abnehmer Goldring 1042 GX, Phono-Pre: Lehmann Audio Black Cube Statement, Tuner: Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, iPod-Station: Advance Acoustic MiP-Station (modifiziert)
Musical Fidelity vDAC
Naim DAC

Verstärker:

Symphonic Line RG 9 MK IV
Yamaha A-S 1000

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

eine gewisse vorfreude

 

 

 

 

 

 

 

 

glänzend gesockelt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

aero ... was?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

flechtwerk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

möbelqualität