fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Test: Dynaudio Xeo 5 | Lautsprecher | Preis: 2.900 Euro (inklusive Transmitter und Fernbedienung)

Die Funksäule

Dynaudio Xeo 5

Juni 2012 / Tobias Zoporowski

Die erste Fassung meines Testberichtes über Dynaudios „Drahtlos-Box“ Xeo 5 (www.dynaudio.de) hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet. Bis ich sie schließlich komplett verwarf. Warum? Kollege Ralph Werner riet mir freundschaftlich, doch bitte nicht allzu sehr auf dem „Traditionelles-HiFi-besteht-nun-mal-aus-Gerätetürmen-und-Kabeln“-Klischee herum zu reiten und das dänische „Wireless-Highend“-Konzept damit auf einen Exotenthron zu stellen, was sozusagen einer Revolution in den Köpfen vieler HiFi-Traditionalisten gleichkäme.

Darüber gerieten wir in eine heftige, aber „faire“ Telefondebatte, denn ich sehe das etwas anders: Revolutionär – da stimme ich dem lieben Kollegen gerne zu – ist die Idee, Lautsprecher mittels einer Funkstrecke mit Quellgeräten zu verbinden, sicher nicht. Im Dynaudio Xeo 5PC-Bereich gibt es so etwas längst. Und nicht nur da. So liefert der amerikanische Hersteller JBL seinen kompakten Klassiker „Control One“ ebenfalls in einer Wireless-Variante aus, und auch dort kommt eine Signalübertragung via 2,4-GHz-Funkstrecke zum Einsatz.

Aber: Dynaudio ist der erste Hersteller, der sich mit einem solchen Produkt in ein Umfeld begibt, in dem es für die Kundschaft Teil ihrer Passion ist, die Komponenten ihrer Wiedergabekette sorgsam miteinander zu kombinieren und die Performance durch eine geeignete Verkabelung abzurunden. Da gibt es Rituale, die man vielleicht nicht missen möchte. Daran hat man sich gewöhnt. Sie werden wissen, worauf ich anspiele. Der Hersteller geht in seiner Werbung sogar so weit, den potenziellen Käufern die Veräußerung ihrer konventionellen Gerätschaften in der „elektronischen Bucht“ nahezulegen. Das ist humorig gemeint, zielt aber in eine bestimmte Richtung: Wer sich in aller Konsequenz auf Dynaudios Xeo-Konzept einlässt, lebt das Hobby künftig anders.

Auf Basis der Baureihe „Excite“, mit denen sich die beiden verfügbaren Modelle „Xeo 5“ (das von mir getestete Standmodell) und „Xeo 3“ (eine kompakte Variante, für die auch ein passender Ständer lieferbar ist) Chassis und Gehäuse teilen, entstanden Aktivlautsprecher mit integriertem Funkempfängermodul.

Komplett ohne Kabel geht´s also nicht, für die Versorgungsspannung der Amps müssen die Däninnen natürlich an eine Netzsteckdose. Pro Box übernehmen je zwei Class-D-Verstärkereinheiten die getrennte Ansteuerung von Tiefmittel- und Hochtonabteilung. Die von Texas Instruments zugelieferten Amps leisten nach Angaben des Herstellers je 50 Watt und gehen auf eine Entwicklung von TacT/Lyngdorf zurück. Die Zuteilung der Frequenzanteile an die jeweils zuständigen Chassis erfolgt nicht durch eine Frequenzweiche im klassischen Sinn, sondern ebenfalls digital mit einem DSP-Baustein. Beide Versionen, Xeo 5 und Xeo 3, sind Zwei-Wege-Bassreflex-Konstruktionen. Die beiden 14 Zentimeter im Durchmesser „großen“ Tiefmitteltöner der Standbox arbeiten parallel.

Terminal der Dynaudio Xeo 5

Ein kleines Schalterchen auf dem Rücken der Xeo, welches mit „links“, „rechts“ und „mono“ beschriftet ist, mutet zunächst kurios an, dient aber dazu, jeder Box ihre Schallanteile im gewünschten Setup zuzuweisen. Im Stereo-Betrieb ist das selbsterklärend. Die Schalterposition „mono“ wählen Sie beispielsweise dann, wenn Sie in einem Multiroom-Modus auch einzelne Boxen – etwa in kleineren Räumen – ansteuern möchten.

Die Sendeeinheit „Transmitter“, die man auch separat erwerben kann, übernimmt sozusagen die Funktion einer Multiquelle. Das samtschwarze, etwa handtellergroße Kistchen ist der Heimathafen sowohl für analoge wie für digitale Quellen. Ob Sie nun Ihren PC anschließen, Ihren Medienporti, Ihren Fernseher, einen CD-Player oder sogar einen Plattenspieler – ganz egal. Via Miniklinke oder Cinchbuchsen (analog), USB- oder Toslink-Port (digital): Hier dockt alles an, was Musik „macht“. Intern werden ankommende Signale mit bis zu 24 Bit und 48 Kilohertz akzeptiert und in „CD-Qualität“, also in 16-Bit-Auflösung, zu den Lautsprechern geschickt. Übertragen wird mit 2,4 Gigahertz. Die Funkstrecke hat sich im Test weder durch Mobiltelefone noch andere Störquellen, wie etwa Monitore, beeinflussen lassen. Es gab weder Aussetzer, noch irgendwelche Geräusche, die man nicht hören wollte.

Transmitter und Fernbedienung der Dynaudio

Dies hat mich insofern positiv überrascht, als dass sich ein Pärchen JBL Control One Wireless als „Haushaltsbeschallung“ in meinem Privatbesitz befindet. Der Sender steht dabei im Wohnzimmer, die Lautsprecher sind oberhalb der Küchenzeile an der Wand montiert. Dazwischen liegen etwa fünf Meter Entfernung und eine Wand. Bereits auf banalste Einflüsse – wie etwa die Funkzellensuche eines Handys in der Nähe oder das Durchkreuzen der Übertragungsstrecke, etwa indem man schlicht durch das Zimmer läuft – reagiert das JBL-System mit deutlichen Knacksern und Aussetzern. Wie auch immer die Entwickler in Skanderborg das geschafft haben, bei der Dynaudio-Lösung muss man sich um solche Ärgernisse nicht sorgen.

Rückseite des Xeo-Transmitters

Übrigens benötigt der Transmitter keinerlei Treibersoftware oder ähnliches. Mehr noch: Sie können ihn mittels USB-Kabel mit einem Rechner verbinden und dann auf das mitgelieferte Netzteil verzichten. Das ist dann besonders praktisch, wenn Sie – wie ich – inzwischen dazu übergegangen sind, Ihre Musik von der Mediathek Ihres Rechners aus zuzuspielen oder neue Internet-Musikdienste wie etwa „Spotify“ und andere zu nutzen. Dann stellen Sie den Sender einfach neben sich auf den Schreibtisch, verbinden ihn mit dem Computer und los geht´s. Das ist in der Tat so einfach und macht deshalb richtig Spaß. Sie müssen das Xeo-System nämlich nicht mal mehr einschalten: Fährt der Transmitter hoch, sind in Sekundenschnelle auch alle Lautsprecher „da“. Findet über einen Zeitraum von mehreren Minuten keine Signalübertragung statt, fallen Transmitter und Lautsprecher in den Standby-Modus.

 

 

 

 

 

Im Test:

Wireless Standlautsprecher:
Dynaudio Xeo 5

UVP: 2.900 Euro


Hersteller & Vertrieb:
Dynaudio International GmbH

Telefon: 04108 - 4180-0

eMail: info@dynaudio.de

Web: www.dynaudio.de

 

Equipment:

Quelle:

analog:
Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und Abnehmer Goldring 1042 GX, Phono-Pre: Lehmann Audio Black Cube Statement, Tuner: Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, iPod-Station: Advance Acoustic MiP-Station (modifiziert)
Musical Fidelity vDAC
Naim DAC

Verstärker:

Symphonic Line RG 9 MK IV
Yamaha A-S 1000

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Nubert nuVero 14
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

da gibt es rituale

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

kleines schalterchen auf dem rücken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der xeo-transmitter ist ein etwa handtellergroßes kistchen