fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

 

 

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Fonel La Ronda: Konzeptionelles

fonel la ronda

Mit hundertfünf in die Höhe ragenden Zentimetern gehen die La Ronda - wie man’s für Standlautsprecher dieser Preisklasse in der Regel aber auch erwarten sollte - äußerlich als erwachsen durch, sollten aber von ihrer Physis her in durchschnittlichen Wohnzimmern auch keine Omnipräsenz entfalten. Das außen zum Teil mit Kunstleder überzogene und furnierte, aus 22 mm starkem MDF gefertigte Gehäuse ist innen in mehrere Kammern unterteilt (siehe Bild unten). Die Innenflächen wurden, so Fonel, mit einem speziellen Dämpfungswachs bearbeitet, wodurch man „maximale Härte und ein Minimum an Resonanz-Erscheinungen“ erreiche.

fonel la ronda innenaufbau
Quelle: Fonel

Und wenn die Foneller von Haus aus auch Elektronik-Spezialisten sind, kann man sich natürlich schon ein wenig wundern, warum die erste konsequent zur Serienreife entwickelte Lautsprecherreihe des Hauses (verschiedene Prototypen gab es vorher schon) ausschließlich als rein aktives Konzept auf den HiFi-Markt gebracht wird, der doch nach wie vor von Passivwandlern dominiert wird. Freilich sind die Berliner da um keine Antworten verlegen - aber wir wollen im Folgenden insbesondere auch ein paar grundsätzliche Worte zum Thema „Aktiv“ verlieren, wobei wir weitergehende, die Flexibilität zusätzlich erhöhende Features, welche sich theoretisch durch DSP und bordeigene DA-Wandlung realisieren lassen - bei den La Rondas aber nicht zum Bordwerkzeug gehören - konsistenterweise aussparen:

la ronda
Die Frequenzweiche ist direkt aufs rückseitige Panel montiert und befindet sich rechts unter der Abdeckung

Bei hochwertigen Aktivlautsprechern liegen die Frequenzweichen in der Regel schaltungstechnisch vor der meist ebenfalls im Gehäuse untergebrachten Endverstärkung: Die Verstärker können daher unmittelbar auf die anzusteuernden Treiber einwirken (umgekehrt gilt das Gleiche, siehe Dämpfung weiter unten), ohne dass verlustbehaftete, wärmeproduzierende Frequenzweichenbauteile zwischenstehen, die dann auch noch belastbarer dimensioniert sein müssten als bei vorgeschalteten Aktivweichen. Fonel führt hierbei zudem ins Feld, dass „große Kondensatoren und Widerstände mit signifikanteren Unlinearitäten einhergehen“.

aktivweiche
Die Aktivweiche der Fonel La Ronda

Zudem kommen Aktivweichen, anders als ihre passive Verwandtschaft, grundsätzlich ohne Spulen aus - und auch auf der Fonel’schen Weichenplatine ist von irgendwelchen aufgewickelten Drähten nichts zu sehen. Den aufgrund solcher Spulen automatisch deutlich verlängerten Signalweg sieht man bei Fonel höchst kritisch - wie auch den Umstand, dass „große Induktionsspulen auf äußere Störfelder sehr empfindlich reagieren und auch selbst eine Quelle elektromagnetischer Störungen abgeben und darüber hinaus - gerade in Kombination mit Kondensatoren - Phasenverzerrungen provozieren“.

Drei Verstärker - jeweils separat den Hoch-, Mittel-, Bassbereich ansteuernd - mit 280 Watt Gesamtleistung und zusammen 80.000 µF Siebkapazität sind in jeder der als Drei-Wege-Wandler konzipierten La Ronda verbaut - sowie zwei Trafos: Wobei einer mittels drei getrennter Wicklungen die Versorgung des Verstärker-Trios verantwortet, der andere der Aktivweiche zugeordnet ist - aktive Bauteile wie Operationsverstärker, die eine extra Versorgung benötigen, sind ja typische Bestandteile solcher Weichen.

tieftöner la ronda
Tieftöner von Peerless

Da jedes Chassis - der Hochtöner ist ein Vifa-Ringstrahler, die restlichen Papiermembran-bewehrten Treiber stammen von Peerless - von einem eigenen Verstärker befeuert wird, kann deren spezifischen Charakteren - welche sich in Wirkungsgraddifferenzen, unterschiedlichen Frequenz- sowie Impedanzverläufen etc. ausdrücken können - unmittelbar begegnet werden, ohne dass durch verstärkungsnachgeschaltete passive Bauteile verlustbehaftete Kosmetik betrieben werden müsste - ebenfalls ein typischer, und daher häufig ins Feld geführter Konstruktionsvorteil von Aktiven.

Der Mittenbereich der La Ronda wird von den beiden parallel laufenden 10-cm-Mittelton-Konussen verantwortet: Bei durchaus noch üblichen, aber schon späteren 4 kHz wird nach oben hin an den Ringstrahler abgegeben, nach unten - zum 20-cm-Tieftöner hin -  wird bei 360 Hz getrennt.

la ronda
Einer der beiden parallel laufenden Mitteltöner. Alle Chassis sind mittels Spax-Schrauben montiert - eine Verschraubung mittels eingelassener Gewindehülsen wäre mit Blick auf die Preisklasse der La Ronda eigentlich angebrachter

Das gemeinhin angestrebte Entwicklungsziel von Impulstreue-förderlichen kurzen Ausschwingvorgängen einzelner Treiber (wie schnell kommt eine Membran nach kurzer Impulsanregung wieder zur Ruhe?) in einem Schallwandler hängt generell von der Dämpfung ab (oder auch Güte [Q], wobei eine kleine Güte für eine hohe Dämpfung steht).

Neben der mechanischen ist bei Lautsprechern zudem eine elektrische Dämpfung wirksam (darauf basierend, dass ein bewegter Lautsprechertreiber stets auch als Generator auftritt - zur genaueren Wirkungsweise siehe fairaudio-Lexikon: Dämpfungsfaktor), die sich vor allen Dingen bei Tieftönern auswirkt: Der (idealerweise) geringe Innenwiderstand der in Aktivboxen verbauten Endstufen kann das anzusteuernde Chassis bedämpfen, ohne dass eine störende, den Widerstand, den das Chassis „sieht“, erhöhende Frequenzweiche im Wege stünde.

fonel aktivboxAuch wenn der „gemeine Hörer“, da nicht alle paar Tage ran muss: Gegen eine Boden-Konstruktionen mit leichter justierbareren Spikes wäre sicherlich nichts einzuwenden. Als "Untersetzer" liegen zwei unterscheidlich geformte Metallstangen mit Aufnahmen für die Spikespitzen bei

spikesDas Thema Impulstreue will Fonel aber nicht nur aufgrund der verwendeten Aktivtechnik in besten Händen wissen, sondern verzichtet zudem auf ein Bassreflexsystem: Die La Ronda weisen ein geschlossenes Gehäuse auf, was in puncto Impulstreue zumindest im Kleinsignalbereich Vorteile bieten sollte, da bei größeren Signalen auch zu berücksichtigen gilt, dass Bassreflexboxen der verminderte Hubbedarf der Tiefton-Chassis zugute kommt. Die Vorzüge von Bassreflexsystemen, allerdings ist dies bei der Entwicklung von Passivlautsprechern auch maßgeblicher, liegen insbesondere darin, dass sich mit ihnen der Frequenzbereich nach unten ausdehnen oder der Wirkungsgrad erhöhen lässt - wobei diese beiden Stellschrauben grundsätzlich in einer Entweder/Oder-Wechselbeziehung zueinander stehen. Andererseits fällt bei Bassreflexsystemen der Frequenzgang am unteren Ende in der Regel steilflankiger ab, zudem können Strömungsgeräusche im Bassreflexrohr als mögliche Problemstelle auftreten.

panel

Doch kommen wir zu den wichtigsten bedienrelevanten Aspekten der La Ronda: Kontakt zu einem Vorverstärker, regelbaren CD-Player etc. lässt sich via Cinch oder XLR herstellen, wobei sich in praxi aufgrund der Aufstellung eines solch ausgewachsenen Lautsprechers beziehungsweise zu erwartender Kabellängen eine symmetrische Verbindung natürlich geradezu aufdrängt.

anschlüsse

Ein weiterer Vorzug von Aktivlautsprechern sind ja die grundsätzlich erweiterten Möglichkeiten, was klangliche Anpassungen equalizeran den Raum oder einfach nur an den eigenen Hörgeschmack angeht: Die La Rondas sind hierzu mit einem rückseitigen Equalizer ausgestattet. Der nun allerdings auch nicht gerade als Werkzeug für akribische Feinstkorrekturen durchgeht: Mit den drei Reglern lassen sich lediglich die Frequenzbereiche der drei Wege jeweils um 3 dB absenken oder erhöhen.

Beim Drehen des rückseitig weiterhin vorzufindenden Sensitivity-Reglers verändert sich der Verstärkungsgrad der Eingangsstufe - für optimale Klangqualität empfiehlt Fonel den Pegel der Signalquelle zunächst eher groß zu halten und die Sensitivity dann so zu regeln, dass man sich ungefähr in seinen gewohnten Lautstärke-Arealen wiederfindet. Pauschal wird bei Verbandlung via RCA Stufe 3, via XLR dagegen Stufe 2 empfohlen.

sensitivity

Die Positionierung des Power-Schalters auf Auto versetzt die La Ronda in einen sparsamen Bereitschaftsdienspowert (<5 Watt je Box), die Endstufen werden nur dann angeworfen, sobald tatsächlich ein Musiksignal vorstellig wird (<50 Watt je Box), und schalten sich nach einer Weile ohne Musik dann wieder aus. Ein Dauerbetrieb für denjenigen, der seine Endstufen permanent warm gehalten haben möchte, ist nicht vorgesehen - allerdings benötigen die La Rondas nach meinen Höreindrücken auch keine sonderlich lange Warmlaufphase, um klanglich in Fahrt zu kommen.

Apropos Fahrt: Lassen wir die beiden Berlinerinnen nach derlei viel Theorie nun endlich mal ihre PS auf die Straße bringen ...