nicht in den ersten fünfzig stunden!
entgegen meiner vorurteile:
tonal homogen
eher sanft in
den höhen
Glauben Sie nicht, Sie hätten gleich großen Spaß mit der Advance Acoustic EL-170 - nicht in den ersten 50 Stunden. Und auch nach 100 wird der ein oder andere Wunsch wohl verwehrt bleiben, jedenfalls ging es mir so. Natürlich: So drei-vier Tage sollte man jeder neuen Box schon geben, bevor man ein ernstes Ohr riskiert. Doch auch nach besagter Zeit kam bei mir keine große Freude auf: Nicht nur, dass der Hochton nervös und leicht kratzig spielte, da gab‘s auch eine seltsame Lücke im oberen Mittenbereich, welche recht deutlich bei weiblichen Stimmen zu vernehmen war; und außerdem klebte mir das Klangbild zu sehr an den Wandlern, der „freie Wurf“ mit glaubhaften Akteuren auf der Bühne war’s nun nicht gerade. Einspielzeit kann wirklich abnerven, insbesondere dann, wenn man keinen schalltoten Raum besitzt, in dem die Testkandidaten Tag und Nacht nach Belieben Krach machen dürfen. Gut daher, dass ein Kurz-Urlaub Richtung Rügen anstand: Die Logitech Squeezbox auf Zufallswiedergabe eingestellt und schnell raus aus der Bude: Sonne, Sand und See entgegen. Nicht nur meine Nerven sollten sich entspannen – auch die Chassis der Advance. Freilich glaubte ich innerlich nicht mehr so recht daran ...
Zwei Dinge erstaunen spontan bei diesem doch recht günstigen Lautsprecher:
Erstens: Es ergibt sich eine tonale Geschlossenheit, die ich ehrlich gesagt – und vielleicht vorurteilsbedingt – zu diesem Kurs für nicht gerade wahrscheinlich gehalten habe. Mein Vorurteil geht in etwa so: „Was soll ein Entwickler - ökonomisch bedrängt - denn schon groß machen? Klingt die Box etwas präsent in den Mitten, spricht die Marketingabteilung von „Lebendigkeit“, ein Oberbassbäuchlein wird in „Wärme“ umgetauft und ein knispeliger Hochton in „Luftigkeit“. Die Frage ist nicht, ob ein günstiger Wandler eine klangliche „Macke“ hat, sondern nur, in welchem Ausmaß die auftritt und ob einem diese Tendenz subjektiv denn gerade zusagt.“

Um solche Mutmaßungen schert sich die Advance 170er allerdings herzlich wenig: Sie tönt nicht präsent, nicht pummelig, nicht knispelig. Ihr Klangbild kommt vielmehr sehr geschlossen daher – es tönt wie aus einem Guss: keine Brüche, keine Frequenzbereiche, die sich vordrängeln, keine klar auszumachenden Tendenzen in tonaler Hinsicht. Ich weiß, das ließt sich unspektakulär, ist aber umso wichtiger für den dauerhaften Hörspaß, und zudem nicht selbstverständlich - insbesondere in dieser Preisklasse nicht. Schon mal ein dicker Pluspunkt für den Advance Acoustic Wandler.

Damit ist natürlich nicht gesagt, es gäbe keine Begrenzungen oben und unten. Doch das ist banal – die EL-170 ist ein Kompaktlautsprecher, also fehlen die unteren ein-zwei Oktaven (mehr oder weniger). That’s live. Klug daher vielleicht die Abstimmung, in den obersten Lagen zwar unverhangen, aber eben auch eher sanft zu Werke zu gehen. Ausnehmend luftig klingt die Advance nicht.

Der Hochtöner der Advance EL-170