Scheu Analog
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

 

 

"ein guter wandler liebt jede art musik ..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"harsch, intelligent, dissonant"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"red rain ..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"tex-mex-prärie - mit rostigem schlagwerk ..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"ein paar dinge braucht es für eine dauerhafte liaison schon ..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"fakt kompakt ..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hingehört ...

Ehrwürdig und von einer Aura umgeben, die zeigt, dass die Spendor S 3/5 mit Liebe hergestellt worden sind, stehen die kleinen Sympathikusse im Hörraum nun vor mir. Uns wurde ja bereits zugemunkelt: "Tolle Mitten haben die, können aber nicht so richtig laut. Prima für Jazz und bestimmte Klassikstücke ..."

So, so. Zu diesem Thema existiert ein interessantes Statement vom bereits erwähnten Derek Hughes: Auf bestimmte Musikarten geeichte Boxen seien "unausgewogen" und ein spezieller "Dire-Straits-Track3-Lautsprecher" sei daher eher abzulehnen. (Absolut lesenswertes Interview der Zeitschrift "Das Ohr", 1986:
http://www.cicable.com/pdf/spendor_dasohr.pdf )

Überzeugt, Mr. Hughes, wir sind da ganz Ihrer Meinung! Wir nehmen zum Anfang mal Skinny Puppy - eine Band für alle die, welche Nine-Inch-Nails oder Ministry schon immer als zu tanzbar empfunden haben und Motörhead allenfalls zum Frühstück hören:

 

phonosophie
Zendo Cable by Mundorf
H-E-A-R
Klangfluss

 

Äußerst harsche aber ebenso intelligent versponnene sowie zum Teil gegentaktig arrangierte und übereinandergeschobene Soundcollagen sind das Markenzeichen dieser Industrial-Kapelle. Diffizil, subtil, opulent, vielschichtig, voller feinster Details - mit genau der richtigen Prise an Dissonanz. Dazu mitunter in Aufnahmequalitäten, denen überkomprimierte Mainstreamproduktionen nicht das Wasser reichen können. Eigentlich ideal zum Antesten und auch Einspielen von neuen Boxen - die Band schöpft über den gesamten Frequenzbereich aus den Vollen. Man muss das halt nur hören mögen ...

Also, Play-Taste gedrückt - Track 1: "First Aid":
Das hätte ich nicht erwartet. Gerade in meinem 27qm großen Hörraum nicht. Zu viel Bass!!! Nein kein Tiefbass, aber ein leicht fettleibig daherkommender Oberbass bzw. Grundton - zu mulmig das Ganze. Also aufstehen, die frei auf Ständern stehenden Boxen ca. 70cm von der hinteren Wand abrücken und den Hörabstand entsprechend nachjustieren. Viel besser ...

Und - von wegen "gut für Jazz" ... Erste spontane Einschätzung: Alles da, was man als gestandener Musik-Freund mit Hang zum Experimentellen braucht. Die mir so bekannte Atmosphäre des Stückes - sofort stellt sie sich ein. Der von unseren "großen" Lautsprechern gewohnte, mächtige "Sound-Orkan" fegt einem - wie könnte es anders sein - freilich nicht entgegen. spendor s3/5 bassmittel-toenerDennoch: Die Spendor S 3/5 involviert. Es geht nach vorne - und im richtigen Maß in die Breite. Es fließt. Die verzerrten Stimmen sind präsent, ohne - und das ist nicht selbstverständlich - im Geringsten vordergründig scharf zu wirken. Vielmehr authentisch eingebettet in die voluminöse Soundwelt des Stückes. Was weiterhin auffällt - und da ist solche Musik aufgrund ihrer Dichte geradezu entlarvend: die Homogenität, die geschlossene absolut konsistente Wiedergabe. Nichts fehlt wirklich, nichts sticht heraus. Außer mangelnder echter Tiefbass. Und der etwas kompensierend wirkende, immer noch leichte erhöhte Grundtonbereich. Dieser verhindert, dass es tonal möglicherweise zu "skinny" wird. Laut geht zudem wirklich nicht - gerade in den unterer Frequenzregistern fängt es dann relativ frühzeitig an, hörbar zu verzerren.

Andere Richtung, aber nicht minder gerne von mir gehört: Peter Gabriel. Gerade die ersten Soloscheiben nach dem Genesisausstieg haben`s mir angetan. Das aus den 80ern stammende, populäre "Red Rain" höre ich aber ebenfalls gerne - auch wenn die digital remasterte Aufnahmequalität durchaus zwiespältig ist: Dieses Stück wird von seinem Bassbereich in faszinierender Weise getragen - auf Magerstufe gehört, klingt es überhaupt nicht, es geht Volumen und Raum verloren. Bei der Spendor S3/5 aber nicht, auch wenn es wiederum nicht für die alleruntersten Frequenzgefilde reicht: Man vermisst nur etwas, wenn man während des Hörens seinen Kopf einschaltet, sich zu erinnern versucht und dann im Geiste quervergleicht. Ohne "so was" gilt: Absolut ausreichend.

Mehr als absolut ausreichend: Die Stimmenwiedergabe. Entspannt, authentisch, fließend, warm - wiederum überzeugend eingebettet in den Rest der Musik. Was Letzteren betrifft: Die Spendor S 3/5 seziert nicht. Einzelne Details werden zwar in keiner Weise verschluckt, aber auch nicht messerscharf analysiert. Sie wirkt ein bisschen wie der diesbezügliche Gegenentwurf zur kürzlich bei fairaudio getesteten Sonics Argenta. Anspringenden, gar artifiziellen Glanz im Mitten- und Hochtonbereich überlässt die Spendor S3/5 anderen. Kühle Ästhetik und das detektivische Suchen mit der Lupe ebenso. Zurückhaltende Ausgewogenheit ist das Zauberwort. Durch Understatement beeindrucken - nach guter alter Gentleman-Sitte.

"Weg mit sämtlicher elektronischer Effekthascherei" hieß als nächstes die Devise: Calexico sollte über die Spendor S3/5 ein wenig "Tex-Mex-Prärie-Flair" verbreiten - mit Gitarre, Schlagzeug, Stimme. Weniger dicht instrumentiert, als die zuvor gehörten Stücke, werden die Akteure in diesem Song einzeln deutlich wahrnehmbar: Spendor s3/5 HochtoenerJa, so müssen die Gitarren klingen. Warm und mit Korpus. Die Stimme - präsent und intensiv, dabei absolut bruchlos. Man hört, ob sie gerade eher der Kehle oder doch der Brust entspringt. Begleitet von wahrnehmbaren, aber keinesfalls nervenden Zischlauten, was die Sibilanten betrifft. Und das in dem Stück leicht verrostet wirkende Schlagzeug - es scheppert dezent authentisch dahin ... Ja ich gestehe, dass ist doch die große Stärke dieses kleinen Wandlers. Akustische Musik mit übersichtlicher Bühne. Hier verzaubert die Spendor S3/5 nahezu. Dass die involvierende räumliche Darstellung die einzelnen Klangereignisse nicht gerade exakt, wie mit dem Laser gesetzt, in die von den Lautsprechern geschaffene Bühne ritzt, verzeiht solche Musik am ehesten. Ebenso bekommt die insgesamt leicht zurückhaltende Spielweise der Spendor S3/5 gerade solchen Stücken am besten.

Fazit ...

Ich habe noch eine ganze Weile mit den Spendor S 3/5 "zusammengelebt" (übrigens Standard bei fairaudio). Dabei sitzt man selbstverständlicherweise nicht die ganze Zeit mit verkniffenen Augen auf dem Sofa. Nein man hört - immer wenn`s zeitlich passt - einfach und schlicht nur Musik. Die verschiedensten Scheiben. Und freut sich - so simpel das klingen mag. Komischerweise hatte ich selten das wirklich dringende Bedürfnis, mal wieder was richtig "Dickes" an den Verstärker zu hängen.spendor s3/5 im hoerraum Je mehr Zeit man mit diesen kleinen Kisten verbringt - desto mehr weiß man ihre Unaufdringlichkeit zu schätzen. Aber ein paar Dinge braucht es für eine dauerhafte Liaison schon: Frei aufstellen - die Spendor S 3/5 braucht Luft. Ansonsten dickt nicht nur der Grundton auf, auch die schöne Räumlichkeit geht dahin. Die Musik klebt dann mehr an den Boxen. Eine typische Regalbox ist sie nicht - da täuschen ihre Ausmaße. Die Bühne fächert sich zudem nur dann im richtigen Maße auf, wenn die Boxen nicht zu stark auf Achse, d.h. auf den Hörplatz ausgerichtet werden - auf jeden Fall selbst experimentieren. Und zu guter Letzt: Die Spendor S3/5 ist - unserer Einschätzung nach - auch für kurze Hörabstände besonders zu empfehlen. Die besten Ergebnisse erzielten wir bei grob 2m Entfernung - zumindest was die Unmittelbarkeit und Direktheit des musikalischen Geschehens sowie die Bühnenabbildung betrifft. Eine gegenüber zum Hörabstand leicht vergrößerte Basisbreite bekommt der Spendor S3/5 scheinbar ebenfalls nicht schlecht.

Charakteristika

  • Neutrale, absolut homogene, konsistente und bruchfreie Darstellungsweise - insbesondere den Hoch- und Mitteltonbereich betreffend.
  • Durchaus involvierende und gleichzeitig authentische Bühnenabbildung.
  • Absolute Langzeittauglichkeit aufgrund der stressfrei authentischen, eher weich zeichnenden sowie fließenden Wiedergabe.
  • Die Spendor S3/5 macht Musik glaubhaft "lebendig" - gerade Akustikinstrumente und Stimmen erhalten greifbaren Korpus und die nötige Wärme.
  • Hochwertige Verarbeitung und ansprechendes "Form-Follows-Function-Design".
  • Leicht überhöhter Grundton, der den fehlenden Tiefbass aber auf angenehme Weise kompensiert.
  • Keine Klanglupe: Die Spendor S3/5 verzichtet zugunsten ihrer geschlossenen Wiedergabe auf allzu energisches Sezieren der Musik. Dies betrifft auch die Trennschärfe bei der Bühnendarstellung.
  • Betont lautstark ist die Spendor S3/5 nicht gerade ...

... erwartet aber auch keiner ernsthaft von einem solchen Wandler.

Die Spendor S3/5 ist ein außergewöhnlicher Lautsprecher, der es vorzieht, ein nachhaltig guter Freund zu werden - und kein anstrengender, flüchtiger One-Night-Stand. Eine absolute Empfehlung für Freunde ausgewogener, ermüdungsfreier und eher ruhigerer Klangbilder, die freiwillig oder raumbedingt kleinere Hörabstände favorisieren.

spendor s3/5 

Well done ...