
Juli 2007 / Jörg Dames
An Faustregeln mangelt es sicherlich nicht, was die wichtigen Dinge des Lebens betrifft. Ich kann mich zum Beispiel an einen längeren Zeitungsartikel erinnern, der eine erschienene Studie zum Thema "Rotweingenuss" behandelte. Es ging mal wieder darum, wie gesund denn dieser Tropfen nun tatsächlich sei. Das einprägsame Ergebnis dieser wissenschaftlichen Studie: Rotwein ist absolut gesundheitsförderlich, wenn - Achtung "Faustregel" - man für die Flasche mindestens 10 DM ausgeben würde. "Also alles für die Katz", schoss mir - damals noch Student - durch den Kopf und wandte mich vom Bereich "Wissenschaft" kurzerhand zum Feuilleton der Zeitung.
Die "HiFi-Szene" kann sich über zu wenige Daumenregeln ebenso kaum beklagen. Beispielsweise wird die Frage, welchen Stellenwert man den einzelnen Bausteinen einer Kette zukommen lassen sollte, von diversen umhergeisternden Weisheiten begleitet:
Eine schon etwas ältere, Ihnen vielleicht bekannte Regel besagt zum Beispiel, dass der Kauf der Lautsprecher doppelt so viel Budget verschlingen sollten, wie der komplette Rest der Anlage. Also zünftiger ausgedrückt: In erster Linie vermeiden, Perlen vor die Säue zu werfen bzw. zu schalten.
Durchgesetzt hat sich aber auch eine Meinung, die in etwa so lautet: Was am Anfang einer Kette "vergurkt" wird, ist auch durch die besten nachgeschalteten Geräte nicht mehr "wett" zu machen. Zu dieser Ansicht existiert auch ein Glasscheibenmodell: In diesem werden die einzelnen HiFi-Komponenten mit hintereinander aufgereihten Glasscheiben verglichen. Durch diese kann man entweder schlicht durchgucken oder Licht senden. Die Unreinheiten jeder einzelnen Scheibe - stellvertretend für die Unzulänglichkeiten der einzelnen HiFi-Komponenten - wirken nun verfälschend. Man sieht die Wirklichkeit dann mehr oder weniger verzerrt oder erhält ein verfremdetes Lichtsignal.
Die durchaus diskutable Moral von der Geschicht`: Ausgerechnet die erste Scheibe - stellvertretend für CD-Player, Plattenspieler, etc. - ist die Wichtigste. Das bedeutet nun wieder: Bloß keine Säue vor die Perlen werfen.
So viel dazu ... Um aber plakativ zu bleiben - die für mich einsichtigste Schlussfolgerung lautet: Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Deswegen auf "Schweinereien" in der kompletten Kette verzichten. Dazu gehören dann aber auch die (nur scheinbar) so kleinen Ferkelchen wie mangelnde Qualität der Stromversorgung, ein bei der "Möbeloase" gekauftes Rack oder die Vernachlässigung der Raumakustik, ...
Dennoch finde ich: Den Lautsprechern kommt in jeder HiFi-Anlage eine ganz vitale Bedeutung zu. Und zwar nicht wegen der obigen "Kettenregel". Sondern, weil kein anderer HiFi-Baustein eine solch hohe klangliche Varianz aufweist. Was ich meine: Lautsprecher verschiedener Marken, oder mit unterschiedlichen technischen Konzepten versehen, differieren klanglich vergleichsweise stark - selbst in ein und der gleichen Preisklasse. Stärker als das z.B. bei CD-Playern der Fall ist. Dazu passt auch, dass Derek Hughes, der Sohn des Firmengründers von Spendor (Spencer A. Hughes), Lautsprecher als den "unvollkommensten" Teil einer HiFi-Anlage bezeichnet hat.
Lautsprecher avancieren dadurch häufig zu den tonangebenden "Charakterköpfen" einer guten Anlage - sie hinterlassen eben einen sehr starken Fingerabdruck ...

Was liegt also näher, als bei der Auswahl von guten Wandlern einfach auf die Synthese von gewachsener Tradition und Moderne zu vertrauen? O.k., klingt pathetisch und wie aus dem Werbeflyer eines nicht gerade schwungvollen Bankhauses. Aber trotzdem: Spendor ist ein Name, bei dem die Ohren der meisten HiFi-Begeisterten "Spock"-artig spitz werden und der übergreifend hohe Sympathiewerte aufweist.
Grund genug für fairaudio also, sich mit der Tradition des BBC-Studiomonitor-Konzeptes bzw. der modernen Gestalt davon - der Spendor S3/5 - näher zu befassen ...
Kompakt-Lautsprecher:
Spendor S3/5
B&T hifi vertrieb GmbH
www.bt-vertrieb.de
UVP: 1.190 EUR
Equipment:
Quelle:
Audiomeca Obsession II
Sonneteer Byron
Verstärker:
Accuphase E-212
Classic 6.6
Myryad MXI2080
Lautsprecher:
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Sonics Argenta
Kabel:
NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF
LS: Ortofon SPK 500, Mogami Blue Rocket, Straight Wire Rhapsody
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"lautsprecher als der unvollkommenste teil einer hifi-anlage"
"spendor: die synthese aus tradition und moderne ..."