fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

 

lapc rules!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

hochpräzise-transparent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

treffsicheres timing

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

technische verwandtschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

souverän und ausgeglichen

Klang: Technics SU-C 550 All-in-One-Anlage

Technics SU-C 550  All-in-one-Anlage

„LAPC rules!“, so könnte man den Höreindruck über den smarten CD-Netzwerk-Amp kurz und bündig zusammenfassen. In der Tat habe ich den Technics SU-C 550 im Laufe des Tests mit drei verschiedenen Lautsprechersystemen gehört. Der Hersteller war so freundlich, mir ein Kompaktlautsprecherset vom Typ SB-C 700 (Paarpreis etwa 1.299 Euro) „zum Spielen“ mitzuschicken, das aufgrund seines interessanten Koaxialkonzeptes als Punktschallquelle eigentlich einen eigenen Test verdienen würde, des Weiteren kamen ein preisgünstiges Kompaktboxenpaar von Klipsch (RP-160M), sowie meine altgedienten Lieblingsfloorstander von Magnat (Quantum 905) zum Einsatz.

Ohne Teilergebnissen vorgreifen zu wollen, lässt sich sagen, dass das Technics-eigene Lautsprechereinmesssystem mit jedem der angeschlossenen Schallwandler überzeugend funktionierte. Ist „LAPC“ aktiv, nimmt der Verstärker die Boxen derart an die kurze Leine, als ob er ihre Parameter jederzeit kontrollieren würde. Ohne aber – und das fand ich so erstaunlich – dem einzelnen Lautsprecher seinen individuellen klanglichen Fingerabdruck zu rauben. Dieser ließ sich jederzeit identifizieren: Die Technics SB-C 700 hochpräzise-transparent, die kompakte Klipsch mitreißend-forsch, die große Magnat abgeklärt-souverän-musikalisch. Von den genannten Lautsprechermodellen kenne ich die Rheinländerin am längsten und besten, weshalb ich den Hörtest mit ihr durchführte.

Technics Typ SB-C 700
Die Technics SB-C 700 sind eine wohlklingende Ergänzung (nicht nur) zur SU-C550 und im Grunde einen eigenen Test wert

Bei Beth Harts neuem Album Fire on the Floor (auf Amazon anhören) offenbarte die Technics-Anlage denn auch einen tonalen Grundcharakter, den ich bereits beim Test des Technics SU-G 30 vernommen hatte: Gleich der Opener „Jazz Man“ swingt mit einer so charmanten Leichtfüßigkeit in den Hörraum, dass die Finger automatisch schnippsen und der Kopf quasi anerkennend im Takt mitwippt – nicht der schlechteste Einstieg in einen Test! Auch in Sachen Durchhörbarkeit, Feindynamik und Transparenz orientiert sich das All-in-one-System hörbar am größeren (Verstärker)-Bruder, verteilt einzelne Schallereignisse sauber beth hartgetrennt auf die Frequenzbänder und schafft so eine Atmosphäre innerer Ordnung und Struktur, die ich einer „Komplettanlage“ – zumal in dieser noch recht moderaten Preisklasse – nicht auf Anhieb zutrauen würde. Das rauchige Timbre der Blues-Chanteuse Beth Hart steht dabei nahezu holografisch-körperhaft und mit messerscharfen Konturen im Vordergrund, wirkt aber dennoch nicht unnatürlich exponiert. Tendenziöse „Temperaturschwankungen“ (Kälte/Wärme) in den so gehörsensiblen Mitten verkneift sich die Technics SU-C550 gänzlich. Sie orientiert sich daran, was die musikalische Vorlage erfordert – mit für diese Preisklasse, in der oft ein etwas „schmeichlerisches“ Mittenband als massentauglicher Effekt vorherrscht, erstaunlicher Linearität –, ohne ins Künstlich-Sterile abzudriften. Das begleitende Bluespiano passt ins natürlich-neutrale Bild und perlt locker-lässig und mit fast kristalliner Eleganz aus den Lautsprechern, vermittelt somit zusätzlich Leichtigkeit und Souveränität.

Technics SU-C 550 Rückseite

Ja, das Klangbild der Technics SU-C 550 transportiert eine Beschwingtheit und musikalische Ambition, die man mit der Umschreibung „Designanlage“ nicht unbedingt in Verbindung bringt. Mir wird klar: Die schöne Technics kann und will mehr. Und ich muss erstaunlich lange über klanglich adäquate Wettbewerber nachdenken, zu denen ich sie in Beziehung setzen könnte. Wenn wir über ebenfalls sehr gelungenes – ich weiß, immer Geschmackssache – Design sprechen, fällt mir die in ihrer Bauform fast noch etwas kompaktere All-in-one-Anlage „Note“ des japanischen Entwicklerverbundes „Aura“ ein, hierzulande im Vertrieb des Bremers Jan Sieveking. Das hochglanzpolierte Schmuckstück kommt ebenfalls mit Toploading-CD-Spieler, ist exzellent verarbeitet und bringt sowohl einen USB-DAC (192 kHz/24 Bit) und ein UKW-Empfangsteil mit, liegt aber mit einem Verkaufspreis von rund 2.800 Euro deutlich oberhalb der Technics-Anlage. Wovor sich meine aktuelle Kandidatin aber keineswegs verstecken muss.

luther allisonBleiben wir also beim Blues und wenden uns Luther Allisons „Bad Love“ (vom 1994er Album Bad Love, auf Amazon anhören) zu, das in genreklassischer Besetzung und im typischen Groove vor sich hin marschiert. Es macht einfach Freude, mit welch treffsicherem Timing das Technics-System abbildet. Nichts wirkt verschleppt, der Takt sitzt „auf der 2 und der 4“, wie sich das gehört. Das dies auch mit ordentlich Dampf geht, beweisen die Kings of the Sun mit „Rock til ya die“ (Titeltrack des 2013er-Albums), die Bluesrock-Formation aus Australien drückt richtig aufs Pedal und bringt die Bassdrumfelle ordentlich in Wallung. Ein Effekt, den die Technics SU-C 550 mit druckvoller Attacke und trockenem Punch, wenngleich auch nicht mit absolutem Tiefbass, in die Magengegend transportiert. Ihr klangliches Ziel scheint darin zu bestehen, alles zu vermeiden, was die geschmeidige und quirlige Spielfreude bremsen würde. Ein allzu fetter und bis in die allertiefsten Lagen reichender Bass gehört da wohl nicht zum Konzept, was ich im gesamttonalen Kontext indes stimmig finde. Sicher: Der große SU-G 30 kickt hier - wenngleich in Sachen „Trockenheit“, „Bass-Struktur“ und „Schnelligkeit des Tieftons“ ähnlich aufgestellt - härter, wuchtiger und massiver ins Bodenblech. Irgendwo muss sich der empfindliche Preisunterschied innerhalb des Portfolios ja aber auch klanglich ausdrücken, insofern ist es schon logisch, dass da noch mehr geht. Die bereits erwähnte  Aura Note ging im Frequenzkeller voluminöser und „saftiger“, gleichwohl aber weniger präzise ans Werk als unsere aktuelle Probandin.

Technics SU-C 550 On/Off

Und für sich genommen kann die All-in-one-Komponente so oder so punkten. Der Achtzigerjahre-Dancefloor-Knaller „Axel F.“ (Harold Faltermeyer, auf Amazon ansehen) knallt jedenfalls ordentlich druckvoll aus meinen Magnat Quantum 905, was man auch in den Fußsohlen spürt. Herrlich, wie die elektronisch generierten Effekte, ohne die so ein Achtziger-Track ja nie auskam, im Hörraum umherschwirren, ohne dass man ihre Quelle lokalisieren könnte. Da zischt es hier, pfeift und zirpt es da, die „Raumfüllung“ des Klangbildes ist erstaunlich vollständig. In Sachen Raumabbildung gibt es mit den Technics SU-C 550 keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden. Das meine ich positiv. Die virtuelle Bühne gibt sich in allen Dimensionen recht vorlagentreu, nur bei Liveaufnahmen, etwa Bosses Kraniche – Live in Hamburg vielleicht einen Tick zu kompakt, ein wenig mehr Luft und Atmosphäre würde ich mir da mitunter wünschen. Der „große Bruder“ SU-G 30 würde sich hier abermals als Vorbild anbieten. Immerhin: Zu Übertreibungen neigt die Technics-Anlage auch hier nicht, stellt also nie etwas größer und voluminöser dar als es ist. Bei „trockenen“ Studio-Abmischungen, in denen nicht der Eindruck einer großen Halle o. ä. transportiert werden muss, fällt die etwas kompaktere Staffelung der Technics SU-C 550 denn auch ohnehin weniger ins Gewicht. Zumal es an der Abbildungspräzision, der Ortbarkeit akustischer Einzelereignisse nichts auszusetzen gibt, da passt alles.

marillionMit seinem technischen Verwandten gemein hat der CD-Netzwerk-Verstärker die Fähigkeit, tiefe Einblicke auch in strukturell verschachtelte Aufnahmen zu gewähren, den Zuhörer so praktisch ins Geschehen hineinzuziehen. So entgeht ihm keine Einzelheit des mehrteiligen „The Leavers“ der britischen Prog-Ikonen Marillion (Album: Fear, auf Amazon anhören), gerade in feindynamischer Hinsicht kann sich der Technics hier behaupten, spürt jeder Melodielinie aufmerksam nach, wenngleich er sie nicht ganz so „aufdröseln“ kann wie der große SU-G 30, der einer akustischen Lupe gleicht. Wie die Gesamtabbildung des SU-C 550 auf der kompakteren Seite von „realistisch“ bleibt, so verhält es sich auch innerhalb klanglicher Gewebe mit ihm etwas enger. Er separiert und schält nicht ganz so hingebungsvoll heraus wie der G 30. Ein Seziermesser verwendet er nicht, was mitunter – je nach Musikauswahl – aber auch ganz angenehm ist. Dennoch fallen seine „Innenansichten“ für ein Gerät dieser Klasse erstaunlich detailliert und nuanciert aus. Hier verfolgte die japanische Wettbewerberin Aura Note eine gänzlich andere tonale Strategie, umschmeichelte ihre Zuhörer geradezu mit warmen und leuchtenden Klangfarben, was verführerisch, aber mitunter nicht ganz „echt“ 'rüberkam.

Technics SU-C 550 seitlich

Am oberen Frequenzende gibt sich der Technics SU-C 550 keine Blöße. Die Messlatte, die ihm hier familienintern vom SU-G 30 vorgelegt wird, kann er indes nicht erreichen. Was mich auch verwundert hätte, denn dessen Fähigkeit, jedes Detail crisp-brilliant, aber dennoch nicht übertrieben glitzerig auszuleuchten und auch noch feinste Obertonschwebungen „mitzunehmen“, ist schon große Klasse. Da kommt das integrierte, nur ein Drittel kostende System naturgemäß nicht heran. Dennoch werden alle Hochtoninformationen geliefert, die es braucht, um eine Aufnahme vollumfänglich zu erfassen. Bevor es oben heraus zu bissig oder glasig werden könnte, geht der 550er indes auf „Nummer Sicher“ und nimmt sich ein ganz klein wenig zurück. Im Hinblick auf die vom Hersteller anvisierte Zielgruppe, die man eher nicht im „Highend Heaven“ verortet, halte ich das für eine absolut richtige und entsprechend gelungene Abstimmung.

Zumal sie so geschickt umgesetzt wurde, dass der tonal sehr klare Grundcharakter erhalten bleibt. Nebenbei bemerkt, zeigt Technics damit auch ein Herz für „Alltagsmusik“, etwa von Internetradio-Stationen gestreamtes Material, das nun einmal nicht prioritär für hifidele Gehörgänge produziert wurde und somit oftmals komprimiert und artefaktbehaftet übertragen wird. Demgegenüber ist der Technics SU-C 550 nicht gram und spielt auch derlei souverän und ausgeglichen, ohne nun jeden akustischen Makel besserwisserisch hervorheben zu müssen. Und ich muss sagen, diese Art der entspannt-engagierten Musikalität macht einfach Spaß. Auch auf lange Sicht.

Technics SU-C 550 bei Nacht