fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

 

 

beobachtend statt einmischend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

japaner unter sich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

nuanciert, gelöst
und luftig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

lan, usb oder airplay?

Der Klangcharakter des Marantz NA8005 (Fortsetzung)

MarillionEinzelne Schallereignisse - bei einer Progressive-Rockband wie Marillion gibt es davon naturgemäß viele, auch gleichzeitig stattfindende und zuweilen einander überlagernde - können räumlich präzise geortet werden. Dabei hat man stets den Eindruck, dass der Marantz NA 8005 die Rolle des aufmerksamen Beobachters einnimmt und sich nicht in das musikalische Geschehen einmischt, sich nicht ins Getümmel stürzt. Es gibt Komponenten, die den Zuhörer ob ihrer überschäumend-mitreißenden Spielfreude derart ins Geschehen hineinziehen, dass man sich mitten „im Trubel“ wähnt. Musiker sitzen dem Auditorium dann praktisch „auf dem Schoß“. Dies kann enorm reizvoll sein, auf Dauer aber auch anstrengend werden.

Anders der Marantz NA8005: Er behält lieber souverän den Überblick, wahrt die Distanz und achtet sorgfältig darauf, dass die Darbietung insgesamt nicht „aus dem Ruder“ läuft. Ich kenne eine solche fast distinguierte und feinfühlige Art der Wiedergabe ansonsten von Geräten, die preislich mindestens ein- bis zwei Etagen über meinem Testkandidaten angesiedelt sind. In seiner Klasse ist mir dies bislang selten untergekommen. So spielt etwa auch sein direkter, weil gleich teurer und ebenfalls brandneuer Wettbewerber - der Pioneer N 70, der mir einige Tage zur Verfügung stand - insgesamt ein wenig stämmiger, „robuster“, malt Klangfarben im Mittenspektrum mit einem etwas dickeren und intensiver leuchtenden Strich und gibt sich beim ersten Höreindruck involvierender und verbindlicher, was vielen Kunden - auch mir - sehr gut gefallen mag, die fast highendig anmutende Souveränität (um ein großes Attribut locker niederzuschreiben) des Marantz geht ihm aber ab. Weibliche wie männliche Gesangstimmen interpretiert der Pioneer N 70 stets ein Quäntchen vollmundiger und wärmer als der NA 8005, stellt Räume dabei ein wenig kompakter dar und „schiebt“ im Frequenzkeller etwas forscher.

Im direkten „Shoot out“ beider Netzwerkplayer hatte ich das Gefühl, dass ein verschmitzt grinsender und etwas verspielter Jungspund (Pioneer) gegen seinen großen und abgeklärteren, weil lebenserfahreneren Bruder (Marantz) angetreten wäre. Die genannten klanglichen Unterschiede zwischen den beiden Japanern sind dennoch so subtil, dass ich sie nicht in ein Wertekorsett pressen möchte.

Den größten Stich macht der Marantz NA 8005 meiner Ansicht nach sowieso in den oberen Lagen. Einen derart fein aufgelösten und detailreich dargebotenen, bei entsprechend sorgfältig produzierter Musik auch glasklaren Hochtonbereich ohne jede tori amosSchärfe und Bissigkeit muss man ihm erst einmal nachmachen. So nuanciert, gelöst und luftig höre ich Tori Amos' majestätischen Bösendorfer-Flügel in „I can't see New York“ (Album: Scarletts Walk) jedenfalls selten. Pioneers N 70 kann ihm in dieser Disziplin nicht das Wasser reichen. Da muss man schon im eigenen Haus nach Gegnern suchen. Den findet der NA 8005 naturgemäß - und vom Hersteller auch gewollt - im massigen NA 11 S1. Der knapp dreimal so teure Netzwerkbolide legt in wirklich allen Klangdisziplinen noch einmal mindestens eine Schippe drauf, gibt aber die Richtung vor, in die sein kleiner Bruder strebt. Der damit über seine Preisklasse hinauswächst.

Im Hörtest, auch bei den Vergleichen zu seinen Wettbewerbern, habe ich den Marantz NA8005 als externen USB-DAC von meinem Apple iMac aus angesteuert und Audiodateien mit 24 Bit und 192 Kilohertz übertragen. In diesem Betriebsmodus gefiel mir das Gerät klanglich am besten. Was nicht heißt, dass die weiteren Schnittstellen des Netzwerkers deutlich abfallen würden. Die Unterschiede bewegen sich in minimalem Rahmen.

Die Ethernet-Verbindung (LAN) befindet sich auf annähernd vergleichbarem Level wie USB, wobei ich hier eine ganz leichte Zurückhaltung am oberen Frequenzende ausmachte. Die allerdings auch mit der Länge meines verwendeten Netzwerkkabels und dessen Güte zusammenhängen wird. Es handelt sich um fünf Meter lange Standardware, wie sie üblicherweise in Büronetzen eingesetzt wird. Verwendet man eine kürzere und hochwertigere Strippe, dürfte sich das Klangergebnis entsprechend verbessern. Via koaxialem und optischem Digitaleingang stellten sich Räume etwas kompakter dar, die Abbildung schien an beiden Frequenzenden etwas abgerundeter - was im Einzelfall sogar sehr angenehm sein kann. Mittels „Airplay“ vom iPad drahtlos an den Marantz gefunkte Musik kam ein wenig blasser und nicht ganz so agil und dynamisch 'rüber. Das habe ich allerdings auch so erwartet.

Ein zusätzliches Fleißpünktchen verleihe ich dem Medienplayer für seinen homogen und angenehm schwungvoll tönenden Kopfhörerverstärker, der damit nicht nur ein bloßes Alibifeature ist. Sicher, dem direkten Vergleich etwa mit einem Lehmann Audio „Rhinelander“ hält er nicht stand, Gelegenheits-„Kopfhörer“ werden sich aber nicht wirklich beschweren können.