fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

vergleichsfeld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


im einsatz als datenlieferant

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

dynamisch vollständig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

kontert mit druckvoll-runder wiedergabe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

atmosphärisch dichter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

im größeren system

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

drückt einen
tick mehr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die bühne

Klangeindrücke vom HiFiAkademie miniStreamer

Den im HiFiAkademie miniStreamer integrierten D/A-Wandler mit meinem über 2.000 Euro teuren Norma-Wandlermodul zu vergleichen, wäre ziemlich unfair, daher habe ich den kleinen Leimener vor allem im direkten Vergleich mit dem D/A-Wandler des Linn Majik DSM (3.500 Euro) über die Verstärkersektion desselben und mit AudioQuest-Carbon-Digitalkabeln beziehungsweise AudioQuest-Yukon-RCA-Kabeln an den Audioplan Kontrast V gehört. Hierbei habe ich also die Streamingabteilungen und Wandler miteinander verglichen, bevor der miniStreamer in einer zweiten Runde als reine Streamingbridge am Norma-Pre/DAC gegen den Auralic Aries (Stand August 2015: 1.749 Euro) antreten musste.

HiFiAkademie miniStreamer

Ein Hinweis: Die Lautstärkeregelung des HiFiAkademisten steht nach dem Starten des Geräts auf Vollaussteuerung, also 0 dB. Verändert man die Lautstärke einmal, lässt sie sich nicht mehr auf mehr als -20 dB einstellen. Das ist gewollt und dient dem Schutz vor Überlastung der Lautsprecher und Endstufen in Setups ohne Vorverstärker beziehungsweise an Aktivlautsprechern. Diese Schwelle lässt sich in den Einstellungen in einem Bereich zwischen -40 dB und 0 dB einstellen.

HiFiAkademie miniStreamer

Vergleich mit Linn Majik DSM

Die Streamingabteilungen

Als reiner Streamer am digitalen Eingang des Linn angeschlossen, zeigen sich ziemlich schnell zwei Dinge: erstens, dass der miniStreamer seine Hauptaufgabe, das Transferieren der Daten zu einem Wandler, für seine Preisklasse mehr als gut macht und dem Streamingabteil im Linn qualitativ in nichts nachsteht und zweitens, dass der DAC im miniStreamer mehr als nur eine Notlösung darstellt.

Von vorne: Als reiner Streamer an den Wandler des Linn Majik DSM angeschlossen, wirkt der miniStreamer einen Hauch direkter (aber nicht nerviger!) als der Schotte, gerade was feindynamische Eleganz, Druck und Klangfarben angeht. So spielt etwa Lambchop auf dem Album Nixon mit etwas mehr Gefühl und Inbrunst, während das All-in-one-Gerät aus Glasgow einen minimal distanzierteren Blick auf die einzelnen Musikanten wirft. Nuancen sind das, muss ich betonen. Der Grund für diesen Eindruck liegt einerseits in einer generell etwas wärmeren, fülligeren tonalen Abstimmung des Deutschen, doch das Plus an Klangfarben gegenüber dem Linn ist der wahre Matchwinner, finde ich. Besonders intensiv nehme ich diesen Unterschied mit akustisch aufgenommenem Jazz wahr wie auf „Miss Bea“ von McCoy Tyner vom wundervollen Chesky-Records-Sampler „10th Anniversary Jazz“. Das Saxophon tönt sanfter und voller, während der Kontrabass schöner schnurrt.

oreena McKennittErstaunlich ist, dass mir trotz des leicht warm eingefärbten tonalen Charakters in Sachen Auflösung gegenüber dem Linn nicht wirklich etwas fehlt – man muss schon ganz, ganz genau hinhören, um das Ausschwingen von Schlagzeugblechen mit dem Schotten als minimal klarer dargestellt zu erhören, oder Nebengeräusche wie in Loreena McKennitts „Dante's Prayer“ (Album: „The Book of Secrets“) oder einzelne im Hintergrund sprechende Stimmen im Publikum von Jazz at the Pawnshop etwas besser zu verstehen. Braucht man diese Art von Erbsenzählerei? Hm, nein, das will ich mit dem miniStreamer eigentlich gar nicht, dazu involviert er mich zu schön in das, was hier musikalisch abgeht.

Links de rAnalogausgang, daneben zwei S/PDIF-Outs
Links der Analogausgang, daneben zwei S/PDIF-Outs

Kuniko trommelt sich auf Xenakis IX beinahe um den Verstand, und die sich vielfältig aufschichtenden Ebenen der diversen Percussioninstrumente füllen ziemlich genau die gleichen Räume zwischen und hinter den Lautsprechern aus – ziemlich, denn der Linn wirkt gerade hier einen Hauch flacher in der Tiefendimension, wobei auch der Deutsche – absolut gesehen – Xenakis IXkeine ultratiefen Räume aufbaut. Preisklassenbezogen ist die Tiefenstaffelung des miniStreamers aber gut – und besser als die des Linn. Die geradezu anmachende Fülle der Bühne und die Vollständigkeit des dynamischen Aspekts der Wiedergabe empfinde ich zudem als sehr angenehm und gewinnbringend in Bezug auf die musikalische Erfahrung. Punktsieg für Leimen.

Die „Komplettpakete“ (Analog-Out des miniStreamers)

Die Performance des miniStreamers als Ganzes, also inklusive des eigenen DACs, im Vergleich zum entsprechenden Ensemble des Linn Majik DSM gerät mit zunehmender Hördauer zur recht klaren Angelegenheit. Die grundsätzlichen Charaktere der beiden sind bereits aus dem Streamingvergleich bekannt: Spielt der Linn etwas schlanker, zurückhaltender und drahtiger, kontert der miniStreamer mit druckvoll-runder, in der Ansprache dabei etwas direkterer und insgesamt „organischerer“ Wiedergabe.

Die gesamte Bühne wirkt im Vergleich zum Linn, der eher distanziert musiziert, etwas nach vorne auf die Lautsprecherebene gerückt, ohne an (überschaubarer) Tiefe einzubüßen. Kunikos Percussion in „Electric Counterpoint Version for Percussions – Movement III Fast“ (Album: Kuniko plays Reich) schwebt farblich prachtvoller und klingt perlender, vollständiger aus als über den Linn gehört. Den tieferen Registern des Marimbaphons verleiht der miniStreamer mehr schwingende Resonanz und den einzelnen Tönen mehr Individualität als der Linn, der hier zeitliche Abfolgen minimal zu verschleifen scheint.

Der miniStreamer versteht sich auf LAN und WLAN
Der miniStreamer versteht sich auf LAN und WLAN

Qualitativ gibt es an beiden Wandlern in Bezug auf ihre Preisklasse (beim Linn natürlich aus dem Gesamtpaket „herausgerechnet“) nicht wirklich etwas auszusetzen. Man könnte vielleicht die Aussage machen, dem Linn-Wandler die minimal besseren Einsichten im Stimmbereich und oberen Mittelton zuzusprechen, weil er zum Beispiel eher den Kopf als die Brust des Sängers betont. Doch kontert der miniStreamer mit einem etwas besser Nine Horsesausgefüllten Raum, der atmosphärisch dichter wirkt und mit anmachenderer, wenn auch nicht Wände einrennender Dynamik der Kontrabassanschläge in „The Banality of Evil“ auf Snow Borne Sorrow von den Nine Horses. Und: Das Saxophon im gleichen Stück „knarzt“ einfach schöner! Geschmackssache? Vielleicht – für mich liegt der Vorteil hier eher auf Seiten des miniStreamers.

Doktorvater (Auralic Aries) und Erstsemester (Panasonic Blu-ray-Player)

Der oben erwähnte Auralic Aries ist dann der zweite „Gegner“ des miniStreamers in meinem größeren System. Wer jetzt abwinkt und ob der Preisdifferenz (gut das Dreieinhalbfache verlangt Auralic für seinen Aries) einen haushohen Punktsieg für den Alleskönner aus China prognostiziert, liegt zumindest ein bisschen daneben, denn der miniStreamer offenbart an höchstwertiger (Wandler-)Elektronik ungeahnte Fähigkeiten.

Jazz At The PawnshopPer AudioQuest-Carbon-Koaxialkabel mit dem Wandler meines Norma-SC-2-Vorverstärkers verbunden, legt der miniStreamer von Anfang an mit einer Verve und Spielfreude los, die nicht ins Hyperaktive abdriftet, sondern sich eher auf seine ausgeglichenen dynamischen Fähigkeiten gründet, welche Abstufungen in der Lautstärke gewissenhaft differenziert darstellen. Diese Charakteristik passt für mein Gefühl gut zum auch hier leicht warm eingefärbten tonalen Touch, der nämlich durch die unangestrengte Schnelligkeit balanciert und komplementiert wird, mit der der miniStreamer Transienten darzustellen vermag. Die Toms des Schlagzeugs auf „Take Five“ vom Jazz-Klassiker-Album Jazz At The Pawnshop lassen weder das explosionsartige Auftreffen des Drumsticks auf dem Fell noch die Substanz des Trommelkorpus vermissen. Das Tenorsaxophon strahlt im Vergleich zum Auralic Aries mit einem minimal goldfarbeneren, zurückhaltenderen Ton. Klangfarben erscheinen mir auch in dieser Kombination vom Deutschen etwas satter aufgetragen zu werden als von seinem Gegenspieler, der wiederum mit noch größerer Unmittelbarkeit und offensiverer Grobdynamik punktet.

Der HiFiAkademie-Streamer auf dem von Auralic
Der Streamer der HiFiAkademie auf dem Auralic Aries

Das Glockenspiel auf A Perfect Circles „Annihilation“ (Album: eMOTIVe) offenbart über den miniStreamer ein ordentliches Maß an Feindynamik und Differenzierungsfähigkeit im Präsenzbereich und unteren Hochton, und im darauffolgenden John-Lennon-Cover A Perfect Circles„Imagine“ drückt der E-Bass einen Tick mehr als mit dem tonal sehr neutralen Aries. Wunderschön der kurze Solo-Bassteil in der Mitte des Songs: So im Grundton perlend und mit satten Klangfarben ausgestattet habe ich das selten gehört. Ein echter Farbenmeister ist der miniStreamer also, der diesbezüglich sogar den Aries in Bedrängnis bringt.

Der substanzielle Bass- und Grundtonbereich überdeckt zum Glück aber keineswegs die restlichen Frequenzen, sondern verhilft dem miniStreamer „nur“ zu seinem angenehmen, leicht auf der füllig-warmen Seite angesiedelten tonalen Charakter, der in dieser Preisklasse mit Sicherheit die sinnvollere Wahl gegenüber angestrengter oder gar gekünstelter Analytik ist – echte Auflösung der Premiumklasse lässt sich meiner Erfahrung nach nämlich nur mit einem vielfach höheren finanziellen Einsatz erzielen. Dass die Becken des Schlagzeugs also in den allerobersten Lagen weniger detailliert aufgedröselt und auch etwas abgerundeter reproduziert werden als mit dem teureren Aries, ist keine Schande und fällt an weniger hoch auflösenden Ketten als meiner Norma/Lansche-Kombi eh nicht wirklich ins Gewicht, wie der Vergleich mit dem Linn schon zeigte – dort ließ die diesbezügliche Performance des miniStreamers ja keine Wünsche offen.

HiFiAkademie miniStreamer

Das gilt auch für den räumlichen Eindruck des HiFiAkademie miniStreamers, der eine schöne Bühne aufbaut, das Potenzial der 40.000-Euro-Kombination aus Norma und Lansche zur Tiefenstaffelung und Körperhaftigkeit aber natürlich nicht voll auszureizen vermag. Flächiger und ohne der greifbaren Umrissschärfe und 3-D-artigen Modellierung des Auralic Aries wirklich nacheifern zu können, platzieren sich die Schallereignisse auf der nach links und rechts sowie oben und unten realistisch ausgeleuchteten Bühne, während die Tiefenausleuchtung des Raums – im direkten Vergleich gehört – begrenzter bleibt.

Im Quercheck zu meinem Panasonic BDT310 Blu-ray-Player und Streamer (circa 300 Euro) zeigt der miniStreamer freilich, dass er der deutlich highfidelere Player ist und sich in jeder Beziehung klanglich merklich näher am Auralic Aries orientiert als am Panasonic. Erschreckend, wie banal und unzusammenhängend eine Jazz-Combo klingen kann, die gerade noch mit dem HiFiAkademiker den Saal zum Swingen brachte!