zunge raus!
so liberal ist
der east sound
einfach nicht ...
not really
weder fisch noch fleisch? falsch!
gewagte theorien
die moral von der geschicht'
very nice blended ...
... und treffsicher

Rhythmisch ist er, der East Sound - präzise, schnell und auf den Punkt. Der berühmte "Fuß-Mitwipp-Effekt" - bei ihm weitet er sich schon fast aufs ganze Bein aus. Die Grundlage hierfür ist der Bassbereich und diesen gestaltet der E5 Signature derart formidabel, wie ich es in dieser Preisklasse noch nicht gehört habe. Der Bass ist das Fundament, auf dem der East Sound sein Klanggebäude errichtet - und ich meine das NICHT in dem Sinne, dass der Frequenzkeller nun die anderen Bereiche dominieren würde. Ganz im Gegenteil, indem er zwar energisch und druckvoll zulangt, wo es sein muss, aber ebenso schnell den Impuls wieder beendet, wie er angefangen hat, gerät die Darstellung tonal ausgewogener als bei manchem Konkurrenten. Andere erlauben sich hier schon mal Anflüge von Laisser-faire. Mit der Folge, dass Musik, die einen gehörigen Schuss Tiefton besitzt, auch mal etwas wollig-verstrickt tönt - oder gar mulmig wird.
So liberal ist der East Sound einfach nicht. Er gleicht einem Boxer, der - eben noch lässig tänzelnd - einem plötzlich ansatzlos eine Grade in die Magengrube gibt. Und eh' man es begriffen hat, ist er schon wieder zwei Schritte weiter weg. Saubere Technik und mit 'nem Pfund dahinter, denn ein Fliegengewicht ist er wahrlich nicht. Der Signature geht auch tiefer hinunter als die meisten Player. Oder vielleicht nicht tiefer, sondern einfach nur kompakter, griffiger? Jedenfalls hört die tonale Differenzierung nicht knapp unterm Oberbass auf, sie reicht weit tiefer hinab und so werden treibende Bassläufe bretthart durchgezeichnet. Weder in dem Sinn, dass sie trocken-hölzern angerissen werden und dabei Volumen vermissen lassen - noch umgekehrt: ein kraftvolles, aber flächig-waberndes Irgendwas. Nein, blitzschnell, federnd und differenziert wird losgelegt - und zwar mit Schmackes! Ob der Bassbereich des East Sound gut ist? Er ist hervorragend.

Vollbringt er auch Wunderwerke am anderen Ende des Frequenzspektrums? Not really. Zwar löst er hier etwas feiner auf, als manch anderer, aber die luftige, deutliche und dabei nie scharf werdende Ausleuchtung eines C.E.C. TL51XR trifft er nicht ganz. Freilich liegt der Japaner auch in einer anderen Preisklasse - 2.000 €. Nun, jemandem, der jedes Kohlensäurebläschen einzeln platzen hören möchte, mag etwas fehlen. Mir nicht wirklich. Ich weiß, es ist mehr möglich, aber darauf kann ich - gerade im Sinne der Langzeittauglichkeit - auch verzichten. Er ist ganz und gar nicht verhangen, eher elegant zurückhaltend. Und daher wird er einem auch nie mit "digitalen Härten" auf den Wecker fallen, wie es sonst in der 1.000 € Klasse schon mal passieren kann. Es ist ein bisschen so, wie bei guten Kompaktboxen: Jeder weiß, echter Tiefbass geht anders. Aber schmälert das denn den dauerhaften Genuss? Nicht unbedingt, schätzt man doch deren musikalische Vorzüge in anderen Belangen - und arrangiert sich so mit dem mangelnden Tiefbassfundament im Handumdrehen. Und so unterschlägt der East Sound in den oberen Oktaven nicht wirklich etwas, was man vermissen würde. Im Direktvergleich mit teureren Playern zeigt sich vielmehr, dass diese doch noch mehr "Luft" nach oben haben. Dies gleicht eher einer Feststellung, denn einem Minuspunkt.
In den mittleren Lagen spielt der East Sound E5 Signature Edition sehr ausgewogen, sowohl tonal als auch anhand der Kriterien "Analyse" und "Fluss" gemessen. Wer jetzt denkt "Also weder Fisch noch Fleisch.", liegt gehörig daneben. Ich glaube eher, dass es genau diese Ausbalanciertheit war, die zu treffen eine so lange Entwicklungszeit und Feintuning benötigt hat. Neben der hervorragenden Tieftonwiedergabe ist für mich das sichere Beherrschen dieses Drahtseilaktes das besondere Kennzeichen des East Sound. Wovon ich eigentlich rede? Also ...
Häufig fällt mir bei Saiteninstrumenten auf, zu welcher "Seite" eine Komponente tendiert. Es wird gezupft, gehämmert* oder gestrichen - und entsprechend fällt die charakteristische Startphase der Schwingung anders aus. Offenbart eine Komponente dies? Zeigt sie auf, ob mit oder ohne Plektron gespielt wird, kann man sich die kleinen Filzhämmerchen in einem Piano lebhaft vorstellen? Dies hat auch viel mit Tempo und Feindynamik zu tun und kann - etwas vereinfachend - als "analytisch" bezeichnet werden. Nach dem Einschwingvorgang kommt der "stationäre Mittelteil" des Klanges - wird die spezifische Ordnung der Obertöne eingehalten oder gibt es Tendenzen in eine bestimmte Richtung? Gar Verfärbungen? Klingt es mehr nach Saite oder mehr nach Holz (mehr nach dem "Körper des Instrumentes")? Schließlich das Abklingen des Tons: Gerade bei der Klavierwiedergabe fehlt hier manchmal etwas, zu schnell ist dann Schluss bei tiefen Tönen. Ein Resonanzboden startet zwar später, kann aber ganz schön lange nachtönen.
Erfolgt dies bruchlos, wird es mit der rechten zeitlichen Ausdehnung leiser
und tiefer?
(*Okay, eigentlich ein Tasteninstrument ...)
Eine vielleicht gewagte Definition: Der "musikalische Fluss" einer Komponente bezeichnet genau dieses exakte Einhalten des Timings. Aufeinanderfolgende Klänge werden mit ihrem je spezifischen Ein- und Ausklingverhalten nachgezeichnet: Attack, Sustain und Decay überlappen sich hierbei in unterschiedlichem Ausmaß, aber vorne wird nix verbummelt, hinten nix gekürzt - und in der Mitte nicht verfärbt. Ein schwieriges Unterfangen. Und da ich gerade am Definieren bin: In einem schlechten Sinne "analytisch" ist für mich eine Komponente, die zwar schnell und genau die Attack wiedergibt, aber tonal "flach" bleibt, latent zu hell klingt und die Abklingphase verkürzt. Die Klänge sind "versprengt", einzeln im Raum, bisweilen frappierend scharf umrissen, aber ohne rechten Halt und Bezug zum übrigen Geschehen. Die ersten fünf Minuten gefällt dieses anspringende Verhalten vielleicht, danach wird's aber ermüdend bis nervig.
Und in einem genau entgegengesetzt schlechten Sinne "rund, warm, analog" sind Komponenten, die sich zwar ("bei Dauertönen") tonal keine größeren Schnitzer erlauben, jedoch beim Ausklang nachlässig und leicht undifferenziert werden - vor allem aber nicht richtig aus dem Knick kommen. Ein paar getragene Streicher gehen durchaus und chillig modulierende Loungemusik ebenfalls - aber wird's perkussiver und rhythmischer, stecken sie mitten im Nebel und reißen einen nicht mit.

Ein etwas längerer Exkurs, ich geb's zu. Er soll lediglich unterstreichen, warum es ein dickes Lob ist, wenn ich sage, dass der East Sound ausgewogen und balanciert ist. Ja, es gibt Player, die reißen die Saite noch härter an - und bleiben körperlos. Und es gibt auch "vollmundigere" - aber sie zeigen nicht immer das Tempo des East Sound. Der E5 hält die Waage, ist hinreichend schnell, so dass kein Detail verloren geht - und folgt dann den Tönen präzise nach. Durch seine Stärke im Bassbereich funktioniert dies auch bei den tiefsten Registern eines Klaviers - lange, tief und immer leiser und leiser werdend klingt es ab: und dann geht die Pedale hoch. Ende. Fein gemacht.
Tonal geht es ebenfalls sehr korrekt zu, mit zugegeben eher 5% Schlagseite zum "Holz", statt zur Saite, will man dem oben Beschriebenen folgen. Vermutlich liegt dies an der schon genannten leichten Dezenz den Hochton betreffend. Ich kann da gut mit leben - umgekehrt wäre es mir aber auch recht. Ja, es ist mir wirklich gleich. Zumal derartige Nuancen einfach durch die Kabelwahl, das Ändern des Racks und weiß der Teufel noch alles leicht wieder austariert werden können - wenn man denn will. Der Vorteil hierbei ist nämlich, dass Stimmen etwas voller klingen und S-Laute ihre Schärfe verlieren. Keine Scharte also, sondern eine (nach Gusto) händelbare Tendenz.
Und das ist es eben: Der East Sound E5 Signature bekommt ihn hin, den musikalischen Fluss. Präzise, aber nicht erbsenzählerisch, körperhaft tönend und nicht flach; den Klängen genau nachgehend, bis zum Schluss. Die Harfe ist so ein Instrument, bei dem alles stimmen muss: Die einzelnen Töne zeichnet er nach (aber nicht, ob nun der Zeige- oder Mittelfinger zupft ...), aber auch die Folge der Töne als Ganzes (und nicht als Mischmasch). Da sind eine ganze Menge Saiten an so einer Harfe - aber eben auch ein schwungvoller Korpus. Beides wird präsentiert. Ich glaube, es ist klar geworden, was ich an ihm mag. Wäre er ein Whiskey, würde ich sagen: "Very nice blended!"
Wie schlägt er sich in den Disziplinen Raumaufteilung und Lokalisationsstärke? Fast hätte ich das vergessen. Warum? Nun, ich bin einen guten Standard gewöhnt, ich höre häufig mit dem audiolab 8000CD oder schließe den externen Wandler Benchmark DAC 1 an - und beide sind räumlich mehr als zufriedenstellend. Der East Sound fällt nicht aus der Reihe, weder als exzeptioneller 3D-Künstler, noch als zittriger Geselle. Er erfüllt die Erwartungen, die man in dieser Klasse haben kann, vollauf. Und diese Erwartungen sind bei mir recht hoch.
Eine Besonderheit fällt hierbei aber doch auf: Präzision und Kompaktheit hält er im Bass "tiefergehend" durch. Andere weichen hierbei regelmäßig "in die Fläche" aus, so nach der Art: "da ist Bass"- und nicht: " dort ist der Bass". Das macht der East Sound richtig gut, ungewohnt gut. Wie schon anfänglich gesagt: eine hervorragende Tieftonwiedergabe. Präzise, definiert und trocken langt er zu - und eben auch treffsicher. So schließt sich der Kreis.

Der East Sound Signatur Edition Prime Version im Steckbrief:
