frank zappa:
yellow shark
es ist die gesamtperformance des destiny, die frappiert ...
phänomenale
räumliche
darstellung!
dieser balanceakt gelingt so gut, dass ich den ganzen kategorienapparat vergesse ...
"the anchor song"
... als könnte man im zweifel selbst mal schnell ein paar griffe auf
dem
e-bass probieren.
... fetzt es einfach
mehr, wenn der
brite dran ist.
... hier, wo sich eine vielzahl von obertönen entfalten, macht er alles richtig.
die räumliche darstellung fasziniert.
das reich der subjektiven präferenzen.
Mir stand der Sinn danach, eine Platte zu hören, die schon etwas Staub angesetzt hatte. Immer nur die gleichen drei Scheiben laufen zu lassen, weil man die so gut kennt, kann es ja auch nicht sein. Also legte ich Frank Zappas letztes Werk ein: das Orchesterstück "Yellow Shark", bei der das Ensemble Modern seine Stücke spielt. Ziemlich genial das Ganze, auch die Aufnahmequalität ist gut, ach was, sehr gut.
"Natürlich" und "Selbstverständlich" sind die ersten Worte, die mir einfallen. Und damit meine ich nicht einzelne Instrumente oder Passagen, die besonders herausragen. Es ist nicht eine bestimmte Fähigkeit oder ein Charakterzug, es ist die Gesamtperformance des Destiny, die frappiert. Die Musiker sitzen da, wo sie sein sollen; die Instrumente klingen völlig authentisch. Impulse werden schnurstracks weitergegeben und zwar lässig und sicher. Das soll eine Konserve sein? Fürwahr kein schlechter Start!
Beim siebten Lied auf dem Yellow Shark-Album fällt mir doch eine große Besonderheit des Creek Destiny auf: seine phänomenale räumliche Darstellung. Wenn ich mal schematisch-vereinfachend rangehe, dann gibt es zwei Arten, mit dem "Thema" Räumlichkeit umzugehen: Eine Komponente hat viel "Luft", die Lautsprecher verschwinden, die Musik spielt frei im Raum - allerdings sind die einzelnen Klänge nicht festgenagelt auf einen Punkt, die Lokalisation hat sozusagen eine gewisse Unschärfe. Dann gibt es die "Monitor-Variante": Klar und separat stehen die Einzelheiten der Musik da, das Gefühl herrscht, im Zweifel ließen sich die Instrumente richtig anfassen - faszinierend schon, aber auch ein wenig streng. Erinnert man sich dann an seinen letzten Konzertbesuch und fragt sich, wo da eigentlich die präzise Ortung gewesen sei, kommen Zweifel auf.
Zwischen diesen Extremen gibt es natürlich unendlich viele Abstufungen und "Grauwerte". Eine schwierige Übung ist es, hier genau die Balance zu halten - und exakt das schafft der Destiny: Einerseits eine präzise Abbildung, die nicht Gefahr läuft, überdefiniert und geradezu holzschnitzartig die Instrumente in den Raum zu ritzen; und andererseits eine freie Bühne, ein organischer Zusammenhang bei der Abbildung, ohne dass die Töne "das Zittern" kriegen. Dieser Balanceakt gelingt so gut, dass ich den ganzen Kategorienapparat vergesse, mich zurücklehne und einfach nur zuhöre. Wirklich beeindruckend.
Was der Destiny hier leistet, wird noch klarer, als ich zum Vergleich den Benchmark DAC1 an seinen Digitalausgang anschließe und so die Wandler- und Ausgangsabteilung des Briten umgehe. Insbesondere die Tiefenstaffelung wird mit dem externen Wandler nicht erreicht. Dieser nun wirklich nicht schlecht beleumundete DAC1 wirkt im Direktvergleich etwas "flächiger", wenn auch eine Spur offener, transparenter. Letzteres liegt daran, dass der Creek Destiny eher einen Schuss Wärme besitzt, der Benchmark hingegen eine kühle und sachlich-analytische Note. Die Kombination aus eher warm und räumlich realistisch ist richtig catchy.
Zeit für einen musikalischen Programmwechsel: kein Orchester diesmal, sondern Björks Debüt. Die Bläser auf "The Anchor Song" sind sehr natürlich. Alles ist im Fluss, die Höhen sind integriert, es klingt wie es klingen soll - oder wäre ein wenig mehr Härte durchaus zu vertreten? Bei "Venus As A Boy" und "Aeroplane" fällt mir auf, dass die Darstellung recht voluminös ausfällt, der Bass ist leicht üppig und im Quercheck zum Benchmark auch durchaus weicher. Der Creek ist eher ein saftiger Vertreter. Das hat (es klingt trivial, ich weiß) Vor- und Nachteile:
Mein persönlicher Geschmack geht in Richtung "trockene" Bässe. Was ich daran mag, ist der präzise und räumliche Eindruck, den sie vermitteln. Es klingt schön griffig und kompakt, so als könnte man im Zweifel selbst mal schnell ein paar Griffe auf dem E-Bass probieren. Aber ich weiß auch, dass diese Präferenz damit zusammenhängen könnte, dass ich überwiegend Pop & Rock höre. Dabei wird häufig etwas zu viel Bass geboten und wenn dann eine HiFi-Kette im unteren Register nicht so genau hinschaut, wird aus "etwas zu viel" schnell mal "viel zu viel". Das lässt sich vom Creek nun wirklich nicht sagen - aber geht es richtig tief runter, ist ultimative Präzision auch nicht seins.

Aber der Vorteil ist: Immer wenn Schmackes und Saft in der Musik sind,
transportiert der Creek Destiny das den entscheidenden Tick selbstverständlicher, mit mehr Engagement. Deutlich zu vernehmen ist dies, als Stevie Ray Vaughans "Couldn't Stand The Weather" läuft
- keine Sternstunde der Aufnahmetechnik,
aber
bestimmt auch nicht schlecht. Der Destiny geht beherzt zur Sache. Und
auch bei Vaughans Adaption des Hendrix-Klassikers "Voodoo Child" - dem Original vorzuziehen, wenn man mich fragt - fetzt es einfach mehr, wenn der Brite dran ist. Voller und kompletter kommt das rüber.
Der Creek ist eben nicht so ein Kontrollfreak wie der Benchmark - und
das im durchaus positiven Sinne des Wortes.
Aber zurück zu Björk und vier/fünf Oktaven nach oben geklettert: Der Präsenz- und Brillanzbereich des Creek ist sündhaft, verführerisch weich, aber nicht verhangen. Very sexy. Vielleicht fehlt bei den höchsten Höhen ein allerletztes bisschen Luftigkeit, aber hier, wo sich eine Vielzahl von Obertönen entfalten, macht er alles richtig. Seine Klangfarben überzeugen, Stimmen und Instrumente geraten sehr natürlich und authentisch. Und er versteht es, zu differenzieren - so soll das sein. Ein vergleichsweise angeschlossener Audiomeca Obsession II kann diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit den Klangfarben und -nuancen nicht ganz bieten, er wirkt etwas zu präsent, nicht so lässig souverän.
Eine gigantische Räumlichkeit, nahezu perfekte Klangfarben, dazu impulsiv und mit jeder Menge Saft + Spaß - ist Creeks Spitzenplayer also tadellos? Nun, suchen wir das Haar in der Suppe:
An den Enden des Frequenzspektrums wirkt - ich erwähnte es - nicht alles perfekt: Der Bass weicht unten ein wenig auf und ist (je nach Geschmack) etwas zu üppig. In den höchsten Höhen fehlt das letzte bisschen Transparenz - eigentlich schon keine Frage der Tonalität mehr, sondern der Durchsichtigkeit bei komplexen Passagen. Da schleicht sich das Gefühl ein, etwas mehr Klarheit ginge noch. Fiona Apples Platten sind zum Beispiel nicht das optimale Programm, um die Stärken des Creek Destiny auszuspielen: reichlich Oberbass und ein (teilweise) schön dichter Klangteppich. Hier swingt mir der Creek ein wenig zu doll mit, etwas mehr Zurückhaltung wäre vornehmer. Aber freilich ist diese Einschätzung a) Geschmackssache und b) sehr abhängig davon, welche Art von Musik gerade spielt.
Mit dem Creek Destiny wird - firmentypisch - das Gentleman-Image gepflegt: Nichts wirkt besonders protzig, sondern alles grundsolide verarbeitet. Auch der Klangcharakter geht in diese Richtung - niemals vordergründig oder aufdringlich, sondern ausgewogen und von einer Qualität, die sich erst beim zweiten Hinhören so richtig bemerkbar macht.
Nie wird er nervig, denn es handelt sich um einen Longplayer wie aus dem Bilderbuch. Die räumliche Darstellung fasziniert einen, vor allem auch die Tiefenstaffelung. Zwischen 500 Hz und 5 kHz weiß ich nicht, was theoretisch noch verbessert werden könnte. Darüber und darunter fängt das Reich der subjektiven Präferenzen an. Die Höhen sind zuckersüß und perlend, aber nie im Vordergrund, sondern einfach ganz selbstverständlich da. Die letzte, ultimative Durchzeichnung in der obersten Oktave fehlt aber. Des Weiteren weiß der Destiny durch einen rhythmischen Bass zu gefallen - dieser ist saftig und schnell, "Extra Dry" allerdings nicht. Wird die Musik arg komplex, dann fehlt manchmal der letzte analytische Schliff.
Der Creek Destiny ist für Leute, die entspannt auf höchstem Niveau Musik hören wollen, und zwar für die nächsten Jahre. Da er für eine präzise räumliche Darstellung sorgt, wird so gut wie jede Kette von ihm profitieren: Solche, die in diesem Bereich eine kleine Schwäche haben, gewinnen und jene, die hier sowieso schon überzeugen können, werden zum 3D-Projektor. Mit dem Destiny dürfte die Suche nach DEM CD-Player für die meisten HighEnder erledigt sein. "Music's comin' home...", könnte man, einen englischen Gassenhauer abwandelnd, sagen.