der atoll cd 80
oben ohne ...
der atoll geht aufgeweckt und hellwach zur sache ...
...aber eben auch etwas nervös.
der brite ist ist
tonal einfach am rechten ort ...
... aber es wird
eher vornehme zurückhaltung gepflegt.
eine erscheinung!
der audiolab reicht die emotion der musik eins zu eins weiter.
... schnarchig ist hier nichts.
atoll: "elektrisch" und schnell, aber auch leicht unsortiert ...
... audiolab dagegen sehr sortiert, gute raumdarstellung und "ruhig" - im hochton vielleicht zu ruhig.

Nein, so dicht beieinander liegen sie nicht. Gibt man acht, merkt man, dass die Charaktere der zwei ziemlich auseinander laufen. Und das nicht nur tonal, sondern auch hinsichtlich der Impulsverarbeitung, der Raumaufteilung und bei so schwammigen Begriffen wie "musikalischer Fluss" und "Übersicht". Aber fangen wir vorne an:
Die tonale Balance der Kandidaten ist letztlich Geschmackssache - leider bin ich so ganz weder hier noch dort angekommen. Der Atoll geht aufgeweckt und hellwach zur Sache, aber je nach Aufnahme und Art der Musik führt das schon in eine Richtung, die Stimmen eine kleine Hall-Note anfügt. Das ist vielleicht ein wenig zu stark formuliert, aber sagen wir mal, man hat das Gefühl, bei der Aufnahme-Session sei jemand auf die Idee gekommen, den Raum blitzblank leer zu räumen und alle Vorhänge beiseite zu ziehen.

Hell und präsent tritt er auf, aber eben auch etwas nervös. Gerade bei Musik mit viel "Gefrickel" in den oberen Lagen (Muriel Moreno " Surviving the day ", Nine Horses "Money for all") ist der Atoll CD 80 etwas zu aktiv - alle Details sind da, okay, aber es wirkt latent hart und unruhig.
Nervosität kommt beim Briten nun gar nicht auf, hier herrscht Ruhe. Zittrig-nasale Aspekte bei der Stimmwiedergabe sind jedenfalls mit einem Schlag vorbei. Gesang klingt wieder "mittiger", er ist tonal einfach am rechten Ort. Von diesem Charakter des audiolab 8000CD profitiert so manche Sängerin und auch manches Saiten-Instrument. Aber ein Becken-Gezischel wird bisweilen etwas zu stark "gerundet", denn der Hochtonbereich ist, sagen wir einmal vorsichtig, nicht überpräsent.

Was nicht heißt, da sei eine regelrechte Lücke, Gott bewahre. Aber es wird eher vornehme Zurückhaltung gepflegt, als sich nach vorne gedrängelt. So wird er den Hörer zwar nie durch Härte ermüden (und gewinnt damit "Langläufer-Qualitäten"), aber auch nicht Maßstäbe setzen in Punkto Auflösungsvermögen und Durchzeichnung in den obersten Oktaven.
Ist also alles relativ? Nicht ganz ...
Die Unterschiede bei der räumlichen Abbildung werden mir deutlich, als Calexico spielt (das zweite Album "Black Light", Track 12: " Trigger "). Vom Atoll auf den audiolab wechselnd, kommt es zu einer Erscheinung. Nicht unbedingt eine der dritten Art, aber immerhin der dritten Dimension!
Das Stück gewinnt deutlich an Profil, an Tiefenschärfe. Nicht nur die Stimme gerät hierbei überzeugender, nein, es ist mehr Ruhe zwischen der Gitarre, dem Gesang und dem Schlagwerk. Durch die präzisere Abbildung der einzelnen Elemente, durch deren klare Lokalisation, wird ein viel überzeugenderer Raumeindruck vermittelt - das ist wichtig für das ersehnte Gefühl, "dabei" zu sein. Der Atoll malt hier eher vollflächig, geht unschärfer vor - ja, bei zünftigeren Stücken wird auch schon mal die Übersicht verloren. Ich bekomme das Gefühl, als sei er "ständig auf dem Sprung" und nähme es daher nicht so genau. Schnell und rhythmisch muss präsentiert werden, sozusagen elektrisch aufgeladen. Aber das berühmte "Live-Feeling" gelingt dem audiolab überzeugender: Dieses wird nicht durch Überaktivität simuliert, sondern durch Ruhe und Präzision gewonnen.
Die Kombination aus beiden Aspekten - der tonal etwas dunklen Darstellung und der präzisen Abbildung - macht den audiolab bei ruhiger, intensiver Musik sehr überzeugend. Hier herrscht Autorität und musikalischer Fluss, der Funke spring über, die Emotion der Musik wird eins zu eins weiter gereicht. Beispiele? Bitteschön: Bei Giant Sands Stück "Dirty From The Rain" (CD: "Chore of Enchantment ") plätschert der Regen von rechts - und das tut er eben tatsächlich über den 8000CD! Es klingt nicht wie ein reingemixter Effekt, sondern authentisch. Instinktiv schaut man aus dem Fenster und stellt verwirrt fest, dass die Sonne scheint ... " L'Affaire d'un Jour", von Francoiz Breut , zu hören auf der CD "Vingt a trente mille Jours". Hier passiert fast gar nichts, Breuts Stimme und eine Gitarre, dass war es auch schon. Aber wenn es bei dem Wenigen nicht stimmt, gerät die Stimmung ins Schwanken. Der audiolab verleiht den Gitarrensaiten Substanz, dabei klingt Breuts Stimme richtig dimensioniert - nicht so "groß" und so weit vorne, wie beim Atoll. Und tonal eben "am
rechten Fleck" ... Oder das Tord Gustavsen Trio, "At A Glance " (auf der CD: "Changing Places"): Lässig und ruhig wird die Atmosphäre dieses Stückes transportiert, Nervosität kann diese Platte auch wirklich nicht gebrauchen. Wobei ich mir, das sei zugegeben, noch eine Prise mehr Glanz in den oberen Lagen wünschen würde.
Rhythmisch sind beide Player, da kann sich keiner beschweren. Impulse werden flott umgesetzt, schnarchig ist hier nichts. Ich sagte zwar, dass den audiolab 8000CD "Ruhe" auszeichnet, aber das bezog sich auf die Fähigkeit, Übersicht walten zu lassen und Instrumenten einen Platz zuzuweisen - sowohl bei ruhigen Passagen, als auch "im Getümmel". Ruhig meint hier nicht langsam. Im Gegenteil, was gefällt, ist die zupackende Art, mit der Bass-Drum-Kicks wiedergegeben werden. Prägnant, mit Volumen und Attacke. Auch der Atoll CD 80 kann das, aber so richtig in seinem Element ist er, trifft der Drumstick auf eine kleine Tom: Der Franzose spielt hart, knackiger und präzise nach Vorne treibend. Da wippt der Fuß!
Beide Player haben ihren eigenen Charakter. Der Atoll CD 80 geht "elektrisch" ans Werk: schnell, oben offen, präsent. Aber etwas hell und - das Kritischere meiner Ansicht nach - leicht unsortiert-hektisch . Bei der Raumaufteilung ist er nicht ganz sattelfest. Genau dies ist der audiolab 8000CD hingegen schon. In Ruhe baut er die Bühne auf und stellt das Geschehen sicher an seinen Platz - auch die Tiefenstaffelung beherrscht er. Impulse kommen präzise umrissen und flott daher. Sein kleiner Schönheitsfehler besteht darin, den Hochtonbereich nicht gänzlich zu durchleuchten. Wo der Brite sich in Dezenz übt, wäre mehr Deutlichkeit und Durchzeichnung wünschenswert.
Unter Einbezug der Verarbeitung und Ausstattung, ist der audiolab 8000CD der komplettere CD-Player. Wertig und solide gemacht, vermittelt er einen professionellen Eindruck. Die Ausgangsvielfalt (drei digitale / zwei analoge) ist nicht üblich, aber gern gesehen. Wählbare Filter-Einstellung und abschaltbarer Digital-Ausgang sind gleichfalls in dieser Preisklasse nicht der Standard. Freilich kann auf das alles verzichtet werden, wenn denn die klangliche Performance im Gegenzug steigt. Doch auch hier ist der audiolab überzeugender und einfach authentisch - der entscheidende audiophile Funke springt bei ihm einfach über.

Postskriptum I:
Für alle die, welche der Ansicht sind, dass sich bei CD-Playern eh' nix unterscheidet - spaßeshalber habe ich meinen sieben Jahre alten und immerhin 1.300 DM teuren Myryad T10 gegen die beiden Player antreten lassen. Bisweilen braucht man diese "ist doch alles Stuss"-Attitüde - um zu hören, dass man nicht komplett auf dem Holzweg ist. Massive Attack , " Teardrops ": Der Bass dröhnt geradezu mit dem Myryad und in sich differenziert ist er schon gleich gar nicht. Und wo ist hier dieser bewusst reingemischte "Platten-Knistern-Effekt" geblieben? Da denkt sich wohl einer: "Ich bin doch ein CD-Player, bei mir knistert nichts." Man, das ist ja schon fast erschreckend!
Postskriptum II:
Herr Urban vom deutschen Vertrieb von Atoll-Electronique machte uns darauf aufmerksam, dass der CD-Player Atoll CD 80 in der mkIII-Version "...mit deutlich gesteigerten inneren Werten, wie zwei getrennten Netzteilen für den Analog und Digitalteil" ausgestattet ist. "Es wäre klasse, wenn Sie dies in Ihrem Test erwähnen könnten." - Selbstverständlich können wir.
Wir hatten im Test eine ältere Version gehört - allerdings muss fairerweise gesagt werden, dass auch der audiolab 8000CD durchaus schon länger auf dem Markt ist. Insofern halten wir den Vergleich der beiden CD-Player weiterhin für durchaus zulässig.
Wir haben einen follow-up Test zum Atoll CD 80 mkIII unternommen - und sind damit der spannenden Frage nachgegangen, was die Aktualisierung bewirkt hat.
Ralph Werner