Ein anderer berühmter Gitarrist, der sich auf "Rain Dogs" verewigt hat, ist übrigens der Punkmusiker Robert Quine, der viel mit Lou Reed zusammengearbeitet hat. "Diamonds and Gold" ist ein wunderbar lakonischer und spärlich instrumentierter Barsong, von wunderbarer Lyrik durchsetzt:
"Smalltown Napoleons shattered his knee but he stays in the saddle for Rose". Waits` gestrauchelte Helden folgen ihrem Traum bis zum oft bitteren Ende.
Das Milieu, aus dem sich diese Geschichten speisen, wird oft mit schrägem Humor geschildert: "Uncle Phil can't live without his pills he has emphysema and he's almost blind and we must find out where the money is get it now before he loses his mind", heißt es in "Cemetary Polka". Der Text evoziert wunderbar slapstickhafte kleinkriminelle Aktivitäten.
Heruntergekommene Viertel, gebrochene Herzen, schmierige Spelunken, einarmige Kapitäne ... das ist die Welt, in dem sich die "Rain Dogs" bewegen. Die dichteste Miniatur gelingt Waits - auf der Platte häufig von seiner Frau Kathleen Brennan als Mitautorin unterstützt - in "9th & Hennepin". Ein Track, in dem er zum reinen Erzähler wird und dem Hörer atmosphärisch dicht aus dem Innersten eines Mikrokosmos voller Verfall und Tristesse berichtet: "And the girl behind the counter has a tattoed tear, one for every year he's away she said ... ." Diabolische Pointe: "... and I´ve seen it all through the yellow windows of the evening train."
Oft ungewöhnlich instrumentiert (Marimba, Akkordeon, Kontrabass, Posaune, Banjo. Eine häufig prominente Rhythmusgruppe mit Bläsern, die auch mal einen richtigen New Orleans-Begräbnismarsch spielt), immer aber packend und äußerst ergreifend, gelang Waits eins der besten, unterhaltsamsten und abwechslungsreichsten Alben der 80er Jahre. Die 19 Songs, oft auch vom Kurt Weillschen Stil beeinflusst (vergleiche zum Beispiel die "Dreigroschenoper"), gefallen sogar meiner Freundin - und das will was heißen.
Die "Rain Dogs" sind Hunde, die aufgrund des Regens ihren "Heimatgeruch" verloren haben und nun Geworfene sind. Zwei solche Exemplare zeigt das phänomenale Cover. Es entstammt einem Band des schwedischen Fotografen Anders Petersen und ist in den späten 60ern auf der Reeperbahn im Kultschuppen "Lehmitz" aufgenommen. Diese beiden mögen ihre Heimat verloren haben, für mich waren und sind die "Rain Dogs" stets ein Hafen, den man gern ansteuert.