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leserBericht: Plattenvorstellung Tom Waits / Rain Dogs

Tom Waits / Rain Dogs

Tom Waits / Rain Dogs

von Matthias Weiß

Ich war schon immer ein Tom Waits-Fan. Sein 1985 erschienenes Meisterwerk "Rain Dogs" gehörte von dem Moment an zu meinen absoluten Lieblingen, in dem ich es zum ersten Mal als Teenager goutieren durfte. Eine Platte, die mich stets begleitete. Als ich jedoch in Berlin umzog, zerstörte der Mieter unter mir die Verehrung für meinen alten Helden, indem er Tag und Nacht selbigen in voller Lautstärke hörte (und das jahrelang) und mich so öfters um den wohlverdienten Schlaf brachte. Beschwerden meinerseits nützten nichts und wurden ignoriert (oder man wurde wie meine Mitbewohnerin durch die geschlossene Tür mit merkwürdigen Aussagen wie "mit den Drogen aus Hawaii hab ich nichts zu tun" abgespeist ...). Scheint ein Schluckspecht und Outsider wie aus einem Waitssong gewesen zu sein, ich bekam ihn über ein Jahr nie leibhaftig zu Gesicht ... Sei' s drum. Das Geschehene ist eine Fabel.

Tom Waits / Rain DogsNeulich fiel mir das Album wieder in die Hände und es entfaltete seinen alten Zauber sofort. Waits war 1985 auf dem Höhepunkt seines musikalischen und kompositorischen Schaffens. Bereits in dem zwei Jahre zuvor erschienen Album "Swordfishtrombones" (das mit "Rain Dogs" und seinem Nachfolger "Franks Wild Years" als musikalische Trilogie anzusehen ist) hatte er die Abkehr vom reinen Blues und Interpret alkoholseliger und entsprechend melancholischer Pianosongs vollzogen - und sich neuen musikalischen Einflüssen geöffnet. Auf seiner schönsten Platte sollte sich diese neue künstlerische Freiheit, die einige alte Fans vergraulte, in einem überbordenden und genialen Genremix ausdrücken, dem Nichts heilig war. Ob krachender Rythm 'n' Blues ("Big Black Mariah", "Union Square"), Polka ("Cemetery Polka"); ob wundervolle Countrysong ("Blind Love", mit niemand geringerem als Keith Richards an der Gitarre),Tom Waits / Rain Dogs ob reines Instrumental ("Midtown") oder Popballaden ("Time" oder "Downtowntrain"; Rod Stewart hatte mit dem Coversong einige Jahre später einen TopTen- Hit): Waits meistert diesen Stilmix, der auch auf Jazz und Folk rekurriert, stets souverän. Seine Reibeisenstimme (wie viel muss man rauchen und trinken, um so zu klingen?) röhrte alles nieder, war aber auch sooo empfindlich ...

 

Stereokonzept
Dynaudio Xeo

 

Meine absoluten Lieblingstracks auf "Rain Dogs" sind "Jockey Full of Bourbon" und "Diamonds And Gold". Ersterer ein unglaublich eleganter und tanzbarer Song, stark von lateinamerikanischen Rhythmen beeinflusst, mit toller Gitarre von Mark Ribot, der überhaupt stark den Sound der Platte geprägt hat (Ribot ist ein gefragter Studiomusiker, welcher der Szene der "New Jewish Music" angehörig ist). "Jockey Full Of Bourbon" findet sich - wie auch "Tango Till They' Re Sore" - auf dem Soundtrack zum Jim Jarmusch-Film "Down By Law". In diesem Film ist Tom Waits als Schauspieler neben einem anderen Gastmusiker auf "Rain Dogs" - dem Jazzer John Lurie von den "Lounge Lizards" - zu sehen.

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema