
von Thomas Franzke
In letzten Jahren ist Anouar Brahem durch seine bei ECM erschienenen, wunderschönen CDs bei uns etwas bekannter geworden.
Brahem spielt den Oud, in deutschsprachlicher Umständlichkeit arabische Kurzhalslaute genannt. (www.anouarbrahem.com)
1957 in Tunesien geboren beginnt er mit 10 Jahren Oud zu spielen und studiert das Instrument am nationalen Konservatorium für Musik in Tunis. 1981 geht er nach Paris.
Ab 1990 beginnt er seine Zusammenarbeit mit ECM und bringt eine Reihe von CDs heraus, die immer wieder durch ihre Besetzung und ihre Eigenständigkeit auffallen.
Wenn man Brahems Musik das erste Mal intensiv hört, stellt sich einem die Frage, ob sie Jazz, Folklore oder gar "Weltmusik" ist. Nur eins ist sehr schnell klar, es ist kein Jazz amerikanischer Prägung, aber auch kein Folk, der über das Landleben in Tunesien oder Frankreich nette, kleine musikalische Geschichten erzählt. Trotzdem gibt es immer Bezüge zu den in den CDs beschriebenen Orten und Ländern, was besonders bei Astrakan Cafe deutlich wird. Es werden hier Orte wie Astrakan in Azerbeidjan, Modzok in Ossetien, Ashkabad in Turkmenistan, Halfaouine das Altstadtviertel von Tunis, Dar es Salam in Tansania musikalisch vorgestellt. Ohne diese Kulturen und Orte kennen zu müssen, scheinen sie sich einem zu öffnen mit wunderbaren Melodien, die immer ein wenig schwermütig und sehnsüchtig wirken. Trotzdem bleibt diese Musik frei von romantisierenden Orientkitsch und Klischees. Der türkische Klarinettist Barbaros Erköse stellt dabei den Gegenpart zu dem sanften Oud von Brahem da.
Bei Le Voyage De Sahar wird Brahem von Francois Couturier am Klavier und Luis Matinier am Akkordeon begleitet. Die Melodien
sind weniger fremdartig, weniger "orientalisch". Die Instrumente sind gleichberechtigt und entwickeln jedes für sich Melodien, die dann von den Mitspielern aufgegriffen werden. Dem Hörer entstehen vor dem inneren Auge Bilder - vielleicht vom Sternenhimmel über der Sahara. Oft wirken die Melodien meditativer als auf Astrakan Cafe, die Molltöne überwiegen. Es bleibt aber der Oud, der die Stimmung und das Besondere dieser Musik ausmachen.
Le pas du chat noir
Wie schon der Titel schon andeutet - Der Schritt der schwarzen Katze - spielt Anouar Brahem hier mit Francois Couturier
am Klavier und Jean-Louis Matinier am Akkordeon eher bildhafte Miniaturen, die an die Musik von Eric Satie erinnern. Stellenweise glaubt man Melodien aus Spieldosen zu hören. B. Klostermann schrieb im FonoForum 11/2002: "Sparsame Kammermusik voller Stille, Poesie und atmosphärischer Nähe zu Erik Satie, in der das Akkordeon gleichsam die Rolle einer "inneren Stimme" übernimmt. Grandios."
Bei Khomsa sind die Jazzeinflüsse wesentlich stärker. Die Besetzung ist eine ganz andere: John Christensen Schlagzeug, Palle Danielsson Kontrabaß, Béchir Selmi Violine, Richard Galliano Akkordeon, François Couturier Klavier
und Jean Marc Larché Sopransaxofon. Vielfalt der unterschiedlichen Einflüsse ist hier besonders deutlich zu hören - Nordafrika, Frankreich, Skandinavien. Trotzdem bleibt die Musik grandios, nichts ist zusammengestückelt und mit Multikultiseeligkeit zusammengekleistert. Die stereoplay schrieb ganz poetisch ... zwischen Musette-Seligkeiten, orientalischen Düften und nordischer Schönheit tändelnde Stücke ... einfach schön!
Thimar bedeutet im Arabischen "Früchte". Anouar Brahem, John Surman am Saxofon und Klarinette und Dave Holland am Bass lassen den Hörer diese Früchte mit großem Vergnügen genießen. Die einzelnen Titel sind bis auf zwei Stücke von Brahem komponiert. Hollands Bass und Surmans Saxofon ergänzen die lyrischen Erzählungen des Oud auf eine ganz eigene reizvolle Weise. Die Stimmung ist ruhig aber zu keiner Sekunde langweilig. Brahem hatte später berichtet, daß er nach dieser Aufnahme den Oud mehrere Monate nicht in die Hand genommen hatte, wegen der starken Emotionalität dieser Musik und der großen darauf folgenden Erschöpfung.
Die CD wurde '97 in Oslo bei den Rainbow Studios aufgenommen. Der Klang ist sehr klar und ohne zu viel Hall aufgenommen, er passt hervorragend zu dem eher intimen Charakter dieser Musik. Die Bühnenabbildung ist plausibel Holland steht links, Surman in der Mitte, Brahem rechts. Der Oud wirkt nie zu groß und man hat nie den Eindruck unmittelbar vor dem Instrument zu hocken. Hollands Bass klingt warm, voll und rund. Surmans Saxofon schmeichelt einwenig den Ohren nur bei der Klarinette hat man den Eindruck etwas näher am Rohrblatt zu sein. Gerade Thimar ist ein Muß für jeden, der die Musik von Brahem mag.
(Das Copyright der Fotos unterliegt ECM Records.)
Vollverstärker:
Dussun V8
Audiochina GmbH
www.dussunpower.org
UVP: 1.200 EUR
Equipment:
Quelle:
Audiomeca Obsession II
Creek Destiny
Verstärker:
Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C
Lautsprecher:
Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta
Kabel:
NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF
LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema