Bühne frei
Was nun zu den Klangqualitäten und dem praktischen Betrieb des SuperNait insgesamt führt. Als Spielpartner und Quellgerät bekommt er einen optisch passenden CDX2 und eine Naim Allae als Schallwandler zur Seite gestellt. Die Verbindung zu den Lautsprechern erfolgt über das hauseigene NACA 5 Kabel (2x4 Meter).

Die beiliegende Fernbedienung fällt im Betrieb sofort angenehm auf. Im Gegensatz zu den alten Steuerknüppeln hat man hier ein paar Dinge zu Ende gedacht und implementiert. So dient der Geber zwar weiterhin gleichzeitig als Systemfernbedienung, mit der sich alle Naim Komponenten steuern lassen. Das CD-Spieler Feld bekam aber endlich eine Fast-Forward und Rewind-Taste spendiert, die Lautstärke wird durch die zentral angeordneten Oben- und Unten-Tasten im großen Feld geregelt, rechte und linke Taste steuern den CD-Spieler jeweils einen Titel vor oder zurück. Auf den alten Befehlsgebern war es doch bisweilen ein wenig fummelig, gerade die Vor- und Zurück-Tasten zu treffen.
Natürlich sind in der Standardbelegung alle Tasten am Verstärker entsprechend ihres Aufdruckes mit den zugehörigen Eingängen belegt. Wer diese aber umprogrammieren möchte, sollte einen Blick in die gut gemachte und ausführliche Bedienungsanleitung werfen.
Ein wichtiger Punkt aber noch vorweg: Für eine Klangbetrachtung muss man dem SuperNait eine ausgiebige Warmlaufphase gönnen, so wie man das praktisch von allen Naim Komponenten kennt. Frisch ausgepackt klingt es oben heraus ungewöhnlich harsch und teilweise spitz, aber im Laufe der Zeit verliert sich das und „übrig“ bleibt das gewohnt lockere und unstressige Aufspielen, das man von einem NAIT erwartet.

Wer noch den Klang eines alten NAIT im Ohr hat wird sich beim SuperNait gleich zu Hause fühlen. Einen wesentlichen Unterschied gibt es allerdings: Der SuperNait beeindruckt mit einer nie dagewesenen Leichtigkeit und Lebendigkeit, mit der er die Musik vermittelt. Dabei ist es schon fast unverschämt, wie er selbst bei einem kleinen Dreh am Lautstärkeregler solide und lässig Leistung in den Raum zu pumpen vermag und dabei noch über Reserven verfügt, um auch jede noch so abwegige Spitze klar darzustellen. Die vergleichsweise angeschlossene kleine Naim Kombination NAC 112x und NAP 150x, vermittelt subjektiv einen angestrengteren Charakter, denn während der SuperNait gerade mal auf 9 Uhr steht, hat man bei der kleinen Kombi die 12 schon längst passiert, um ansatzweise an den großen aufschließen zu können. Jawohl, hier ist er, der stärkste NAIT, den Naim je gebaut hat. Auch klanglich entfernt er sich deutlich von den kleinen Serien, spielt nach oben hin deutlich offener und vermittelt ein Mehr an Information. Damit unterstreicht er seinen Anspruch, den Einstieg in die Referenzlinie darzustellen.
Upgrade
Dieser Punkt ist der wohl interessanteste für Naim-Nutzer, denn der SuperNait bietet eine Vielzahl an Upgrademöglichkeiten, die selbst den größeren Vorstufen vorenthalten werden.
Da wäre das obligatorische Stromupdate per externer Power Supply Unit zu nennen. Mit einem FlatCap, HiCap oder gar SuperCap wird die analoge Sektion des Verstärkers mit reinstem Strom versorgt, die interne Stromversorgung des SuperNait liefert dann nur noch den digitalen Steuereinheiten Energie. Wer ein solches Upgrade an einer Naim Kette einmal gehört hat, kann sich die Klangsteigerung nur zu gut vorstellen. Aufgrund der latenten Suchtgefahr habe ich deshalb auf das Testen dieser Varianten vorerst verzichtet, zieht sie doch meist eine nicht unerhebliche monetäre Ausgabe nach sich.

Ein Alleinstellungsmerkmal des SuperNait ist der separate BiAmping- sowie der Subwoofer-Ausgang: Wer über Lautsprecher mit Bi-Wire-Terminal verfügt, kann mittels zweiter Endstufe (empfohlen wird die NAP 200) auf Bi-Amping Betrieb umsteigen. Mit den hauseigenen Lautsprechern wird dies zwar ein wenig durch die fehlenden Anschlüsse an der Frequenzweiche erschwert, unmöglich ist der Betrieb aber keineswegs. Der Vorteil ist die schlagartige Verdopplung der Ausgangsleistung, ohne dabei das gesamte Gerät austauschen oder den SuperNait fortan als reine Vorstufe verwenden zu müssen. Natürlich ist auch diese Option zur Leistungssteigerung möglich, aber mit der zusätzlichen kleinen Endstufe wird dieses Ziel mit kleinerem finanziellen Aufwand erreicht als mit der dann notwendigen großen Endstufe vom Schlage einer NAP 300 oder gar 500. Wer diesen Weg beschreitet, kann sich später noch galant zur Aktivierung seiner Lautsprecher entschließen. Die entsprechende Weiche SNAXO in den aufgetrennten SuperNait einschleifen und an die zweite Endstufe koppeln - fertig.
Mit dem Subwooferanschluss kann man darüber hinaus im Bassbereich ein wenig mehr Pepp ins heimische Wohnzimmer bringen. Da er per Cinch ausgelegt ist, kann man so gut wie jeden auf dem Markt verfügbaren Woofer betreiben, lediglich über eine aktive Filterung sollte er verfügen, denn am Ausgang liegt das volle Frequenzspektrum an.
Integration
Lässt die umfangreiche Liste an Ausstattung, Anschlüssen und Möglichkeiten der Upgrades den SuperNait auf den ersten Blick ein wenig überfrachtet erscheinen, wird im Hinblick auf die Integration in ein Heimkinokonzept mittels einer AV2 ein schlüssiges Konzept daraus. Mit dem SuperNait, einer adäquaten Quelle und allen erdenklichen zugehörigen Ausbaustufen wird der Stereobereich bedient - und über die AV2, samt einer kleinen Endstufe wie der NAP 175 und in Verbindung mit einem entsprechenden Surroundset, wird das Kinoerlebnis abgerundet. Was bei anderen Herstellern so nicht ohne weiteres funktioniert, fügt sich hier in ein Gesamtkonzept nahtlos ein, ohne bei den Stereoqualitäten Abstriche hinnehmen zu müssen.

Fazit
Der SuperNait stellt mit einem Preis von 3500 Euro den Einstieg in die große Gerätewelt Naims dar. Für die nächste höhere Kombination, bestehend aus NAC 202 und NAP 200, ist eine Mehrinvestition von knapp 1300 Euro fällig, ohne, dass auch nur annähernd die Fülle an Möglichkeiten wie beim SuperNait geboten wird. Klanglich sortiert sich der Vollverstärker nicht nur an die Spitze seiner Ahnen, sondern auch in die bestehenden Gerätelinien sauber ein. Wer mit nur zwei Komponenten eine vorzügliche Kette aufbauen und sich dabei trotzdem das ein oder andere Upgrade vorbehalten möchte, ist mit dem SuperNait gut beraten. Die digitalen Schnittstellen ermöglichen auch in Zukunft, den Anschluss an neue Geräte nicht zu verpassen.