Erster Kontakt

Nach gut 15 Jahren und einigen Ausflügen in die Verstärkerwelt steht jetzt wieder ein NAIT vor mir. Nach der Vorlage, die seine Ahnen hingelegt haben, ist die Erwartungshaltung natürlich groß. Aber im Hinterkopf haben sich ein paar Regeln eingegraben, die in Verbindung mit einem Vollverstärker beachtet werden wollen:
Der „kleine“ NAIT5i stellt ein in sich geschlossenes und nicht erweiterbares Konzept dar und dadurch ist ein Wachstum der Anlage nur durch Austausch des gesamten Gerätes möglich. Dieses Manko teilt er mit nahezu jedem Vollverstärker über alle Herstellergrenzen hinweg. Auch ein bei Naim übliches Upgrade zur Klangsteigerung durch eine weitere zusätzliche externe Stromversorgung bleibt dem kleinen NAIT5i verwehrt - und das wurde mit einem vernehmlichen Murren in der Naim Gemeinde quittiert. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Option in der ursprünglichen Version Nummer 5 (ohne irgendwelche Zusätze im Namen) noch möglich war. Dies trifft auch auf den Einstiegsspieler CD5i zu. Erst der CD5x und die Vorstufe NAC 122 können mit klangförderlichen externen Stromversorgungen gekoppelt werden. Allerdings ist es ja gerade das „Ein- Kisten Design“, das einen Vollverstärker interessant macht. Mit nur zwei Komponenten eine Kette zu erstellen, die auf hohem Niveau spielt, hatte schon seit dem NAIT1 seinen Reiz. Aber all diese Beschränkungen für Vollverstärker gelten für den SuperNait überraschenderweise nicht. Sein Konzept ist, wie wir noch sehen werden, ausgesprochen offen ausgelegt und mit seinen Möglichkeiten übertrifft er seine Ahnen um Längen und betritt damit quasi Neuland im HiFi-Umfeld.
Ausstattung
Der SuperNait kommt im Gehäuse der Referenzlinie daher und scheint ob seines Gewichtes von 13 Kilogramm unverwundbar. Seitens der Gehäusebreite ist man in der gesamten Produktpalette seit dem NAIT3 auf Standardmaß gewachsen, die Gehäusehöhe beim SuperNait beträgt knapp 9 Zentimeter und insgesamt schließt er preislich wie optisch eine Lücke im Sortiment und stellt den Einstieg in die „große“ Gerätewelt dar, wodurch er sich einfach mit dem kleinsten „großen“ CD- Spieler CDX2 zu einer charmanten Kombi ergänzen lässt.

Das Novum in der Vollverstärkergeschichte Naims ist aber die gebotene Anschlussvielfalt. Nicht weniger als 11 Quellen können mit dem SuperNait verbunden werden, 6 davon analog per DIN oder Cinch - es sind beide Anschlussarten parallel für 4 Eingänge auf der Rückseite vorhanden und die Anzahl an analogen Quellen vergrößert sich dadurch theoretisch auf 10. Zusätzlich können 5 weitere digitale Quellen (2x koaxial, 3x optisch) auf nahezu jeden beliebig konfigurierbaren Eingang gelegt werden. Die Datenströme als PCM-Signal werden von 16 bis 24 Bit und 44,1 bis 96 kHz verarbeitet. Mit einem zum Test angeschlossenen MacBook klappte die Verbindungsaufnahme in jeder möglichen Einstellung einwandfrei.

Ob nun der integrierte DAC die Wucht ist oder nicht, konnte ich wegen fehlender Vergleichsmöglichkeiten nicht beurteilen. Chic ist jedenfalls, dass man vom simplen DVD-Spieler bis zum SAT-Receiver alles digital ankoppeln kann, was einen PCM-Stream von sich gibt. Bei anderen Formaten schaltet der DAC übrigens auf Durchzug und der Verstärker bleibt stumm. Ob das dem restriktiven Kopierschutz der SACD oder der DVD-A geschuldet ist, bleibt dabei im Unklaren. Ein besonderes Schmankerl: Man kann via Apples Airport Express jeden beliebigen Rechner mit dem SuperNait digital koppeln und erhält die allseits geforderte Unabhängigkeit, digitale Inhalte per PC und Massenspeicher drahtlos anhören zu können. Wer es trotz dieser Option etwas zentraler seitens seiner Archivierung mag, kann den SuperNait problemlos mit dem neuen Festplatten-Player Naim HDX koppeln.
Der AUX2 Eingang auf der Rückseite steht, wie bei allen Vorstufen, den hauseigenen Phonovorstufen wie der StageLine zur Verfügung und diese wird gleichzeitig über den DIN- Anschluss mit der erforderlichen Betriebsspannung versorgt. Ein zusätzliches Netzteil wird nicht zwingend benötigt.

Auf der Front kann man zudem Portis ankoppeln: Entweder analog einen MP3-Spieler (wie den iPod) oder ein anderes optisch digitales Gerät per kombinierter 3,5 mm Klinkenbuchse. Auch in diesem Fall schaltet der Verstärker automatisch auf den AUX2 Eingang um.
Die zweite Buchse auf der Front ist ein Kopfhörerausgang, dessen 3,5mm Klinkenstecker wohl der iPod-Fraktion geschuldet ist. Per Adapter lassen sich gängige, im Heimbereich etablierte 6,3 mm Kopfhörer anschließen, in diesem Fall sind die Lautsprecher übrigens auf stumm geschalten. However, der Kopfhörerausgang ist ein sehr nützliches Feature, wenn man am Abend ohne das häuslich gebotene Rahmenprogramm Musik hören möchte. Man sieht zwar, wie die Münder der Anvertrauten Worte formen - alleine, was sie bedeuten sollen, entzieht sich der Kenntnis. Nur die irgendwann verzerrten Gesichter versprechen Ungemach, dem man aber durch Schließen der Augen entkommen kann. Dass der integrierte Anschluss nun einem dafür spezialisiertem Kopfhörer-Verstärker die Show stehlen könnte, wage ich trotz mangelnder Erfahrung auf dem Gebiet zu bezweifeln - aber er rundet den SuperNait sauber ab, denn was man über den Kopfhörerausgang geboten bekommt, ist auch bei höherer Lautstärke schon recht ordentlich und unverzerrt.
