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fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Aktivierung

Schema AktivierungDie klassischen HiFi-Aktivlautsprecher erlebten ihre Blütezeit in den 80er Jahren. Heute sind sie überwiegend zu praktischen Beistellgeräten neben dem Computer verkommen und nur noch eine handvoll Hersteller kümmert sich um den Fortbestand dieser bemerkenswerten Gerätegattung. Dabei hat das Konzept einige Vorteile gegenüber passiven Systemen.

Wie beim BiAmping wird jedes Chassis eines Lautsprechers direkt mit einem eigenen Verstärker gekoppelt. Bei herkömmlichen Aktivlautsprechern befinden sie sich räumlich im selben Gehäuse und benötigen dadurch nur kurze Kabelwege. Im Unterschied zum BiAmping liegt im Signalweg keine passive Frequenzweiche mehr, die mit ihren vielen Bauteilen und elektrischen Phänomenen wie Phasenverschiebungen und Verlusten, zu klanglichen Verfälschungen führen kann. Die Frequenztrennung erfolgt über eine bordeigene aktive Frequenzweiche, die in einigen Modellen noch eine aktive Entzerrung, insbesondere des Basslautsprechers, vornimmt. Da jeder Verstärker nur ein relativ kleines Frequenzband zu bearbeiten hat, kann er diese Arbeit sehr viel präziser erledigen und das angeschlossene Chassis weitaus besser ansteuern. Zudem werden wieder die Rückwirkungen der Chassis auf einen Verstärker begrenzt und störende Einflüsse des Bass auf den Hochtöner gibt es schlicht nicht. Da aktive Frequenzweichen eine sehr viel höhere Flankensteilheit aufweisen als passive kommt es zu einer verminderten Überlappung der Wiedergabe im Bereich der Trennfrequenzen der jeweils benachbarten Chassis. Eine freie, saubere und kontrollierte Klangwiedergabe ist die Folge und im Vergleich zu seinem passiven Pendant scheint beim aktiven der sprichwörtliche Schleier von der Musik gezogen zu werden. Wobei als Schleier eine Tagesdecke verwendet wurde.

So viele Vorteile bringen freilich einige praktische Nachteile mit sich. Der klassische aktive Lautsprecher benötigt jeweils seine eigene Stromzuleitung und nicht immer ist an der Stelle, an der man seinen Traumlautsprecher aufstellen kann oder muss, eine Steckdose erreichbar. Auch wenn gerade mit lautstärkeregelbaren Aktivlautsprechern ein reizvoll minimalistisches Anlagenkonzept realisiert werden kann, erfordert es mitunter eine recht lange Zuleitung vom Quellgerät oder Vorverstärker. Dadurch können kapazitive Probleme auftreten, die sich klanglich bemerkbar machen. Außerdem bleibt ein ungutes Gefühl, wenn man ein 5 Meter langes NF- Kabel durchs Wohnzimmer schmeißt. Die Gefahr von parasitären hochfrequenten Einstrahlungen ist dabei sicher ein größeres Problem als ein mit dem Dreirad herumfahrendes Kleinkind. Im Gegensatz dazu erscheint ein gleich langes Lautsprecherkabel definitiv robuster und vertrauensvoller. Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Auf- oder Umrüstmöglichkeit dar. Mit einem in sich geschlossenen Aktivkonzept holt man sich ein Statement ins Haus, das einen nachträglichen Austausch des Verstärkers, der Weiche oder der Treiber und damit eine klangliche Anpassung oder ein Wachsen der Anlage, unmöglich macht. Damit einhergehend und in den meisten Fällen wohl das entscheidende KO Kriterium ist der Preis, der durchaus mal locker Richtung fünfstellig marschieren kann.

Die Alternative zum geschlossenen Aktivkonzept ist die nachträgliche Aktivierung eines Lautsprechers. Die wesentlichen Vorteile, wie der Entfall der passiven Frequenzweiche und die damit einhergehende erhebliche Klangverbesserung, bleiben erhalten. Als einzigen Nachteil könnte man den stark anwachsenden Gerätefuhrpark und die Widrigkeiten bei der Verkabelung sehen. Aber genau hier liegt auch wieder der Vorteil dieser Vorgehensweise. Wer seine Anlage vorausschauend plant und mit einem nachträglich aktivierbaren Lautsprecher in Verbindung mit einer kleinen Vor- Endstufenkombination in die Welt des HiFi einsteigt, kann zuerst das BiAmping und später die Aktivierung vornehmen. Durch das spätere Austauschen oder Ersetzen einzelner Komponenten, notfalls auch der Lautsprecher selbst, ist jederzeit ein Aufwachsen der Anlage oder wieder das Rückrüsten auf ein kleineres Gesamtsystem möglich. Statt, wie bei der Aktivbox, dem Hörgeschmack des Entwicklers unterworfen zu sein, ist generell eine klangliche Veränderung durch gezieltes Tauschen der Einzelkomponenten möglich.

 

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Die Aktivierung sollte man entweder vom versierten Fachmann vornehmen lassen oder Schritt für Schritt selbst in aller Ruhe vornehmen. Das zentrale Element stellt nun die Aktivweiche dar, die wieder sauber ausgephast zwischen der Vor- und den Endstufen geschalten wird. Die Weiche muss grundsätzlich den Anforderungen des Lautsprechers in Hinblick auf die Trennfrequenz entsprechen. Da ein Angebot für aktive Weichen von einer überschaubaren Menge an Herstellern angeboten wird, gibt es häufig eine Vielzahl an passenden Weichen auch für Lautsprecher anderer Hersteller. Beim Anschließen muss man auf die richtige Polung an den Eingängen wie auch Ausgängen der Verstärker und an den Lautsprechern achten, noch mehr beim Anschluss der Hochtöner. Erwischt man versehentlich die für den Bass vorgesehene Endstufe ist der berühmte Paukenschlag bei einem Probehören unter Umständen schon sein letzter. Die nun ungeschützte feine Schwingspule des Hochtonchassis wird nicht nur elektrisch sondern auch mechanisch irreparabel beschädigt. Daher sollte man erst NACH dem Anschließen aller Komponenten und dem obligatorischen Probehören die Frequenzweichen aus den Lautsprechern entfernen. Hat der Hersteller die Aktivierung seines Lautsprechers vorgesehen, ist die Weiche in der Regel einfach zugänglich und kann entweder entfernt oder überbrückt werden. In einigen Fällen kann man eine Pegeljustage für die einzelnen Zweige vornehmen. Dabei sollte man die vom Hersteller gegebenen Empfehlungen befolgen oder diese Option nutzen, um die Lautsprecher ausmessen und Weichenseitig einpegeln zu lassen. Unbedingt befolgen muss man die Empfehlung für die einzusetzenden Endstufen. In einigen Fällen werden, wie beim BiAmping, identische Endstufen benötigt. Das erscheint auf den ersten Blick unlogisch, da der Energiebedarf eines Hochtöners erheblich kleiner ausfällt als bei einem Tieftöner. Aber hier wie da ist die Lautstärkeregelung das Problem. Wenn, wie in einigen wenigen Fällen, der Pegel pro Zweig individuell einstellbar und gleichläufig zu den anderen Zweigen erfolgen kann, ist eine Abweichung möglich und man kann Endstufen unterschiedlicher Leistung einsetzen. Dies muss man aber unbedingt vorher in den Unterlagen und Empfehlungen des Herstellers prüfen.

 

Fazit

Vom Minimalsystem CD-Spieler, Vollverstärker und Lautsprecher per SingleWiring bis zur komplizierten Aktivierung mit einem Mehrwegesystem ist an einem MultiWiring Terminal eines Lautsprechers alles möglich. Für welche Variante man sich tatsächlich entscheidet hängt nicht nur vom eigenen Hörgeschmack sondern auch von der Experimentierfreude ab. Daneben spielt der finanzielle Aspekt sicher auch eine Rolle bei der Wahl der Kontaktierung. Wer klein einsteigt und hoch hinaus möchte sollte die Aktivierung fokussieren und dies schon bei der Anschaffung der Grundkomponenten berücksichtigen. Sie bietet durch ihr flexibles Konzept die meisten klanglichen Steigerungsmöglichkeiten und bietet gegenüber einem geschlossenen Aktivkonzept mehr Gestaltungsspielraum beim Erreichen eines persönlichen klanglichen Zieles. Aber das sollte ohnehin bei jeder Anlage, gleich welcher Ausbaustufe, im Vordergrund stehen.