
von Thomas Beierlein
Nichts entzweit die HiFi- Gemeinde manchmal mehr als ein mit Blechbrücken bewehrtes BiWire- Anschlussfeld auf der Rückseite eines Lautsprechers. Richtig kritisch wird es zuweilen bei TriWire- Anschlussfeldern. Grund genug also, sich mit diesen einmal näher auseinander zu setzen und gleichzeitig zu beleuchten, was sich die Hersteller eigentlich dabei gedacht haben und welche Möglichkeiten aber auch Fallstricke sich für den experimentierfreudigen Nutzer dabei ergeben.
Früher war ja bekanntlich alles ganz einfach: Boxen aus dem Karton geholt, aufgestellt und mit den lautsprecherseitig fest angebrachten Kabeln am Verstärker mit den bereits vormontierten Steckern verbunden - fertig. Verpolen? Ausgeschlossen, die Stecker und Anschlüsse waren per Diodenstecker und passender -buchse codiert. Wenn hier etwas schief lief war eindeutig der Hersteller schuld.
Irgendwann allerdings setzte ein Umdenken ein und Lautsprecherboxen hatten plötzlich Klemmanschlüsse und auch an Verstärkern tauchten Klemm- oder Schraubterminals auf, zunehmend in doppelter Ausführung auf beiden Seiten. Je größer und wuchtiger sie waren umso potenter und leistungsfähiger schienen sie zu sein - soweit die Suggestion. In dieser Hinsicht habe ich die damit verbundenen Beipackstrippen (nicht nur bei den Lautsprechern) nie wirklich verstanden, insbesondere, wenn diese Pfennigartikel einem sündhaft teueren Gerät beilagen und ohnehin chronisch zu kurz waren. Da war ein "Aufrüsten" alleine schon aus ästhetischen und praktischen Gründen bereits vorprogrammiert. Die leidgeprüften Ohren haben es sicher auch vielfach gedankt, denn dass man mit einem besseren Kabel erheblich am Klang "schrauben" kann hat sich ja eindeutig herum gesprochen - und im Preis niedergeschlagen.
Heute ergeben sich dank der anschlussfreudigen Terminals ein weites Feld der Verbindungsaufnahme zwischen Verstärker und Lautsprecher:
Jede einzelne Maßnahme über das SingleWiring hinaus kann einen Lautsprecher klanglich ein Stück voran bringen und bietet dem Nutzer die Möglichkeit, mit einem verhältnismäßig überschaubaren finanziellen Aufwand eine Verbesserung seiner Kette zu erlangen. Allerdings verlangen alle Maßnahmen nach einem kritischen Probehören, denn nur wenn der Lautsprecher und die Elektronik für eine solche Verbesserung empfänglich sind, wird sich auch ein Effekt einstellen. Ob dieser dann eine wirkliche Verbesserung darstellt, muss im Einzelfall begutachtet werden. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass gerade über BiWiring kontrovers diskutiert wird, insbesondere, da die Fehlerträchtigkeit mit zunehmendem Aufwand steigt. Die Königsdisziplin stellt deshalb eindeutig die Aktivierung eines Lautsprechers dar, weil konstruktive Merkmale am Lautsprecher wie auch an der eingesetzten Elektronik erfüllt sein müssen, um sinnvoll umgesetzt werden zu können. Blinder Aktionismus zieht einen erheblichen Gerätefuhrpark nach sich, der sich finanziell niederschlägt und bei trotzdem bei ungeeigneten Geräten nicht zur erwünschten klanglichen Verbesserung führt.
SingleWiring
Die technisch betrachtet einfachste Verbindung zwischen Verstärker und Lautsprecher ist das SingleWiring. Ein Kabel verbindet den jeweiligen Plus- und Minuspol des Verstärkers mit dem des Lautsprechers. Durchgesetzt hat sich zur Vereinfachung eine farbliche Codierung der Anschlussstecker der jeweiligen Pole: Rot für Plus und schwarz für Minus. Zusätzlich sind die Plusleitungen der Kabel mit einer Markierung oder Riffelung kenntlich gemacht, um eine saubere und richtige Konfektionierung zu gewährleisten. Es mag banal klingen, aber im Eifer des Gefechts besteht durchaus die Gefahr eines Verpolens durch falsches Anschließen auf Seiten des Verstärkers oder der Lautsprecher, manchmal auch verursacht durch eine versehentlich falsche Konfektionierung und damit falsche farbliche Codierung der Stecker. Ein einseitiges Verpolen macht sich gravierend im Klang bemerkbar weil der Bass fast vollständig ausgelöscht wird und wird daher schnell erkannt und beseitigt. Etwas diffiziler sieht es aus, wenn man sich konsequent an beiden Lautsprechern verpolt. Wie die anderen Geräte der Anlage müssen auch diese korrekt ausgephast sein, da auf dem heißen (Plus-) Leiter die regelnden Bauteile der Frequenzweiche liegen und wirken. Besonders Weichen höherer Ordnung reagieren auf eine falsche Phase mit Klangverfärbungen, weil sie letztlich um 180 Grad versetzt angesprochen werden und dadurch die Regelglieder zur Filterung und gegebenenfalls Impedanzkorrektur nicht mehr wie vorgesehen sauber funktionieren und die Drift zwischen den einzelnen Treibern zu den 180 Grad noch um die Verschiebungen durch die Weichenbauteile weiter verstärkt wird. Zu einer Beschädigung am Lautsprecher oder am Verstärker wird es aber glücklicherweise nicht kommen.
Ist das Kabel richtig angeschlossen stellt es mit seinen Parametern genau genommen einen ausgelagerten Teil des Verstärkers dar. Diese Parameter sind messbar und nicht pauschal vernachlässigbar, da sich zum Beispiel mit zunehmender Kabellänge und abnehmenden Querschnitt die Impedanz und sich somit die Verlustleistung des Kabels erhöht. Unter diesem Gesichtspunkt haben sich viele Hersteller mittlerweile zum Vollsortimenter gemausert. Sie bieten neben Verstärkern und Lautsprechern auch eigene Kabel an und nicht selten mit einer Empfehlung für einen bestimmten Kabelquerschnitt und -länge. Das sollte man nicht unbedingt als puren Eigennutz des Herstellers ansehen, um den eigenen Kabelverkauf anzukurbeln sondern bedeutet bei konsequent arbeitenden Entwicklern nur, dass man genau diese speziellen Parameter bei der Entwicklung des Verstärkers und der Lautsprecher mit einbezogen hat, um ein bestimmtes klangliches Resultat zu erzielen. Dieses kann mit den hauseigenen Kabeln bereits so gut ausfallen, dass man sich die "Spielerei" an einem MultiWiring Anschlussterminal oder mit anderen Kabeln am Lautsprecher ersparen kann und entweder die Blechbrücken dran lässt oder diese lediglich gegen eine konfektionierte Kabelbrücke austauscht. Schon diese Maßnahme wird klanglich nicht selten heftig diskutiert: Die Einen hören rein gar keinen Unterschied, die Anderen die berühmten Welten - wie auch immer, ein fader Beigeschmack bleibt an den Blechbrücken gerade teurer Lautsprechern irgendwie immer hängen, so dass zumindest aus dieser Sicht deren Austausch als gerechtfertigt erscheint.
Der eigene Hörgeschmack kann und darf aber von dem des Entwicklers abweichen, so dass sich bereits im SingleWire Betrieb ein weites Feld zum klanglichen Probieren durch Einsetzen anderen Kabelmaterials, -querschnitts und -länge eröffnet. Gerade die Materialwahl bietet die Möglichkeit, eine andere Timbrierung des Klangs zu erzielen. Zudem ist der Einsatz von Steckern aus unterschiedlichen Materialien oder Beschichtungen ein Probehören wert, denn auch sie können den Klang durch verminderte Kontaktwiderstände, entstehend durch das eingesetzte Material, leicht beeinflussen - wobei bei den Anschlusssteckern im Vordergrund eine dauerhaft oxidationsfreie Kontaktierung stehen sollte.
Vollverstärker:
Dussun V8
Audiochina GmbH
www.dussunpower.org
UVP: 1.200 EUR
Equipment:
Quelle:
Audiomeca Obsession II
Creek Destiny
Verstärker:
Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C
Lautsprecher:
Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta
Kabel:
NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF
LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema