
von Kai Dippe
Zwanzig Jahre ist es glaube ich her - oh Gott, wie schnell die Zeit vergeht -, dass mich der Zauber der Hifi-Welt in seinen Bann zog. Eifrig las ich damals diverse Hifi Magazine, hörte viel Musik und träumte von neuen, besseren Komponenten. Und so kam es, dass ich mir eine kleine Musikanlage zusammenstellte. Klein bezog sich natürlich nur auf den Preis, ausgewachsene Standboxen mussten es natürlich schon sein. Anfangs war alles ganz in Ordnung, doch mit der Zeit schlich sich dann eine gewisse Unzufriedenheit ein. Irgendetwas fehlte, so richtig gefiel mir dass Ganze noch nicht und so kamen neue, teurere und ja, ja, noch größere Boxen - deren Klangvolumen die Größe meinen damaligen Hörraums bei weitem überstieg - und ein besserer Verstärker mit viel mehr Leistung ins Haus. Auch das ging eine Weile, ich ertrug es doch ganz gut - rückblickend erscheint es mir heute als eine große Leistung von mir, solange mit diesem Klang gelebt zu haben. Ein gewisses Schmunzeln überkommt mich noch heute, bei der ein' oder anderen Erinnerung. Zum Lachen war mir damals allerdings nicht zumute.

Die Kombination aus Stein und Holz als Stellfläche hat sich bewährt.
Etwas läuft schief bei der ganzen Sache, dachte ich mir - ich war total unzufrieden. Ich vermisste etwas beim Musikhören. Das sich Einlassen auf die Musik fiel mir zunehmend schwerer. Wo der Fehler lag, war mir damals allerdings nicht klar. Eine Musikkassette bespielt mit Pearl Jam's Ten, geliehen von einem guten Freund - ich selbst, besaß solch' harte Musik damals noch nicht, vielmehr waren Klassik und eher ruhigere Sachen meine bevorzugten Musikstile - und das oben erwähnte Küchenradio brachten mich - dem Himmel sei Dank -, auf die richtige Fährte. Dieses Küchenradio, - ein alter Stern Radiokassettenrekorder (leider nicht der mit dem Holzgehäuse - einige von Ihnen erinnern sich bestimmt an dieses Superteil), stand bei uns in der Küche und verrichtete dort unauffällig seinen Dienst. Tja, was soll ich sagen, die auf diesen Ding abgespielte Musik von den 5 harten Jungs aus Seattle kam derartig gut rüber, dass ich mich häufig beim Mitpfeifen, Mitsingen und natürlich, beim Spielen einer Luftgitarre erwischte. Wow, richtig gute, harte Musik. Einige Tage später landete die neu gekaufte CD in meinen Player und das Hören dieser Band, über meine "große" Anlage brachte mich dann gehörig ins Grübeln.

Ein LP12 und Lingo hat sich später noch dazu gesellt und fügt sich harmonisch ein.
Es machte überhaupt keinen Spaß!!!
Klar, die Klangqualität der Aufnahme ist nicht die beste, aber es war doch alles da, Räumlichkeit, Ortung der Musiker, Bass, Höhen usw., alles o.k. Also woran lag es, dass der Funke nicht so richtig überspringt? Nein, die so genannten Hifi-Kriterien können's nicht sein, von diesen Dingen kam über den Stern so gut wie gar nichts rüber. Die Seele der Musik, das worauf es wahrscheinlich wirklich ankommt, ließ er allerdings ungehindert durch.
Es dauerte noch einige Zeit, bis ich reif für Naim war, bis dahin probierte ich noch so einiges aus. Irgendwann war es dann soweit, einer inneren Eingebung folgend, vereinbarte ich einen Hörtermin bei meinem lieben Naim Händler. Naim kam für mich bisher überhaupt nicht in Frage, ich fand die Geräte ausgesprochen hässlich, DIN Anschlüsse mochte ich auch nicht besonders und außerdem, haben die Verstärker viel zu wenig Leistung. Aber na ja, was hab ich schon zu verlieren, ein Versuch ist es wert, schließlich hörte ich immer wieder, dass man regelrecht süchtig werden kann, nach diesen Sound. 'Wollen doch mal sehen (hören). So landete ich dann auf des Händlers Sofa, meine Freundin neben mir, vor mir aufgebaut eine "mickrig kleine" Naim Anlage bestehend aus Nait 3 R, CD 3.5 und den Credos.

Die Credos stehen in meinem Hörraum dicht vor der Wand.
Eine meiner mitgebrachten Lieblings CDs rotierte im Player. Den Anfang machte Kate Bush's Moving. Nun gut, los geht's. Mein erster Eindruck - Klasse, herrlich lebendig und spielfreudig. Ich war total begeistert. Mein tiefstes Inneres rief Jaaa, das ist es, genau das hast du die ganze Zeit gesucht und sehr vermisst'. Die Seele in der Musik blieb erhalten. Der Händler ließ uns noch eine weile in Ruhe alleine weiterhören und kam dann, nach einiger Zeit zurück in den Hörraum. Seine erste Frage an uns war, 'Na wie gefällt euch denn das Küchenradio'? Hm, äh, - ich dachte ich hör' nicht richtig, blitzartig schossen Erinnerungen hoch - wenn der Mann wüsste ... Dann meldete sich der Verstand zurück und wollte noch einen kurzen, zugegebenermaßen unfairen Vergleich mit der im Nebenraum aufgebauten, großen Anlage, bestehend aus etwa 50000 DM schweren Geräten anderer Hersteller. Es erklangen wieder Musikstücke von Kate Bush und Werke von J. S. Bach. Mein Eindruck - alles Perfekt, aber irgendwie seltsam langweilig . Die Seele, wo ist sie?
Tja, nun steht sie hier bei mir, meine geliebt kleine Naim Anlage, macht wunderbar Musik, lässt mich die so genannten Hifi Kriterien vergessen und die Technik sowieso. Verstehen sie mich bitte nicht falsch. Alle, des High Enders geliebten Dinge kann sie auch, aber, sie lenkt die Aufmerksamkeit immer wieder zurück zum Wesentlichen, und das ist die Musik. Noch ein weiteres Phänomen fällt mir immer wieder auf, wenn ich jetzt Musik höre.
Ich komme mit der Freude des Seins in Kontakt. Da ich mich jetzt leichter auf die Musik einlassen kann , meine Aufmerksamkeit also ungehindert bei ihr verweilt, der Verstand, d.h. das ununterbrochene Nachdenken über die Technik und andere Dinge, jetzt immer mehr zur Ruhe kommt , offenbart sich nun eine Freude ungeahnten Ausmaßes. Grenzen zwischen der Musik und mir verwischen - kennen Sie das auch? Ich bin mir natürlich bewusst, dass es letztendlich etwas mit hoher Konzentration, dem Verweilen im gegenwärtigen Augenblick und der damit verbundenen verminderten Verstandesaktivität zu tun hat und, sich diese Freude auch bei allem was man mit Hingabe tut, zeigen kann. Trotzdem ist es doch wunderbar, wenn einen die Technik den Zugang zur Freude des Seins ein wenig erleichtert. Oder?
Kurz und gut, ich bin nun seit einigen Jahren mit meiner Anlage sehr zu frieden, konnte einigen Verbesserungsversuchen erfolgreich widerstehen und genieße einfach die Leichtigkeit des Seins (Musikhörens).
Vollverstärker:
Dussun V8
Audiochina GmbH
www.dussunpower.org
UVP: 1.200 EUR
Equipment:
Quelle:
Audiomeca Obsession II
Creek Destiny
Verstärker:
Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C
Lautsprecher:
Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta
Kabel:
NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF
LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema