Die verwendeten Lautsprecherchassis stammen vom israelischen Hersteller Morel. Mir stellt sich die Frage, ob die Chinesen die Chassis wirklich aus Israel importieren oder ob Morel längst in China produziert und die Chassis somit im Inland bezogen werden. Egal, auf jeden Fall kommen hier Lautsprecherchassis erster Güte zum Einsatz.
Für den Bassbereich ist das 16 cm Chassis MW166 zuständig. Das Chassis hat eine Kunststoffmembran aus DPC. Ich vermute, es handelt sich um einen dem Polypropylen ähnlichen thermoplastischen Werkstoff. Angetrieben wird die Membran von einer 75 mm durchmessenden Schwingspule - für ein 16 cm Chassis riesig. Eine konstruktive Besonderheit des Chassis ist, dass der Magnet innerhalb der Schwingspule angeordnet ist. Damit der im Vergleich zur Schwingspule kleine Magnet genug Energie aufbringt um die recht schwere Membran-Schwingspuleneinheit anzutreiben, hat man bei Morel gleich zwei Magnete, also einen Doppelmagneten verwendet. Die Schwingspule aus Aluminiumdraht ist auf einen ebenfalls aus Aluminium bestehenden Schwingspulenträger gewickelt - hier wollte man wohl Masse sparen. Um möglichst viel Strom in Antriebsenergie umzusetzen, kam bei der Schwingspule die von Morel entwickelte "Hexatech"-Technik zum Einsatz: Der Draht der Schwingspule hat einen sechseckigen Querschnitt, wodurch eine höhere Packungsdichte der Drahtwicklungen möglich ist. Das hilft letztendlich, die Verstärkerleistung besser zu nutzen. Trotz dieses Aufwandes ist der Wirkungsgrad des Chassis eher durchschnittlich. Da Morel eine Impulsbelastbarkeit von 1000 Watt für den Tiefmitteltöner angibt, kann ein üppig dimensionierter Verstärker sicher nicht schaden.
Der Hochtonbereich ist mit der 28 mm durchmessenden Gewebekalotte DMS 32S bestückt. Der Magnet des Chassis wird von einem Plastiktopf umschlossen, so dass dem Hochtöner ein eigenes kleines Gehäuse zur Verfügung steht. Nicht zuletzt deshalb hat die Kalotte eine recht niedrige Resonanzfrequenz. Die Alu-Schwingspule ist, wie beim Tiefmitteltöner, in Hexatech-Technik auf einen Aluminiumträger gewickelt. Das Chassis macht einen erstklassigen Eindruck. Die technischen Daten und Messwerte, die das Datenblatt preisgibt, sind mustergültig.
Zusammengefasst kommen hier zwei ausgesprochen hochwertige, konstruktiv aufwendige Lautsprecherchassis zum Einsatz. Um mit diesem Material keine halbwegs anständig klingenden Lautsprecher zu konstruieren, müsste böse Absicht dahinter stecken.
Diese böse Absicht ist beim Lautsprechergehäuse nicht zu erkennen. Auch hier kommt geballtes technisches Know-how zum Tragen. Die Chassis sind in Bassreflexgehäuse von ca. 15 Litern Nettovolumen eingebaut. Seitenwände und Deckel der Box sind dabei nicht gerade, sondern gebogen. Dies verhindert parallele Gehäuseflächen, zwischen denen sich akustische Resonanzen aufbauen könnten. Die Schallwand ist abgestuft, damit der Schall beider Chassis zeitgleich beim Hörer ankommt: Der horizontale Versatz der schallabstrahlenden Flächen - der Konus der Tieftonmembran ist nach innen gewölbt und ragt in den Lautsprecher hinein, wogegen die Kalottenmembran des Hochtöners nach vorn herausragt - wird durch die Stufe der Schallwand ausgeglichen.

Alles in allem machen auch die Gehäuse der BD 1N einen sehr durchdachten und wertigen Eindruck. Den hinteren Abschluss des Gehäuses bildet ein elegant gerundetes Formteil. Hier finden sich die einzigen zwei Kritikpunkte, die ich anbringen kann: Der Übergang von besagtem Formteil in das ebenfalls auf der Rückseite sitzende Bassreflexrohr ist etwas "rau" geraten - die Verklebung wirkt unsauber. Dazu wurde als Bassreflexrohr ein simples Papprohr eingesetzt. Funktionsmäßig ist dagegen nichts einzuwenden, aber angesichts des sonst sehr hochwertigen Eindrucks, den die Lautsprecher machen, fällt dieses Detail auf. Mein zweiter Kritikpunkt sind die Lautsprecherklemmen.

Sie sind vergoldet und sehen edel aus. Mit Bananensteckern oder Kabelschuhen gibt es keine Anschlussprobleme. Da ich aber nichts Gutes darin sehe, eine Quetschverbindung - die zwischen Kabel und Lautsprecherklemme - durch zwei - zwischen Kabel und Kabelschuh / Stecker und Stecker und Lautsprecherklemme - zu ersetzen, schraube ich Kabel gern direkt an die Lautsprecher. Die Bohrungen, die die Schraubklemmen der BD 1N aufweisen, sind aber zu klein, um vernünftige Kabel direkt aufzunehmen. Sie reichen gerade einmal für Kabel mit einem Querschnitt von 4 mm².
Bei der Frequenzweiche, die das ankommende Musiksignal auf die beiden Chassis einer Box aufteilt, handelt es sich ein 12 dB Filternetzwerk. Ein Spannungsteiler vor dem Hochtöner passt noch den Wirkungsgrad der Hochtonkalotte an den des Tieftöners an. Die Trennfrequenz dürfte zwischen 1500 und 2000 Hz liegen. Da die Frequenzweiche ansonsten keinerlei Schaltungstricks aufweist, kann man davon ausgehen, dass die eingesetzten Lautsprecherchassis ihre Arbeit hervorragend erledigen.