
von Martin Mertens
Es gibt Lautsprecher, die sind Legenden - etwa eine Tannoy Westminster Royal oder eine JBL Paragon. Es gibt oder gab sie wirklich, viele kennen sie dem Namen nach, kaum einer hat sie je wirklich gehört oder zu Gesicht bekommen. Und es gibt Lautsprecher, die sind Mythen. Während sich Legenden oft auf eine historische Figur oder ein konkretes Ereignis beziehen, erzählen Mythen meist von allgemeingültigen Ur-Erfahrungen und Archetypen - Ereignisse oder Figuren aus dunkler Vor-Vergangenheit, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen und sich bis in die Gegenwart verfolgen lassen. Ein Mythos ist "zeitlose immer-Gegenwart", wie Thomas Mann es formuliert hat. Mythen, gemeinsame Geschichten und Erfahrungen auf die man sich berufen kann, bilden häufig den ideologischen Hintergrund von Stammesgesellschaften oder Glaubensgemeinschaften.
Auch in der Hi-Fi Gemeinde existieren solche Mythen. Einer dieser Mythen erzählt vom Ursprung kleiner, audiophiler Monitorlautsprecher, die vielfach größere Lautsprecher durch Ausgewogenheit und Musikalität düpieren. Es handelt sich quasi um die audiophile Variante der David/Goliath Erzählung. David heißt in diesem Fall "LS 3/5A". Er entstammt nicht dem Geschlecht Juda sondern der BBC und seinen Ruhm verdankt er nicht seinen Siegen gegen die Philister sondern seinen Erfolgen bei englischen Adelsgeschlechtern des Lautsprecherbaus wie Harbeth, Spendor oder Rogers - um nur einige zu nennen.
Der Ursprung eines Mythos ist meist nicht zu klären - berichten Mythen doch selber meist von Ursprüngen. Nicht selten gibt es verschiedene Geschichten, die sich um einen Mythos ranken. Der Ursprung des LS 3/5A Mythos lässt sich recht konkret fassen: London in den 1960er Jahren. Bei der BBC betreibt man Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Akustik und der qualitativ hochwertigen Aufnahme und Wiedergabe von Ton. Hier beginnen die Geschichten vieler berühmter Lautsprecher. Und hier beginnen die Geschichten um den Lautsprecher 3/5A.
Eine Geschichte erzählt, dass der LS 3/5A ursprünglich als Lautsprecher für akustische Simulationen mit 1/8 Modellen entwickelt wurde. Da man für raumakustische Experimente nicht immer riesige Räume zur Verfügung hat, ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, mit verkleinerten Modellen zu arbeiten. Verkleinert man die räumlichen Maßstäbe um 1/8, muss man die zu untersuchenden Frequenzen um das achtfache erhöhen. Will man also das Verhalten einer 50 Hz Schwingung in einem 10 Meter langen Raum untersuchen, kann man im Experiment auch mit einer 400 Hz Schwingung in einem 2 Meter langen Raum arbeiten. Die Ergebnisse sind dann auf die Originalmaße übertragbar. Angeblich wurde die Urversion des LS 3/5A für eine solche Anwendung konstruiert. Der Lautsprecher musste klein sein, um im Modell nicht zu viel Platz einzunehmen. Für die Versuchszwecke reichte es aus, wenn der Lautsprecher ab etwa 400 Hz Schall wiedergeben konnte. Die Geschichte erzählt, dass man das Lautsprechermodell auch mit normaler Musik gehört habe und erstaunt gewesen sei, wie gut es klang. Darauf habe man ein paar Veränderungen vorgenommen, so dass der Lautsprecher Frequenzen bis etwa 100 Hz hinunter wiedergeben konnte und der LS 3/5 war geboren.
Vollverstärker:
Dussun V8
Audiochina GmbH
UVP: 1.200 EUR
Equipment:
Quelle:
Audiomeca Obsession II
Creek Destiny
Verstärker:
Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C
Lautsprecher:
Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta
Kabel:
NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF
LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema