
Eine Anpassung der Überträger an die Lautsprecherimpedanz - die meisten Röhrenverstärker verfügen zu diesem Zwecke meist über zwei Abgriffe an den Ausgangstrafos, die an eigenen Lautsprecherklemmen für vier oder acht Ohm Boxen herausgeführt werden - ist beim Orchestra nicht vorgesehen. Die Bedienungsanleitung verkündet, dass der Verstärker an Lautsprechern mit einer Impedanz zwischen 1 und 16 Ohm betrieben werden kann.
Klang
Ich traue es mich kaum zu schreiben, aber zum Einspielen und bis im Wohnzimmer Platz für den Orchestra geschaffen war habe ich den Verstärker im Arbeitszimmer benutzt, um meine Computerlautsprecher (JBL Control One) zu betreiben. Haben sie sich schon mal mit den klanglichen Unterschieden zwischen Media Player und Winamp beschäftigt ...
Dann durfte der Orchestra sich an meinen Expolinear T 120 aufwärmen. Jadis empfiehlt hier eine Stunde. Ich lege von La Chicana "tango agazapado" in den Player. Tangorhythmen, Gitarren und eine seichte Stimme sollten bekömmliche Kost für einen Röhrenverstärker in der Aufwärmphase sein. Beim vierten Stück, der "Milonga de los perros", kommt der Orchestra bereits in Fahrt. Die Gitarrenläufe perlen wunderschön, sind schnell, ja fetzig, haben Kontur. Heimspiel für einen Röhrenverstärker. Doch was ist das? Die Stimme der Sängerin Dolores Solá hat auf einmal Tiefe und Ausdruck - das war mir bisher verborgen geblieben. Ich habe mich immer gefragt, warum diese Frau Tangos singt. Aber ausgerechnet bei einer Milonga muss sie pathetisch werden. Wie unpassend. Doch nein, beim genauen Hinhören vermittelt der Orchestra nicht nur, dass diese Stimme mir bisher verborgene Ausdrucksmöglichkeiten hat, er vermittelt auch den winzigen Schalk im Ausdruck der Sängerin - man meint ihn förmlich in ihrem Auge aufblitzen zu hören. So macht das Stück wieder Sinn. Abbitte, Señora Solâ!
Gut, die Französin mag Tangos. (Wie komme ich eigentlich auf einmal darauf, dass dieser Verstärker weiblich sein muss?) Soll sie haben. Nach den eher am klassischen Tango eines Carlos Gardel orientierten La chicana -hier mag es gewisse Affinitäten bezüglich des Geburtslandes geben, Gardel wurde auch in Frankreich geboren - jetzt Astor Piazolla. Beim "Libertango" scheint die Orchestra Betriebstemperatur zu haben. So tief konnte ich bisher nie in das komplexe musikalische Geschehen des Stückes eintauchen. Feine Nuancen, die sonst eher wie verstörende Elemente wirkten, haben auf einmal einen Sinn, bilden Zusammenhänge, die ich sonst nicht einmal erahnt habe. Wow. Die Orchestra mag wirklich Tangos. Und wie war das mit Stimmen? Nachdem ich mit wachsender Begeisterung diverse Jazzplatten, bevorzugt Frauenstimmen, durchgehört habe, lande ich bei Rossinis "Petite messe solennelle". Bei der von mir bevorzugten Aufnahme handelt es sich um eine von einem kleinen, audiophilen Label, Tacet, produzierte Kunstkopfaufnahme. Rossinis eigenen Kommentar zu seinem Spätwerk möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
"Zwölf Sänger und drei Geschlechter: Männer, Frauen und Kastraten werden zur Aufführung genügen, also acht für den Chor, vier für die Soli, im Ganzen zwölf Cherubim. Gott verzeihe mir folgende Zusammenstellung. Zwölf sind auch die Apostel in der berühmten Kinnbackenhandlung, die Leonardo als Fresko gemalt hat, das so genannte Abendmahl. Wer sollte es glauben! Es gibt unter deinen Jüngern welche, die falsche Noten singen!! Herr, beruhige dich, ich versichere, bei meinem Frühstück wird es keinen Judas geben, und meine Jünger werden richtig und mit Liebe deine Lobpreisungen und diese kleine Komposition singen, die leider die letzte Todsünde meines Alters ist. Lieber Gott - da ist die arme, kleine Messe beendet. Ist es wirklich heilige Musik, die ich geschrieben habe, oder am Ende gar eine Musik des Teufels? Ich bin für die komische Oper geboren, du weißt es wohl. Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies."